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PSSM – DIÄT TROTZ HANDICAPS?


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 45/2021 vom 05.02.2021

Gendefekte schützen nicht vor Übergewicht, und so ist man auch mit einem Pferd, das unter dem Gendefekt PSSM leidet, nicht davor gefeit, den Kalorienzähler ansetzen zu müssen für die Traumfigur. Aber wie kann auch ein PSS-Mler gesund abnehmen, ohne dass man durch eine Diät ausgelöste Symptome oder sogar Schübe riskiert?


Jegliche vorliegende Befunde haben Einfluss auf eine notwendige Diät – so natürlich auch bei Pferden mit der Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM). Zuerst sollte deshalb unterschieden werden, welche Form des Gendefekts vorliegt, denn hier finden sich signifikante Unterschiede, die auch ...

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Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 45/2021

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... bei einer gewünschten Gewichtsabnahme bestimmen, wie vorgegangen werden muss.PSSM Typ 1 stellt mit der Mutation des GYS1-Gens eine Veränderung des Zuckerstoffwechsels dar. Aufgrund des Defekts werden abnormal viel und stark verkettete Speicherzucker (Glykogene) in der Muskulatur eingelagert, die bei Abruf nicht so schnell zu Glukose zurückgebaut werden können, wie es bei Pferden ohne Gendefekt der Fall wäre. Das dadurch entstehende Symptombild reicht von leichten Steifheiten bis hin zu schweren verschlagähnlichen Schüben. Eine angepasste Fütterung legt bei betroffenen Pferden den Schwerpunkt darauf, möglichst wenige Kohlenhydrate zuzuführen und in Kombination mit einer auf viel Bewegung ausgelegten Haltung möglichst viel Zucker bereits vor der Einlagerung zu verbrennen.PSSM Typ 2 ist ein Sammelbegriff, der verschiedene genetische Veränderungen berücksichtigt, die mit Myopathien wie MFM (Myofibrilläre Myopathie) und RER (Recurrend Exertional Rhabdomyolysis) assoziiert werden, dabei aber keine Zuckerspeicherstörungen darstellen. Vielmehr bezeichnen diese Defekte Veränderungen an und in bestimmten Bindungsproteinen der Muskelfibrillen bzw. im Falle der Variante Px eine Kalziumverteilungsstörung der Muskelzellen. Typ 2 beschreibt also einen Symptomkomplex und keinen einzelnen Gendefekt. Testbar sind derzeit die Varianten P2, P3, P4, P8, Px und K1. Auch wenn eine kohlenhydratarme Fütterung hier oft einen positiven Einfluss auf die Ausprägung der Symptome hat, liegt der Schwerpunkt bei P2, P3 und P4 auf der gezielten Versorgung mit Proteinen und Aminosäuren, die höher dosiert werden sollten als bei Pferden ohne diese Defekte. Man versucht damit, dem degenerativen Verlauf der Myopathie entgegenzuwirken. Px/RER stellt keine speziellen Anforderungen an die Fütterung, man orientiert sich grob an der PSSM-Typ- 1-Diät. Eine stressarme und bewegungsstarke Haltung hat sich bei allen Formen bewährt.Leider können Pferde positiv für Typ-1- und eine oder sogar mehrere Typ-2-Myopathien sein, was die klinische Auffälligkeit und Schwere der Symptome enorm beeinflussen kann. Heilbar ist keine der Formen, eine lebenslang angepasste Fütterung und Haltung kann den Verlauf aber entschieden beeinflussen.

Jede Diät sollte einen guten Plan haben – dann geht auch mal eine Leckerei zwischendurch.


Innere Werte sieht man nicht von außen

Unverzichtbar für eine abgestimmte Ration sind Analysewerte des genutzten Heus.


