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PROBLEMSTOFFE IN KONVENTIONELLER KOSMETIK: DER HAUT ZULIEBE


ÖKO-TEST Spezial Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 11.10.2018

Der Blick auf die Deklaration von Kosmetika lohnt sich: Gute Produkte kommen ohne Substanzen aus, die Mensch und Umwelt belasten. Hier ein Überblick über bedenkliche Inhaltsstoffe in konventionell hergestellten Pflegemitteln – und die Alternativen in Naturkosmetik.


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Foto: alvarez/getty images

ALUMINIUM/ALUMINIUMSALZE: OHNE SCHWEISS, HOHER PREIS

„OHNE ALUMINIUM“ – SO STEHT ES INZWISCHEN AUF ZAHLREICHEN DEOS. DAS IST GUT SO, DENN ANTITRANSPIRANTE SORGEN DAFÜR, DASS SICH MEHR ALUMINIUM IM KÖRPER ANREICHERT ALS GESUND IST.

Foto: Diego Cervo/Shutterstock

Natürlich ist das Angebot verlockend: Antitranspirants sind ...

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... spezielle Deos, die nicht nur den Schweißgeruch unterbinden, sondern auch für einen längeren Zeitraum trockene Achseln versprechen. Das funktioniert über Aluminiumsalze, die die Schweißkanäle verengen. Auf der Inhaltsstoffliste verbergen sie sich hinter dem Rezepturbestandteil Aluminiumchlorhydrat. Im Gegensatz dazu enthalten normale Deos zwar kein Aluminium, verhindern aber eben auch nicht das Schwitzen, sondern nur den Geruch.

Das Aluminium in Antitranspirants wirkt zwar eigentlich äußerlich. Trotzdem gelangt etwas davon in den Körper. Welche Folgen das konkret für die Gesundheit hat, darüber sind sich die Wissenschaftler noch uneinig. Als erwiesen gilt aber, dass hohe Aluminiumdosen das Nervensystem des Menschen schädigen. Bei Tieren wiesen Forscher auch negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit nach, zudem befürchten Experten Effekte auf die Knochenentwicklung. Aluminium gelangt als Element der Erdkruste ins Trinkwasser und in unsere Lebensmittel. Und auch aus Alufolie oder aluminiumhaltigen Frischhalte- und Aufwärmschalen kann sich das Metall in säure- oder salzhaltigen Lebensmitteln lösen. Den größten Teil des Aluminiums, das wir über die Nahrung aufnehmen, scheiden wir über die Nieren wieder aus.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) geht davon aus, dass Erwachsene über die Ernährung wöchentlich zwischen 0,2 und 1,5 Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg) zu sich nehmen. Eigentlich hält sie nur eine wöchentliche Aufnahme von 1 mg/kg für akzeptabel. Wer täglich ein Deo mit Aluminiumsalzen benutzt, nimmt allein damit über die Haut möglicherweise so viel auf. Entsprechend warnt das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): „Bei langfristiger Anwendung aluminiumhaltiger kosmetischer Mittel ist die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge in Einzelfällen dauerhaft überschritten.“ Gerade auf frisch rasierte Achseln sollten Verbraucher wegen der geschädigten Haut keine Antitranspirante auftragen. „Uneinheitlich und zum Teil widersprüchlich“ sind laut BfR Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, ob Aluminium aus Deos das Risiko für Brustkrebs erhöht. Ein kausaler Zusammenhang sei wissenschaftlich bisher nicht belegt. Es gibt auch Vermutungen, dass es eine Verbindung zwischen der Alzheimerkrankheit und Aluminium geben könnte.

Forscher hatten erhöhte Konzentrationen in Gehirnen von Alzheimerpatienten gefunden. Die meisten Experten sehen darin aber eher ein Symptom der Erkrankung, nicht die Ursache.

In Naturkosmetik ist chemisch gewonnenes Aluminiumsalz verboten. Einige Hersteller nehmen stattdessen Alaun – eine natürlich vorkommende Variante. Es wird unter der Bezeichnung Ammonium-Alum oder Potassium-Alum deklariert. Ob sich Alaun anders verhält und weniger als Aluminium vom Körper aufgenommen wird, ist jedoch noch unklar.

