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PRAXISTEST: Weinsberg Outlaw: CROSSPLATZ CAMPER


Camper Vans - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 18.12.2020

Wer einen vollwertigen Campervan fürs Fahrerlager, also zum Motorradtransport, zum Kochen, Duschen und Schlafen wollte, musste bisher zum Individualund Kleinserienausbauer – oder selbst Hand anlegen. Nun gibt es eine Option „von der Stange“.


Artikelbild für den Artikel "PRAXISTEST: Weinsberg Outlaw: CROSSPLATZ CAMPER" aus der Ausgabe 1/2021 von Camper Vans. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Camper Vans, Ausgabe 1/2021

Kein Vergleich zur Heckgarage in üblichen Kastenwagen: Im Outlaw transportiert man sicher und unkompliziert zwei Motorräder, ein Quad oder was einem sonst so einfällt.


Hochwertige Zurrschienen und die Vorderradwippe sorgen für den sicheren Stand der Bikes, die Moosgummi-Dichtung am Durchgang dafür, dass man davon vorne nichts riecht.


Immer wieder hören wir von ...

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... Campingbus-Ausbauern, die sich auf den großen Tourismusmessen dafür rechtfertigen müssen, dass ihr Bulli „ja nicht mal ein Klo“ hat. Wahrscheinlich wurde dann kurz zuvor ein 9-Meter-Luxusliner begutachtet. Ich möchte also nicht in der Haut des Projektverantwortlichen stecken, der dem breiten Publikum auf einem Caravan Salon erklären durfte, warum über dem Bett im Weinsberg Outlaw verhältnismäßig wenig Bewegungsfreiheit bleibt, und dass das tatsächlich so gewollt ist, weil es darunter Platz für zwei Motorräder gibt. Dabei ist die Zielgruppe gar nicht so klein: Camper, die mit ihren Motorrädern an die Rennstrecke oder an einen Urlaubsort reisen, an dem vorzugsweise Bergpässe oder Küstenstraßen befahren werden – auf zwei Rädern versteht sich. Die Idee ist also nicht ganz neu, allerdings musste, wer so einen Renntransporter wollte, sich diesen individuell anfertigen (lassen), also einen Individualausbauer beauftragen, oder eben selbst ausbauen. Beides nicht jedermanns Sache, da entweder mit deutlich größerem Geld-, oder erheblichem Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden. Neu ist der Weinsberg CaraBus 630 MEG, Rufname Outlaw, und dass so ein Renntransporter nun auch „von der Stange“ verfügbar ist. Der Fokus des Grundrisses liegt also auf der Heckgarage: Bleibt bei „normalen“ Kastenwagen-Ausbauten bestenfalls ein Heckstauraum, der sich durch das Hochklappen der Betten auch mal für ein paar Umzugskartons eignet, ist dieser im Outlaw maximal 2,23 Zentimeter lang, zwischen den mit Schränken verkleideten Radkästen 1,37 Meter breit und 1,50 Meter hoch. Der Durchgang von der Garage in den Wohnraum ist gasdicht verschlossen, was letzteren frei von Benzin-Gerüchen halten soll. Als Renntransporter muss er sich also sicher nicht verstecken, zumindest auf dem Papier, zumal der Basispreis von 45.490 € nicht viel teurer kommt, als ein 6,36-Meter-CaraBus mit gängigem Grundriss, also ein in höherer Stückzahl gefertigter Weinsberg, garantiert aber günstiger als ein Individual- oder Selbstausbau. In der Praxis kommt es bei solchen Grundrissen immer auf feine Details an, die am Ende darüber entscheiden, ob der Urlaub gelingt. Denn auch L5H3- Ducatos sind endlich – nach 6,36 Metern in der Länge und 2,82 Metern in der Höhe. Stimmt die Aufteilung des verbleibenden Wohnraums? Bleiben Bett, Nasszelle, Küche und Dinette uneingeschränkt nutzbar? Kann alles mitgenommen werden, was ich für einen Trip mit dem Motorrad benötige? Um das herauszufinden, haben wir den Outlaw praxisgerecht getestet und vor allem so, wie Weinsberg das Fahrzeug bewirbt: Zwei Jungs, zwei ausgewachsene Motocross-Motorräder und zwei Wochen Urlaub an italienischen Motocross-Strecken. Damit das klappt und wir mit 3,5-Tonnen-Zulassung und Klasse-B-Führerschein auch legal unterwegs sind, muss beim Packen ein bisschen umdenken. Der 110 Liter fassende Frischwassertank beispielsweise bleibt komplett leer, unsere Vorräte beschränken sich auf die Zutaten für ein Frühstück, ein Abendessen und ein Sechserpack Wasser. Genauso sparsam packen wir die Kleiderschränke.

