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Pro forma einen winzigen Schritt voran


raum&zeit - epaper ⋅ Ausgabe 221/2019 vom 28.08.2019

Aktionsplan Dentalamalgam


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Bildquelle: raum&zeit, Ausgabe 221/2019

Zsolt Bota Finna/Adobe Stock


Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Amalgam den Körper sehr belasten kann. Und immerhin seit über 20 Jahren empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Schwangeren, stillenden Frauen, Kindern und Menschen mit Nierenleiden, auf Amalgam zu verzichten. Nun endlich hat die Bundesregierung auch für die übrige Bevölkerung einen Nationalen Aktionsplan zur verringerten Verwendung von Dentalamalgam vorgelegt. Sie kam damit der Auflage der EU-Quecksilberverordnung nach, die eine solche Ausarbeitung bis zum 1. Juli 2019 gefordert hatte.
In Zukunft soll Amalgam nur noch in sogenannten unverzichtbaren Spezialfällen eingesetzt werden, zum Beispiel bei Füllungen, die tief unter das Zahnfleisch reichen oder bei Patienten mit verminderter Mitwirkungsfähigkeit. Das klingt erst mal nicht schlecht, aber der Aktionsplan lässt viel Spielraum und Patienten können sich weiterhin für das quecksilberhaltige Material entscheiden. Da Amalgam für die Patienten umsonst ist, Kunststofffüllungen aber nicht, besteht die Gefahr, dass es weiterhin etliche Patienten geben wird, die sich für den silbernen Füllstoff entscheiden.
Quecksilber wird als gefährlich für die Umwelt eingestuft und muss deshalb als Sondermüll gehandhabt werden. Skuriler Weise darf es aber nach wie vor in den Körper eingebracht werden, den es auf die verschiedensten Weisen schädigen kann: Quecksilber fördert die Bildung freier Radikale und fördert damit chronische Krankheiten. Es schwächt das Immunsystem, schädigt die DNA, reichert sich in Nervenzellen an und bringt den Hormonhaushalt der Schilddrüse durcheinander. Es wird in Zusammenhang gebracht mit Krankheiten wie Multiple Sklerose, Alzheimer, Parkinson, Depressionen, Schilddrüsenunterfunktion, etc.

Kein Verbot in Sicht

Es gibt mittlerweile viele Alternativen zu Amalgam. Warum wird es nicht einfach verboten, zumindest für alle zahnmedizinischen Eingriffe außer den sogenannten Spezialfällen, und warum übernehmen die Krankenkassen weiterhin die Kosten für dieses gefährliche Füllmaterial? Der Geschäftsführer der IG Umwelt Zahn Medizin Florian Schulze merkt zum Aktionsplan Dentalamalgam an: „Andere Länder wie Finnland, Irland oder die Slowakei, in denen Amalgam ab 2030 verboten wird, sind da fortschrittlicher und haben bereits beschlossen das Preisniveau für Alternativen anzupassen. Mit den modernen und kostengünstigen Alternativen wäre das auch in Deutschland möglich.“
Unsere Gesetzgeber wollen Amalgam jedoch nicht verbieten. Doris Berve- Schucht vom Bundesministerium für Gesundheit antwortet auf unsere Anfrage:
„Das BMG sieht keine Veranlassung für ein Verbot von Dentalamalgam einzutreten.“ Das Ministerium bezieht sich dabei auf den Wissenschaftlichen Ausschuss zu neu auftretenden und neu identifizierten Gesundheitsrisiken, der bei der EU-Kommission 2015 festgestellt hat, „dass die Verwendung von Amalgam wie auch von anderen Zahnfüllstoffen nach gegenwärtigem medizinischen Kenntnisstand nur mit geringen Gesundheitsrisiken verbunden ist. Studien, die Nachweise für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Amalgamfüllungen und degenerativen Erkrankungen, der Störung kognitiver Funktionen oder sonstigen unspezifischen Symptomen nachweisen würde, gebe es nicht.“
Und der Krankenkassenverband, GKV-Spitzenverband bläst in das gleiche Horn: Auf unsere Anfrage, warum Amalgam weiterhin von den Kassen übernommen wird, antwortet die Pressereferentin Claudia Widmaier:„Alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sollen der gesetzlichen Vorgabe entsprechend ‚ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich‘ sein. …In der Praxis wäre es dann so, dass der Zahnarzt jeweils im Einzelfall entscheiden muss, welches Material er wählt, um den Anforderungen ‚ausreichend und zweckmäßig‘ und damit ‚wirtschaftlich‘ zu entsprechen. Bei einem gesunden Erwachsenen ist das derzeit Amalgam.“ Zahlreiche Studien lassen diese Stellungnahmen völlig fragwürdig erscheinen. raum&zeit hat die riesige Diskrepanz zwischen unabhängigen Studien und Erkenntnissen auf der einen Seite und offizieller Argumentation auf der anderen Seite immer wieder thematisiert.

mehr zum Thema: „Alzheimer durch Schwermetalle“, raum&zeit Nr. 180/2012 „Tödliches Gift auf offizielle Empfehlung“, raum&zeit Nr. 152/2008

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