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Puber tät im Anmarsch – das Lernen wird kompliziert


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schule - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 17.06.2022
Artikelbild für den Artikel "Puber tät im Anmarsch – das Lernen wird kompliziert" aus der Ausgabe 3/2022 von schule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Wenn die Kinder sich in der Grundschule endlich eingelebt haben und sich richtig wohlfühlen, ist damit dann auch schon wieder Schluss: Es geht an die weiterführende Schule. Der Abschied von der Grundschule ist für die Kinder der nächste „big deal“. War die Grundschule noch überschaubar, finden sie sich nun plötzlich an einer riesigen Institution voller älterer Kinder wieder. Von den „Größten“ in der 4. Klasse werden sie in der 5. Klasse wieder zu den „Kleinsten“ …

Dann sind sie also in der 5. Klasse: Eine neue Schule, neue Umgebung, alles ist gigantisch groß …! Erinnerst du dich noch an deinen ersten Besuch in einem Flughafen?

Das hat dich ganz sicher auch erst mal umgehauen. Es fängt schon mit den Wegen an: Die sind weit. Liebe Helikopter-Eltern, wenn ihr euer Kind wirklich bis zum Klassenraum bringen wollt, zieht bitte sicheres Schuhwerk an. Es dürften ein paar Schritte mehr sein. Einen Schirm ...

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... braucht ihr aber nicht. Auch keinen Proviant. Auch keine Tabletten gegen Reiseübelkeit.

Die nächste Herausforderung heißt neue Klassenkameraden. Da muss man sich erst mal einsortieren und sich seiner Rolle klar werden.

Generell ist natürlich der sozioemotionale Faktor daheim auch für das Gefühl des Kindes in der Schule sehr entscheidend. Denn wer durch eine Trennung der Eltern beispielsweise sehr belastet ist, kann nicht lernen und wird auch keinen Spaß daran haben.

Zu Hause muss Stabilität herrschen, um gut lernen zu können. Ein paar grundsätzliche Dinge, die ihr als Eltern beim Wechsel auf die höhere Schule beachten solltet:

Euer Kind sollte sich seiner Stärken bewusst sein – hat schließlich in der Grundschule einige davon kennengelernt – und mit Freude und Zuversicht die weiterführende Schule beginnen.

Ihr könnt euer Kind dabei unterstützen, indem ihr im Vorfeld eventuelle Sorgen gemeinsam besprecht und dem Kind versichert, dass ihr fest an seine Fähigkeiten glaubt.

Versucht gerade zu Beginn keine Erwartungen an das Kind zu formulieren oder Druck auszuüben. Kinder brauchen Zeit, um sich in ihrem neuen Umfeld zu orientieren und einzuleben. Diese Herausforderungen müssen Kinder in den ersten Wochen und Monaten für sich bewältigen. Zusätzlicher Druck von außen blockiert da nur.

Achtet darauf, dass es mittags einen Ausgleich für die Kinder gibt. Lasst sie spielen. Wenn es geht, draußen. Das bringt auch was für die Schule. Wie sagte eine Pädagogin so schön: „Wer schaukeln kann, versteht auch Subtraktion!“

Und Physik – wegen des freien Falls.

Wenn es an der weiterführenden Schule Probleme gibt, würde ich zunächst das Gespräch mit meinem Kind suchen und versuchen herauszufinden, was es bedrückt. So ein Verhalten entsteht ja nicht ohne Grund, und diesen gilt es herauszufinden. Sofern das Kind keine Auskunft geben kann oder möchte – und der Zustand längere Zeit anhält –, rate ich dazu, die Klassenleitung zu kontaktieren. Vielleicht gab es in der Schule eine Situation, die das Kind als sehr unangenehm empfunden hat? Oder es gibt neue schulische Inhalte, von denen es sich überfordert fühlt? Darüber kann die Lehrkraft gezielt Auskunft geben, denn sie hat täglich mehrere Stunden intensiven Kontakt zu dem Kind.

