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Projekte: Bauprojekt: Escheregal: Nut macht erfinderisch


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 19.06.2019

Das Bücherregal ist und bleibt ein Klassiker. Dieses elegante Eschenregal kommt dabei dank eingegrateter Böden und eingezinkten Anschlagseiten ganz ohne Schrauben und Dübel aus – und schult interessante Techniken im Möbelbau.


Regale sind vermutlich in jedem Haushalt zu finden. Klassischvollgestopft als Bücherregal bis hin zum „Ausstellungsplatz“, um besondere Dinge und Bilder in Szene zu setzen. Die maximaleOffenheit dieser Möbel beengt die Räume, in denen siestehen, weniger als geschlossene Schränke. Sie hat aber für denHolzwerker einen entscheidenden Nachteil: Fast jede Schraubebleibt sichtbar, alles ...

Artikelbild für den Artikel "Projekte: Bauprojekt: Escheregal: Nut macht erfinderisch" aus der Ausgabe 80/2019 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 80/2019

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... ist eben offen einsehbar. Schrauben müssenalso entweder mühselig im Holz versenkt und dann gegebenenfallsüberspachtelt, oder von Beginn an mit in das Gesamterscheinungsbildintegriert werden, zum Beispiel durch den Einsatz vonZierschrauben. Der Einsatz von Dübeln umgeht diese Problematik.Er setzt allerdings das Vertrauen voraus, dass die dann doch relativdünnen Rundstäbe im Zweifelsfall mehrere Kilo Papier halten– und das über Jahrzehnte. Es gibt aber eine Konstruktionsmethode, wie ein stabiles Regal auch ganz ohne Schrauben undDübel auskommt: Gerade bei Möbeln in Brettbauweise ist nämlicheine gegratete Verbindung unschlagbar. Sie kommt ohne Verbindungsmittelaus, kostet außerdem nichts und lässt dem Holz dieMöglichkeit zu arbeiten. Aber – eine gegratete Verbindung musssehr präzise ausgearbeitet sein, schon Abweichungen von einemZehntelmillimeter machen sich deutlich bemerkbar. Meist werdendie horizontalen Böden in eine entsprechende Gratnut an denaufrechten Teilen geschoben. Am besten zieht diese Verbindung, wenn die Gratfeder leicht „konisch“ (im Tischlersprech gebräuchlichfür richtigerweise „verjüngend“) ausgearbeitet wird. Gratverbindungenwurden traditionell mit einem eigenen Satz anWerkzeugen hergestellt: Einer auf Zug stehenden Gratsäge, mitwelcher die schrägen Flanken der Gratnut eingeschnitten wurden, einem Grundhobel zum Säubern der Gratnut und schließlicheinem Grathobel zum Anhobeln des Grates. Eine solche Prozedurist umständlich und erfordert viel Übung.

Fotos und Illustrationen: Christoph Henrichsen


Projekt-Check Zeitaufwand › 20 Stunden Materialkosten › 80 Euro Fähigkeiten › Könner


Auch bei der weiteren Gestaltung des Regals ergeben sich viele individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Hier sind die vorderen und oberen Kanten der Seitenteile und Böden mit dem Radiusfräser gerundet. Die obere Ecke der Seitenteile vorne ist ebenfalls auf Rundung gesägt, außerdem können durch eine mittige Fräsung unten einfach vier Füße geschnitten werden. Die Details können Sie natürlich nach Bedarf variieren, so dass Sie aus diesem Bücherregal Ihr eigenes Unikat bauen können.

Unser AutorChristoph Henrichsen ist Tischlermeister und Experte für handwerkliche Techniken. Er lebt und arbeitet im Rheinland.


Herstellung von Frässchablonen für Gratnut und Gratfeder

Für die Schablone für die Gratfeder werden vier Multiplexstreifen paarweise zu zwei Winkeln verschraubt. Diese beiden Winkel werden dann mit zwei Abstandsleisten und zwei Klötzchen in Werkstückdicke zusammengeschraubt. Die beiden Abstandsleisten geben Raum für den Fräser, die Klötzchen fixieren den Regalboden und halten eine sich verjügende Leiste, die in ihrer zulaufenden Form genau der Gratnut entspricht. Sie ist aber in diesem Fall einen knappen Millimeter schmaler als diese, da der Außendurchmesser der Kopierhülse einen Millimeter größer ist als der des Gratfräsers und dieser Versatz eingerechnet werden muss.

Die Frässchablone für die Gratnut ist denkbar einfach. Sie besteht aus zwei Multiplexplatten, welche leicht konisch zulaufend auf zwei Leisten geschraubt werden. Der vordere und hintere Abstand orientiert sich an der Dicke der Gratfeder, zuzüglich des Versatzes zwischen Kopierhülse und Fräser. Der lichte Abstand zwischen den unteren Leisten entspricht genau der Breite der Regalseiten. Diese Schablone wird flächig auf die Seitenteile des Regals gelegt und mit zwei Zwingen fixiert. Theoretisch sollte die Verbindung gleich passen. Im besten Fall lässt sich der Boden zu etwa zwei Drittel mühelos in die Gratnut schieben. Wenn die Gratnut zu eng oder zu weit ist, müssen Sie Ihre Schablone entsprechend justieren. Dabei hilft es, wenn Sie einen der beiden Plattenstreifen zunächst nur provisorisch mit zwei Schrauben fixieren.

