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Produziere Deinen eigenen Strom – nur wie?


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Moove - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 06.09.2022

DO SSIER

Die Nachricht hatte mehr als Symbolcharakter. In Zeiten, in denen es nur noch schlechte Meldungen bezüglich der Energieversorgung gibt, stellt die kürzliche Entscheidung des Bundes zur weiteren Photovoltaik(PV-)Förderung einen Lichtblick dar. So können die Bundesbürger tatsächlich langfristig Kosten sparen, was mit dem Wegfall der viel gepriesenen EEG-Umlage nicht wirklich gelungen ist. Die erste Senkung zum Jahreswechsel sei aufgrund der massiv gestiegenen Strompreise nicht bei den Verbrauchern angekommen, sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie beim Marktbeobachter Check24. „Mit der Abschaffung der Ökostromumlage im Juli wird ein Vierpersonenhaushalt um 222 Euro im Jahr erneut entlastet. Den starken Anstieg der Stromkosten seit vergangenem Jahr federt das aber nur teilweise ab.“

Wer die Möglichkeit hat, ein PV-System zu montieren, sollte diesen Schritt überlegen. Es ergibt durchaus ...

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... Sinn, den Strom mittels einer Anlage auf dem Dach selbst zu erzeugen – vor allem in Verbindung mit einem E-Auto. Eine 40 Quadratmeter große Einrichtung mit einer Nennleistung von 7 kWp (Kilowatt-Peak, maximal erreichbare Leistung) produziert im Jahr rund 7000 kWh. Damit sichert sie den Bedarf einer vierköpfigen Familie und 15 000 km Reichweite mit dem Stromer, rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft vor und liegt damit gar nicht so falsch. Entscheidend für die Betrachtung ist nicht die Speicherkapazität der E-Auto-Batterien. Es zählt vielmehr der tägliche Strombedarf des E-Autos.

Selbst wenn die Stromausbeute schwankt, weil die Sonneneinstrahlung nicht perfekt ist oder die Tage im Herbst beziehungsweise Winter kurz sind, produziert die PV-Anlage Energie. Unter dem Strich heißt das für die vierköpfige Musterfamilie: Neben der Energiemenge für den Haushalt bleibt so viel übrig, um zumindest etwa die Hälfte der Jahresfahrleistung des E-Autos über den selbst erzeugten Strom zu decken.

Anspruch und Realität bei PV-Anlagen

In der Theorie liest sich das gut, doch die Wirklichkeit sieht bisweilen ein wenig anders aus. Meist nutzen die Haushalte nur zwischen 25 und 30 Prozent des eigenen Stroms. Was daran liegt, dass die Solaranlage die meiste Energie in den Mittagsstunden erzeugt – also mehr Strom als überhaupt nötig, der dann ins Netz eingespeist wird. Auch wenn es dafür seit Juli 8,6 Cent pro Kilowattstunde für die privat genutzten PV-Anlagen gibt und dies nicht weniger von Jahr zu Jahr wird, sollte man den selbst erzeugten Strom im Haushalt verbrauchen. Das spart Energiekosten.

Ein Stromspeicher löst das Problem und lässt einen Autarkiegrad von bis zu 70 Prozent zu. Allerdings ist diese Investition, die nicht nur bei Neuinstallationen interessant ist, alles andere als günstig. Auch wenn es schon Batterien gibt, die 800 Euro pro kWh kosten, liegt der Preis derzeit im Schnitt zwischen 1000 und 1200 Euro pro kWh. Wer in eine PV-Anlage samt Speicher investiert, muss zusätzlich für die Solarmodule etwa 1300 Euro pro kWp (mit Installation) einplanen. Somit liegen bei einem 7-kWp-System und gleich großem Akku die Kosten schnell bei 18 000 Euro.

Viel Geld, das sich aber über Förderungen für PV-Anlagen oder Speicher abfedern lässt. Günstige Kredite vergibt zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Aber auch verschiedene Bundesländer, Städte und regionale Energieversorger schnüren Hilfspakete. Es lohnt sich eine Nachfrage bei der Energieagentur vor Ort oder bei der Verbraucherberatung, welche Töpfe dafür vorgesehen sind.