Wann immer wir über Diäten sprechen, brauchen wir Zahlen und Fakten. Leider sieht man Heu von außen nicht an, welche Gehalte an Kohlenhydraten, Energie und Protein es hat. Wer also gezielt Diät halten will oder muss, kommt an einer Heuanalyse nicht vorbei. Will man eine Ration berechnen, die einerseits auf eine Gewichtsabnahme abzielt und damit energiereduziert ist, andererseits aber gezielt mit Nährstoffen ergänzt werden muss, um keine anderweitige Unterversorgung zu riskieren, braucht man Analysewerte und eine Bilanzierung. Neben den im Futter enthaltenen Kohlenhydraten ist für PSSM-Typ-2-Pferde vor allem das Wissen über den Proteingehalt des Heus essenziell. Hier ist der mit pcvXP (praecaelcal = dünndarmverdaulich) angegebene Wert ausschlaggebend. Erst ab einem Gehalt von etwa 50 Gramm dünndarmverdaulichem Rohprotein pro Kilogramm Heu kommt man in den Bereich der Bedarfsdeckung bei Pferden mit P2, P3 und P4. Voraussetzung dafür ist eine Heumenge von eineinhalb bis zwei Kilo pro 100 Kilogramm Gewicht und Tag – und das wird in einer Diät auch mal nicht erreicht.
Ein weiterer Vorteil der Analyse: Wer den Gehalt an Mineralien und Spurenelementen kennt, kann punktgenau und bedarfsgerecht auch den Mineralausgleich anpassen. Dies ist nicht nur für Myopathie-Pferde essenziell, wobei hier Mängel vor allem bei den muskelwirksamen Komponenten noch schwerer wiegen. Verschiedene Labore bieten deutschlandweit Heuanalysen an. Wichtig bei der Auswahl ist die Bestimmung nach GfE 2014 (Energie in ME, Protein in pcvXP). Als aussagekräftige Margen-Misch-Probe sollten immer mehrere Ballen an verschiedenen Stellen beprobt und zur Analyse eingereicht werden.

Die PSSM-Typ-1-Diät

Aber wie lässt man den Typ-1-PSS-Mler nun gezielt abspecken, wenn dies nötig ist? Simple Antwort: kaum anders als ein gendefektfreies Pferd. Glücklicherweise verträgt sich diese Form der PSSM sehr gut mit jeglichen Diäten, denn ein Typ-1-Pferd muss bereits täglich einen strickten Futterplan einhalten. Da jegliche Futtermittel aufgrund der angeborenen Zuckerspeicherstörung einen Gehalt von nicht mehr als grob geschätzt zehn bis zwölf Prozent an Kohlenhydraten aufweisen sollten und Zuckerbomben wie Müsli, Leckerlis und Co sowieso tabu sind, ist die tägliche PSSM-Typ-1-Ration meist schon von Natur aus eher energiearm. Weil der Energiewert – also die „Kalorien“ – zum größten Teil aus den enthaltenen Kohlenhydraten resultiert, ist zuckerarmes Heu (fast) automatisch niedrig im Energiewert. Geht man von einem durchschnittlichen Gehalt von 7 MJ ME (Megajoule umsetzbare Energie) im kg TM für Wiesenheu aus, liegt das ideale PSSM-Typ-1-Heu noch darunter. Und so können selbst in der Diät oft ausreichend hohe Mengen geeigneten Heus zugeführt werden. Stroh wird von den meisten PSS-Mlern ebenso gut vertragen und kann, bis zu maximal einem Drittel der Raufutterportion, ein wichtiger Anteil der energiereduzierten Mischration zum gewünschten Gewichtsverlust sein. Wird dies, wie es in seltenen Fällen passieren kann, nicht vertragen, kann Grassamenvermehrungsheu zum Strecken eine Alternative sein. Dieses Nebenprodukt des Grassamenanbaus bezeichnet Heu, dessen Saaten vollständig ausgedroschen wurden zur Saatgutgewinnung und das im Futterwert dem Stroh ähnlich ist.
Der Proteinbedarf unterscheidet sich bei dieser Myopathie nicht von dem eines Pferdes ohne die genetische Veränderung und ist der Altersklasse, Haltungsform und Arbeitsleistung anzupassen. Wie auch bei jedem anderen Pferd muss während der Diät sichergestellt werden, dass auch bei einer heruntergesetzten Ration der Bedarf gedeckt bleibt. Es kann also durchaus passieren, dass man zugunsten der Proteinbilanz kleine Mengen Heus einsparen und durch zuckerarmes, aber proteinreiches Beifutter ersetzen muss. Meist ist der Typ-1-PSS-Mler aber auch auf Diät bereits gut versorgt mit einer kombinierten Heu-Stroh-Ration und einem passenden Mineralausgleich.

Die PSSM-Typ-2-Diät

Krippenfutter und gezielte Mineralzusätze gleichen aus, was die Grundration nicht decken kann – das ändert sich auch in einer Diät nicht.


Kniffliger wird es da schon, wenn eine oder mehrere der PSSM-Typ-2-Formen vorliegen. Zwar gibt es keine so strikten Grenzwerte für die Kohlenhydratenzufuhr wie bei Typ 1, die grundlegende Fütterung ist aber ähnlich zu planen: keine Müslis, Getreide und Co, dafür ausreichend zuckerarmes Heu.

