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Pubertät: Herausforderungen in der Pubertät


Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 03.12.2018

In der Pubertät suchen junge Menschen nach sich selbst, nach Selbstbestimmung in der Gestaltung ihres Alltages und mehr Unabhängigkeit von den Erwachsenen, wollen eigene Grenzen austesten und Erfahrungen erweitern, sich neu herausfordern und bewähren, dabei gesehen, ernst genommen und anerkannt werden. Schule im gekannten Muster dient ihnen da eher wenig. Sie sollte mit ihnen neue Wege erproben


Was passiert, wenn eine Schule entscheidet, dass in der Phase der Pubertät auch der beste Fachunterricht Grenzen hat und stattdessen die Jugendlichen frei entscheiden lässt, womit sie sich herausfordernund wie sie ...

Artikelbild für den Artikel "Pubertät: Herausforderungen in der Pubertät" aus der Ausgabe 12/2018 von Pädagogik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Pädagogik, Ausgabe 12/2018

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Was passiert, wenn eine Schule entscheidet, dass in der Phase der Pubertät auch der beste Fachunterricht Grenzen hat und stattdessen die Jugendlichen frei entscheiden lässt, womit sie sich herausfordernund wie sie sich engagieren möchten? Seit 2012 erprobt die Laborschule Bielefeld unterschiedliche Modelle von Entschulung/ Herausforderung. Dabei haben sich die Grundsätze nur wenig verändert und wurden in der PÄDAGOGIK bereits erläutert (vgl. Heft 7–8/2014): Partizipation und Mitbestimmung für die Jugendlichen; Anderes Lernenund anders lernen; ›echte Aufgaben‹ in Zusammenarbeit mit Experten; Fokus auf die Persönlichkeitsentwicklung durch altersangemessene Entwicklungsaufgaben (vgl.Havighurst 1972,Fend 2005).

Vier Mädchen der Laborschule Bielefeld brechen auf in ihr Abenteuer Herausforderung im September 2018


»Ich hatte mich ausführlich vorbereitet. Mir war es total wichtig, als Experte wahrgenommen zu werden.«


Was haben die drei aus der Organisation dieser Tour gelernt?»Das Wichtigste sind Absprachen und Teamwork. Wir haben gemerkt – ohne geht gar nix.« , erklärt Timo. Finn ergänzt:»Und ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Wir dachten anfangs ja, wir schaffen das einfach alleine und haben die Angebote der Erwachsenen ausgeschlagen. Das war ein Fehler. Wir waren zu selbstsicher. Da würde ich nächstes Mal ganz anders rangehen.« Nicklas:»Wir mussten auch die Freizeit planen und gestalten. Wenn wir an einem Campingplatz ankamen, brauchten wir einen Plan: Was machen wir jetzt? Auf Klassenfahrt ist das ja alles vorgegeben.« Das bewerteten die Jungenpositiv:»Wir haben gelernt, selbst etwas zu organisieren und spontan zu reagieren.« Ihre nächste gemeinsame Radtour planten sie für die darauffolgenden Sommerferien.

An der ›Wurzel der Information‹: Ralph im KlimaCampus Hamburg

Ralph reiste nach Hamburg zum KlimaCampus und lernte dort die Arbeit der Klimaforscher kennen.»Als ich von der Entschulung hörte, dachte ich nicht als Erstes an den Klimawandel. Es war nicht das Thema, was mich da hinführte. Das Projekt sollte einfach gut für andere sein, anderen nutzen. Da habe ich mir gedacht: über Klimawandel weiß ich nicht viel, aber ich wollte mich unbedingt dafür engagieren.« Also verfasste er eine EMail an eine Professorin des Klima-Campus Hamburg und beschrieb seine Projektidee:»Mein Ziel war es von Anfang an, die Arbeit der Forscherinnen und Forscher kennenzulernen, dort Wissen zu erwerben und es nach Bielefeld in Schulen zu bringen. Ich fragte mich: wie kann ich das Thema anderen Kindern klar und verständlich machen? Die Experten arbeiten da ja täglich daran – aber wie kommt dieses Wissen in Schulen?« Das war für Ralph die wichtigste Frage. Also schrieb er 20 Schulen in Bielefeld und Umgebung an. Keine Schule antwortete. Ralph befürchtete, das Projekt würde scheitern:»Zwischenzeitlich dachte ich: super, das mit demKlimaCampus klappt, dann erwerbe ich fürmich Fachwissen. Aber das war nicht mein Ziel. Ich wollte es teilen!« Durchdie Unterstützung von einem Lehrer erhielt er dochnoch drei Zusagen von einer Grundschulklasse und zwei Gesamtschulen, um dort Vorträge zu halten.

