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Prontieren Sie von den statistisch besten Ilandelstagen


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 25.02.2021

Die Börse folgt bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Anders als die Naturgesetze gelten sie zwar nicht jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat. Aber langfristig gibt es durchaus wiederkehrende Muster, die Trader regelmäßig nutzen können. Zum Beispiel lässt sich klar zeigen, dass an verschiedenen Börsentagen unterschiedliche Renditen erzielt werden. Genau diesen statistischen Effekt nutzt die Mad-Monday- Strategie aus.


DIE MAD-MONDAY-STRATEGIE

Artikelbild für den Artikel "Prontieren Sie von den statistisch besten Ilandelstagen" aus der Ausgabe 3/2021 von Traders. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Traders, Ausgabe 3/2021

Viele Anleger kennen die klassischen saisonalen Effekte am Aktienmarkt. Dazu zählen die Halloween-Strategie, die Jahresendrallye oder der Januareffekt. Solche Saisonalitäten ...

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... sind sehr nützlich, wenn es darum geht, längerfristige Handelsentscheidungen zu treffen oder das Exposure am Aktienmarkt zu steuern.

Allerdings gibt es bei diesen klassischen Saisonalitäten aufgrund des festen jahreszeitlichen Bezugs nur wenige Signale bzw. Handelsgelegenheiten. Gerade für Trader könnten deshalb kurzfristigere Saisonalitäten interessant sein. Hier ist etwa der Turn-of-the-Month-Effekt zu nennen, der um die meisten Monatswechsel herum statistisch signifikant auftritt. Doch es geht noch kurzfristiger: Saisonalitäten können auch innerhalb einer Handelswoche auftreten.

Der Wochentagseffekt

Die Mad-Monday-Strategie („verrückter Montag”) nutzt einen statistischen Wochentagseffekt. Die Auswertung des Autors von 5739 Schlusskursen von S&P 500 und Nasdaq-100 zwischen Januar 1999 und Dezember 2020 ergab die in Tabelle 1 dargestellten historischen Renditen. Hätte man also seit 1999 jeden Freitagabend zum Schlusskurs den S&P 500 gekauft und ihn am Montagabend wieder verkauft, wären aus 100 US-Dollar per 31.12.2020 nur 94,45 US-Dollar geworden, was einem Verlust von 5,55 US-Dollar entspricht (Tabelle 1). Und das, obwohl Transaktionskosten in dieser Betrachtung noch nicht berücksichtigt sind.

Andrè Staggc

André Stagge hat zehn Jahre als Portfoliomanager gearbeitet und für seine Kunden über 500 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Er ist geprüfter Eurex-Händler, Certified Financial Technician (CFTe) und Chartered Financial Analyst (CFA).

info@andre-stagge.de; www.andre-stagge.de

Deutlich profitabler wäre es gewesen, vom Schlusskurs am Dienstagabend bis zum Mittwochabend im Nasdaq- 100 investiert gewesen zu sein. Hier wäre das Kapital auf 264,88 US-Dollar gestiegen. Und noch etwas besser war die Rendite bei einem Engagement von Mittwoch bis Donnerstag.

Die Strategic

Insgesamt können wir erkennen, dass in der Vergangenheit die höchste Rendite zwischen dem Schlusskurs am Montag und dem Schlusskurs am Donnerstag verdient wurde. In der restlichen Zeit, also am Freitag, über das Wochenende und auch am Montag selbst, gab es in den untersuchten amerikanischen Aktienindizes historisch betrachtet nichts zu verdienen. Die Idee, von den Aktienmarktbewegungen während der Woche und nicht von denen während des Wochenendes zu profitieren, ist auch nach Transaktionskosten deutlich profitabel und rechtfertigt den Zeitaufwand.

Durch das gezielte Investment am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag konnte sowohl im S&P 500 als auch im Nasdaq-100 eine viel höhere Rendite erzielt werden als bei einem Investment von Donnerstagabend bis Montagabend. Zusätzlich zur höheren Rendite wies die Strategie auch ein geringeres Risiko auf. Natürlich sind die hier vorgestellte statistische Analyse und die darauf basierende einfache Handelsstrategie nur ein erster Schritt. Unter Anwendung weiterer Instrumente und Filter können Trader die Rendite weiter verbessern beziehungsweise das Risiko weiter reduzieren.

Welche Erklarungen gibt es?

