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PSYCHOLOGIE: Wildes Erbe der Katzen


Geliebte Katze - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 14.01.2020

Wie viel Raubkatzen-Natur steckt noch in unseren Hauskatzen – und was können wir tun, um diesem Erbe gerecht zu werden?


Artikelbild für den Artikel "PSYCHOLOGIE: Wildes Erbe der Katzen" aus der Ausgabe 2/2020 von Geliebte Katze. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Geliebte Katze, Ausgabe 2/2020

Vor rund 9000 Jahren begann die Domestikation der Hauskatze mit der Sesshaftwerdung des Menschen im fruchtbaren Halbmond. Und obwohl es kaum ein zärtlicheres und sanfteres Wesen als eine gut sozialisierte Katze gibt, kann sich ebendiese Katze in Sekundenbruchteilen in ein wildes Tier verwandeln, das nicht wiederzuerkennen ist. Denn selbst die durchgezüchtete und seit bald zwei Jahrhunderten selektierte Rassekatze kann noch immer auf ein wildes Erbe zugreifen.

Ihre Instinkte machen die ...

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... Katze zu dem, was sie ist

Mit wenigen Ausnahmen – zum Beispiel extrem gezüchtete Perser oder Nacktkatzen – könnte sich beinahe jede Katze immer noch unabhängig selbst versorgen, wenn es darauf ankommt. Nicht, dass sie das warme Sofa und die gut gefüllte Futterschüssel gerne auf Dauer gegen den Survival-Trip eintauschen, aber sie könnten innerhalb von wenigen Tagen die Evolution um ein paar Schritte zurückdrehen. Das Jagen liegt Katzen im Blut. Sogar ausschließlich in der Wohnung aufgewachsene Katzen wissen instinktiv, worauf es dabei ankommt.
Aber nicht nur beim Jagdverhalten hat sich die Katze viel ihrer ursprünglichen Natur bewahrt, auch in anderen Verhaltensbereichen kann sie immer noch blitzartig zum Wildtier werden. Denn Katzen sind nicht nur kleine Raubtiere, sondern auch Beute für größere Raubtiere – und dazu gehört prinzipiell der Mensch. Lernt eine junge Katze in den ersten sieben Lebenswochen, dass der Mensch ein verlässlicher Sozialpartner und kein Feind ist, wird das Vertrauen sehr groß sein. Für unzählige Katzen ist dieser Sozialisationsprozess leider unvollständig, weil sie zu wenig oder erst viel zu spät freundlichen Kontakt mit Menschen haben. Diese mangelhaft sozialisierten Katzen zeigen uns am ehesten, wie das Wildtier Katze ist: Sie sind schreckhaft, oft ängstlich und wann immer sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren oder bedroht zu sein, bereit zu fl üchten oder sich kompromisslos mit allen ihren Waff en zu verteidigen. und bedrohlich kann für das kleine tier Katze vieles sein – ungewöhnliche aktivitäten oder besuch in der Wohnung, laute Geräusche, das auftauchen der transportbox oder an sich alltägliche Handlungen wie bürsten, transport zum tierarzt oder das eingeben von tabletten.

Revierkämpfe Territoriale Aggression dreht sich um Ressourcen


Kommunikation Kratzmarkieren hinterlässt Botschaften


Noch eine andere form von aggression ist für überwiegend frei lebende oder richtige Wildkatzen von bedeutung, bei der Hauskatze jedoch höchst unangenehm. territoriales Verhalten und das aggressive Verteidigen des reviers wären nicht mehr wichtig, wenn im vom Menschen gebotenen revier alles verfügbar ist, was die Katze braucht. Kastrierte Katzen, die außerhalb der fortpfl anzungskonkurrenz sind, die immer freien zugang zu futter und genug sichere rückzugsräume haben, können territoriale aggression noch aus Prinzip zeigen – weil sie einfach weiterhin in der wilden Natur der Katze liegt. im engen zusammenleben mit anderen Katzen ist dieses kämpferische Verhalten nicht wirklich leicht zu kontrollieren.