„ÜBERLEGT MIT DEM KIND GEMEINSAM, WIE ES GUT LERNT, UND FINDET HERAUS, WAS ES ABHÄLT“

Das Problem ist, dass die Kinder in den ersten Schulklassen in der Tat noch nicht erfassen können, was die Schule langfristig bringen kann. Deshalb ist es umso wichtiger, sich auf das Praktische zu konzentrieren und grundsätzlich eine positive Lern-Atmosphäre zu schaffen, anstatt zu belehren. Überlegt mit dem Kind gemeinsam, wie es gut lernt, und findet heraus, was es abhält. Denn dass es lernen muss, ist ihm ja bekannt, aber das „Wie“ wurde noch nie ergründet.

Es kann viel verändern, wenn ihr zusammen schaut, was für ein Lerntyp das Kind ist, aber auch welcher Motivationstyp – bei alldem ist zentral, mehr vom Kind auszugehen und weniger von den eigenen Vorstellungen als Erwachsener.

Welche Lernstrategien sind für das eigene Kind also am geeignetsten? 1. Ist die Uhrzeit die richtige, oder will es nach der Schule erst mal runterkommen und später lernen? 2. Soll die Mama in der Nähe sein, oder will das Kind es erst mal alleine versuchen? 3. Hört das Kind gerne Musik dazu, läuft es manchmal umher, wechselt es die Orte, setzt sich auf den Boden oder nutzt auch mal das Bügelbrett als Ausweichort? …

INSGESAMT GILT:

Gehe unvoreingenommen in das Schulleben deiner Kinder.

Deine Erfahrungen sind zunächst mal nicht ihre Erfahrungen. Leider ist es oft so, dass man den Kindern mehr Negatives sagt, weil man sich ärgert und sich das ja anders vorgestellt hat. Stell dir besser nichts vor! Mache dir lieber klar:

Für jede negative Äußerung braucht es mindestens drei positive, um das Gefühl wieder aufzulösen. Bleib positiv und reflektiert. Unterstütze dein Kind einfach bedingungslos.

Und da ist der Schultyp egal. Unseren Kindern stehen alle Türen offen. Steht immer hinter ihnen oder geht voraus und bleibt nicht im Weg stehen, sodass sie problemlos durch die Türen hindurchgehen können.

Die Beziehung zu deinem Kind ist immer wichtiger als die Schule. Die Noten sind kein Druckmittel, sondern eher eine von der Bildung instruierte Vergleichsmöglichkeit und natürlich in keinster Weise entscheidend dafür, welches Leben Kinder als Erwachsene leben werden. Ich habe keine Note in der Schule jemals für die Zukunft gebraucht. Manche brauchen sie beispielsweise für ein Studium, aber diese Erkenntnis wird in der Vorpubertät noch nicht reifen. Ich kenne kein zehnjähriges Kind, das sagt: „Ab sofort muss ich nur noch Einsen schreiben, denn ich will Rechtsmedizinerin werden, und dafür brauche ich später einen Numerus clausus von 1,0!“ So weit denken sie jetzt einfach nicht.

Das wäre auch – mit Verlaub – gar nicht gesund, denn Kinder sollten in dem Alter immer noch Kinder sein und sich ausprobieren dürfen.

„ES GIBT IM LEBEN NUN MAL SACHEN, DIE SIND WIRKLICH ÄTZEND, UND TROTZDEM MÜSSEN SIE GEMACHT WERDEN“

In der Vorpubertät geht es darum, den Kindern beiseitezustehen, wenn es verlangt wird, zu helfen und eine Lernumgebung zu gewährleisten, in der sie sich wohlfühlen. Es zu ermöglichen, dass es Spaß macht zu lernen. In der Pubertät hat dann die Schule kaum mehr Bedeutung. Erst ab der 10. Klasse bedienen die Teenager den eigentlichen Startknopf, und es geht los. Dann erkennen sie einen Sinn. Dann merken sie: Du lernst nicht für die Schule, nicht für die Eltern, sondern nur für dich. Endlich! ENDLICH!