Ansonsten versucht die Naturkosmetik, mit verschiedenen Stoffen wie Alkohol, Triethylcitrat, Salbei oder Hamamelis die Bakterien in Schach zu halten. Denn der Körperschweiß fängt erst an zu riechen, wenn Bakterien beginnen, ihn zu zersetzen.

AUCH HIER STECKT ALUMINIUM DRIN

Aluminiumhaltige Inhaltsstoffe werden wegen der metallischen Glanzeffekte auch in anderen Kosmetika eingesetzt, darunter Lidschatten, Nagellacken, Eyelinern und Augenbrauenstiften. Oder als Trägermaterial für Farblacke in Lippenstiften, Lipgloss und Haarfärbemitteln. Aluminium steckt in Form von Aluminiumfluorid auch in Zahnpasta, als Wirkstoff in einigen Arzneimitteln gegen Magenbeschwerden, den Antazida sowie als Beschichtung von Nanopartikeln in Sonnenschutzmitteln.

KONSERVIERUNGSMITTEL: GEFÄHRLICH NICHT NUR FÜR KEIME

UM WASSERHALTIGE CREMES UND LOTIONEN HALTBAR ZU MACHEN, SIND KONSERVIERUNGSSTOFFE NÖTIG. DOCH NICHT ALLE SUBSTANZEN SIND UNBEDENKLICH –EINIGE WURDEN IN DEN VERGANGENEN JAHREN BEREITS VERBOTEN.

Foto: Squ aredpixels/getty images

Nicht nur Lebensmittel, auch Kosmetikprodukte können verderben: Cremes, Lotionen und Shampoos enthalten Wasser und sind nach dem Öffnen für Bakterien anfällig. Deswegen sind Konservierungsstoffe nötig. In konventioneller Kosmetik werden synthetische Konservierungsmittel genutzt. Längst nicht alle sind gesundheitlich unbedenklich. ÖKO-TEST wertet beispielsweise halogenorganische Verbindungen ab. Es gibt mehrere Tausend davon, sie enthalten Brom, Jod oder (meistens) Chlor. Viele gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an. Die Hersteller wenden oft ein, dass es unschädliche und sogar nützliche halogenorganische Verbindungen gibt. Dabei handelt es sich aber zumeist um natürliche Stoffe.

Manche Konservierungsmittel sind inzwischen nur noch eingeschränkt erlaubt: Methylisothiazolinon allein und in Kombination mit dem als starkes Allergen bekannte Methylchloroisothiazolinon dürfen Hersteller nicht mehr in Produkten einsetzen, die auf der Haut bleiben.

Parabene gehören zu den häufigsten Konservierungsstoffen. Gemessen daran sind die Sensibilisierungsquoten niedrig. Jedoch sind die längerkettigen Vertreter wie Butyl- und Propylparaben in Verdacht geraten, wie ein Hormon zu wirken, und waren im Tierversuch fortpflanzungsgefährdend. Daher hat die EU-Kommission deren Höchstkonzentrationen in Kosmetika beschränkt sowie in Produkten verboten, die auf der Haut bleiben und für die Windelregion von Kindern unter drei Jahren gedacht sind. Zuvor wurden schon die Isoformen beider Verbindungen sowie Phenyl-, Benzyl- und Pentylparaben in Kosmetika verboten.

Als wirksamer Bakterienkiller galt auch Formaldehyd. Der Stoff kann aber bereits in geringen Mengen die Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Er ist inzwischen außerdem offiziell als „beim Menschen vermutlich krebserzeugend“ klassifiziert – und somit in Kosmetika verboten. Leider gilt das nicht automatisch für Formaldehydabspalter. Diese enthalten Formaldehyd in gebundener Form und können es nach und nach freisetzen. Solche Substanzen wertet ÖKO-TEST in Kosmetika um vier Stufen ab.

Schon verboten für Kosmetika war eigentlich das Konservierungsmittel Polyaminopropylbiguanid (PHMB). Inzwischen hat aber der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Union (SCCS) den Stoff neu bewertet und hält ihn bis zu einer Konzentration von 0,1 Prozent für sicher. Dabei gilt PHMB immer noch als krebsverdächtig. Grund genug, den Stoff bei ÖKO-TESTs abzuwerten.

