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PROJEKT DIGITALER FÜHRERSCHEIN VORERST GESTOPPT LAPPEN WEG


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Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 22/2021 vom 22.10.2021

REPORT

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Bildquelle: Computer Bild, Ausgabe 22/2021

Erst das Maut-Desaster, dann die total vermurkste Autobahn-App – und jetzt der (vorerst) gefloppte digitale Führerschein: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ist das Lachen wohl endgültig vergangen. Vor allem der „elektronische Lappen“ sorgte zuletzt für viel Spott und Kopfschütteln. Denn nur wenige Tage nach dem Launch musste das Projekt wieder gestoppt werden. Der Grund: Überlastete Server und potenzielle Datenschutzmängel bei der App, mit der man den digitalen Führerschein vom Kraftfahrtbundesamt aufs Smartphone überspielt bekommt. Also wieder mal eine digitale Bundes-Pleite? Ganz so einfach liegt der Fall diesmal nicht. Denn das Verkehrsministerium musste sich auf Dritte verlassen. Und das klappte nicht.

Das kann der digitale Lappen

Der Reihe nach: Mitte September 2021 stellte Minister Scheuer den digitalen Führerschein vor. Der lässt sich aufs Handy laden, wenn ...

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... der Nutzer – erstens – einen Personalausweis mit Online-Funktion besitzt und wenn er – zweitens – die Fahrerlaubnis nach dem 1. Januar 1999 erhalten hat. Außerdem braucht er die App ID Wallet, in der neben dem Führerschein in Zukunft auch andere Dokumente (etwa ein digitaler Personalausweis oder auch ein digitales Impfzertifikat) gespeichert werden sollen.

Für den Führerschein muss man sich mit seiner Perso-ID beim Kraftfahrtbundesamt identifizieren und erhält sodann eine digitale Kopie des „Lappens“ aufs Smartphone.

Was lässt sich mit dem digitalen Führerschein machen? Zum Start noch nicht viel: In der ersten Phase sollen ihn Autovermietungen und Carsharing-Anbieter als Nachweis akzeptieren. Bei Verkehrskontrollen aber reicht er nicht aus. Deshalb muss der Autofahrer immer noch den Original- Führerschein mit sich führen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, so der Plan, dient der Führerschein auf dem Smartphone in allen Fällen als Nachweis der Fahrtauglichkeit.

Scheuer reagiert sauer

Doch nach nur einer Woche war Schluss mit der ID Wallet: Nach Kritik an der App nahmen sie die Verantwortlichen aus dem Play Store (Android) und App Store (iOS). Seitdem ist auch keine Neuanmeldung für den digitalen Führerschein mehr möglich.

Noch-Minister Andreas Scheuer selbst reagierte „stocksauer“ und ließ seinem Unmut freien Lauf: Es gehe ihm auf den Zeiger, so der CSU-Politiker, dass das Bundesverkehrsministerium funktionierende Projekte abliefere und es aufgrund der zersplitterten Zuständigkeiten wieder einmal hake. Das Kanzleramt, schimpfte Scheuer, habe darauf bestanden, dass der digitale Führerschein in der ID Wallet zur Verfügung stehen müsse.

Und Julie Heinl, Sprecherin des Ministeriums, legt gegenüber COMPUTER BILD nach: Die Schnittstellen zum Kraftfahrtbundesamt für das Ausstellen des digitalen Führerscheins liefen fehlerfrei und seien durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik überprüft worden.

Fehlerquelle ID Wallet

Das Problem liegt also offenbar weniger am digitalen Führerschein selbst als an der App, über die der Schein aufs Smartphone gelangt – die ID Wallet. Die hat nicht das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegeben. Zuständig ist vielmehr das Bundeskanz- leramt – und dort die Staatsministerin für Digitalisierung, Scheuers Parteikollegin Dorothee Bär (CSU). Die setzte sich in der Vergangenheit schon dafür ein, dass sämtliche digitalen Papiere in einer einzigen App zum Abruf bereitstehen. Und deshalb mussten das Bundesverkehrsministerium und das Kraftfahrtbundesamt den digitalen Führerschein in die ID Wallet implementieren.

„Der Führerschein- Flop stärkt nicht gerade das Vertrauen in Bundes-Apps!“

Rainer Schuldt Ressortleiter News

Erhebliche Sicherheitsbedenken

Entwickelt wird die ID Wallet von der Digital Enabling GmbH. COM- PUTER BILD fragte beim Unternehmen nach, warum die Sache mit dem digitalen Führerschein schiefgegangen sei. „Wir haben die ID-Wallet-App zurückgezogen, weil sich durch die relativ hohe Nachfrage und damit verbundene hohe Last auf dem System unerwartete Lastspitzen ergeben haben“, so das Unternehmen in einer Stellungnahme. „Diese haben die Nutzung der ID-Wallet-App beeinträchtigt. Außerdem hat der Start der App viel Aufmerksamkeit von Nutzerinnen und Nutzern erhalten, die sich intensiv mit Sicherheits- und Vertrauensfragen befassen.“

Konkret hatten unter anderem Expertinnen und Experten des Chaos Computer Clubs auf Schwachstellen hingewiesen. Die Datenschutzaktivistin Lilith Wittmann etwa bemängelte, dass der Nutzer überhaupt nicht prüfen könne, an welche Stelle er seine Daten über die ID Wallet übermittele. Das öffne Hackern Tür und Tor, denn diese könnten sich – um beim digitalen Führerschein zu bleiben – zwischen den Nutzer und das Kraftfahrtbundesamt mogeln und die Daten abgreifen. Man spricht bei diesem Verfahren von einer sogenannten Man-inthe-Middle-Attacke.

Nachbesserungen kommen

Die Entwickler haben deshalb die ID Wallet bis auf Weiteres aus dem Verkehr gezogen. Ist der digitale Führerschein damit tot? Nein: In Kürze soll die ID Wallet komplett überarbeitet neu starten. Dann soll die App über zusätzliche Sicherungsmechanismen verfügen, so die Digital Enabling GmbH gegenüber COM- PUTER BILD. Unter anderem soll der Nutzer durch Sicherheitszertifikate zweifelsfrei sehen können, an welche Stelle die Daten übermittelt werden. Sollte die Zertifikatsprüfung scheitern, kein Zertifikat vorhanden oder das Zertifikat ungültig sein, gibt es mindestens einen Warnhinweis, oder die App lässt die Weitergabe der Daten in dem Fall nicht zu.

Viele Fragen offen

Inzwischen wächst auch der Druck auf Staatsministerin Dorothee Bär: Laut Medienberichten erfolgte die Auftragsvergabe im Fall der ID Wallet ohne eine ordentliche Ausschreibung. Kritiker werfen der Politikerin deshalb „maximale Intransparenz“ vor. In der Sache steckt also noch viel Musik drin.

[rs, me]