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PRO / CONTRA Trockenfutter / Nassfutter


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 12/2021 vom 03.11.2021

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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 12/2021

Dr. Silke Hieronymus

Die Tiermedizinerin und Ernährungsberaterin führt eine Spezialpraxis mit Schwerpunkt Ernährung, Diätetik und Ernährungsschäden. www.praxis-tierernaehrung.com

Leider ist für den Laien auf den ersten Blick nur sehr schwer zu erkennen, welche Fütterungstechnik oder auch Marke für den einzelnen Hund am besten geeignet ist. Prinzipiell gilt die Regel, dass das Futter geeignet ist, wenn der Tagesbedarf der einzelnen Nährstoffe gedeckt ist, ohne der Nahrung zusätzliche Einzelfuttermittel zufügen zu müssen. Man redet dann von einem sogenannten Alleinfuttermittel. Dies kann sowohl auf Nass- als auch auf Trockenfutter zutreffen, welche dann korrekterweise als Nassallein- und Trockenalleinfutter bezeichnet werden.Entscheidet man sich für eine der kommerziellen Fertigfutter-Methoden, sind die Deklaration und der Nährstoffgehalt des Futters sowohl qualitativ als auch quantitativ zu bewerten. ...

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Nassfutter gibt es in Dosen, Schalen oder Frischbeuteln. Es weist eine Restfeuchte von ca. 75 % auf. Im Gegensatz dazu wird dem Trockenfutter beim Herstellungsverfahren Wasser entzogen, um es u.a. haltbarer zu machen.

Trockenfutter weist im Vergleich nur noch eine Restfeuchte von ca. 3-11 % auf. Der Energiegehalt des Feuchtfutters ist deutlich geringer, der Fleischanteil oft deutlich höher.

Um also für einen Hund den täglichen Energiebedarf decken zu können, muss der Tierbesitzer deutlich mehr Kilos jeglicher Nassfuttervariante einkaufen. Somit wird also mehr Müll anfallen, wenn man ausschließlich auf Feuchtfutter setzt. Der Vierbeiner, der mit Trockenfutter gefüttert wird, kann durch eine deutlich geringere Tagesmenge energetisch versorgt werden. Die fehlende Feuchtigkeit wird durch die erhöhte Flüssigkeitsaufnahme aus dem Trinknapf ausgeglichen. Für kleine Hunde ist die Fütterung mit feuchtem Futter noch erschwinglich. Bei größeren Tieren wird eine ausschließ- liche Nassfütterung schnell zu einem Umweltproblem und belastet den Geldbeutel. Bei der Fütterung von Frischebeuteln oder Schalen sind die Preise im Vergleich zum Dosenfutter meist nochmals höher.

Hunde-Senioren tun sich leichter mit Nassfutter

Durch den hohen Feuchtigkeitsanteil eignet sich Nassfutter jedoch gut für Hunde, die wenig trinken. Auch die zahnlosen Hunde-Senioren müssen nicht verhungern, da das feuchte Futter ohne viel Kauen gefressen werden kann.

Auch wählerische Hunde lieben den deutlich höheren Gehalt an Eiweiß und den appetitanregenden Fleischgeruch. Manches Trockenfutter ist dagegen für mäkelige

Hunde eher weniger attraktiv. Eiweißreiche Diäten begünstigen aber das Wachstum unerwünschter Bakterien (wie beispielsweise Clostridium perfringens) und können zu einer Verminderung von erwünschten Bakterien wie Bifidobakterien beitragen, was zu einer weicheren Kotkonsistenz führen kann. Ein moderater Proteingehalt ist nach diversen Untersuchungen für Hunde am günstigsten, da dadurch weniger Proteinabbauprodukte entstehen, die schädliche Auswirkungen auf den Organismus haben können.

