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Pustekuchen: Lasst uns diese alten Wortschätze retten!


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Lea - epaper ⋅ Ausgabe 31/2018 vom 25.07.2018

Unsere Sprache verändert sich ständig, immer mehr alte Begriffe geraten in Vergessenheit. Und das, obwohl viele von ihnen doch so schön sind


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Bildquelle: Lea, Ausgabe 31/2018

„Pustekuchen!“ sagen wir voller Schadenfreude, wenn jemand umsonst auf etwas gehofft oder wenig klug gehandelt hat. Das ist auch die ursprüngliche Bedeutung des aus dem Jiddischen stammenden Begriffs, der nichts mit Backwerk zu tun hat: „Puste“ kommt von „poschut“ („wenig“), „Kuchen“ von „chochem“ („klug“).

Pappenstiel, Firlefanz und Tausendsassa – solche Ausdrücke benutzt heute kaum noch jemand. Das ist ...

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... jammerschade, denn viele alte Wörter klingen nicht nur zauberhaft, sie erzählen auch spannende Geschichten über die Zeit ihrer Entstehung und über ihre Herkunft. Wir haben uns mal einige besonders schöne Beispiele herausgepickt – und plädieren dafür, sie ab sofort wieder – und ganz häufig! – zu verwenden.

Luftikus: So bezeichnet man einen Menschen, der das Leben nicht so schwer nimmt und auf den kein Verlass ist. Seinen Namen verdankt er Studenten, die dem Wort „Luft“ eine lateinische Endung anhängten. Im 19. Jahrhundert war das eine beliebte Methode, um mit Wörtern zu spielen.

Augenweide: Wer jetzt an Felder und Wiesen denkt, liegt völlig daneben. „Weide“ bedeutete im Mittelhochdeutschen so viel wie „Speise“ oder „Erfrischung“. Demzufolge ist die Augenweide ein besonders wohltuender Anblick.

Flausen: Der erste literarische Beleg für diesen Begriff tauchte im Jahr 1595 in Siebenbürgen im heutigen Rumänien auf. Eine Flause bezeichnete damals eine Wollflocke oder den Rest eines Fadens – also etwas Lockeres, das im Gegensatz zu festem Gewebe nicht unbedingt brauchbar ist oder schlichtweg zu nichts führt. Wer „Flausen im Kopf“ hat, den beschäftigen demzufolge dumme Gedanken und Unsinn.

Mopsen: Wer etwas mopst, der klaut etwas. Mit der Hunderasse Mops hat der Begriff in dieser Bedeutung allerdings nichts zu tun. Vielmehr stammt er vermutlich vom hebräischen Ausdruck mâ’ ôth (Münzen) ab, aus dem Gauner „Moos“ oder „Möpse“ machten. Ursprünglich bedeutete Mopsen ganz konkret Geld stehlen.

Schäferstündchen: Es kommt aus der Schäferdichtung des Barock und stand für die Momente, in denen sich der gelangweilte Adel bewusst der Natur und dem angeblich sündlosen Landleben widmete. Offenbar wandte er sich dabei aber auch gern anderen natürlichen Dingen zu – und das Schäferstündchen wurde zum Code-Wort für das Liebesspiel.

Firlefanz: Das Wort geht auf das altfranzösische „virelai“ zurück, das Ringellied bedeutete. Im Deutschen wurde daraus erst „firlefei“ und dann Firlefanz, gemeint war ein Hüpftanz. Und weil es im Leben Wichtigeres gibt, als herumzuhüpfen, wurde Albernes und Überflüssiges bald Firlefanz genannt.

Pappenstiel: Wenn wir sagen, dass etwas kein Pappenstiel ist, dann meinen wir, dass es von Bedeutung ist. Das Wort geht zurück auf die Papenblome, so hieß einst der Löwenzahn, und der galt als Sinnbild für Nichtigkeiten.

Tausendsassa: Gemeint ist ein Mensch mit vielen Talenten. Die Bezeichnung basiert auf dem Zuruf „Sa sa!“, der vom französischen„ ça ça“(„dies und das“) abstammte und mit dem Jäger Hunde auf Wild hetzten. Der Hetzruf wurde im 18. Jahrhundert zu „Tausend sa sa!“ gesteigert.

Unser Buch-Tipp:
„Luftikus und Tausendsassa“ von Katharina Mahrenholtz erinnert an vergessene Wörter.
15 Euro. Duden

Frohlocken:
Mit einer besonders lustigen Lockenfrisur hat dieses Verb nichts zu tun, auch angelockt wird hier nichts. Frohlocken bedeutet Jubeln und in Freude ausbrechen und geht auf das mittelhochdeutsche „vrolocken“ zurück. Das wiederum bedeutete wörtlich: vor Freude springen.


Illustrationen: DUDEN/Dawn Parisi