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PRAXISTEST: GUT GERÜSTET GEGEN ZÄHNE


SAUEN - epaper ⋅ Ausgabe 20/2018 vom 09.10.2018

HUNDESCHUTZWESTEN gehören zur Standardausrüstung der Hundeführer, die mit ihren Vierläufern auf Sauen jagen. Was am Markt befindliche Westen wirklich leisten, das sollte durch einen ausführlichen Vergleichstest herausgefunden werden. Hier das Ergebnis.


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Bildquelle: SAUEN, Ausgabe 20/2018

Gut geschützt: Heutzutage gehören Hundeschutzwesten zur Standardausrüstung von auf Sauen jagenden Hunden.


Die Sicherheit unserer Jagdhunde steht neben der der Jagdteilnehmer noch vor dem Jagderfolg an erster Stelle. Jeder Hund, der am Schwarzwild jagt und eine gewisse Schärfe zeigt, sollte stets mit einer Schutzweste arbeiten. Der Markt bietet hier eine ...

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... Vielzahl an Modellen. Welche wirklich schützen und die Hunde nicht einschränken, soll dieser Test zeigen. Einen solchen Test möglichst praxisnah durchzuführen, gestaltete sich als gar nicht so einfach. Nicht alle Hersteller von Hundeschutzwesten wollten ihre Produkte zur Verfügung stellen, oder sie wollten diese lediglich zur Ansicht schicken. Eine Weste aber kann vom reinen Anfassen und ausschließlichen Ansehen in keiner Weise beurteilt werden. Vorgestellt werden hier also nur solche Westen, die auch tatsächlich erprobt werden konnten. Weitere Probleme sind die Hunde als Hauptakteure. Mit einer Weste ausgestattet, bedeutet das noch lange nicht, dass die Weste auch eine ganze Saison überprüft werden kann. Ein Hund erkrankte nach wenigen Arbeiten in der Weste und musste schließlich eingeschläfert werden. Ein anderer erlitt mehrfach schwere Verletzungen durch Schwarzwild im Bereich der Keulen, die auch eine Weste nicht hätte verhindern können, und fiel hierdurch zeitweise aus.

DORNEN UND KEILER

Die Westen müssen im Jagdbetrieb allerhand Belastungen standhalten, neben Abrieb und Dornen müssen durchstoßende Keilerangriffe verhindert werden, gleichzeitig darf die Weste nicht behindern, den Hund einschränken oder gar zu Scheuerstellen führen, die sich entzünden könnten. Die Westen müssen waschbar sein und sollen auch nach vielen Einsätzen eine sehr gute Sichtbarkeit aufweisen. Das Anlegen muss einfach und schnell gehen. Nach all diesen Kriterien kann eine Weste bewertet werden, was hier anhand von fünf Modellen durchgeführt wurde.

MÜLLER FOX

Urgestein: Die Westen von Müller Fox sind lang bewährt.


www.hundeschutzjacke.de • je nach Größe 250–420 Euro

Der Titan im Test ist schon lange am Markt und vielfach bewährt. Die Weste wird maßgeschneidert nach den Angaben des Kunden, die Passform war somit auf Anhieb sehr gut. Die Verarbeitung der Nähte war professionell ausgeführt. Die Weste war die einzige im Test, die gesteppt ist. Der erste Eindruck war sehr gut. Die Sichtbarkeit des rot/pinken Oberstoffs ist sehr gut. Das Anlegen der Weste geht von Anfang an schnell von der Hand und bereitet keine Probleme. Die Bewegungsfreiheit des Hundes ist leider durch den Kragen eingeschränkt, da selbiger sehr schnell auf den Kehlkopf drückt. Durch den angebrachten Klettverschluss wird der Hund zur Arbeit mit hoher Nase gezwungen, was sich gerade im Test an einem Hannoverschen Schweißhund als nachteilig bemerkbar machte. Die Weste hat ein für große Hunde gutes Gewicht. Alle wichtigen Bereiche sind sehr gut geschützt. Der Stichschutz stellte sich im Test als einer der geringsten heraus. 20 Newton hielt die Weste noch gut stand, bei 30 Newton wurde sie durchstochen.

NACH MASS ODER STANGE

Neben maßgeschneiderten Westen bietet der Fachhandel auch Westen in Universalgrößen von der Stange. Diese sind meist günstiger und eignen sich vor allem für Junghunde im Wachstum, bevor eine teure Maßweste gekauft wird. Lediglich eine Weste im Test – Dog Tech – ist von der Stange. Eine weitere Stangenweste, die getestet werden sollte, passte leider keinem der zur Verfügung stehenden Hunde.

