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PSYCHOLOGIE: Lachen Die menschliche Superkraft


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 29/2019 vom 12.07.2019

Warum Lachen einen so starken Einfluss auf unsere Seele und unseren Körper hat. Und auf unsere Mitmenschen


Artikelbild für den Artikel "PSYCHOLOGIE: Lachen Die menschliche Superkraft" aus der Ausgabe 29/2019 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 29/2019

FREUDE
Gackern, prusten, kichern: Wer viel lacht, lebt gesünder


20 SEKUNDEN herzhaftesLACHEN erfordern körperlicheTOPLEISTUNG vergleichbar mit 3 Minuten schnellem Rudern


Lachen Sie mal! Lauthals und hemmungslos. Am besten über sich selbst. Geht das? Wenn ja, beherrschen Sie eine der größten Fähigkeiten. Das zumindest behauptet die Expertin Silvia Rößler, die unter dem Titel „Die Kraft des Lachens“ einen Podcast produziert, also regelmäßige Sprachbeiträge im Internet. Die Tanz- und ...

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... Theaterpädagogin und Lachyoga-Lehrerin verspricht: „Lachen motiviert!“

Mit ihrem Podcast will die 60-Jährige bei den Hörern eine „Bewusstseinserweiterung und Bewusstseinserheiterung“ erreichen. Klappt das wirklich? Ich mache den Test: Auf dem Weg zur Arbeit höre ich die aktuelle Folge von Rößler im Gespräch mit Michael Berger, dem „Harlekin aus Wiesbaden“. Und, kein Witz: Ich spüre die Kraft des Lachens. Buchstäblich. Und fühle, wie meine Laune steigt. Warum ist das so?

Spontaner Anstieg derGlückshormone

„Das Erleben der Erheiterung ist lustvoll“, sagt Dr. Reiner W. Heckl, Neurologe und Autor des Buches „Das lachende Gehirn“, das am 24. August erscheint (Klett-Cotta, 240 Seiten, 19,99 Euro). Ob beim Zuhören, bei einem Blickkontakt oder im Gespräch: „Wenn wir nett angelacht werden, kommt es zu einer Endorphinausschüttung im neuronalen Belohnungssystem unseres Gehirns“, so Heckl. Das heißt: Glückshormone und entzündungshemmende Botenstoffe fließen, die Selbstheilungskräfte werden anregt, gleichzeitig die Stresshormone Adrenalin und Cortisol reduziert. Die kurzzeitigen Veränderungen im Hormonhaushalt sorgen so für Schmerzlinderung und die Stärkung des Immunsystems.

WOHLTAT Über sich selbst lachen zu können ist eine Kunst – und tut einem gut


100 MUSKELN sind am Lachen beteiligt, davon18 GESICHTSMUSKELN


GELÖSTHEIT Kinder machen Quatsch, sind albern und noch leicht zu begeistern


Lachen macht uns vitaler. Im ganzen Körper werden über 100 Muskeln aktiviert. Das Zwerchfell hüpft. Das Herz schlägt schneller. Der Stoffwechsel wird angeregt. Die intensivere Atmung sorgt für frischen Sauerstoff im Gehirn. Lachen ist Tanzen der Atmung, sagt eine indische Weisheit.

Und nach einem Lachanfall? Der Körper beruhigt sich. Die Arterien weiten sich. Der Blutdruck sinkt wieder. „Lachen ist der direkteste Anti-Stress-Mechanismus“ sagt der Arzt und TV-Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen. „Stress spannt die Muskulatur an – beim Lachen lassen wir los.“

Die Wahrnehmung unseresKörpers

Lachen ist ansteckend. Das kennt wohl jeder: Man kommt abends mal schlecht gelaunt von der Arbeit und gerät zufällig in eine Gruppe lachender, scherzender Menschen. Im Nu verflüchtigt sich die üble Laune. Ausgelassenheit macht sich breit. Die evolutionäre Bedeutung dieser Gefühlsübertragung ist für Heckl offenkundig: „Ein Gleichklang des Gefühls führt zu einer gemeinsamen Stimmung in der Gruppe, verstärkt den Zusammenhalt und ermöglicht gemeinsames Handeln.“

Schon im Säuglingsalter komme es zu dieser emotionalen Ansteckung. „Wenn eine Mutter ihren Säugling anlächelt, dann lächelt dieser selig zurück – und die Begeisterung der Mutter kennt keine Grenzen“, sagt der Experte. „Diese Lächelkommunikation stärkt ungemein die Bindung zwischen Mutter und Kind.“

Dass wir uns vom Lachen anstecken lassen, verdanken wir bestimmten Nerven im Gehirn, den Spiegelneuronen, die Bewegungsmuster erzeugen. Wenn also andere lachen, wird auch bei uns die Lachmimik angeregt. „Diese Aktivierung unserer Lachmuskeln bedingt, dass in uns die gleiche Emotion aufsteigt – in diesem Fall Heiterkeit“, so Heckl.

Zum Lachen, aber keineswegs lächerlich ist, dass es heute deutschlandweit 243 Lachclubs gibt, in denen sich die Mitglieder regelmäßig zum organisierten Gelächter treffen. Sie meinen das durchaus ernst, denn es hat sich gezeigt: Willkürliches Lachen löst zugleich eine echte Heiterkeit und damit Wohlbefinden aus und geht in ein natürliches, unwillkürliches Lachen über. „Durch die gegenseitige emotionale Ansteckung wird das Lachen dazu noch verstärkt“, sagt Heckl.