Mit den Formen P2, P3 und P4, die mit der MFM (Myofibrilläre Myopathie) assoziiert werden und eine degenerativ verlaufende Myopathie bezeichnen, kommt allerdings auch ein erhöhter Proteinbedarf ins Spiel. Einfach erklärt: Da der Muskel aus Proteinen und Aminosäuren besteht und es hier Schäden an den Bindungsproteinen gibt, die die Muskelfaser stabil und zusammenhalten, wird durch eine erhöhte Proteinzufuhr der Proteinstoffwechsel so weit positiv beeinflusst, dass immer deutlich mehr zur Verfügung steht, als gebraucht wird. Der degenerative Verlauf wird so zwar nicht aufgehalten, dennoch aber „verlangsamt“. Da nun aber jede Diät die Gefahr einer negativen Nitrogenbilanz mit sich bringt (es wird weniger Eiweiß zugeführt als verbraucht), wird es nicht unbedingt einfacher, wenn bereits von Grund auf ein deutlicher Mehrbedarf vorliegt. Wer hier nicht aufpasst, kann Muskelabbau und eine Verstärkung der Symptome bis hin zu Schüben riskieren. Ein Harnstoffwert im Blutbild im unteren Referenzbereich bzw. bereits darunter kann ein Hinweis auf eine Unterversorgung sein. Besser, es kommt aber gar nicht dazu und die Ration wird im Vorfeld genau berechnet. Man rechnet hier mit mindestens 20 Prozent mehr, als es das vergleichbare Pferde ohne den Defekt benötigen würde. Ebenso verhält es sich mit den essenziellen Aminosäuren, allen voran Lysin, Methionin und Threonin.
Der beste Freund in der Fütterung von Pferden mit P2, P3 und P4 ist also früh geschnittenes Heu, welches einen höheren Proteingehalt hat als bereits abgeblühte Gräser. Dies dann kombiniert mit wenig Zucker und einem moderaten, der Diät entsprechenden Energiegehalt zu finden kann ein wahrer Drahtseilakt werden. Stroh kann oft nur wenig oder gar nicht eingesetzt werden, da die Protein-Energie-Bilanz noch schlechter ausfällt. Beim Krippenfutter eignen sich vor allem Futtermittel mit wenig Zucker und viel Protein. Die Luzerne kann hier zu einem unverzichtbaren Begleiter werden, ist aber wiederum kritisch zu sehen bei Pferden, die zusätzlich das veränderte Px in sich tragen und somit auf zu viel Kalzium reagieren könnten. Hier wären speziell proteinreiche Heucobs mit über 70 Gramm dünndarmverdaulichem Rohprotein im Kilo Trockenmasse eine bessere Alternative. In moderaten Mengen kann auch Esparsette genutzt werden.
Auch der Einsatz von speziellen konzentrierten Aminosäuren-Präparaten kann nötig werden, da diese extrem viel Protein und Aminosäuren bei einem vergleichbar geringen Energiegehalt und geringer Fütterungsmenge aufweisen. Hier hält der Markt nun auch Produkte auf Basis von Ölsaaten bereit, die keine der in einer naturnahen Fütterung durchaus strittigen Komponenten wie Soja und Algen enthalten, wie sie üblicherweise bei Muskelaufbaupräparaten genutzt werden. Bei Px-Pferden ist derzeitig kein Mehrbedarf für die Ration bekannt. Es ist auf eine ausgewogene Kalziumzufuhr zu achten, und bei Pferden, die ausgeprägt die typische „Explosivität“ zeigen, haben sich durch den Zusammenhang mit dem Nervensystem B-Vitamine bewährt. Auf Getreide und getreidehaltige Müslis sollte selbstredend verzichtet werden.

Jahreszeit und Aufwuchs bestimmen maßgeblich den Futterwert von Gras und damit die für eine Diät angemessene Weidezeit.


Weidegang in der Diät – ja oder nein?

Diese Frage stellt sich wohl ein jeder Besitzer mit einem Abspeck-Kandidaten. Während Pferde mit PSSM Typ 1 durch die gestörte Zuckerspeicherung generell empfindlich auf Gras reagieren können, profitieren Typ-2-Pferde in doppelter Hinsicht: Sowohl die langsame Mehrbewegung beim Grasen als auch vor allem der hohe Proteingehalt des jungen Frühjahrsgrases sorgen dafür, dass diese Gruppe der PSS-Mler in den Sommermonaten oft deutlich weniger symptomatisch erlebt wird als in der weidefreien Zeit. Meist kann dann sogar Zusatzfutter deutlich zurückgefahren werden.
Nun stellt sich aber die Frage, wie gut sich der Weidegang generell mit einer Diät verträgt. Hier bleibt ganz klar wieder der Blick auf die Zahlen, denn es verliert nur derjenige Gewicht, der weniger Energie zu sich nimmt, als er verbraucht. Daher geht die 24-Stunden-Sommerweide auch bei einem PSS-Mler oft nicht konform mit einer gewünschten Gewichtsabnahme, obwohl die Mehrbewegung vor allem in aktiven Gruppen als positiv zu wertender Faktor nicht zu unterschätzen ist. Stundenweiser Koppelgang auf geeigneten Flächen mit zuckerarmen Pferdegräsern kann also auch beim Abnehmen ein wichtiger Bestandteil der Ration bleiben. Hier geben ganz klar Flächengröße, Bewuchs, Grassorten und Jahreszeit die Regeln vor. Fette und zuckerreiche Weidelgras-Wiesen sind in jeder Diät abzulehnen. Aber nicht nur bei PSSM: Fette Weiden und Pferde sind keine ideale Kombination.

