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Preußens Anlauf zur Großmacht


G Geschichte - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 20.08.2021

1. KAPITEL ERSTE FUNKEN

Artikelbild für den Artikel "Preußens Anlauf zur Großmacht" aus der Ausgabe 9/2021 von G Geschichte. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: G Geschichte, Ausgabe 9/2021

Schlacht bei Hohenfriedberg am 4. Juni 1745: Das Dragoner- Regiment Ansbach- Bayreuth präsentiert dem Preußenkönig die Fahnen der besiegten Österreicher

Schlesische Kriege

Die österreichische Reiterei stürmt vor. Sie droht, die preußischen Linien zu durchbrechen. Bei Mollwitz, einem Dorf, das 20 Kilometer südlich von Breslau liegt, treffen am 10. April 1741 die Preußen auf die Österreicher. Am Abend zuvor gab es Frost. Es ist noch kalt, aber der Himmel klar, und die Sonne scheint. Die Österreicher haben 19 000 Mann versammelt, die Preußen 21 000 Soldaten.

Friedrich II. führt seine Armee an. Erstmals kommandiert er seine Truppen in einem großen Gefecht. Und nun scheint er gleich vor einer schweren Niederlage zu stehen. Seine Generäle bedrängen ihn, das Schlachtfeld zu verlassen,

um nicht in Gefangenschaft zu geraten. Also flieht Friedrich schließlich.

Seit mehr als zwei Jahrhunderten gehört Schlesien den Habsburgern

Im Jahr zuvor war der Preuße in Schlesien einmarschiert, das seit 1526 den Habsburgern in Wien gehört. Maria ...

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... Theresia, die neue Herrscherin, ließ sich das nicht gefallen. Im März 1741 schickte sie Wilhelm Reinhard Reichsgraf von Neipperg, den Generalkommandeur der österreichischen Armee, mit Truppen nach Schlesien. Die Preußen waren noch im Winterquartier als er eintraf, die Einheiten verteilt auf mehrere Standorte. Friedrich II. sammelte seine Einheiten und marschierte auf den Gegner zu. Aber auf dem Schlachtfeld achtete er mehr auf Ordnung und einen Aufmarsch nach Lehrplan, weniger auf die Geschwindigkeit.

»Ich will lieber das Kleid am Leibe als Schlesien missen!«

Maria Theresia nach ihrer Niederlage bei Mollwitz 1741

Seine Flucht vom Schlachtfeld muss Friedrich II. jetzt wie eine klägliche Schmach vorkommen. Schließlich hatte er sich von seinem Griff nach Schlesien Glanz und Gloria für sich und für Preußen-Brandenburg versprochen. Immerhin kann er sich in Schwerin in Sicherheit bringen. Seinen Männern steht dieser Weg nicht offen. Die vom König erlassene preußische Heeresordnung schreibt für den Fall der Flucht eines Soldaten vor: »Wenn ein Soldat sich während des Treffens nach der Flucht umsehen sollte, und zwar 1 Fuß breit aus der Linie sich begiebet, soll der hinter selben stehende Unter-Officier selben mit dem Kurzgewehre auf der Stelle durchstechen und massacriren.«

Kaum ist Friedrich II. preußischer König, beginnt er auch schon einen Krieg

Soldaten sind für Friedrich II. ein Mittel zum Zweck. Sein Vater hatte seine Männer geliebt, seine »langen Kerls« mit Gardemaß. Obwohl er Soldatenkönig genannt wurde, setzte er seine Truppen praktisch nie zu einem Krieg ein.

Seit knapp einem Jahr, seit Mai 1740, herrscht Friedrich II. und verfügt über 80 000 Soldaten. Andere Staaten haben auf dem Papier deutlich größere Streitmächte. Trotzdem plant der neue König schon kurz nach Amtsantritt, mit seiner Armee loszuschlagen.

Ein Anlass ergab sich im Oktober 1740 mit dem Tod von Kaiser Karl VI. Dessen Tochter Maria Theresia sollte die Macht in Österreich und im Reich übernehmen. Mit der »Pragmatischen Sanktion«, einem Hausgesetz der Habsburger zur Unteilbarkeit der Kronlande, hatte der Kaiser noch versucht, die Nachfolge für sie zu sichern. Doch gegen eine Frau auf dem Thron regte sich Widerstand. Zuerst forderte der bayerische Kurfürst Karl Albrecht die Krone und zudem Schlesien. Auch Sachsen wollte auf Kosten der Habsburger wachsen.