DIE STICHSCHUTZWERTE

Viele Hersteller werben mit Werten wie „800 N“ oder „1.600 N“ bzw. „zertifiziert nach DIN ISO XXXXX“. Diese Werte haben jedoch nahezu keine Aussagekraft, außer der Vergleichsmöglichkeit einzelner Hersteller, die nach gleichem Verfahren geprüfte Stoffe verwenden. Warum diese Werte keine Aussagekraft haben? Weil hier die Stichschutzeinlagen nach Vorgaben für den Fechtsport getestet werden. Hierzu wird eine abgebrochene Florettklinge von zwei mal zwei Millimetern verwendet. Die Stoffe halten dieser somit bis zu den angegebenen Werten stand. Leider ist ein Keilerzahn jedoch keineswegs mit einer abgebrochenen Florettklinge vergleichbar. Er ist spitz mit einem gewissen individuellen Radius sowie an einer Kante extrem scharf geschliffen – ähnlich einer Rasierklinge. Durch die Schleifkante kann der einmal durchstochene Stoff sehr schnell durch den folgenden Schnitt geöffnet und somit erweitert werden, was ein tieferes Eindringen des Zahns ermöglicht.

Keiler-Guillotine: So lassen sich die Schutzwesten unter realistischen Bedingungen testen.


Durchstich: Mit der Keiler-Guillotine lässt sich die genaue Widerstandsfähigkeit bestimmen.


DIE TESTVERFAHREN

Sämtliche Testverfahren sind nicht direkt miteinander vergleichbar, da die Auftreffenergie in Newton zwar feststeht, aber das Zielmedium nicht immer dasselbe ist. Je elastischer die Auftreffoberfläche, desto besser wird der Schlag gebremst und abgefedert. Auf ein Stück Fleisch auftreffend, kann somit ein Durchstichwert von beispielsweise 80 Newton ermittelt werden. Wäre das Zielmedium statt des Fleischs ein dünnes, festes Gummi oder ein Buch, läge der Durchstich vielleicht schon bei zehn Newton vor.

DER SAUEN-PRAXISTEST

Um eine realistische Prüfung zu gewährleisten, wurde ein echter Keilerzahn verwendet, kein der Natur nachempfundener. Als Zielmedium wurde eine unge fähr vier Millimeter dicke Schweineschwarte verwendet. Diese bietet einen Widerstand, der ungefähr dem Brustkorbbereich des Hundes entspricht. Der Test zeigt somit den Aufprall eines Keilerzahns auf ein nahezu festes Medium. In der Natur würde der Hund durch ein Wegfliegen einen Teil der Energie schlucken, und somit wäre die Verletzung vermutlich geringer als auf dem festen Untergrund. Weiterhin wurde der Zahn in verschiedenen Winkeln auf die Westen fallengelassen, um den realistischen Auftreffwinkel eines Schlags von unten zu simulieren. Es konnten keinerlei Unterschiede der Haltbarkeit in Bezug auf die Auftreffwinkel festgestellt werden. Wie hart genau ein Keiler schlägt, ist nicht sicher belegt. Vergleichsproben an Malbäumen und an beschädigten Westen lassen den Schluss zu, dass der lebende Keiler mit bis zu 30 Newton schlagen kann. Unter gewissen Umständen kann die aufgewendete Kraft eines Keilers natürlich auch deutlich höher ausfallen.

HEIDE LEINE

www.heide-leine.de • je nach Größe und Modell 250–530 Euro

Die Hundeweste von Heide Leine war zum Test noch eine der ersten des Herstellers. Sie musste zweimal für Änderungsarbeiten zurückgesandt werden, da sich der Hund Scheuerstellen an den Vorderläufen zuzog. Hierdurch war in der Anfangszeit die Bewegungsfähigkeit extrem eingeschränkt. Die Kommunikation und die Nacharbeiten durch den Hersteller waren sehr gut und schnell. An den Nähten kommt es teilweise zu Überlagerungen der einzelnen Stoffschichten. Der Ellenbogenschutz riss nach wenigen Einsätzen ab, diese Schutzbereiche sind somit nur mit drei Punkten bewertet. Der Hund erlitt Schläge im Keulenbereich, welche die Weste nicht verhindern konnte. Diese Partien werden allerdings von keiner Weste komplett geschützt. Die Sichtbarkeit ist auch nach vielen Einsätzen noch sehr gut, der Überstoff verdreckt nahezu nicht und lässt sich sehr gut reinigen, wenngleich er stabiler gegen Dornen sein müsste. Das Anlegen geht schnell und leicht von der Hand, der anfangs skeptisch beäugte Klettverschluss im Rückenbereich leistet hervorragende Dienste. Der Schutz im Nackenbereich ist sehr locker, der Platz für eine Bestickung mit der Telefonnummer dort eher zu klein. Der Stichschutz im Körperbereich hielt 50 Newton, jener im hinteren Bereich 30 Newton stand.

Newcomer: Hier und da gibt es Verbesserungsvorschläge, aber auch so bietet die Weste Komfort und Schutz.