Die Mineralversorgung

Ebenso sollte die Mineralversorgung konstant bedarfsdeckend gehalten werden, auch und gerade dann, wenn abspeckt werden muss. Da ein Mineralzusatz selten mit einer Diät korreliert, sind hier wohl die wenigsten Probleme zu erwarten. Die Besonderheiten liegen in den Gendefekten selbst. Einen signifikanten und bewiesenen Mehrbedarf haben alle PSSM-Pferde praktisch ausschließlich an Vitamin E, wo man bereits auf Sportpferdeniveau einsteigen kann: Das heißt, rund zwei Milligramm pro Kilo Körpergewicht des Pferdes; im Einzelfall auch mehr. Extra Magnesium braucht es nur, wenn das Verhältnis von Kalzium zu Magnesium über 2:1 in der gesamten Ration liegt. Bedarfsdeckend ist Heu mit durchschnittlich ein bis zwei Gramm pro Kilo Trockenmasse immer, nur kann ein zu ungleiches Verhältnis die Resorption negativ beeinflussen, wodurch es trotzdem zu Mangelzuständen kommen kann.
Auch die muskelwirksamen Spurenelemente Selen und Mangan sollten bei Myopathie-Pferden immer im Auge behalten werden. Auch wenn hier kein bekannter Mehrbedarf besteht, wirken sich Mängel oft deutlicher aus als bei Tieren ohne den Gendefekt. Manganmangel selbst kann myopathieähnliche Symptome auslösen, und viele PSS-Mler zeigen sich deutlich unauffälliger mit einer erhöhten Manganversorgung. Auch hier ist die Analyse der Heuwerte unerlässlich, da der Gehalt in Wiesenheu extrem schwanken kann. Mengen von unter 30 bis über 200 Milligramm pro Kilo Trockenmasse sind möglich.

Workouts für die Bikinifigur

Idealerweise lebt der PSS-Mler bereits in einer bewegungsintensiven 24-Stunden-Haltung, wie sie etwa ein großzügiger Offen- oder Aktivstall beziehungsweise ein Paddocktrail bieten, und verbrennt so zusätzliche Kalorien jeden Tag. Ist die freie Bewegung eingeschränkt, muss schon bedingt durch den Gendefekt ein Bewegungsplan her, da dies neben der Fütterung die zweite wichtige Säule der „Therapie“ darstellt. Dabei ist tägliche, gleichförmige Bewegung wichtig, denn häufige Stehtage mit Leistungsspitzen dazwischen sind für alle PSSM-Typen schlecht. Grundsätzlich haben betroffene Pferde aber eher ein Problem mit zu wenig Bewegung als mit zu viel. Ideale Vorraussetzungen also für ein gesteigertes Bewegungsprogramm, um den Energieumsatz während der Diät zu vergrößern. Wichtigster Faktor ist hierbei die Vermeidung von unnötigem Stress, der sogar zum Trigger für Schübe werden kann. Neben dem Training und der Haltung spielt deshalb auch die Herdenzusammensetzung eine entscheidende Rolle. Sowohl die Aufwärmphase als auch der Cooldown sollten besondere Beachtung finden, dann kann ein PSS-Mler auch Intervall-Trainings, Equikinetic und andere Workouts absolvieren, die die Kalorienverbrennung in der Diät ordentlich ankurbeln.

LIZA GERBER

… Jahrgang 1977 und nach Jahrzehnten im Dressursattel mittlerweile passionierte Westernreiterin, kam 2009 zum ersten Mal mit PSSM in Kontakt durch ein selbst gezüchtetes Pferd mit PSSM Typ 1. Dies prägte maßgeblich ihren folgenden Weg. Als Futterberaterin mit dem Spezialgebiet Stoffwechselstörungen berät sie heute Pferdehalter, doziert an einem Privatinstitut zur Ausbildung von Tierheilpraktikern und schreibt Fachartikel.


(Foto: Equinomedia / Claudia Rahlmeier)

(Foto: Equinomedia / Claudia Rahlmeier)

(Foto: Equinomedia / Claudia Rahlmeier)

(Foto: Equinomedia / Claudia Rahlmeier)

(Foto: Kai Glawe)