Im KlimaCampus arbeitete er zwei Wochen mit. Das Spannendste für Ralph war eine Exkursion ins Moor, um Proben zu entnehmenund an verschiedenen Messstationen den CO²-Gehalt zu überprüfen:»Da waren überall Sensoren und es war sehr technisch – das habe ich überhaupt nicht erwartet. Zwei Tagewar ich nur im Moor, dann einen Tag im Büro. Alles wurde statistisch ausgewertet.« Er lernte den Unterschied kennen zwischen biologischen Laboranalysen und digitalen Messmethoden. Riesige Computer berechnen aus den Daten Vorhersagen undModelle zumKlimawandel:»Mir wurden vieleHintergründe erklärt. Alles war neu für mich, in keinen Nachrichten oder Büchern hätte ich das lernen können. Diese Klimaexperten machen die Nachrichten. Manchmal kommen deren Erkenntnisse in die Zeitung oder in die Tagesschau. Ich war an der Wurzel der Information, das hat mich beeindruckt.«

Zurück in Bielefeld arbeitete er tagelang an seinem Vortrag, recherchierte Informationen und versuchte, die Sachverhalte für Kinder verständlich zumachen:»Ich hatte schon Bedenken. Ich weiß ja, dass nicht alle Schüler Interesse daran haben.« Seinen ersten Vortrag hielt er vor einer fünften Klasse:»Ich hatte mich ausführlich vorbereitet. Mir war es total wichtig, als Experte wahrgenommen zu werden.« Überrascht haben ihn die Fragen der Kinder:»Sie waren super begeistert und haben viele Fragen gestellt. Ich habe mich gewundert, dass ich alle beantworten konnte – einfach so, weil ich voll im Thema war.« Neben den inhaltlichen Fragen interessierten sichdie anderen Schülerinnen und Schüler natürlich für sein Projekt: Wie war das, alleine in Hamburg zu sein? Ralph wohnte bei Bekannten, die auch die Aufsichtspflicht übernahmen.»Im Nachhinein bedeutete dieses Projekt für mich, dauernd unterwegs zu sein. Ich lernte, mich in einer fremden Stadt zu orientieren, Buslinien zu finden. Und ich habe viel über Selbstversorgung gelernt.«


Aus zu eng gewordenen kindlichen Rollenmustern ausbrechen.


Das Klima nimmt er nun bewusster wahr:»Ich denke dauernd daran: Wie warm ist es heute? Was bedeutet dieser Sommer für den Klimawandel? Die ganzen Erfahrungen kommen immer wieder hoch.«

Präsentation

Nach der Rückkehr in die Schule zeigen sich die Jugendlichen aufgeregt und mitteilungsfreudig. Sie möchten auch hören: Wie war es bei den anderen? Um allen Interessierten zu zeigen, was sie während ihrer Projekte erfahren haben, gibt es einen Präsentationsabend in der Schule, organisiert wie ein Markt mit Ständen. Alle stellen vor, was sie mitgebracht oder produziert haben: selbst gebaute Longboards, Fotoalben und Tagebücher mit persönlichen Erinnerungen, Videoclips und vieles mehr. Ralph hält erneut seinen Vortrag – diesmal vor Eltern. Marina und Maya stellen Taschen und Kissenbezüge aus, die in der Zusammenarbeit mit Geflüchteten entstanden sind. Alle strahlen und berichten gerne.

Besucherinnen und Besucher erkennen: die Jugendlichen sind zu erstaunlichen Leistungen fähig, wenn sie aus ihren (zu eng gewordenen) kindlichen Rollenmustern ausbrechen dürfen und (entwicklungs-)angemessene Projekte angehen können, mit Handlungsanforderungen, die sie als bedeutsam einstufen. Sie wollen etwas bewegen und erreichen, sich selbstwirksam fühlen, Verantwortung über sich und für eine Sache übernehmen. Sie zeigen sich stolz auf das Erreichte, präsentieren sich kreativ und offen, berichten von Problemen ebenso wie über die Freude, einen Schlafplatz doch noch rechtzeitig vor Anbruch der Dunkelheit erreicht zu haben. Deutlich wird, wie sehr die Jugendlichen auf der Suche sind: sowohl nach konkreten Dingen wie Räumen und Schlafplätzen, aber auch nach menschlichen Grundbedürfnissen wie Anerkennung und Freiheit. Sehr wichtig ist es ihnen, eingebunden zu sein in ein soziales Netz: indemsie unterwegs sindmit Freunden, oder einen Treffpunkt für Geflüchtete anbieten oder mit Forscherinnen und Forschern zusammenarbeiten. Die Erfahrung, sich auch unter Schwierigkeiten bewährt zu haben, ein Projekt ›durchgezogen‹ und Hürden genommen zu haben – all das stärkt die Jugendlichen sehr und ist eine Hilfe für sie, sich selbst besser kennenzulernen.

Literatur

Fend, Helmut (2005): Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Wiesbaden
Hartmann, Ulrich/Hecht, Michael (2014): 8Wochen imJahrgang 8. Das Entschulungsprojekt ›Schlaraffenland‹. In: PÄDAGOGIK H. 7–8/2014, S. 12–15
Havighurst, Robert (1972): Development tasks and Education. NewYorkHurrelmann, Klaus (2010): Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Weinheim/Basel

Ulrich Hartmann ist Abteilungsleiter der Sekundarstufe und Mitglied im Forschungs- und Entwicklungsprojekt ›Herausforderung im Jahrgang 8‹ der Laborschule Bielefeld.

E-Mail: ulrich.hartmann@uni-bielefeld.de

Thomas Makowski ist Lehrer und Mitglied im Forschungs- und Entwicklungsprojekt ›Herausforderung im Jahrgang 8‹ der Laborschule Bielefeld.

E-Mail: thomas.makowski@uni-bielefeld.de

Adresse (beide): Laborschule Bielefeld, Universitätsstraße 21, 33615 Bielefeld