Auch Naturkosmetik kommt in der Regel nicht ohne Konservierungsstoffe aus. Dabei handelt es sich um synthetisch nachgebaute Stoffe, die auch natürlicherweise vorkommen, zum Beispiel Benzylalkohol und Sorbinsäure.

TRICLOSAN: UMSTRITTENER BAKTERIENKILLER

Triclosan zählt zu den halogenorganischen Verbindungen und wirkt gegen Bakterien und Keime. Im Gesundheitswesen wird der Stoff deshalb zur Desinfektion von Haut und Wunden genutzt. In der Vergangenheit wurde er aber auch in etlichen Alltagsprodukten eingesetzt. Triclosan steht im Verdacht, die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika zu fördern. Zugelassen ist der Stoff noch in Zahnpasten, Seifen, Duschgels und Gesichtspuder sowie in Abdeckcremes und -stiften, Nagelmitteln, Deostiften beziehungsweise Roll-ons und Mundwasser. Es gilt eine Höchstkonzentration von 0,3 Prozent, in Mundwasser 0,2. Anbieter von Naturkosmetik verzichten komplett auf den Stoff, der die Gesundheit schädigen kann.

BEDENKLICHE UV-FILTER: SONNENSCHUTZ MIT HORMONLADUNG

DASS SONNENCREMES UNVERZICHTBAR SIND, IST KLAR. EINIGE CHEMISCHE UV-FILTER STEHEN JEDOCH IN VERDACHT, WIE HORMONE ZU WIRKEN. ALTERNATIV GIBT ES PRODUKTE MIT MINERALISCHEN LICHTSCHUTZFILTERN.

Foto: mbbirdy/getty images

Es gibt zwei Arten von Sonnenschutzmitteln: Die einen arbeiten mit chemischen und die anderen mit physikalischen Lichtschutzfiltern. Die Mittel mit chemischen oder synthetischen Filtern dringen in die Haut ein, nehmen die Sonnenstrahlen auf, machen sie unwirksam und verhindern so, dass es zu Hautschäden kommt. Bis sie ihre Wirkung entfalten, vergehen etwa 20 Minuten. Sonnencremes mit physikalischen Lichtschutzfiltern nutzen dagegen Minerale wie Titandioxid und Zinkoxid. Anders als die chemischen Substanzen legen die sich wie ein Schutzschild auf die Haut und reflektieren das Sonnenlicht wie kleine Spiegel. So werden die Strahlen von der Haut ferngehalten. Solche Cremes schützen direkt nach dem Auftragen.

ÖKO-TEST rät seit Jahren von Produkten mit chemischen Lichtschutzfiltern ab. Für etliche chemische UV-Filter haben Wissenschaftler eine hormonelle Wirkung an Zellkulturen und teilweise im Tierversuch aufgezeigt. Immerhin eine Substanz darf nicht mehr eingesetzt werden: Seit Februar 2016 dürfen keine Kosmetika mit dem chemischen Lichtschutzfilter 3-Benzylidencampher (3-BC) auf den europäischen Markt gebracht werden.

Eine neuere Untersuchung weist aber darauf hin, dass auch andere UV-Filter eine bedenkliche Wirkung haben. Ein Team um Professor Niels Skakkebæk von der Universität Kopenhagen testete, wie 29 der 31 in Europa und den USA für Sonnenschutzmittel erlaubten UV-Filter auf menschliche Spermien wirken: 13 Stoffe hatten einen negativen Effekt auf deren Qualität. Auch die Umwelt leidet unter den Lichtschutzfiltern. Deswegen verbietet Hawaii ab 2021 den Verkauf von Sonnencremes mit bestimmten Chemikalien – Octinoxat und Oxybenzon –, weil sie Korallen und Meerestieren schaden können.

Wer sich Risiken nicht aussetzen will, kann auf Sonnenschutzmittel mit mineralischen Lichtschutzfiltern ausweichen, wie Anbieter sie in Naturkosmetikprodukten einsetzen. Die Hersteller setzen vor allem Titandioxid ein, seltener Zinkoxid. Anders als chemische Substanzen legen die Mineralien sich wie ein Schutzschild auf die Haut und reflektieren das Sonnenlicht wie kleine Spiegel. So wird die UV-Strahlung von der Haut ferngehalten. Sonnencremes mit mineralischem Lichtschutz können allerdings einen leichten Weißtönungseffekt haben – die Haut erscheint matter bis leicht weißlich.