Dank Airline-Schienen am Boden klappt das Verladen der Bikes zügig und sicher, die restliche Ausrüstung verteilen wir gleichmäßig auf Vorder- und Hinterachse. Im Testwagen ist nur eine Vorderradwippe montiert, weshalb wir das zweite Bike rückwärts gegen die Hecktür des Ducatos spannen. Kleiner Wermutstropfen: Links ist die Garage rund 10 Zentimeter kürzer, und genau diese zehn Zentimeter fehlen, um ein ausgewachsenes Motorrad gerade einladen zu können. Hier entsteht der Eindruck, dass Weinsberg möglichst viele Bauteile aus der Großserie nutzen will, um den Preis niedrig zu halten und ein Bad aus einem anderen Grundriss verwendet. Wird das Bike abgespannt, federt die Gabel ein und es kann gerade gerückt werden. Nicht wirklich ein Problem also, aber der Ladevorgang wird etwas verkompliziert. Wir fahren auf eine Waage, die reisefertige 3.521 Kilogramm anzeigt. Ziel knapp verfehlt, aber noch in der Toleranz: also los, wenn auch mit Bauchschmerzen. Unser Testwagen ist mit einem 160-PS-Motor ausgestattet, der den Outlaw auch bis übers Limit hinaus beladen zügig beschleunigt. Dank optionaler Seitz-S7P-Rahmenfenster und dem scheinbar solide gearbeiteten Möbelbau sind kaum nervige Wind- oder Klappergeräusche zu verzeichnen. Voll beladen ist der Renntransporter allerdings nicht unter einem Verbrauch von 11 Litern auf 100 Kilometer zu fahren. Im Gotthardtunnel muss ich mich an unseren letzten Motocross-Trip nach Italien erinnern: Wir waren in einem VW T5-Transporter unterwegs, ohne Trennwand zum Laderaum und ohne Klima. Mein hochgeschätzter Beifahrer hatte seine Luftfilter zuvor mit Benzin ausgewaschen, das wohl noch nicht ganz verflogen war. Wer nun weiß, dass die Temperaturen im Tunnel bei rund 40 Grad liegen, weiß, wie knapp ich damals einem Erstickungstod entkam und wie sehr ich die gasdichte Tür zur Heckgarage im Weinsberg in diesem Moment zu schätzen wusste. Das positive Gefühl setzt sich fort, als wir an einer italienischen Raststätte übernachten und ich die teuren Motorräder sicher verwahrt in der Heckgarage weiß. Kein Vergleich zum Transport auf einem Träger oder Anhänger.


SELBST AUSGEBAUT ODER VON DER MANUFAKTUR – RENNTRANSPORTER HABEN BISHER RICHTIG GELD GEKOSTET.


Der Küchenblock bietet mit Zweiflammkocher und Spüle von Dometic und 75-Liter-Kühlschrank von Vitrifrigo den üblichen Standard. Viel Stauraum und Arbeitsfläche bleiben aber nicht. Für große Teller, Töpfe und Pfannen sind die Schübe zu schmal.


