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„Putin versucht auf brutalste Art, seine Macht zu erhalten“


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 03.03.2022

UKRAINE-KRIEG

Artikelbild für den Artikel "„Putin versucht auf brutalste Art, seine Macht zu erhalten“" aus der Ausgabe 10/2022 von Grazia. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Grazia, Ausgabe 10/2022

Wie die Bevölkerung leidet, zeigt dieses Foto einer Frau aus Kiew vor ihrem Wohnhaus nach einem Raketenbeschuss

NUN ZITTERT DIE GANZE WELT VOR DEM MANN AUS RUSSLAND, DER SICH SCHON IMMER GERN ALS HARTEN BURSCHEN inszeniert hat, als den einzig wahren Macho auf der politischen Weltbühne. Oft wurde er für seine oberkörperfreien Männlichkeitsgesten belächelt, mittlerweile lacht niemand mehr. Wie gefährlich Wladimir Putin (69) tatsächlich ist, zeigte sich am Donnerstag voriger Woche, als der Kremlherrscher der russischen Armee befahl, in die Ukraine einzumarschieren, zivile Ziele zu bombardieren, Frauen und Kinder zu töten.

Auf das Bündel an Sanktionen der westlichen Länder reagierte Putin, wie ein Macho nun mal reagiert: mit Drohungen und Gewalt. Ranghohe Politiker zweifeln mittlerweile ganz offen am Verstand von ...

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... Russlands Staatspräsidenten. Aber ist er wirklich irre? Professor Dr. Anita Gohdes, die an der Berliner University of Governance lehrt, hat uns erklärt, wie machtbesessene Autokraten wie Putin ticken – und was genau sie so gefährlich macht.

Ist Wladimir Putin für Forscherinnen wie Sie ein gender-spezifisches Prachtexemplar, was Machtausübung und Kriegsführung angeht?

Wladimir Putins Verhalten ist exemplarisch für einen Autokraten, der keine Kontrollinstanzen mehr um sich herum hat, die ihm Einhalt gebieten könnten. Das ist weniger gender-spezifisch und hat mehr damit zu tun, dass er über Jahre hinweg die gesamte politische Macht seiner Regierung auf sich selbst konzentriert hat. Jetzt sitzt er an der Spitze seines Landes und hat den Kontakt mit der Realität verloren.

Ist Putins aggressives Verhalten rein persönlichkeitsgesteuert – oder gehorcht es weitestgehend männertypischen Denk-und Verhaltensmustern?

Die Liste an Autokraten, die sich Sexismus zu eigen machen, ist in der Tat lang. Es geht hier aber weniger um männertypische Denk-und Verhaltensmuster, sondern mehr darum zu sehen, wie progressive Themen wie Gender-Gerechtigkeit, LGBTQ-Rechte und Antirassismus von Antidemokraten für ihren autokratischen Machterhalt instrumentalisiert werden. Putin zeichnet die EU als Feindbild, in der es nur noch um „weiche“ Themen geht, und stilisiert sich so als Retter von Tradition, Familie und stolzem Nationalismus. Dazu gehört auch das militä rische Auf begehren. Für diese Art der Rhetorik lassen sich im Übrigen nicht nur Männer begeistern, wie wir es am Beispiel der Unterstützerinnen von Bolsonaro und Trump sehen.

Empfinden solche „starken Männer“ westliche Sanktionen, die nicht militärischer Natur sind, als lächerlich? Nehmen sie Gegner überhaupt nur ernst, wenn diese kriegerische Aktionen mit gleicher Münze heimzahlen?

Nein. Sanktionen hören sich nach einem weichen Instrument an, aber das sind sie nur, wenn sie nicht weitreichend genug sind – oder nicht richtig umgesetzt werden. Harte Sanktionen bedeuten meistens auch, dass sie negative Auswirkungen auf die Länder haben, die die Sanktionen verhängen. Deshalb ist es jetzt wichtig zu sehen, inwieweit die westlichen Länder bereit sind, trotz eigener Nachteile mit aller Härte gegen diese Aggression vorzugehen.

Wenn ihm eine Frau wie die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock gegenübersitzt, sieht Putin in ihr leichtere Beute als in einem Mann, der den gleichen Posten bekleidet?

Es geht hier weniger um das Geschlecht der Person, sondern mehr um die Politik, die sie vertritt. Entschlossenheit und Machtdemonstration werden häufig als „männlich“ gelesen, auch wenn die Person, die sie vertritt, eine Frau ist.

Sind Männer wie Putin berechenbar? Ist es ihr Unvermögen, vernunftmäßig zu denken und zu handeln, das sie so gefährlich macht?

Wenn Autokraten den Kontakt zu ihrer Bevölkerung verlieren und ihr innerster Kreis nur noch aus Jasagern besteht, dann wird es sehr gefährlich. Es ergibt sich dann oft die paradoxe Situation, in der sie trotz Übermacht panische Angst haben, gestürzt zu werden. Insofern müssen wir Putins Handlungen als brutalen Versuch des Machterhalts verstehen.

Ist es naives Wunschdenken, zu glauben, die Welt wäre eine fried lichere, wenn es in der Politik ab morgen ein Matriarchat gäbe?

Eine Frau an der Spitze eines Landes macht noch keinen Frieden. Aber wenn Frauen und andere marginalisierte Gruppen in der Gesellschaft Gehör finden und zentral an politischen Entscheidungen (auf allen Ebenen!) mitarbeiten, dann hat das einen großen und positiven Einfluss auf Demokratie und Frieden.

Interview: Kalle Schäfer