Schablone Gratfeder


Schablone Gratnut


Bauprojekt: Escheregal

1 Sie können das Regal ganz an Ihre Bedürfnisse anpassen. Machen Sie ruhig zunächst einige Skizzen (siehe dazu auch das Thema „Freihandzeichnen“) und zeichnen Sie dann an die Seitenteile an, wo die Nuten zur Aufnahme der Böden angebracht werden sollen.

2 Zum Fräsen der Federn in die Böden wird die Kopierhülse in die Bodenplatte der Oberfräse eingesetzt. Die Differenz zwischen Fräserbreite und Außendurchmesser der Kopierhülse ist wichtig für die korrekte Einstellung der Schablone (Kasten S.33).

3 Die Schablone wird auf den Kopf des Bodens gesteckt. Achten Sie immer darauf, wo die Frontseite des Brettes liegt. Nun wird die Oberfräse an dem konischen Mittelsteg der Schablone entlanggeführt.

4 Die Gratfeder wird vorne am Boden mit einer Feinsäge etwa 2 cm abgesetzt. Arbeiten Sie hier sehr genau, sonst bildet sich eine unschöne Fuge zwischen Boden und Seite oder die Verbindung lässt sich kaum zusammentreiben.

5 Die Brüstung vorne an den Böden kann mit einem ganz scharfen Stecheisen minimal hinterschnitten werden.

6 Sie können die Gratfeder vorne am Kopf leicht fasen. Das erleichtert später das Eintreiben der Böden.

7 Die Böden werden nun geputzt. Wenn Sie die Innenfläche der Seiten putzen, müssen Sie sehr aufpassen, denn jede Veränderung wirkt sich hier gleich auf die Gratverbindung aus. Leichtes Schleifen als Alternative zum Hobeln verringert das Risiko.

8 Für die Haptik und Optik des Regals empfiehlt es sich, die Kanten 2mm abzurunden. Am einfachsten geht das vor dem Zusammenbau mit einem entsprechenden Fräser. Alternativ können sie auch vorsichtig hobeln oder schleifen.

9 Nun wird die Mitte der zu fräsenden Nuten angerissen. Mit einem Stahllineal geht das leichter und präziser als mit einem Gliedermaßstab/ Zollstock.

10 Ein gerader Nutfräser schafft eine erste knapp 6 mm tiefe Nut. Anschließend kann mit dem Gratfräser die Gratnut präzise hergestellt werden. Die Gratnut wird um Papierstärke tiefer gefräst als die Gratfeder, um unnötige Spannung zu verhindern.

11 Um das Regal etwas gefälliger zu gestalten, ist an der oberen Seite die vordere Ecke stark gerundet. Auch die Kanten können analog zu den Böden, leicht (r = 2 mm) gerundet werden.

12 Die Anschlagleisten, hier in einer Stärke von 15 mm, können einfach aufgeleimt oder mit einem Einzinker in die Seiten eingelassen werden. Wenn Sie einen Einzinker wählen, nutzen Sie eine einfache Schablone, mit der sich die Verbindung leicht anreißen lässt.

13 Die „Sasse“ genannte Vertiefung für den Schwalbenschwanz können Sie mit der Oberfräse grob ausfräsen und anschließend mit Feinsäge und Stemmeisen genau ausarbeiten.

14 Man kann die Gratfeder in den hinteren zwei Dritteln leicht wachsen, das reduziert die Reibung beim Zusammenbau. Leim wird nur im vorderen Drittel der Gratnut angegeben.

15 Der Zusammenbau solch gegrateter Regale gelingt am besten auf dem sauberen Fußboden. Die Fachböden werden von hinten kräftiger Hartholzzulage und einem schweren Hammer mit ausreichender Schwungmasse kraftvoll aber doch auch vorsichtig eingetrieben.

16 Wenn Sie die Seitenteile mit den Sassen versehen haben, bekommen die Anschlagleisten hinter den Fachböden nun entsprechende Einzinker. Für den Anriss der Einzinker können Sie wieder die Schablone verwenden.

17 Die Einzinker werden mit der Feinsäge ausgeschnitten.

18 Wenn Sie die Außenkanten der Zinken leicht fasen, können Sie die Gefahr eines Faserausrisses beim Einschlagen minimieren.

19 Die Anschlagleisten werden vorsichtig eingetrieben. Vor allem am oberen Boden darf der Einzinker nicht zu stramm sitzen, sonst könnte das Holz hier trotzdem abscheren.

20 Um einen bündigen Abschluss dauerhaft und vor allem auch unter Belastung der Regalböden zu gewährleisten, können die Anschlagleisten und Regalböden miteinander verleimt werden.

21 Das Regal kann nun nochmals an den Außenseiten und Vorderkanten geputzt werden. Achten Sie dabei darauf, mit einem sehr scharfen Hobel zu arbeiten, um eine bestmögliche Oberflächengüte zu erreichen.

22 Wenn Sie das Regal ölen möchten, achten Sie bitte auf eine ausreichende Trockenzeit. Ansonsten droht zum Beispiel das Papier der Bücher Öl zu ziehen.