Nervenkitzel Das Jagen liegt jedem Stubentiger im Blut


hier sind Missverständnisse oft vorprogrammiert

Schließlich tragen auch manche Kommunikationsformen, die die Katze aus ihrer evolution mitgebracht hat, zu Missverständnissen im zusammenleben mit Menschen bei. Das Krallenschärfen ist eigentlich eine form der geruchlichen Kommunikation, bei der die Katze mit ihren Pfoten Pheromone deponiert. Noch intensiver – und wenn auch nicht die Detailinformationen, so doch für den Menschen wahrnehmbar – sind Harnmarkierungen. für die Katze eine selbstverständliche art, innere anspannung bei Konfl ikten abzubauen, ist dieses Verhalten doch höchst unangenehm und ein großer Schaden im Haushalt.

Wie viel Wildheit in einer Katze steckt, ob und wann sie zum ausdruck kommen wird, lässt sich nur schwer vorhersagen. Die Genetik hat natürlich einen gewissen einfl uss – und von einer seit ein paar Jahrhunderten gezielt gezüchteten rassekatze kann man vermuten, dass sie weniger Wildtier ist als die seit Generationen im halben Selbstversorgermodus lebende europäische Kurzhaarkatze vom bauernhof. Manche Katzenrassen wie die bengalen oder Savannah haben allerdings um des besonderen rosettenmusters willen eine kleine auff rischung mit Genen kleiner Wildkatzen bekommen. Dies zeigt sich manchmal als unerwünsch- tes Verhalten und macht diese Katzen anspruchsvoll. Tatsächlich kann gerade das Jagdverhalten einer Katze so ausgeprägt sein, dass sie bei reiner Wohnungshaltung kaum ausreichend zu beschäftigen ist. Wenn es nichts zu jagen gibt, beginnen diese Katzen, ihre überschüssige Energie auf Beine und Hände oder auch andere Katzen umzurichten.

Heil in der Flucht Katzen brauchen die Möglichkeit des sicheren Rückzugs


Fotos: Adobe Stock (2), Shutterstock (3)

Erkennen und erfüllen Sie die Bedürfnisse Ihrer Katze

Neben den genetischen Einflüssen haben natürlich auch die Lebensbedingungen eine ganz besondere Bedeutung dabei, ob sich die Katze als entspanntes Haustier geborgen und zufrieden fühlt oder ob sie zum wilden Raubtier wird.

Grundsätzlich gilt: Je wilder und schlechter sozialisiert eine Katze ist, desto höher sind ihre Ansprüche an eine katzengerechte Umwelt, sichere Rituale und klare vorhersehbare Kommunikation mit dem Menschen. Dazu gehören nicht nur sichere, sondern vor allem auch komfortable Rückzugsplätze, an denen die Katze sich entspannen kann. Regelmäßige interaktive Jagdspiele mit kleinen Beuteattrappen an einer Angel sind der beste Weg, den Jagdeifer in die richtigen Bahnen zu lenken. Wichtig dabei ist, dass die Spielbeute nicht zu bedrohlich wirkt und sich vor allem realistisch verhält. Selbst jagdeifrige Katzen mögen keine Jagdspiele, bei denen die Beute darum bettelt, gefangen zu werden – da sind ahnungslose Menschenbeine doch viel lustiger zu fangen.

Gerade der wilde Kern, der noch in so gut wie allen unseren Katzen steckt, macht sie zu so attraktiven Haustieren, die sich nicht „hündisch“ ergeben, sondern ein großes Maß an Selbstständigkeit bewahrt haben. Genau dieser wilde Kern macht es aber auch nötig, Katzen nicht nur als quadratisch, praktisch, klein in der Wohnung zu halten, sondern ihre katzentypischen Bedürfnisse zu kennen und dementsprechend zu befriedigen.