Dank optionalem Filtersystem von BWT tanken wir auch auf der italienischen Motocross- Strecke bedenkenlos Frischwasser – wichtig im Outlaw, den man besser mit leerem (Ab-)Wassertank fährt.


Alles da, aber vergleichsweise wenig Platz: Der Wohnraum fällt wegen der großen Garagenmaße merklich kleiner aus. Das Design ist gediegen, als CaraTour gibt es den Outlaw noch in sportlicherem Grau furniert. Aufpreis: 500 Euro.


Die Pastateller müssen auf dem 37 Zentimeter schmalen Tisch versetzt stehen. Mit dem Function-Paket für 268 Euro erhalten Küchenblock und Tisch ausdrehbare oder abklappbare Verlängerungen, die man auch braucht.


Zum Bett über der Heckgarage geht’s über eine Einhängeleiter. Die Liegefläche misst rechts 207, links 194 mal 159 Zentimeter. Geradezu fürstlich für Kastenwagen. Seitenschläfer werden sich etwas mehr Support der sieben Zentimeter starken Matratze wünschen. Man spürt, dass sie auf einer Holzplatte mit Meshgewebe für die nötige Luftzirkulation liegt und nicht auf einem Lattenrost. Dieser oder ein Federteller-System würden aber auch zu hoch bauen: über der Liegefläche bleiben einem noch 53 Zentimeter, um ins Bett krabbeln zu können. Positiv: Hier oben gibt es drei touch-gesteuerte LED-Lichtspots, zwei Heizungsausströmer, USB-, 12- und 230-Volt-Steckdosen, richtig viele Ablagen und in unserem Testwagen das optionale Midi-Heki für 410 Euro. Negativ: wenn nachts einer auf die Toilette muss, steht die Einhängeleiter im Weg der Badtür. Bis diese anderswo untergebracht wurde, ist der Mitreisende garantiert wach. Hier sollte Weinsberg nachlegen und eine Lamellenschiebetür verbauen. Das Bad selbst ist mit 79 mal 74 Zentimetern – wir reisen immer noch mit einem 6,36er Ducato – ganz ähnlich wie die Höhe über dem Bett, ein Kompromiss, der für die Dimensionen der Heckgarage in Kauf genommen werden muss. Wie der gesamte Outlaw punktet auch das Bad mit 2,13 Metern Stehhöhe, eigentlich, denn man muss schon recht groß gewachsen sein, um die Halterung für den Duschkopf, die an der Decke des Fahrzeugs montiert wurde, erreichen zu können. Dafür bietet die Nasszelle viel Stauraum im Geschränk, eine Duschtasse mit zwei Abflüssen, Handtuchhalter und einen gut ausgeleuchteten Spiegel. Tipp: Wer sich das optionale Ausstellfenster für 246 Euro gönnt, kann sich die ebenfalls aufpreispflichtige Außendusche am Heck für 249 Euro sparen.

Gegenüber der Nasszelle positioniert Weinsberg eine kompakte Küchenzeile mit Zweiflammkocher von Dometic, Spülbecken, 75-Liter-Kompressorkühlschrank von Vitrifrigo und einen 66 mal 45 mal 21 Zentimeter großen Schrank mit Kleiderstange. Zusammen mit der einhändig klappbaren Arbeitsflächenerweiterung lässt es sich hier recht ordentlich kochen. Unsere wenigen Vorräte verschwinden im Kühlschrank, in den Schubla-den daneben sowie im Oberschrank darüber. Lediglich ein etwas breiteres Fach für unseren größeren Topf und die Pfanne fehlt. Stauraum ist, sieht man von der großen Garage ab, allgemein eine knappe Kiste im Outlaw. Alles, was nicht zwischen der teils sandigen, teils öligen Ausrüstung im Heck verstaut werden soll, muss entweder ins Bad, in den Küchenblock oder in die zwei Schränke über der Halbdinette passen. Spätestens jetzt, also an der Halbdinette, würden wir uns einen noch konsequenteren Outlaw wünschen: Vielleicht liegt es daran, dass ich mit einem Kumpel unterwegs bin und nicht mit meiner Partnerin, wir uns daher beim Abendessen nicht in die Augen sehen wollen. Vermutlich aber würden den allermeisten Kunden drehbare Frontsitze reichen. Anstelle der Sitzbank im Fond könnte ein weiterer Schrank verbaut werden, dessen Stauraum dank Wegfall der sicherlich recht schweren Sitzkonsole auch mit der zulässigen Gesamtmasse vereinbar wäre – zumal die Sitzplätze der zweiten Reihe mit ihrer sehr steilen Lehne ohnehin recht unbequem sind. Von diesem konsequenteren Zwei-Personen-Grundriss würde auch der Tisch profitieren, der nicht gerade breit geraten ist.