Doch wie lässt sich eigentlich erklären, dass die Renditen in der Woche höher sind als übers Wochenende? Eine Überlegung ist, dass den Marktteilnehmern an den Wochenenden keine Gelegenheit gegeben wird, auf schlechte Nachrichten zu reagieren. Stattdessen eröffnen die Märkte am Montag auf einem niedrigeren

Kursniveau, wenn es am Wochenende negative Ereignisse gab. Die Absicherung über einen Stopp-Loss ist nicht möglich, da am Wochenende kein Handel stattfindet. Nun mögen institutionelle Anleger aber keine Risiken und neigen deshalb dazu, sich abzusichern. Deshalb werden am Freitag tendenziell Risikopositionen verkauft und Absicherungen ins Depot aufgenommen. In den letzten Jahren wurde diese Tendenz durch eine strengere Regulierung noch beschleunigt. Institutionelle Trader müssen sich an klare Vorgaben halten und sind durch die Regulierung aufgefordert, keine großen Risikopositionen über Nacht oder das Wochenende zu halten. Ein Indiz dafür ist auch die in den letzten Monaten deutlich gestiegene Übernachtrendite.

Eine weitere Erklärung ist die Idee, dass Trader an den Wochenenden zur Ruhe kommen möchten. Sie nutzen die handelsfreie Zeit, um die Nachrichtenlage aufzuarbeiten und am Montag wieder mit aktuellen Analysen zu starten. Eventuelle Risiken am Wochenende brauchen sie dabei nicht zu fürchten, wenn sie über das Wochenende keine Positionen halten. Und überhaupt ist es für tendenziell eher risikoaverse Markteilnehmer sinnvoll, schwer kalkulierbare Risiken zu vermeiden.

Wochcntagsrcnditcn als Indikator fÜr den Aktienmarkt

Das Ergebnis unserer historischen Rückrechnungen ist die eine Sache – dass diese einfache Anomalie zuletzt nicht so gut funktionierte, ist eine andere. So lag vor allem die Rendite am Montag in den letzten Monaten anhaltend und deutlich über ihrem historischen Erwartungswert. Das könnte uns im Sinne eines Indikators auch Hinweise auf die Verfassung des Aktienmarktes geben. Das letzte Mal hatten wir eine ähnliche Divergenz in den Jahren 1999 und 2000. Damals war die Performance während des Wochenendes und am Montag ebenfalls deutlich besser als zwischen Dienstag und Donnerstag.

Interessant ist, dass das aktuell unübliche Verhalten seit dem 17. März 2020 besteht. Seitdem ist der historisch unbeliebte Montag zum mit Abstand besten Börsentag avanciert. Trader, die bewusst das Risiko eingingen und übers Wochenende spekulative Long-Positionen hielten, wurden belohnt (siehe Tabelle 2). Es gab also anscheinend viele Käufer, die bis Montagabend 22 Uhr deutscher Zeit auf steigende Kurse setzten. Zusätzlich zur hohen Rendite seit März 2020 fällt die geringe Schwankungsbreite an Montagen auf. Der Freitag blieb dagegen auch seit März 2020 weiterhin ein Tag eher fallender Kurse, etwa aufgrund von Gewinnmitnahmen oder durch die Absicherungen institutioneller Marktteilnehmer.

Aktuclle Interpretation

Die persönliche Interpretation des Autors zum veränderten Mad-Monday-Effekt ist, dass wir keinen Paradigmenwechsel bei den professionellen Investoren haben.

Mittel- bis langfristig sollte neben dem Freitag auch der Montag wieder zu den schwierigen Börsentagen gehören.

Die zuletzt beobachtete Abweichung mit deutlich steigenden Kursen am Montag ist wohl den vielen neuen Tradern geschuldet, die über gehebelte Positionen und mit einer hohen Marginauslastung über das Wochenende und am Montag investiert sind.

Ein ganz ähnliches Verhalten konnte schon in den Jahren 1999 und 2000 beobachtet werden. Die Risiken waren damals nicht mehr so stark im Fokus der Trader und Investoren. Es ging eher um die möglichen Renditen. Vielleicht ist das auch jetzt wieder der Fall. Seit März 2020 sind die Börsenkurse deutlich gestiegen und besonders der Nasdaq-100 konnte hohe Gewinne an Montagen verzeichnen.

Fazit

Langfristig lässt sich zeigen, dass die Renditen am US-Markt zwischen dem Schlusskurs am Montag und dem Schlusskurs am Donnerstag erzielt wurden. In der restlichen Zeit gab es in den untersuchten Aktienindizes nichts zu verdienen. Seit März 2020 war der zuvor negative Montag aber unerwartet rentabel. Wie lange dieses Phänomen anhalten wird, lässt sich schwer sagen. Aber vermutlich bleibt die Montagseuphorie nicht allzu lange bestehen. Eine Rückkehr zum „Mad Monday” könnte deshalb ein guter Indikator für eine auch insgesamt abnehmende Risikofreude sein.


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