PROBLEMATISCHE DUFTSTOFFE: DUFTE? NA JA!

KOSMETIKPRODUKTE SOLLEN NATÜRLICH GUT RIECHEN. DOCH DUFTSTOFFE KÖNNEN ALLERGIEN AUSLÖSEN, DIE HAUT UND DIE GESUNDHEIT BELASTEN. DIE HERSTELLER MÜSSEN 26 STOFFE DEKLARIEREN. LETZTERE SIND ALLERDINGS UNTERSCHIEDLICH PROBLEMATISCH.

Foto: imago/Westend61

Die Hersteller von Kosmetikprodukten können aus rund 2.500 Duftstoffen auswählen. Aber sie müssen nur 26 auf der Verpackung angeben, wenn sie eine bestimmte Konzentration überschreiten. Dabei ist es egal, ob sie synthetisch hergestellt wurden oder aus natürlichen ätherischen Ölen stammen. Drei Duftstoffe dürfen Hersteller in der EU ab dem 23. August 2019 nicht mehr auf den Markt bringen: Es handelt sich einmal um Atranol und Chloratranol – beides natürliche Bestandteile von Eichenmoos- und Baummoosextrakten und starke Allergene. Außerdem wurde Lyral aus dem Verkehr gezogen. Allerdings können Produkte, die diese Substanzen enthalten, noch bis 2021 abverkauft werden.

Nicht alle 26 deklarationspflichtigen Duftstoffe sind gleich problematisch. Darunter sind welche, die als Allergene sehr wirksam sind, aber auch solche, die als Auslöser von Allergien kaum eine Rolle spielen. „Es ist so, als würde man einen Revolver und ein Obstmesser gleichermaßen als ‚gefährliche Waffen‘ bezeichnen“, kommentiert Professor Axel Schnuch vom Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) die Einteilung der EU. Deshalb bewertet ÖKO-TEST in seinen Tests nicht alle 26 Duftstoffe gleich. Auch das nun verbotene Lyral ist eigentlich ein Duftstoff, der laut Professor Schnuch im Mittelfeld der allergenen Potenz liegt. Aber: „Am Beispiel Lyral kann man sehr gut beschreiben, was passiert, wenn Hersteller von Kosmetika Duftstoffe, die zunächst als unproblematisch anzusehen waren, in zu hoher Konzentration einsetzen. Die Folge waren nämlich sehr hohe Sensibilisierungsraten. Die Dosis macht eben das Gift“, so der Experte.

Die Studien und Datenvergleiche des IVDK zeigen, dass die Duftstoffe Eichenmoos (auf der Inhaltsstoffliste für Kosmetika: Evernia prunastri extract), Baummoos (Evernia furfuracea extract), Isoeugenol und Cinnamal häufige und sehr starke Allergene sind. Ebenso wie Methylheptincarbonat (Methyl 2-octynoate): Der Duftstoff galt lange als eher harmlos, hat aber in jüngster Zeit eine im Verhältnis zur Einsatzhäufigkeit hohe Sensibilisierungsquote gezeigt und ist als sehr starkes Allergen einzustufen. Weniger potente, aber immer noch problematische Stoffe sind Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal und Lyral. Die ebenfalls deklarationspflichtigen Duftstoffe Farnesol, Citral, Citronellol, Geraniol, Eugenol, Cumarin, Amylcinnamylalkohol und Benzylcinnamat treten als Allergene seltener als die oben genannten in Erscheinung. Für die restlichen zehn Stoffe der 26er-Liste gilt trotz der Deklarationspflicht: „Die Untersuchungen des IVDK haben gezeigt, dass sie als Allergene im Vergleich zu ihrer teils großen Verbreitung (z. B. Limonen) nur eine sehr geringe Rolle spielen.“

Trotzdem sind einige dieser Stoffe nicht ohne Risiko. Beispielsweise rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von zu viel Cumarin in Kosmetik ab. Der Aromastoff kann bei besonders empfindlichen Personen Leberschäden verursachen. Auch der deklarationspflichtige Duftstoff Lilial (INCI-Bezeichnung: Butylphenyl-methylpropional oder BMHCA) hat zwar nur ein recht geringes allergenes Potenzial. Allerdings erwies sich die Substanz in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend. Das Verbraucherschutzkomitee für Kosmetik der EU bewertet den Duftstoff daher als unsicher.