Aber was, wenn die Tochter bis dahin die absolute Null-Bock-Schiene fährt? Vielleicht solltest du es mit Empathie und Verständnis versuchen, ihr aber trotzdem sagen, dass es keinen Ausweg gibt. Es gibt im Leben nun mal Sachen, die sind wirklich ätzend, und trotzdem müssen sie gemacht werden. Aufs Üben hat deine Tochter wahrscheinlich keine Lust, weil es extrem schwer ist für sie. Sag ihr, dass die Aufgaben durch das Üben leichter werden. Sag ihr, dass es auch in deinem Leben Dinge gibt, die du nicht machen magst, aber trotzdem tun musst. Gestaltet euch zu Hause eine schöne Atmosphäre, setzt euch zum Beispiel gemeinsam an einen Tisch, vielleicht mit einem Tee und ganz viel Ruhe. Sie macht ihre Hausaufgaben, du machst inzwischen etwas, das für dich nervig ist, Papierkram halt. Sag ihr, dass es dir viel mehr Spaß macht, wenn ihr zusammen seid. Und belohnt euch hinterher gemeinsam für das Geschaffte.

Wenn meine Tochter die Hausaufgaben nicht gemacht hat, muss sie in der Schule erklären, warum. Am Anfang war der Grund oft noch „keine Lust“, mittlerweile ist es „das Thema hat mich nicht interessiert“ oder „es war langweilig, weil ich alles schon wusste“. Die Lehrerin meiner Tochter schreibt sich diese Begründungen auf und passt ihre Hausaufgaben entsprechend an. So bekommt meine Tochter zum Beispiel keine Schriftübungen, weil sie sich dabei langweilt und sowieso schönschreibt, dafür darf sie öfter mal etwas auswendig lernen oder beispielsweise Blätter im Garten sammeln und bestimmen, welche Bäume wir hier haben. Ich habe meinem Sohn mal angeboten, dass er während der anstrengenden Matheaufgaben eine Pause machen könnte. Er meinte: „Ja, ein paar Tage wären schon cool!“

Das erinnerte mich an eine Mutter, die vier Wochen lang die Mathehausaufgaben ihres Sohnes machte. Aber er sollte sie sich danach ansehen und ins Heft übertragen. Nach einem Monat war er durch die Pause wieder frisch und mit neuem Elan dabei. Heute ist er Mathe-Lehrer. Ich kann mich nur wiederholen: Hausaufgaben finde ich nicht mehr zeitgemäß. Hausaufgaben sind dafür da, den Stoff zu vertiefen. Das Erlernte soll gefestigt werden. Das brauchen einige Schüler, aber einige eben auch nicht. Für viele sind Hausaufgaben auch schlicht nicht die richtige Form dafür. Höchstens eben die speziellen, individuell abgestimmten Haus- aufgaben. Ansonsten machen Hausaufgaben keinen Sinn.

Es ist für die Kinder bei diesem Thema auch eine neue Herausforderung, dass sie das alles selbstständig regeln sollen und notfalls auch die Konsequenzen tragen müssen. Diese muss die Schule vorgeben, was oft durch ein „Drei Striche bei nicht gemachten Hausaufgaben ergibt eine schlechte Note“ der Fall ist.

„EUER KIND KOMMT IN DIE PUBERTÄT. DA IST LERNEN NICHT DAS WICHTIGSTE“

Wir müssen begreifen, dass es bald so weit ist: nein, kein Abitur! Das Gegenteil. Keine Lust mehr auf Schule! Schule hat auf einmal keinerlei Wert mehr für unsere Kinder.

Die Wichtigkeit ist irgendwo zwischen „Teller in die Küche bringen“ und „Tante Hilde besuchen“ angesiedelt. Zu Beginn der Grundschule wollen unsere Kinder noch alle stolz machen. Die Eltern, die Großeltern, die Lehrer.