Und noch etwas: Solarenergie gibt es auch für Mieter. Es entstehen gerade Konzepte unter dem Namen „Mieterstrom“. Die Eigentümer installieren eine PV-Anlage auf dem Dach und verkaufen den Strom an die Parteien im Haus. Das soll günstiger sein als der herkömmliche Netzanschluss. Eine Alternative ist das sogenannte Balkonkraftwerk mit kleinen Plug-in-Solarmodulen, die sich einfach aufstellen lassen und zu geringen Kosten Solarstrom erzeugen. Bis zu zehn Prozent des Bedarfs lassen sich mit dem kleinen System bis zu 600 Watt abdecken. Was die Kosten betrifft, sollte innerhalb von zwölf Jahren die Anlage ihre Kosten wieder eingespielt haben.

Windenergie lohnt nur selten

Oder man steigt auf die Windenergie um. Ihr großer Vorteil ist, dass sie im Gegensatz zu Photovoltaik-Anlagen selbst nachts und im Winter klimaneutralen Strom liefert. Warum sieht man diese Anlagen dann so wenig in den Gärten? Weil Kosten von bis zu 45 000 Euro für gebräuchliche 5-kW-Anlagen abschrecken. Zudem fällt in Bodennähe das Windtempo zu gering aus, als dass sich eine Windkraftanlage auf dem Hausdach oder im Garten lohnen würde – zumindest in Teilen des Landes.

Denn es gibt sehr wohl Gegenden in der Bundesrepublik, in denen die Windstärke für ein Windrad im Garten ausreicht. Wer zum Beispiel in der windärmeren Region Stuttgart wohnt, erhält eine Ausbeute von 2076 kW, während das gleiche Windrad in Mecklenburg-Vorpommern an der Küste 9235 kW Strom produziert, rechnet das Portal vor. Unterm Strich macht sich in Stuttgart das Windrad nie bezahlt, an der Ostseeküste dagegen nach 20 Jahren.

An Ideen mangelt es nicht. Als Tipp für die regenerative Energiegewinnung gelten gerade das Blockheizkraftwerk (BHKW) und die Geothermie. Wie die Namen verraten, generiert man hier Strom über Wärme. Bei der Geothermie wird diese aus dem Erdboden bezogen. Zum Heizen des Hauses ist das eine gute Idee, da dazu nur wenige Meter in den Boden zu bohren ist. Damit das Ganze bei der Stromerzeugung wirtschaftlich arbeiten kann, sind aber mindestens 100 Grad Celsius nötig. Das verlangt nach tiefen Löchern von mindestens drei Kilometern – ein teurer Spaß bei Bohrkosten von etwa 50 Euro pro Meter. Daher wird die Geothermie vornehmlich bei Stromkraftwerken eingesetzt, die mit der CO2-freien Technik bis zu 1200 Haushalte versorgen können – wie die Anlage im baden-württembergischen Bruchsal zeigt.

Auch das Blockheizkraftwerk soll für Privathaushalte ein guter Tipp sein. Auf den ersten Blick vielversprechend, weil es für Strom, Warmwasser und Wärme sorgt. Eine Anlage bis zu 2,5 kW reicht für ein Einfamilienhaus – wenn da nicht die Kosten wären. Ein BHKW setzt mit Installation bei 20 000 Euro an, braucht zudem Wartung und Brennstoff – dessen Preisentwicklung vor allem jetzt die Rentabilität der Anlagen schmälert. Innerhalb eines Jahres verdoppelten sich beim Gas die Kosten.

Blockheizkraftwerk mit hohen Kosten

Über die Stromeinspeisung lässt sich da wenig ausgleichen. Und auch die staatliche Förderung kann nur abfedern. Die KfW bietet zwar eine BHKW-Förderung an (Zuschuss 433), indem sie als Investitionszuschuss bis zu 40 Prozent gewährt – aber nur bei einem teuren Brennstoffzellen-BHKW. Es generiert, ähnlich wie die anderen Geräte dieser Gattung, Strom und Wärme, allerdings meist mehr Strom.

