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Prominent gelegen


Münster! - epaper ⋅ Ausgabe 85/2019 vom 02.11.2019

Münster – Sie hat sehr gern im Kreuzviertel gewohnt, aber in ihrer neuen Wohnung an der Promenade hat Marika das Gefühl, mitten im Leben zu sein. Im Sommer sitzen Jugendliche und Familien auf der gegenüberliegenden Wiese, auf der mit großen Blumen-Lettern steht: Münster bekennt Farbe. Mitten im Leben? Das passt hier.


Artikelbild für den Artikel "Prominent gelegen" aus der Ausgabe 85/2019 von Münster!. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Münster!, Ausgabe 85/2019

AUSSCHAU Der Erker bietet nicht nur bestes Leselicht, sondern auch den schönsten Ausblick auf die Radfahrer und Fußgänger der Promenade


» Für mich gibt es nichts Schöneres als aus meinem Erker heraus den Radfahrern und Spaziergängern zuzusehen.« Marika fährt selbst viel mit dem Rad und ist ...

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... von ihrer zentralen Wohnung nun noch schneller am Ziel. Die Entscheidung für das neue Zuhause fiel durch die Initiative ihrer Tochter. Die war in den Immobilienanzeigen auf das angebotene Haus gestoßen und wollte es kaufen. Die Wohnung im Erdgeschoss könne man ja vermieten, so die laut ausgesprochene Überlegung. »Da habe ich nicht lange überlegt, sondern sie direkt gefragt, ob sie nicht an mich vermieten wolle, denn ich werde ja auch nicht jünger!« Wenn man sie in ihrer Wohnung mit Garten erlebt, möchte man ihr direkt widersprechen. Marika ist sportlich unterwegs und immer an Neuem interessiert. »Aber im Kreuzviertel wohnte ich in der ersten Etage mit hohen Decken, während ich hier nur wenige Stufen hinauf zum Erdgeschoss gehe.« Eine Entscheidung für die Zukunft, aber auch für den Genuss der Gegenwart.


»FÜR MICH GIBT ES NICHTS SCHÖNERES ALS AUS MEINEM ERKER HERAUS DEN RADFAHRERN UND SPAZIERGÄNGERN ZUZUSEHEN.«


STARKE KONTRASTE

Das neue Zuhause hatte zuvor eine Steuerberatungskanzlei beherbergt, mit vielen Gipskartonwänden, die die großen Räume unterteilten, und einer üblichen Büroeinrichtung mit heller Beleuchtung. Da brauchte es viel Vorstellungsvermögen, wie man daraus ein behagliches Zuhause schaffen konnte. Zum Glück waren sich Mutter und Tochter aber in vielen Punkten einig. Das zeigt sich am eindrücklichsten in der Gestaltung der Bäder in Schwarz-Weiß. »Wir haben die gleichen Wand- und Bodenfliesen gewählt und jeweils mit Holzaccessoires ergänzt. Mein Bad in der letzten Wohnung war ja auch schon Schwarz-Weiß, für meine Tochter war die Umstellung daher größer«, lacht sie. Weil ihre Tochter keinen ihren Geschmack treffenden Waschtischunterschrank fand, ließ sie für beide Wohnungen welche aus einem Stahlrahmen mit einer Platte aus Nero Assoluto, einem Hartgestein, bauen. Darunter haben einfache schwarze Rollcontainer Platz, in die all der Kleinkram im Bad hineinpasst.

1927 Die Villa stammt aus dem Jahr 1927 und steht mit den beiden flankierenden Gebäude unter Ensembleschutz


BIERGARTEN Ein lauschiger Biergarten wäre das hier auf jeden Fall. Das dachte sich auch ein Besucher, der während der Umbauarbeiten Platz nahm


Auch in den übrigen Zimmern zeigt sich Marikas Vorliebe für den starken Kontrast. Schwarze Arbeitsplatte zu weißen Küchenfronten, dunkle Möbel vor weißen Wänden und schwarze Bilder mit weißer Schrift. Dazu kommen aber unzählige bunte Accessoires. Ihre Freude am Absurden zeigt sie gern. »Wer hat schon einen Engel auf dem Kühlschrank?« Sie sammelt außerdem leidenschaftlich gern außergewöhnliche Abbildungen, Sprüche oder Illustrationen und rahmt sie. »Da hatte ich in meinem letzten Zuhause natürlich mehr Möglichkeiten, sie aufzuhängen, denn die Wohnung war einige Quadratmeter größer.« Den vorhandenen Platz weiß sie jedoch gut zu nutzen.

LAUSCHIG Besucher von Marika gehen zum rückwärtigen Eingang durch den Garten an der wunderschön illuminierten Haustür vorbei


SKURRIL »Wer hat schon Engel auf dem Kühlschrank?«, fragt Marika lachend. Ihre Vorliebe fürs Absurde lebt sie außerdem mit ihren gerahmten Fundstücken aus


DIREKT INS WOHNZIMMER

Das Haus steht mit den nebenstehenden Gebäuden unter Ensembleschutz, sodass nicht viel verändert werden durfte. Zu ihrem Leidwesen mussten drei vorhandene Fenster zugemauert werden, denn sie waren nachträglich in den 1970er Jahren hinzugefügt worden und gehörten nicht zum ursprünglichen Gebäude. Außerdem lagen sie direkt in der Grenzmauer zum Nachbargrundstück. »Da kamen dann die Denkmalschützer vorbei, um zu kontrollieren, ob auch wirklich gemauert worden ist.« Damit beide Wohnungen getrennt werden konnten, erhielt die Erdgeschosswohnung einen direkten Zugang zum Garten, der als Wohnungstür fungiert. »Einen Garten habe ich in meiner letzten Wohnung am meisten vermisst.« Dort hatte sie zwar einen großen Balkon, aber wenn man Gartenliebhaber ist, reicht das meistens nicht. Ihre Tochter war dafür umso glücklicher, ihren Garten gegen einen großen Balkon zu tauschen.

BEHÜTET Hüte findet man in Marikas Wohnung an vielen Stellen. Zusammen mit dem Heiligenbild lässt es sich so gut behütet schlafen


BLACK … and White. Das Bad folgt einem strengen Konzept von Nichtfarben, ergänzt durch Holzelemente und -accessoires


Durch die Wohnungstür steht man nun direkt im Wohnzimmer. »Das ist wie in Amerika und stört mich kein bisschen «, erklärt Marika. Was sie dagegen verwunderlich fand, war das Verhalten mancher Promenadenbesucher während des Umbaus. »Wir hatten tatsächlich mal Leute an unserem Gartentisch sitzen, die der Ansicht waren, das wäre jetzt hier ein neuer Biergarten«, lacht sie. Wenn man im Schatten der hohen Promenadenbäume an Marikas Gartentisch sitzt, ist das Verhalten dieser Besucher fast nachvollziehbar. Es wäre eine schöne Vorstellung, aber für ein Bier in diesem Ambiente muss man schon die Hausherrin kennen. Vielleicht haben Sie ja das Glück?


»MEIN BAD IN DER LETZTEN WOHNUNG WAR JA AUCH SCHON SCHWARZ-WEISS«


GESAMMELT Marika liebt Schätze vom Flohmarkt, wie das kleine Schränkchen im Bad, das sie tiefschwarz lackierte