Das Längs-Doppelbett profitiert von Länge und Breite der Garage, leidet gleichzeitig unter ihrer Höhe. Nach oben geht‘s über eine Einhängeleiter, die allerdings den Zugang zum Bad versperrt.


Auch im Bad gilt: alles dabei, aber kompakt. Der Toilettenschacht ist vorbildlich abgedichtet. Zum Duschen lässt sich der Wasserhahn ausziehen und – von groß Gewachsenen – an der Decke einhängen. Wer das optionale Fenster bestellt, wird ohnehin lieber draußen duschen.


Gern genutzter Stauraum: Der Dachstauschrank drückt optisch, ist im Outlaw aber unverzichtbar.


Die doch schmale Radkasten-Verkleidung nimmt einerseits Wassertank und Gaskasten, andererseits …


…die übersichtlich platzierte Technik plus 2 x 100 Ah- AGM-Batterie auf. On top gibt‘s wertvollen Stauraum.



KEIN VERGLEICH ZUM TRANSPORT AUF EINEM TRÄGER, KEIN VERGLEICH ZUR HECKGARAGE EINES NORMALO-KASTENWAGENS.


Heuer müssen die Pastateller also versetzt stehen. Und auch, dass ich mit meinem „kleinen“ Führerschein eigentlich nicht ganz legal unterwegs war, habe ich nicht vergessen. Trotzdem wird mein Fazit sehr positiv auffallen: Kein anderer, ähnlich erschwinglicher Kastenwagen bietet die Möglichkeit, so unkompliziert mit Sack und Pack an den Crossplatz zu kommen, um dort Urlaub zu machen. Dass zwischen Heckgarage und BSäulen nur noch 178 Zentimeter Wohnraum-Länge blei-ben, dass über dem Bett nur noch 53 Zentimeter Höhe bleiben, geschenkt, solange das Moped transportiert werden kann und nachts sicher verwahrt ist. Und auch unabhängig von den Sanitäreinrichtungen an Rennstrecken zu sein, ist ein Vorteil, der nicht unterschätzt werden sollte. Mit dem passenden Führerschein und einem 4,0-Tonnen-Maxi-Chassis (1.350 Euro Aufpreis) sind die Gewichtsprobleme passé, wobei die magische 3,5-Tonnen- Grenze mit sparsamen Packen und einer etwas abgespeckteren Ausstattung bereits eingehalten werden sollte – errechnete 141 Kilo wogen allein die Extras im Testwagen. Für die Serienfertigung ist der Outlaw erstaunlich anders und konsequent auf die Bedürfnisse von Zweirad-Motorsportlern zugeschnitten. Das Facelift darf dann aber gerne noch ein bisschen konsequenter auf zwei Reisende ausgelegt werden.

Vorteil Kastenwagen: Auch der größte Ducato ist noch immer kompakt genug, um damit durch die schmalen Gassen italienischer Dörfer zu kommen, was sicher nicht für jeden Renntransporter gilt. Mit 160 PS und 3,5-Tonnen-Zulassung ist man außerdem fix unterwegs.