Zu den Substanzen, vor denen ÖKOTEST seit Jahren warnt, gehören Nitromoschus-Verbindungen und andere künstliche Moschusdüfte. Die synthetischen Moschusdüfte müssen nicht deklariert werden und sind für den Verbraucher deshalb nicht zu erkennen.

Nitromoschus-Verbindungen reichern sich im menschlichen Fettgewebe an. Moschus-Ambrette gilt als nerven- und erbgutschädigend, deshalb ist die Substanz in der EU verboten. Der Einsatz der Nitromoschus-Verbindungen Moschus-Xylol und Moschus-Keton ist nur eingeschränkt zugelassen. Nachdem Nitromoschus-Verbindungen in Verruf geraten waren, kamen verstärkt polyzyklische Moschus-Verbindungen zum Einsatz. Doch auch diese reichern sich im Fettgewebe an. Tierversuche geben hier Hinweise auf Leberschäden.

SILIKONE: NUR SCHÖNER SCHEIN

SILIKONE HABEN IDEALE EIGENSCHAFTEN FÜR KOSMETIKPRODUKTE: SIE GLÄTTEN DIE HAARE, SORGEN DAFÜR, DASS SICH DIE BODYLOTION GUT VERTEILEN LÄSST UND DER LIPPENSTIFT LANGE HÄLT. DER PFLEGEEFFEKT JEDOCH IST GLEICH NULL – UND SIE SIND BIOLOGISCH SCHWER ABBAUBA R.

Foto: George Doyle/getty images

Silikone in vielen Shampoos, Spülungen und Haarölen bilden eine filmähnliche Schicht und gleichen so brüchige Stellen im Haar aus. Sie machen das Haar kämmbar – und optisch was her. Pflegend wirken die synthetisch hergestellten Silikone, meist Dimethicon, Amodimeticon oder Dimeticonol, jedoch nicht. Und weil sie sich auf der Kopfhaut ablagern, können sie Schuppenbildung verstärken.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zwar keine Hinweise darauf, dass Silikone gesundheitlich bedenklich sind. Doch für den Umweltschutz ergibt der Verzicht Sinn: Das Umweltbundesamt (UBA) hat in einem Gutachten Silikonöle, die in Waschund Reinigungsmitteln eingesetzt sind, als schwer abbaubar beschrieben. Das könne auch auf Dimeticon in kosmetischen Mitteln übertragen werden, so das Umweltbundesamt. Schon 2015 hat Großbritannien der EU Verwendungsbeschränkungen der zwei langlebigen zyklischen Silikonverbindungen D4 und D5 vorgeschlagen, die auch in Kosmetika eingesetzt werden. In abwaschbaren Mitteln dürfen die Hersteller sie ab Februar 2020 nur noch in einer Höchstkonzentration von 0,1 Prozent einsetzen.

Geht es denn ohne Silikone? Einige Zeit waren davon hauptsächlich die Hersteller von Naturkosmetik überzeugt, die für ihre Pflegeprodukte ohne den synthetischen Stoff auskommen (müssen). Inzwischen loben auch etliche konventionelle Kosmetikhersteller zumindest einige ihrer Haarpflegeprodukte als „frei von Silikonen“ aus.

Silikone sorgen auch für den Hafteffekt von Long-lasting-Lippenstiften und wasserfestem Mascara. In Lotionen bewirken sie, dass sich die flüssige Creme gut auf der Haut verteilen lässt, im Make-up verleihen sie der Foundation eine starke Deckkraft und mattieren den Teint. Zur Hautpflege leisten diese Stoffe aber keinen Beitrag. Denn genau wie die ebenfalls häufig verwendeten Paraffine, die meist aus Erdöl hergestellt werden, integrieren sie sich nicht so mühelos ins Gleichgewicht der Haut, wie es etwa Bestandteile natürlicher Öle tun. Deshalb wertet ÖKO-TEST Silikone in der Regel ab.