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„QUEER EYE GERMANY“


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Grazia - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 10.03.2022

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Bildquelle: Grazia, Ausgabe 11/2022

Ein Team, eine Mission: Lebenshilfe geben! Jan-Henrik Scheper-Stuke (Mode-Experte), David Jakobs (Beauty-Artist), Ayan Yuruk (Design-Profi), Leni Bolt (Work/Life-Coach) und Aljosha Muttardi (Gesundheits-Guru)

NOCHMAL KURZ FÜR ALLE, AN DENEN DER ERFOLG DER US-VER-SION VORBEIGEGANGEN ist (weil sie offenbar unter einem Stein gelebt haben): Bei „Queer Eye“ krempeln fünf Gay-Männer das Leben eines Kandidaten oder einer Kandidatin um. Vordergründig geht’s um neue Frisuren, hippere Klamotten, Einrichtungs-und Ernährungstipps. Aber eigentlich stehen die Schicksale im Mittelpunkt: von Alleinerziehenden, die sich selbst vernachlässigen, zum Beispiel. Von Veteranen, die sich ihrer schmerzhaften Vergangenheit stellen müssen. Oder von Homosexuellen, die Angst vorm Outing haben. Akuter Taschentuchalarm!

Sechs Staffeln gibt es von dem Original schon. Die „Fab Five“ aus Amerika wurden über Nacht zu Stars. Aber erst jetzt kam jemand auf die Idee, einen internationalen Ableger zu produzieren. Am 9. März startet nun also „Queer Eye Germany“. „Die Katze ist aus dem Sack: 2022 seht ihr meine vegane Visage auf Netflix!“, ...

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... freut sich Aljosha Muttardi, der Teil des deutschen Coaching-Teams ist. Er tritt als Experte für mentale und körperliche Gesundheit auf. Der Ernährungsberater dürfte der Bekannteste von der Truppe sein, er hat einen YouTube-Kanal mit einer Community von über 200 000 Abonnenten.

„Wir hatten schon gleich zu Beginn so coole Vibes“, erinnert er sich an das erste Zusammentreffen mit seinem Team beim Casting. „Wir haben sofort eine WhatsApp-Gruppe gegründet und uns geschworen, füreinander da zu sein.“ Wer die anderen vier sind? Bitteschön: Stylingprofi David Jakobs, Work/Life-Coach Leni Bolt, Design-Spezialist Ayan Yuruk und Mode-Guru Jan-Henrik Scheper-Stuke.

Letzterer hat eine Krawatten-Manufaktur in Berlin, wird aufgrund seines Dandy-Styles „Herr der Fliegen“ genannt und hat schon Fernseherfahrung: „Bei ntv habe ich ein Magazin namens ,Premium Lounge‘ moderiert“, erzählt er GRAZIA. So wurde die Produktion auf ihn aufmerksam. Doch auch er musste sich in einem emotional aufreibenden Auswahlverfahren beweisen. „Fast ein Jahr lang hat es gedauert, bis der erlösende Anruf kam“, erinnert sich Jan-Henrik. Hair-und Make-up-Artist David bestätigt: „Die Zeit war super hart. Es gab so viel Wartezeit, in der man nichts tun konnte als zu hoffen, dass man eine Runde weiterkommt. Das war echt anstrengend, aber es hat sich gelohnt.“ Jan- Henrik schmunzelt: „Wir sind wie eine Boyband, unique, aber im Ganzen harmonisch“, sagt er. „Unsere Freundschaft ist nicht gespielt, wir treffen uns auch privat.“

Diese Chemie spürt der Zuschauer. Das Quintett ist nämlich nicht nur auf Make-over-Mission bei den Kandidaten. Nein, die Ratschläge werden auch intern verteilt. „Wir coachen uns untereinander“, bestätigt Interieur-Profi Ayan, der eigentlich Chef der Berliner PR-Agentur SHOWZ ist. Was er von seinen Mit-Coaches gelernt hat? „Gnädiger mit mir zu sein. Man muss wissen: Ich wurde zum Perfektionismus erzogen, aber dank Aljosha weiß ich jetzt, dass ich auch Fehler machen und verletzlich rüberkommen darf.“ Aljosha sagt sogar: „Für mich ist ,Queer Eye‘ eine lebensverändernde Erfahrung.“ Denn: „Ich hatte früher echt Angst vor Kameras. Wollte mich auch nie fotografieren lassen.“ Er erzählt: „Ich leide an diesem Hochstapler-Syndrom, wo man denkt: Ich bin nicht gut genug und irgendwann kommt man mir auf die Schliche. Aber die ganze Gruppe hat mir so ein Gefühl von Sicherheit gegeben, dass ich das ablegen konnte.“