Aber neben der Eiweißmenge kann auch der Ursprung der Eiweißquelle, die im Nassfutter eingesetzt wird, zu Problemen führen, da sie Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora des Hundes hat. In Studien wurde festgestellt, dass Nassfutter und Trockenfutter mit Geflügel eine höhere fäkale Konzentration des krankmachenden Darmbakteriums Clostridium perfringens provozieren. Ein Wechsel auf eine Trockenfutterdiät mit Rind als Eiweißquelle führte zu einer verminderten Konzentration, der Umstieg auf eine Fütterung mit einer kommerziellen Trockenfutterdiät (Geflügelfleisch und –nebenprodukte) konnte die Konzentration an Clostridium perfringens noch weiter senken.

Nassfutter ist besser für das Sättigungsgefühl

Neben einem deutlich erhöhten Wasser-und Eiweißanteil sorgt Geliermittel für die passende Konsistenz des Nassfutters. Dies kann neben den Fehlern, wie zu kühl verfüttert oder zu schnell umgestellt, bei empfindlichen Tieren manchmal zu Blähungen und weichem Kot führen.

Hunde, die zu Übergewicht neigen, halten ihr Gewicht mit Nassfutter häufig besser, da sie davon größere Mengen fressen können, um die gleiche Menge an Energie aufzunehmen. Wie lange das Sättigungsgefühl anhält, hängt wiederum davon ab, wie das Futter zusammengesetzt ist. Nassfutter liegt hier klar im Vorteil, da man für eine vergleichbare Energiemenge ein größeres Volumen füttern muss. Zudem kann das Sättigungsgefühl noch durch Ballaststoffe wie Weizenkleie und Zellulose sowie Kohlenhydrate wie Reis, Hirse, Kartoffeln oder Nudeln gezielt erhöht werden. In Studien wurde belegt, dass Biertreber als auch Karottentrester als sättigende Faserquellen in der Hundeernährung eingesetzt werden können.

Von großer Bedeutung für die Güte eines Futters ist die Verdaulichkeit, die man beim eigenen Hund über die Kotabsatzfrequenz feststellen kann.

Hunde, die mit Feuchtfutter ernährt werden, neigen daher zu einem erhöhten Wassergehalt im Kot.

Speisemilbenallergiker und auch Hunde, die zu Verstopfung neigen, kann mit der Umstellung auf Feuchtfutter geholfen werden.

Sollte der Hund mit Darmproblemen auf das Nassfutter reagieren, kann versucht werden auf Trockenfutter umzustellen. Manchmal ist auch die Kohlenhydratmenge in Trockenfutter höher als im Feuchtfutter oder die Eiweißart unterscheidet sich vom herkömmlichen Produkt. Teils wird deshalb dann das Trockenfutter besser vertragen, was aber prinzipiell nichts über die Qualität des Feuchtfutters aussagen muss. Ansonsten sollte das gewählte Futter auf die Bedürfnisse des individuellen Hundes abgestimmt werden.

Trockenfutter-Rationen fallen kleiner aus

Trotz diverser Vorteile eines Futters mit hohem Wasseranteil bevorzugen viele Besitzer Trockenfutter: Trockenfutter ist energiereicher als die gleiche Menge Nassfutter. Dadurch kann es, je nach Hersteller, die günstigere Alternative sein, da weniger davon gefüttert werden muss, um den Vierbeiner satt zu bekommen. Zudem ist es einfacher zu verfüttern oder hygienischer zu lagern: Man kann es als Leckerli besser ins Training mitnehmen, Reste müssen nicht in den Kühlschrank und Fliegenmaden haben im Sommer kein leichtes Spiel.

Zum einen liegt es schlichtweg an der geringeren Trockenfuttermenge pro Tag, die der Hund benötigt, um seinen Tagesbedarf zu decken. Zum anderen punktet der Kilopreis, die einfache Lagerung der Trockenvariante, der geringere Platzbedarf und die lange Haltbarkeit. Trockenfutter sollte übrigens unbedingt an einem trockenen, kühlen Ort aufbewahrt werden. Falsche Lagerung kann zu der Bildung von Schimmel und Futtermilben führen. Im Gegensatz zum Feuchtfutter müssen dem Trockenfutter natürliche oder synthetische Konservierungsstoffe und Antioxidantien zugefügt werden. Die Haltbarkeit der empfindlichen Fette wäre sonst in Gefahr. Zudem würde ein Befall mit Schädlingen einfacher vonstatten gehen.