OUTDOG

www.outdog.org • je nach Größe 299–698 Euro

Die Weste des noch jungen Herstellers Outdog zeigte auf den ersten Blick eine sehr saubere Verarbeitung. Sie ist die einzige pinke Weste im Test. Pink stellt eine ideale Warnfarbe dar, da sie in der Natur nicht vorkommt. Der Stoff ist sehr schmutzabweisend und leicht zu reinigen. Die Weste lässt sich gut anlegen. Der Hund kann sich auf Anhieb gut bewegen, wenngleich der Halsbereich etwas mehr Bewegungsspielraum bräuchte. Der Bereich des Halses ist gut geschützt. Probleme kann es hier nur geben, wenn ein Keiler sich von unten in dem Schlitz verhakt. Der Ellenbogen und der Bauchbereich werden bestmöglich geschützt, auch ist die Weste lang genug, um auch die Keulen angemessen zu schützen. Durch die vielen Schutzbereiche wiegt die Weste etwas mehr im Vergleich zu anderen, das Gewicht ist jedoch als gänzlich unproblematisch für den Hund zu bewerten. Der Stichschutz im Körperbereich hielt bis zu 50 Newton stand, der im hinteren Bereich gab ab 30 Newton nach.

Sicher sichtbar: Das Pink der Weste hat Signalwirkung und schützt so zusätzlich.


Treue Gefährten: von daher ist der bestmögliche Schutz für den vierläufigen Jagdhelfer gerade gut genug.


JAGDSHOP HAMELN

www.jagdshop-hameln.de • je nach Größe und Ausführung 220–330 Euro plus Extras

Mehr Freiheit: In dieser Weste lässt es sich für den Hund gut laufen – auch des geringen Gewichts wegen.


Die Jagdshop Hameln-Weste schlägt sich seit einigen Jahren sehr gut. Die Verarbeitung ist sehr gut. Die Sichtbarkeit der eher dunklen Oberstoffe wird mit der Zeit jedoch weniger. Das Anlegen der einteiligen Konstruktion ist sehr leicht, einzig eine Reißverschlussunterlage wäre wünschenswert. Der Hund zeigt keinerlei Bewegungseinschränkungen, das Gewicht ist sehr gering. Die zu schützenden Bereiche werden gut abgedeckt, insbesondere Hals, Körper, Ellenbogen und Bauch, einzig im Keulenbereich könnte die Weste mehr bieten. Der Stichschutz der gesamten Weste hielt bis zu 68 Newton stand, hierbei war zwar eine Deformation des Stoffs erkennbar, ein Durchstich zeigte sich jedoch erst bei rund 78 Newton.

DOG TECH

www.lautejagd.de • je nach Größe und Modell 330–380 Euro

Standhaft: Die Weste schützt nicht alle Bereiche. Dort, wo sie abdeckt, bietet sie den höchsten Schutz.


Der schwedische Hersteller Dog Tech bietet universell passende Hundeschutzwesten in verschiedenen Größen an. Es ist möglich, auch einem jungen Hund eine Weste zu kaufen und diese innerhalb von zwölf Monaten gegen die endgültig passende umzutauschen. Ein Modell, das hierzulande Nachahmer sucht! Der erste Eindruck lies mich jedoch skeptisch werden, ob eine Neoprenweste wirklich einem Zahn standhalten kann. Der Oberstoff ist gut, wenn auch nicht überragend sichtbar. Das Neopren soll auch im kalten Wasser warmhalten und Auftrieb verleihen. Innen sind Schutzgewebe eingelegt. Sie bedecken den Körper und die Seiten. Vorne befindet sich ein Kevlar-verstärkter Klettriegel, der Stichbereich ist somit schutzlos. Das Anlegen geschieht mittels der verstellbaren Klettverschlüsse sehr leicht. Anfangs war der Hund in seiner Bewegung eingeschränkt. Durch die Steifigkeit der Weste konnte dies nicht geändert werden, und der Hund lief sich anfangs am vorderen Klettriegel die Läufe wund. Dies wurde jedoch besser, als der Riegel sich verformt hatte. Die Weste hat eine Rückentasche für einen Sender und ist sehr leicht. Durch die vielen freien Bereiche ist eine große Angriffsfläche gegeben, der Körper ist aber bis auf den Stichbereich geschützt. Der Stichschutz überzeugte: 80 Newton hielten die Gewebeschichten der Einlage stand. Bis zu diesem Wert wurden nur Verformungen, jedoch keine Durchstiche festgestellt. Ab etwa 85 Newton ergaben sich dann Durchstiche, die den Zahn tief durchdringen ließen.

ABSCHLIESSENDES FAZIT

Insgesamt kann abschließend gesagt werden, dass alle hier getesteten Hundeschutzwesten einem normalen Keilerangriff standhalten. Situationsbedingt kann es immer bei den Hunden zu Verletzungen ungeschützter Bereiche oder zu Durchstichen kommen. Alle Hundeschutzwesten haben positive wie negative Eigenschaften, es ist jedoch sehr beruhigend zu wissen, dass der Stichschutz bei allen gegeben ist. Letztendlich entscheiden Geschmack, Geldbeutel und individuelle Wünsche, welche Weste gewählt wird.


FOTO: OLIVIA V. BÜLOW

FOTOS: ROMAN V. FÜRSTENBERG

FOTOS UND GRAFIK: ROMAN V. FÜRSTENBERG

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