Während der Produktion habe er sehr stark reflektiert. „Über mein hetero-normatives Verhalten, das ich früher an den Tag gelegt habe, um mich gesellschaftsfähig zu machen und um möglichst wenig Widerstand zu bekommen. Und seht mich jetzt an! Auf einmal trage ich Nagellack und Make-up, ich fühle mich frei und empowered!“ Das Selbstbewusstsein wird er womöglich brauchen. Denn Idioten gibt es immer, die einen Shitstorm lostreten, weil sie sich von der Wokeness, wie sie bei „Queer Eye“ stattfindet, provoziert fühlen. „Wir alle wünschen uns dieses dicke Fell, aber wir sind sensible Menschen und nicht dafür gemacht, so viele negative Meinungen auf uns einprasseln zu lassen“, gibt Aljosha zu bedenken. Insofern macht die Aussicht auf enorme TV-Präsenz seiner Kollegin Leni auch ein bisschen Bammel. „Ich muss gestehen, ich habe schon Respekt, als nicht-binäre Person in den deutschen Medien stattzufinden. Viele haben ja keine Berührungspunkte zu queeren Menschen. Es ist auf jeden Fall eine Challenge, Auf klärungsarbeit zu leisten über Queerness in Deutschland.“ Die selbstständige Social-Media-Managerin sensibilisiert ihre Follower seit jeher, sich für LGBTQ-Themen einzusetzen. Jetzt könnte sie selbst eine queere Ikone werden – und dafür brachte sie ein großes Opfer. Sie musste nämlich spontan ihre Auswanderungspläne nach Mallorca verschieben.

„Ich hatte meine Boxen gepackt, der Laster stand schon vor der Haustür, ich war auf Auf bruch gepolt. Und genau in dieser Situation habe ich dann erfahren: ,Du bist dabei!‘“ Mittlerweile lebt sie zumindest zeitweise auf der Baleareninsel und schwärmt: „Ich liebe diese Balance, dass ich abwechselnd eine Zeit lang hier und da bin.“ Kein Wunder, dass sie so ausgeglichen rüberkommt.

Aber auch Leni hat natürlich Tage, an denen es mal nicht so läuft. Frage in die Runde: Was gibt euch einen Selbstbewusstseins-Boost? Lenis Antwort: „Meine Lieblingsjeans! Die macht einen schönen Booty, die sitzt sexy, damit fühle ich mich gleich schon viel besser.“ Bei Jan-Henrik müssen die Haare liegen, „dann fängt der Tag gut an. Wenn ich aber einen Bad-Hair-Day habe und meine Mütze aufsetzen muss, dann weiß jeder in der Firma, dass mit mir nicht gut Kirschen essen ist.“ David lacht. „Das kann ich bestätigen: Wenn du die Mütze aufhast, mache ich um dich auch lieber einen großen Bogen!“ Die Beauty-Expertin mit den Gesichtstattoos beugt schon beim Zähneputzen bad vibes vor. „Ich singe – so laut es geht! Und ich muss dabei auch tanzen und mich im Spiegel auslachen. Das hilft gegen Depri-Laune.“

Apropos miese Stimmung: Was sagen sie Kritikern, die behaupten, sie wären bloß ein Abklatsch der US-Version? „Wir sind kein Abklatsch“, ereifert sich Leni. „Wir ticken komplett anders! Die Mentalität der Deutschen ist mit der von Amerikanern ja auch gar nicht zu vergleichen. Wir sind viel zurückhaltender. Für uns bedeutete das auch viel mehr Arbeit, Sorgen unserer Alltagsheld:innen herauszufinden.“ David erklärt: „Wir geben den Zuschauer:innen immer noch einen Ratschlag mit. Das Publikum soll schließlich etwas lernen!“ ■

FÜNF SELBSTOPTIMIERUNGS-TIPPS

„MIR IST EIN ASPEKT BESON-DERS WICHTIG: DEN MEN- SCHEN ZU VERMITTELN, DASS FEHLER ERLAUBT UND WICHTIG SIND. ICH ERLEBE IM MER, DASS WIR MIT GANZ VIEL DRUCK AN VORSÄTZE RANGEHEN. DAS FÜHRT DAZU, DASS MAN ALLES HINSCHMEISST, WENN MAN NACH ZWEI WOCHEN STOLPERT ODER EINEN FRUSTMOMENT HAT. AUSRUTSCHER PASSIE-REN. DAS IST KEIN GRUND AUFZUHÖREN.“

