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Qianzhousaurus: LEBEN und STERBEN DER DINOSAURIER


HÖRZU Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 22.11.2018

So waren sie noch nie zu sehen: Neue Methoden der Analyse undSPEKTAKULÄRE FUNDE stellen unser Bild der Urzeittiere auf den Kopf. Sie beweisen, dass Dinos bunt und gefiedert waren


Artikelbild für den Artikel "Qianzhousaurus: LEBEN und STERBEN DER DINOSAURIER" aus der Ausgabe 6/2018 von HÖRZU Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU Wissen, Ausgabe 6/2018

Erst 2010 in China entdeckt: Der Qianzhousaurus (l.) war ein enger Verwandter des T-Rex


Zhenyuanlong

Der Zhenyuanlong suni lebte vor 125 Millionen Jahren. Weil in China 2014 ein fast komplettes Skelett entdeckt wurde, weiß man, dass er Konturfedern an Armen und Schwanz h



„Wir befinden uns im Goldenen Zeitalter der Entdeckungen.”
STEVE BRUSATTE, Paläontologe


BUCHTIPP
Steve Brusatte: „Aufstieg und Fall der Dinosaurier. Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten”, Piper, 400 Seiten, 24 Euro

Es klingt unglaublich, aber die Zahl ist wissenschaftlich belegt: Etwa einmal pro Woche wird irgendwo auf der Welt eine neue Dinosaurierart entdeckt. Das sind rund 50 neue Arten im Jahr! „Wir befinden uns im Goldenen Zeitalter der Entdeckungen”, sagt deshalb auch der Paläontologe Steve Brusatte im Gespräch mit HÖRZU WISSEN. Der Amerikaner forscht und lehrt an der Universität Edinburgh und gehört zu ...

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... den weltweit führenden Dinosaurier-Experten. „Noch vor 30 Jahren kam die Forschung deutlich langsamer voran”, so Brusatte. „Dann liefen die ,Jurassic Park’-Filme im Kino, dadurch interessierten sich mehr junge Männer und Frauen für Dinosaurier. Sie stellen heute die neue Forschergarde. Außerdem wurde früher überwiegend in westlichen Staaten geforscht, in den USA, Großbritannien und Deutschland. Heute gibt es in Ländern wie Argentinien, Brasilien und China wichtige Projekte und exzellente Wissenschaftler.”

BESCHEIDENER ANFANG VOR 240 MILLIONEN JAHREN

Gleichzeitig haben neue Technologien die Analysemöglichkeiten revolutioniert. „Mithilfe von Computertomografien können wir die Gehirne und Sinnesorgane der Dinosaurier erforschen, wir setzen Hochleistungsmikroskope ein und erstellen Computermodelle von Bewegungsabläufen”, erläutert Brusatte. Die wichtigsten Erkenntnisse der jüngsten Zeit hat Brusatte jetzt in dem Buch „Aufstieg und Fall der Dinosaurier” zusammengefasst. Er sagt: „Dinosaurier waren außergewöhnlich erfolgreich, mehr als 150 Millionen Jahre lang präsent und brachten einige der erstaunlichsten Tiere hervor, die jemals auf unserem Planeten gelebt haben. Zudem sahen sie anders aus, als wir lange Zeit dachten.” Für das Verständnis ihrer Erfolgsgeschichte ist Brusatte eines wichtig: „Dinosaurier tauchten in all ihrer Vielfalt nicht plötzlich auf, ihr Siegeszug war ein langer Prozess.”

Erste Dinosaurier wie Herrerasaurus und Eoraptor entwickelten sich vor 240 bis 230 Millionen Jahren aus katzengroßen Vorfahren. Etwa zehn Millionen Jahre zuvor waren bei dem größten Massenaussterben der jüngsten Erdgeschichte 95 Prozent aller marinen Lebensformen und 75 Prozent der Landfauna untergegangen. Wie andere Tierarten auch, erhoben sich die Dinosaurier aus den Trümmern dieser Katastrophe.

FASZINIERENDE GIGANTEN EROBERN DIE ERDE

Anfangs waren sie nur kleine Lebewesen und in der Mitte der Nahrungskette positioniert. „Die eigentliche Dinosaurierzeit beginnt erst 30 Millionen Jahre nach ihrem ersten Erscheinen”, sagt Brusatte. Es ist das Zeitalter des Juras. In dessen ersten zehn Millionen Jahren bilden die Dinosaurier eine unüberschaubare Anzahl neuer Arten aus. Sie werden größer, überall heimisch und dominieren ihre Lebensräume. Vor allem die Sauropoden, pflanzenfressende Giganten, symbolisieren ihre Dominanz: Brontosaurus, Brachiosaurus und Diplodocus gelten als die größten landbewohnenden Tiere der Erdgeschichte. So hatte der Brachiosaurus eine Körperlänge von bis zu 27 Metern und wog aktuellen Studien zufolge etwa 44 Tonnen.

Ziemlich beeindruckend – trotzdem hat es eine andere, eine fleischfressende Art Steve Brusatte besonders angetan: „Mein Favorit ist der Tyrannosaurus Rex. Er war so groß wie ein Bus und schwerer als ein Elefant. Er hatte mehr als 50 messerscharfe Zähne, mit denen er seine Beute zermalmte. Für mich ist er aufregender als jede Sagengestalt – denn den T-Rex gab es wirklich.” Fast 20 neue Tyrannosaurierarten wurden in den vergangenen 15 Jahren entdeckt. Brusatte war beteiligt an der Untersuchung eines Fossils, das 2010 in China gefunden wurde und von einem der engsten Verwandten des Tyrannosaurus Rex stammt. Brusatte und sein chinesischer Kollege Junchang Lü gaben ihm den Namen Qianzhousaurus sinensis.