Die geringsten Skrupel zeigte Preußen. Friedrich II. will eine Großmacht formen, was aber auf den kargen Böden der Mark Brandenburg kaum möglich ist. In Schlesien lockte eine florierende Wirtschaft. Um das Machtvakuum nach dem Tod des Kaisers auszunutzen, verfasste Friedrich II. eine Denkschrift, in der er seinen Erbanspruch auf Schlesien formulierte. Ein Vorwand. Friedrich hielt Maria Theresia für schwach und wollte Fakten schaffen, bevor sie zur Kaiserin gekürt würde. »Jetzt ist der Zeitpunkt einer völligen Veränderung des alten Systems der Politik«, schrieb er am 26. Oktober 1740 an den französischen Philosophen Voltaire, »der Stein ist losgetreten, der in der Vision des Nebukadnezar auf die vier Metalle stürzte und alle zermalmte.«

So rückte Friedrich II. am 16. Dezember 1740 mit 27 000 Soldaten in Schlesien ein, besetzte Städte und Dörfer. Alles sah nach einem Triumph aus – bis zur Schlacht bei Mollwitz an diesem kühlen, aber sonnigen 10. April 1741.

Als Friedrich bereits geflohen ist und sich der Reichsgraf von Neipperg, Österreichs Anführer, schon als Sieger fühlt, schlagen die Preußen zurück. Das strikte preußische Militärregiment und der strenge Drill bringen den Erfolg. Die Infanteristen werden hervorragend geführt und schießen schneller als die Österreicher. »Das blanke Gewehr machte in der Sonne den schönsten Effekt, und ihr Feuer ging nicht anders als ein stetiges Donnerwetter«, schreibt später ein beeindruckter österreichischer Offizier über die Preußen. »Unsere Armee ließ den Mut völlig sinken.«

Nach dem plötzlichen Sieg gibt sich der Preußenkönig erstaunlich demütig

Die Nachricht vom Sieg nimmt Friedrich II. wahr, bleibt aber melancholisch: »Der Schmerz um gefallene Freunde ist der Wermutbecher, den die Vorsehung allen Kriegstriumphen beigesellt hat, um die übermäßige Freude am Siege herabzumindern.« Bei der Auswahl einer Bibelstelle für den Dankesgottesdienst zeigt er sich wenig sanft: »Einem Weibe aber gestatte ich nicht, dass sie mich lehre, auch nicht, dass sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei.« Eine Botschaft für Maria Theresia, noch ein Beweis dafür, dass der Preuße die – wie er sie nennt – »Königin von Ungarn« nicht ernst nimmt.

Der Sieg bei Mollwitz bringt dem Preußenkönig den Respekt Europas ein. Frankreich bietet ihm eine Allianz gegen die Habsburger an. Und der wichtigste Bündnispartner Österreichs, England, drängt auf ein rasches Kriegsende.

Ein Jahr später steht Friedrich II. vollends als Sieger da. Im Sommer 1742 schließt er mit Maria Theresia den Breslauer Frieden. Damit bekommt er seine Eroberungen bestätigt. Schlesien ist geteilt, der weitaus größere Part gehört nunmehr Preußen. Durch den Gewinn der reichen Provinz steigt Preußen zur fünften Großmacht in Europa auf.

Maria Theresia gibt nicht auf. Unversöhnlich nennt sie Friedrich II. den »bösen Mann in Berlin«. Nachdem sie einen erfolgreichen Krieg gegen Bayern und Böhmen geführt und Prag zurückerobert hat, versucht sie auch wieder nach Schlesien zu greifen.

Doch Friedrich II. kommt den Österreichern zuvor und marschiert im August 1744 in Böhmen ein. Damit beginnt der Zweite Schlesische Krieg. Abermals entscheidet der Preuße eine bedeutende Schlacht für sich: Am 4. Juni 1745 siegt er bei Hohenfriedberg. Ein halbes Jahr später bestätigt der Dresdner Frieden den preußischen Besitz in Schlesien. Nur ein Siebtel der Provinz bleibt bei Österreich. Friedrich muss aber ein Opfer bringen: Er erkennt Maria Theresias Mann, Franz I. Stephan, als Kaiser an. Trotzdem führt auch der Frieden von Dresden zu keinem Ende des Konfliktes.

Elf Jahre später, im April 1756, beginnt der Siebenjährige Krieg, ein globaler Kampf um Macht und Land. Abermals wird Schlesien zum Kriegsschauplatz. Maria Theresia hat den Verlust der Region nicht akzeptiert. Ein breites Bündnis soll helfen, Schlesien zurückzugewinnen, und Preußen wieder zu einem Kleinstaat machen. Jetzt erwirbt sich Friedrich II. seinen berühmten Beinamen: »der Große«.

LESETIPP

Johannes Kunisch: »Friedrich der Große. Der König und seine Zeit«. C.H. Beck 2017, € 9,95

Um seine Habsburger Dynastie als Großmacht zu erhalten, legt er fest: Das Territorium bleibt unteilbar, seine Tochter Maria Theresia kann ihm als Herrscherin folgen

Nach dem Tod des Schwiegervaters steigt der Gatte Maria Theresias im Jahr 1740 auf: Er wird Mitregent in den habsburgischen Erblanden