„Kinder lachen400 Mal am Tag, Erwachsene nur20 Mal.“
Dr. Eckart von Hirschhausen


Lachen verbindet also. Wer im Fernsehen eine Comedysendung sieht, wundert sich bestimmt schon mal, warum Scherze, die eher geistlos daherkommen, beim Publikum wahre Begeisterungsstürme auslösen. Heckl erklärt es: „Das Publikum geht von vornherein mit der Erwartung in die Show, erheitert zu werden. Die Stimmung ist allein durch diese Erwartung gehoben, die Lachschwelle gesenkt, durch die gegenseitige Ansteckung wird ein entstehendes Lachen noch zusätzlich intensiviert.“ Nun könnte man meinen, Lachen habe immer etwas mit Freude und Erheiterung zu tun. Mitnichten! „Am allerhäufigsten lachen wir bei ganz normalen Gesprächen“, weiß Heckl, „bei denen es oft sogar nur um Banalitäten geht.“ So komme es in einem üblichen Gespräch von zehn Minuten etwa sechsmal zu Einsprengseln von kurzen Lachern, die sowohl der Sprecher als auch der Hörer von sich geben, meist abwechselnd, oft aber auch gemeinsam. Der Experte bezeichnet sie „in erster Linie als positive Signale wie: ‚Ich bin dir freundlich gesinnt’ oder ‚Du bist mir sympathisch’“. Lachen beim Gespräch sei also oft ein Ausdruck von Solidarisierung. Und er fügt hinzu: „Wer lacht, will nicht beißen.“


Werlacht , will nicht beißen.“
Dr. Reiner W. Heckl, Neurologe und Psychiater


VERGNÜGENLachen wirkt oft ansteckend. Es ist ein Reflex, der Menschen in einer Gruppe miteinander verbindet


Humor ist eine Sache desCharakters

Lachen und Humor hängen eng zusammen. Das bedeutet aber nicht, dass sie das Gleiche sind. Lachen ist ein Reflex, also ein rein motorischer Vorgang, Humor dagegen, so Dr. Reiner Heckl, „die Fähigkeit, sich leicht und gern erheitern zu lassen, aber auch selbst gern andere zu erheitern“. Erst seit dem 18. Jahrhundert habe der Begriff dann auch die Bedeutung einer Charaktereigenschaft bekommen.
Von Mensch zu Mensch verschieden, sagt diese Wesensart etwas über die Art und Weise aus, wie jemand mit Ereignissen in seiner Umgebung umgeht. „Der humorvolle Mensch nimmt sich selbst und auch die Welt nicht ganz so wichtig“, so der Experte. Außerdem schafft er es, sein Gegenüber hin und wieder in positive Stimmung oder gar zum Lachen zu bringen.

Testen Sie mal, ob Sie über den folgenden Witz lachen können: „Warum gehen Fliegen nicht in die Kirche? Sie sind Insekten.“ Sie haben gelacht? Gut. Falls nicht, auch gut. Denn grundsätzlich gilt: Jeder lacht über etwas anderes. Und genau das macht die Wissenschaft des Lachens, die sogenannte Gelotologie, so schwierig.

„Was viele nicht wissen: Die Humorfähigkeit lässt sich trainieren“, sagt Eckart von Hirschhausen und rät zu mehr Leichtigkeit (siehe seine Tipps rechts). „Humor ist vor allem eine spielerische Grundhaltung, und wer sich selber auf den Arm nimmt, macht anderen damit die Arbeit leichter.“ Wäre doch gelacht, wenn man das nicht hinbekäme.

5 TIPPS für mehr Leichtigkeit

DR. ECKART VON HIRSCHHAUSEN
Lachen Sie gern? Etwa über die neue CD des Moderators „Ist das ein Witz?“ (siehe S. 113). Was er sonst noch rät:


1 Kommen Sie Ihrem eigenen Humor auf die Spur

Worüber lachen Sie gern? Was sind Ihre Vorbilder: auf der Bühne, im Fernsehen oder im Kino? Wer hat Sie in der Familie geprägt? Schreiben Sie eine kleine Liste, und besorgen Sie sich „Übungsmaterial“ ihrer Lieblinge, DVDs, Bücher, Eintrittskarten.

2 Lassen Sie sich anstecken von guten Leuten

Gehen Sie an Orte, wo viel gelacht wird, umgeben Sie sich mit Menschen, die gern lachen. Wir können uns nicht selber kitzeln, wir brauchen andere, die uns „anstecken“.

3 Lernen Sie staunen wie Loriot

Kennen Sie Situationen, bei denen man denkt: Das ist doch wie bei Loriot? Worüber könnte man sich aufregen, aber eben auch lachen? Bei Loriot reicht ein kleines „Aja“, um die Irritation über etwas Unerwartetes auszudrücken. Gewöhnen Sie sich an, wenn etwas nicht so ist, wie Sie sich es wünschen, zu sagen: „Ach, interessant!“

4 Trauen Sie sich nach vorn

Fangen Sie an, selber humorvolle Situationen zu erschaffen. Wenn Sie gern Witze erzählen, erweitern Sie Ihr Repertoire. Entdecken Sie Ihre Freude am Improvisieren und Ausprobieren. An den Volkshochschulen gibt es Kurse, etwa in „Theatersport“.

5 Stolpern Sie mit Freude, und stehen Sie wieder auf

Unvermeidlich glücklich wird, wer über eigene Macken und falsche Erwartungen schmunzeln kann, wer hinfällt und wieder aufsteht – und immer einmal mehr aufsteht als hinfällt. Merke: Wer sich vornimmt zu scheitern, kann gar nicht mehr scheitern, sondern nur gescheiter werden.


FOTOS: S. 8-9: VEY/TWINKLE IMAGES; S. 10-11: GETTY IMAGES (3), PLAINPICTURE, FRANK EIDEL