Ja, man lernt sogar für die Lehrer. Auch sie sollen stolz sein. Aber das ändert sich. Bald. Sehr bald. Ist leider so. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Euer Kind kommt in die Pubertät. Da ist Lernen nicht das Wichtigste. Die Teenager haben mit vielen anderen Dingen zu kämpfen. Unsere Erwartungen und die unserer Kinder stimmen nicht mehr überein. Daher: Druck rausnehmen und nicht noch mehr Druck aufbauen. Und sich immer wieder selbst fragen: Hattet ihr immer Lust auf Schule? Für mich ist die Schule ein verpflichtendes Angebot, von dem unsere Kinder mehr oder weniger Gebrauch machen. Zu Beginn der Pubertät ruht dieses Angebot oft. Und so etwa ab der 9. oder 10. Klasse erleben wir eine Wiederaufnahme. Ungefähr so wie bei meinem Fitnessstudio-Vertrag. Der ruhte auch lange. Leider kann man in der Schule keine Karteileiche sein. Dafür ist sie in der Regel kostenfrei.

„UND: NEIN, ‚FORTNITE‘ SPIELEN ALS ERDKUNDEERSATZ, WEIL MAN DA AUCH DIE KLIMAZO-NEN KENNENLERNT, IST KEINE ALTERNATIVE!“

Irgendwann geht es auf jeden Fall wieder los. Mit dem Engagement. Den Startschuss, das sei auch noch einmal deutlich gesagt, bestimmen aber unsere Teenager – nicht wir. Ja, zum Thema Schule ist viel Geduld notwendig. Und dies von Anfang an.

Das Schöne ist: Wir sind schnell mit unserem Latein am Ende, wenn wir wollen, dass unser Kind mit Latein beginnt. Im Endeffekt können wir es aber schlecht zur Schule schleifen, ihm Begeisterung für bestimmte Fächer eintrichtern oder es an den Schreibtisch ketten. Das einzig Mögliche sind Abmachungen. Zum Beispiel die, dass die Kinder die Noten zu Hause immer erzählen und dass sie die Vorbereitung auf die Klassenarbeiten, so gut wie es für sie geht, selbstständig durchziehen. Wir bieten Hilfe und Hilfsmittel an. Sie gehen ihren Weg. Und: Nein, „Fortnite“ spielen als Erdkundeersatz, weil man da auch die Klimazonen kennenlernt, ist keine Alternative!

Gerade ab der 5. Klasse werden die Karten dann neu gemischt. Es geht erst mal darum, dass die Kinder lernen, wie man lernt. Braucht er eine Pause nach der Schule? Sollte sie direkt weitermachen? Das bewährte Muster: „Erst die Arbeit, dann die Freizeit!“ Ist Ganztagsschule machbar? Frustriert es ihn total, wenn er von der Schule nach Hause kommt und trotzdem noch so viel machen muss? Denn eigentlich fängt doch jetzt die Freizeit an. Dann eventuell ihn lieber um 14 Uhr nach Hause kommen lassen. Wenn es mit dem Job schwer vereinbar ist, kann man Kinder in dem Alter auch mal ein bis zwei Stunden alleine lassen. Oft mögen sie das auch, weil sie sich dann erwachsener und ernst genommen fühlen. Dann am besten auch noch mal ab nach draußen.

Gerade in den frühen Pubertätsjahren wollen die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben. Von daher solltet ihr ihnen immer wieder die Gelegenheit geben, sich auszupowern und an der frischen Luft zu bewegen. Also zum Beispiel: erst Sport und dann Lernen. Letztlich müssen sie wissen, dass es ihre Aufgaben sind. Die Kinder stehen morgens vor dem Lehrer oder der Lehrerin und müssen mit den Kon- sequenzen leben. Braucht es die Eltern ständig, oder will er es erst mal alleine probieren? Wir befinden uns eigentlich ständig im selben Raum und stehen mit Rat und Tat zur Verfügung. Ich war oft etwas zu nah dran und habe die Hausaufgaben stets verbessert: Da hat der Sohnemann irgendwann gemotzt.