Aljosha Muttardi-Gesundheit

„Von meiner Seite kann ich raten: Nimm dir deinen Lieblingsmenschen an die Seite und geht gemeinsam shoppen. Helft euch gegenseitig! Ihr kennt euch am allerbesten und wisst, was dem anderen steht.“

Jan-Henrik Scheper-Stue – Fashion

„Die meisten Leute sind sich gar nicht klar, warum es bei ihnen nicht ordentlich aussieht und irgendwie immer Chaos herrscht. Mein simpler Trick: Jedes Ding, jedes Item, braucht in der Wohnung seinen Platz. Das geht bis ins kleinste Detail: Wo bewahre ich Gürtel auf? Wo kommen Schlüsselbänder hin? Wenn das von vornherein klar ist, gibt es eigentlich keine Situation mehr, wo einen das Durcheinander überfordert oder wo man in einer Lage ist, die Ordnung nicht schnell wiederherzustellen.“

Ayan Yuruk–Design

„Ich kann jedem das Journaling empfehlen. Das mache ich für mich selber auch. Man braucht nur ein Notizheft, in das man abends drei schöne Dinge notiert, die einem an diesem Tag widerfahren sind. Viele Menschen verlieren im Alltagstrott nämlich das Bewusstsein für die positiven Erlebnisse. Man merkt sich grundsätzlich leider eher das Negative: den Stress, den Ärger, den Streit.“

Leni Bolt - Lifecoach

„ICH HABE DEN TIPP, DASS MAN SICH SEINEN KÖRPERTEILEN MAL GANZ BEWUSST WIDMET. WENN MAN SICH ALSO IM FRÜHLING DIE FÜSSE SCHÖN MACHT: EINFACH MAL EIN DANKESCHÖN NACH UNTEN SCHICKEN. DENN SIE TRAGEN UNS DURCHS LEBEN, DAS VERGESSEN WIR LEIDER IMMER.“

David Jakobs-Beauty

David & Jan-Henrik checken die PROMI-LOOKS ab

Der Amazon-Boss trägt Narendra Kumar Ahmed bei einem Amazon-Event in Mumbai

JEFF BEZOS

David: Was bringt es, einer der reichsten Menschen auf diesem Planeten zu sein, wenn du nicht tragen kannst, was du willst?

Ich feiere es jedenfalls sehr, wenn bei förmlichen Anlässen nicht nur zum schwarzen Smoking gegriffen wird. Ob Jeffs Augenbrauen wohl gefärbt sind?

Jan-Henrik: Der Mann, der demnächst eine private Weltraumstation einrichten will, beweist Mut zum spacigen Outfit! Hübsche Idee, die psychedelisch gemusterte Tagesdecke zur Smokingjacke umzufunktionieren.

In Balmain bei der Met-Gala

KANYE WEST

David: Ach ja, blaue Kontaktlinsen! Solche hab ich früher auch oft getragen, und so gut, wie sie Kanye stehen, überlege ich, sie vielleicht auch mal wieder raus-zukramen. Und wo kriege ich eigentlich diese wunderbare Jacke?

Jan-Henrik: Frisch getrennt auf die Piste: Mit Bling-Bling-Balmain und blauen Kontaktlinsen dürfte die Gefahr, übersehen zu werden, äußerst gering sein.

In Casablanca vor dem „Beverly Hills Hotel“

JUSTIN BIEBER

David: Justin beweist immer wieder, dass das Leben viel zu kurz ist, um sich nicht auszutoben. Ich finde es toll, wie er sich ständig neu erfindet und mit coolen Looks überrascht. Eine wahre Stilikone! Ich bin jedenfalls Belieber – and I beliebe that change is good.

Jan-Henrik: Achtung, dieses Outfit könnte Spuren von Ironie enthalten. Ziemlich cool, wie Justin es hinkriegt, sogar noch im dottergelben Rentner-Strick modisch zu punkten.

In Prada bei den Tony-Awards

JAKE GYLLENHAAL

David: Einfach nur ein lautes, euphorisches JAAAAAAAA!

Jan-Henrik: Das pudrige Rosa räumt auf mit Genderklischees und definiert den maskulinen Auftritt neu. By the way: Noch vor hundert Jahren galt Rosa als DIE Farbe für Jungs, während man Mädchen in Blau kleidete.