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PSYCHOLOGIE für jeden Tag: Durch Zufall erfuhr Amel, dass sie viel weniger verdient als ihre männlichen Kollegen: Geschafft! „Jetzt werde ich gerecht bezahlt“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 22.02.2019

Noch immer kriegen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger Lohn als Männer. So ging es auch Amel Lariani (45) aus Trier. Aber erst, als sie die Zahlen schwarz auf weiß sieht und der Chef nur mit den Schultern zuckt, steht für sie fest: „Da mache ich nicht mehr mit“


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 9/2019

Weiblich, stark, selbstbewusst: „Man muss keinen Hosenanzug tragen, um kompetent zu sein“


Amel Lariani (45) aus Trier hat eine Bilderbuch-Karriere hingelegt. In vier Jahren arbeitet sie sich von der Junior-Beraterin zur Teamleiterin in einer luxemburgischen Bank hoch. Ein Spitzenjob.

„Ich war für große Firmenkunden zuständig, habe mit ...

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... Millionenbeträgen jongliert, hatte sehr viel Verantwortung“, sagt sie. Rund 86 000 Euro Jahresgehalt, ein schönes Büro, namhafte Kunden – das macht sie stolz. Und das Beste: Einmal im Jahr winkt sogar noch eine Bonuszahlung. Beschlossen war, dass dieser Bonus für alle im Team gleich ausfällt. 2012 kommen erstmals die Scheckbriefe – und der Schock: „Wir haben die Briefe feierlich gemeinsam geöffnet. Meine beiden männlichen Kollegen bekamen 22 500 Euro – ich 8500 Euro. Für die gleiche Arbeit, die gleiche Position, die gleiche Risikoverantwortung.“

Amel weiß, dass sie gut verdient, aber hier geht es ums Prinzip: „Egal wo eine Frau das Gleiche leistet wie ein Mann, steht ihr auch derselbe Lohn zu.“ Sie fühlt sich gedemütigt, kämpft damals gegen die Tränen. „Das war einfach ungerecht! Bin ich weniger wert als die Männer?“

Auch die Kollegen selbst sind verwundert, wollen Amel trösten. Und bei den Gesprächen mit den beiden kommt raus: Nicht nur die Bonuszahlung fällt ungleich aus. „Die Männer bekamen auch rund 20 Prozent mehr Jahresgehalt – ich habe die Welt nicht mehr verstanden“, sagt Amel. Am nächsten Tag nimmt sie ihren Mut zusammen, klopft bei ihrem Chef an, will eine Erklärung. Doch der winkt nur ab und sagt: „Das haben andere entschieden.“ Amel ringt mit sich, fühlt sich ohnmächtig, spürt: „Ich will hier nicht mehr arbeiten, ich fühle mich nicht wertgeschätzt.“

Doch sie ist alleinerziehende Mutter, ihr Sohn Noah erst zwölf Jahre alt, die Wohnung noch nicht abbezahlt. „Ich hatte tierische Angst vor einem Neuanfang, dachte, ich schaffe das nicht alleine“, sagt sie. „Durch die viele Arbeit, den ganzen Stress habe ich mit 39 Jahren sogar Herzprobleme bekommen, musste ins Krankenhaus.“ Nach der Klinik verzichtet sie auf eine Reha, kommt zurück zur Arbeit – und wird am nächsten Tag gefeuert. „Ich habe wohl zu viele Frage zu der Lohn-Ungerechtigkeit gestellt. Die Kündigung riss mir den Boden unter den Füßen weg.“


Als sie aufmuckt, wird die alleinerziehende Mutter gefeuert


Doch die Kündigung zwingt sie auch, sich ihrer Angst zu stellen. Sie weiß, sie muss ihr gekränktes Selbstbewusstsein wieder aufbauen. „Ich habe mir dann klargemacht, was ich als Angestellte alles geleistet habe, ich war wirklich gut in meinen Job.“ Sie spricht sich Mut zu, wie ein Mantra, immer wieder: „Ich schaffe das, ich kann das!“ Und tief in sich spürt sie: „Den Schubser durch die Kündigung habe ich gebraucht, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – glücklich wäre ich in meinem alten Job nie wieder geworden.“

Schon in der Zeit bei der Bank hat sie Kurse geleitet, Auszubildende geschult und an Wochenenden Workshops zur Unternehmensführung gehalten. Das baut sie jetzt aus, bringt innerhalb weniger Monate ihre eigene kleine Firma zum Laufen. „Das lief finanziell gut, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mir das nicht genügt.“ Sie möchte Menschen wirklich helfen, „ihre Persönlichkeit stärken, nicht nur an beruflichen Fassaden polieren.“

Sohn Noah, inzwischen 16, merkt, dass seine Mutter erneut Kummer hat, sich wieder Zukunftssorgen macht. Er redet ihr ins Gewissen: „Was willst du für eine Mutter sein“, fragt er sie ganz direkt, „eine, die ihre Träume lebt oder eine, die Angst hat? Ist doch egal mit der Wohnung, dann ziehen wir halt aus. Wichtig ist, dass du das machst, woran du glaubst.“

Amels Weckruf! Jetzt packt sie die Sache richtig an. Seit einem Jahr ist sie Partnerin in einer großen Personalberatung für Frauen (www.huntingher.com). „Weil es mir ein Herzensanliegen ist, Frauen stark zu machen!“ Ihre dunklen Hosenanzüge hat sie im Schrank verschwinden lassen: „Jetzt trage ich selbstbewusst rote Kleider, High Heels und Lippenstift bei der Arbeit – ich bin eine Frau und das macht mich kein Stück weniger kompetent“, sagt sie.

Vor zwei Jahren hat Amel sich ein Tattoo stechen lassen, das ist jetzt ihr Lebensmotto: „Believe in you“ – glaube an dich.

Amel ließ sich ihr Lebensmotto tätowieren. Auf Deutsch: „Glaub an dich“ (r.)

Warum kriegen Frauen weniger?

Henrike von Platen (48)
Expertin für Wirtschaft und Lohngerechtigkeit


HENRIKE VON PLATEN: Männer werden oft nach vermeintlichem Potenzial bezahlt, statt nach tatsächlicher Arbeitsleistung. Das ist unfair! Wir müssen mehr über das Tabuthema Geld sprechen.

Warum lassen sich viele Frauen das gefallen?

Weil sie ganz andere Dinge im Blick haben als Männer: Sind die Kollegen nett? Gefällt mir die Arbeit? Lässt sich der Job gut mit Familie vereinbaren? Stimmen diese Faktoren, wird das Gehalt nur selten hinterfragt. Sehen wir die Lohnunterschiede allerdings schwarz auf weiß wie Amel, kann das wachrütteln. Geld und Gleichbehandlung bedeuten auch Wertschätzung.

Wie spricht man die Vorgesetzten darauf an?

Informieren Sie sich im Internet, was Ihre Arbeit wert ist, legen Sie sich Argumente zurecht, welchen Mehrwert Sie dem Unternehmen bieten und üben Sie im Freundeskreis oder vorm Spiegel. Ist mehr Geld nicht möglich, sind Homeoffice-Tage oder Sachleistungen Alternativen. Wichtig: Begegnen Sie Ihrem Vorgesetzten auf Augenhöhe – geht das nicht, kann ein Jobwechsel sehr befreiend sein.


Fotos: Katharina Hummel (3), Colourbox, Mauritius, Oliver Betke