Funde dieser Art haben das Bild von der Evolution des T-Rex fundamental verändert. Sie zeigen: Die Tyrannosaurier sind eine Gruppe, die mehr als 100 Millionen Jahre vor dem legendären T-Rex entstand. Ihre ersten Vertreter waren nur etwa so groß wie Menschen. Erst im Laufe der Zeit wuchsen die Tyrannosaurierarten, wurden stärker und aggressiver – bis hin zum dreizehn Meter langen und bis zu acht Tonnen schweren T-Rex, der laut Brusatte die „ultimative Tötungsmaschine” war.

Die größte Überraschung: Der von Brusatte und Lü beschriebene T-Rex-Vorläufer Qianzhousaurus hatte Federn! Und nicht nur er. Das Fossil ist Teil einer Reihe von spektakulären Funden, die ab Mitte der 1990er-Jahre in China gemacht wurden und die Dinosaurierforschung auf den Kopf stellten. Es begann 1996 damit, dass Forscher in der Provinz Liaoning auf Überreste zweier Saurier derselben Art stießen, der sie später den Namen Sinosauropteryx gaben. Dies war der erste Dinosaurier überhaupt, bei dem Federn nachgewiesen werden konnten, zahlreiche weitere sollten folgen.

Tyrannosaurus

So stellten sich die meisten Forscher bis vor einigen Jahren den T-Rex vor – ohne Federn, mit dem Aussehen eines Reptils

In der Wüste Gobi wurde dieses Fossil eines Velociraptors gefunden. Er lebte vor etwa 80 Millionen Jahren


20
neue Tyrannosaurierarten wurden in den vergangenen 15 Jahren entdeckt

MANIRAPTOREN Verwandte der Vögel

Alle hier gezeigten Dinosaurier gehören zu den Maniraptoren („Handräubern”). Ein sichelförmiger Knochen im Handgelenk machte ihre Hand beweglicher – eine Voraussetzung für die spätere Entwicklung der Flugfähigkeit von Vögeln


IMPOSANT
Gebiss eines T-Rex. Der Fleischfresser hatte den stärksten Biss im Tierreich


SIE BESASSEN DAUNEN ODER FEDERN , hatten lange Arme und waren klein bis mittelgroß. Einige der zu dieser sehr heterogenen Gruppe gehörenden Tiere könnten flugfähig gewesen sein. Der Paläontologe und Evolutionsbiologe Steve Brusatte vertritt die These, dass sich die typischen Merkmale von Vögeln schon bei Sauriern entwickelten. Für ihn steht fest, dass die heutigen Vöge keine eigene Tierklasse bilden, sondern eigentlich als einzige überlebende Dinosaurier betrachtet werden müssen. Diese Zeichnung des spanisch-mexikanischen Künstlers Luis V. Rey zeigt die Vielfalt der fleischfressenden Maniraptoren. Die bekanntesten Vertreter sind der alle anderen überragende, bis zu sieben Meter lange Utahraptor (l.) und der Deinonychus (Mitte, mit dem roten Kopf).

WIE DIE DINOSAURIER WIRKLICH AUSSAHEN

„Das war ein Durchbruch”, sagt Brusatte. „Zuvor wurde bereits vermutet, dass Dinosaurier Federn hatten. Doch es ließ sich nicht nachweisen, weil die Federn nach ihrem Tod so schnell zerfielen, dass sie nicht versteinerten. Man fand immer nur Knochen oder Zähne. In dieser Region in China aber wurden die Dinosaurier bei Vulkanausbrüchen so schnell umhüllt, dass die Federn erhalten blieben. Heute geht man davon aus, dass die meisten Arten Federn hatten. Sie sahen entgegen populärer Darstellungen also nicht wie Reptilien aus, sondern eher wie Vögel.” Fliegen konnten sie jedoch nicht, vermutlich dienten die Federn dazu, die Tiere warm zu halten. Die aufsehenerregenden Funde aus China sorgten für einen weiteren Entwick-lungsschritt der Wissenschaft. Bis vor etwa zehn Jahren konnten die Farben der Dinosaurier nicht bestimmt werden. Alle Darstellungen basierten auf der Fantasie, in Filmen und auf Bildern dominierte ein Graugrün. Nun fanden Forscher heraus, dass Dinosaurierfedern Pigmentzellen enthalten. Anhand der Größe und Form dieser Zellen lässt sich die genaue Farbe bestimmen. Viele Dinosaurier scheinen demnach sehr farbenprächtig gewesen zu sein! „Das ist für mich die aufregendste Entdeckung der vergangenen zehn Jahre”, sagt Brusatte. Vor ungefähr 66 Millionen Jahren starben die Dinosaurier aus. Wahrscheinlich infolge eines Asteroideneinschlags. Doch die Erforschung dieser faszinierenden Tiere nimmt gerade erst richtig Fahrt auf.


„Heute geht die Wissenschaft davon aus, dass die meisten Dinosaurier Federn hatten.”
STEVE BRUSATTE, Paläontologe


Zhenyuanlong

Die 2014 in China gefundene Versteinerung des Zhenyuanlong suni. Die dunklen Schattierungen an Armen und Schwanz stammen von dessen Federn


ILLUSTRATIONEN: S. 48–49: CHUANG ZHAO/DPA PICTURE-ALLIANCE; S. 50–51: CHUANG ZHAO, MAGIC TORCH (2); FOTOS: CHRISTOPHE HENDRICKX, DPA PICTURE-ALLIANCE

ILLUSTRATION: LUIS REY; FOTOS: CHIASSON/GETTY IMAGES, STEVE BRUSATTE/UNIVERSITY OF EDINBURGH