Wichtig ist, dem Kind die Zeit zu geben, sich zu sortieren, und dann zu schauen, wie es läuft. Die Tochter unserer Nachbarn war in der Grundschule der Überflieger. Auf dem Gymnasium fingen die Probleme an. Man freute sich, wenn es keine Sechsen waren. Bei einer Fünf wurde gejubelt, bei einer Fünf plus ein neues Game gekauft. „Wir sind drangeblieben“, sagen die Eltern. Jetzt macht sie gerade Abitur.

Und es kann auch sein, dass man irgendwann feststellt, dass das Gymnasium doch nicht das Richtige ist. Und man sucht sich Unterstützung in der Nachhilfe.

Auf dem Gymnasium zählen vor allem auch Wille und Motivation. Wenn das Kind beides nicht mitbringt, wird es auf Dauer schwer. In der Grundschule konnte man auch trotz Faulheit noch gute Noten haben. Das ändert sich nun. Das sollte unser Kind wissen. Und ja, es kann sein, dass es das nicht sofort allein begreift: Das müssen wir ihm sagen!

Auch in der Schule gilt, dass wir die Verantwortung für unser Kind haben, aber auch genau schauen sollten, dass wir die Zügel nun etwas lockern und sie kleine Strecken auch schon allein gehen lassen. Nicht bei den Hausaufgaben immer dicht nebendran sitzen, lieber gegenüber oder einfach in der Nähe sein und das auch mitteilen. Hilfe ist immer da.

Natürlich auch bei schlechten Noten. Biete Hilfe an, aber lass auch Raum zur freien Entfaltung und zum Abnabeln.

Sie müssen und wollen wachsen. Dafür braucht es Raum.

Ein genereller Tipp: Vergesst den Humor nicht – lacht auch mal gemeinsam über dumme Fehler.

Welcher Erziehungsstil ist ansonsten im Alltag nötig?

Bist du vielleicht zu kontrollierend oder zu passiv? Sei nicht zu nachgiebig, sie haben noch nicht die Reife und Erfahrung, alles in eigener Regie zu machen. Weise auch mal auf Dinge hin: „Ich bin frustriert, wenn das Geschirr im Wohnzimmer rumsteht. Bringe es bitte in die Küche. Sonst muss ich noch mehr laufen!“ Als Prämisse gilt: Im Gespräch bleiben. Wir können unsere Kinder aber nicht vor allem bewahren und ständig überwachen. Es ist nötig, dass sie sich mal wehtun, dass sie Enttäuschungen erleben.

Die unglaublich überbehüteten Kinder können einem leidtun. Sie gehen so was von unbedingt davon aus, dass Mama oder Papa sie beschützt, dass sie im Straßenverkehr nicht aufpassen müssen, dass sie überall herunterspringen oder jederzeit andere beleidigen können – es ist ja immer jemand da, der alles für sie geradebiegt, sie rettet und bewahrt. Halte hier die Verbindung zu deinem Kind aufrecht.

Gib ihnen mehr Informationen und Verständnis als Vorwürfe. Vorwürfe treiben sie weiter weg. Und noch weiter, und noch weiter. Wenn Kinder klare Grenzen kennen, fühlen sie sich sicher. Klare Grenzen, die spannend sind, die man versucht, mal auszudehnen und zu überspannen, und die dann Stück für Stück neu verhandelt werden.

Liebe Eltern, es gibt einen Unterschied zwischen Reden und Nerven: erst dem Kind zuhören, dann reden. Wir sind nicht in einer Talkshow. Man muss dem anderen nicht unentwegt ins Wort fallen, um seine Meinung zu sagen.

Lasst die Kinder aus der Realität lernen.

Bitte habt keine Angst, etwas falsch zu machen. Klappt nicht, ich weiß. Aber immer wieder versuchen! Ansonsten hemmt diese Angst in Verhandlungen auch im weiteren Verlauf der Pubertät die Kompromissbereitschaft, da ihr unterbewusst immer ein schlechtes Gewissen habt und dann zu schnell nachgeben könntet.