Alle Vergünstigungen reichen derzeit nicht, damit sich die „Strom erzeugende Heizung“ für den Einfamilienhaushalt auszahlt. Bei den Energiekosten vor einem Jahr sähe die Rechnung ganz anders aus. Dann wäre die Anlage schon in der Lage, sich in 20 Jahren zu rechnen – somit bleibt derzeit für Familien nur die PV-Anlage, um günstig den eigenen Strom zu produzieren.

Stromerzeugung zu Hause: Alternativen im Check

Für eine vierköpfige Familie aus dem Stuttgarter Raum mit einem E-Auto in der Garage und einem Verbrauch von 7000 kWh im Jahr sind durchschnittlich 37 Cent/ kWh zu viel. Sie will nun für das Einfamilienhaus den Strom selbst erzeugen. Was bringen und kosten Photovoltaik, Windenergie, Blockheizkraft oder Geothermie? Und rentiert sich die Anschaffung nach 20 Jahren? So sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung aus.

Photovoltaik (PV)

Im sonnenreichen Stuttgarter Umland zahlt sich selbst bei einem Autarkiegrad von nur 50 Prozent nach 20 Jahren die PV-Anlage aus. Daran können Wartungen, Reparaturen wie etwa der Austausch des Akkus und eine magere Stromausbeute an vielen Tagen nichts ändern – es entsteht sogar ein kleines Plus.

Kosten/Betrieb –32 300 €

Förderung/Einspeisung 6 020 €

Vermiedene Energiekosten 26 000 €

Ersparnisnach20Jahren280

Quelle: eigene Berechnungen,; klein-windkraftanlagen.com

Blockheizkraftwerk (BHKW)

Diese Geräte sorgen für Strom, Warmwasser und betreiben die Heizung. Eine Anlage bis zu 2,5 kW reicht für ein Einfamilienhaus. Macht sich aber nach 20 Jahren nicht bezahlt, zumindest mit den heutigen Energiekosten. Die Anlage könnte sich in der Zeit allerdings trotz Anschaffung, Wartung und Reparatur rentieren, wenn das Gas wie vor einem Jahr nur 6,5 Cent/kWh und nicht 13,77 Cent/kWh kosten würde.

Kosten/Betrieb –124 850 €

Förderung/Einspeisung 59 064 €

Vermiedene Energiekosten 52 000 €

Ersparnisnach20Jahren–13 786

Geothermie

Geht es nur ums Heizen des Hauses, kann die Geothermie sich lohnen. Zwischen 15 000 und 25 000 Euro kostet die Anlage samt der Erdbohrung. Soll noch die Stromerzeugung hinzukommen, wird es jedoch teuer. Dann ist man schnell im sechsstelligen Bereich angelangt. Das rentiert sich selbst in 20 Jahren nicht. Hintergrund: Für Erdwärme reichen schon einige Meter im Boden. Für die Stromerzeugung braucht man hingegen mindestens 3000 Meter Tiefe – bei Bohrkosten von etwa 50 Euro pro Meter kommt da schnell einiges zusammen. Daher wird die Geothermie vornehmlich nur bei großen Stromkraftwerken eingesetzt.

Windkrafträder für zu Hause

Es hängt davon ab, wo der Wohnort ist. An der richtigen Stelle können sich die Windräder im Garten lohnen. Stuttgart zum Beispiel ist sonnen-, aber nicht windreich. Eine 5-kW-Anlage macht hier gerade einmal 2076 kWh im Jahr, während sie in der gleichen Zeit mehr als vier Mal so viel an der Ostseeküste erzeugt (9235 kWh). Somit zahlt sich die Windenergie in Mecklenburg-Vorpommern trotz Wartung und Reparaturen bereits nach 20 Jahren aus.

Windkrafträder für zu Hause

Kosten/Betrieb –90 598 €

Förderung/Einspeisung 0 €

Vermiedene Energiekosten 15 362 €

Ersparnisnach20Jahren–75 236

An der Küste in Mecklenburg-Vorpommern

Kosten/Betrieb –54 160 €

Förderung/Einspeisung 3 840 €

Vermiedene Energiekosten 52 000 €

Ersparnisnach20Jahren1 680