Die feste Struktur des Trockenfutters kann zum Kauen anregen und je nach Konsistenz und Größe präventiv gegen Zahnsteinbildung eingesetzt werden. Besonders für große, gesunde Hunde eignet sich Trockenfutter hervorragend, da das geringe Futtervolumen den Magen-Darm-Trakt weniger belastet. Um die Nahrung so konzentriert wie möglich Hunden mit Magen-Drehungs-Neigung anzubieten, wird ein besonders energiereiches Trockenfutter verschrieben. Verschiedene Studien zeigten, dass kohlenhydratreiches Futter aggressives und stark aktives Verhalten mindert. Wichtig ist hierfür die Energiedichte: Je mehr Energie ein Futter liefert und je weniger Zeit die Passage durch den Darm in Anspruch nimmt, desto schneller wird der Hund wieder Hunger verspüren. Dies ist zum Beispiel bei Trockenfutter der Fall, wo kleine Mengen bereits viel Energie beinhalten.

Auch ein Mix aus beidem ist möglich

Trockenfutter ist leicht zu handhaben und zu dosieren. Gerade bei heiklen Hunden, die nicht auf Anhieb fressen wollen, kann man mit Trockenfutter gut unterstützen.

Man kann es länger im Hundenapf liegen lassen und dem Hund ermöglichen, dass er sich seine Ration selbst einteilt. Hunden, die zu wenig trinken, kann man das Trockenfutter auch anfeuchten. Wenn Feuchtfutter nicht sofort gefressen wird, zieht das schnell Fliegen an. Angetrocknetes Feuchtfutter mag der Vierbeiner oft nicht leerfressen, es sei denn er hat extremen Hunger. Einen Teil der Tagesration des Trockenfutters kann man auch gut als Leckerli für unterwegs mitnehmen. Das schonende Trocknungsverfahren und ein höherer Fettgehalt pro Trockenmasse verleihen dem Trockenfutter eine schmackhafte Note.

Aber was ist, wenn der Hund das Trockenfutter nicht fressen will, eine reine Nassfütterung aber zu teuer ist? Ist das gemischte Füttern, ein Mix aus Nass- und Trockenfutter, eine vertretbare Möglichkeit?

Ja, ist es durchaus. Dabei gibt es zwei Arten, dem Hund eine kombinierte Nahrung zu ermöglichen: entweder durch das Mischen der beiden Methoden in einem Napf oder durch das abwechselnde Füttern von Nass- und Trockenfutter, also beispielsweise morgens nur Nassfutter, abends dann Trockenfutter. Empfehlen kann man das vor allem an heißen Tagen, so nimmt der Liebling automatisch mehr Wasser auf. Die Nachteile bei der tageszeitlich getrennten, gemischten Fütterung sind, dass Verdauungsprobleme auftreten können. Die Verwertung von Nassfutter fordert den Magen-Darm-Kanal anders heraus als die Verwertung von Trockenfutter. Dies kann bei besonders empfindlichen Hunden zu Unverträglichkeiten führen.

Der goldene Mittelweg Grundsätzlich ist keine der beiden Formen von Hundenahrung – weder Trockenfutter noch Nassfutter – besser als die andere. Hundefutter, das als Alleinfutter gekennzeichnet ist, versorgt Ihren Hund mit allen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen – egal ob Trockenfutter oder Nassfutter.

Sie können Ihren Hund, wenn er es gut verträgt, aber auch mit einer Kombination aus Nass-, Trockenfutter oder auch Hausmannskost bzw. BARF ernähren. Zur Vermeidung von ernährungsbedingten Erkrankungen ist es aber bei jeglicher Fütterungsvorliebe sinnvoll, entsprechend der Rasse, des Alters und des Gesundheitszustandes, sich vom Experten die tägliche Futterration kontrollieren oder anpassen zu lassen.

DR. SILKE HIERONYMUS