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Rache für Pearl Harbor


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Flugzeug Classic - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 07.11.2022

Grumman Avenger Im Einsatz

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Bildquelle: Flugzeug Classic, Ausgabe 12/2022

Die Avenger gehörte zu den kampfstärksten Marineflugzeugen der Kriegsgeschichte und machte ihrem Namen (Rächer) alle Ehre ? im Bild TBF/TBM-1C der VT-18 auf dem Rückflug zur USS Intrepid

907Kilogramm wog der Torpedo einer Avenger

Mit der Entscheidung für Grummans TBF sollten die alten Douglas TBD so rasch wie möglich ersetzt werden, zumal die herrschende Kriegslage allen Einsatz verlangte. Bei Grumman gab man sich Mühe, so viele Avenger wie möglich aus den Werkhallen rollen zu lassen. Bereits Ende Januar 1942 hatte Grumman die erste Avenger zeuge am 29. Mai 1942 in Pearl Harbor auf Hawaii eintrafen, war die Hornet mit ihren TBD bereits Richtung Midway-Inseln ausgelaufen, einer weiteren, elementar wichtigen, kleinen US-Basis im nördlichen Pazifikraum zwischen Japan und den Vereinigten Staaten. So schickte man die Torpedobomber direkt nach Midway, um sie später auf derUSSHornetzu stationieren.

»Schwangere Wildcat«

Am 4. Juni 1942 bestätigte sich die Vermutung des US-Abhördienstes, wonach der Angriff eines japanischen Flottenverbandes gegen den ...USS

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... US-Stützpunkt Midway bevorstünde. Rasch entbrannten heftige Kämpfe auf See und in der Luft. Auch die von Langdon Fieberling geführten sechs Avenger der VT-8 mischten mit – ohne Jagdschutz. Um den teils übernervösen Jagdfliegern und Flak-Kanonieren der Navy die Identifizierung des an der Front noch unbekannten Flugzeugtyps zu erleichtern, beschrieb man ihnen die TBF als »schwangere Wildcat« – ein stimmiger Vergleich. Doch endete der erste Kampfeinsatz der TBF in einem Desaster: Fünf der Navy übergeben können, fünf weitere folgten im Februar. Zusammen bilden sie die erste TBF-Einheit, stationiert in Norfolk, Virginia. Noch im März begann dort die Torpedostaffel 8 (VT-8) als erster Frontverband mit der Umschulung auf den neuen Typ. Später war ihr Dienst auf dem Träger(CV-8) vorgesehen.

»Fünf TBF-1 holten die japanischen Jagdflieger in ihren A6M vom Himmel.«

Veralteter Torpedo

Der Lufttorpedo Bliss-Leavitt Mk.13 war die Standardwaffe der US-Torpedoflieger bei Kriegsbeginn. Dabei handelte es sich um eine Entwicklung von 1925, die damals für den Abwurf aus langsamen Doppeldeckern und einer maximalen Anfluggeschwindigkeit von nur gut 200 km/h sowie Abwurfhöhe von 15 Metern konzipiert war. Auch änderte der Mk. 13 nach dem Eintauchen oft den Kurs. Eine hölzerne Nasenverkleidung und ein Holzkasten um die Leitflossen verbesserten die veraltete Konstruktion zwar, doch blieb die geringe Abwurfgeschwindigkeit weiterhin problematisch, stellten die Maschinen dadurch doch für die Schiffsflak und feindliche Jäger ein noch leichteres Ziel dar. Die Wirksamkeit der Torpedoflieger blieb eingeschränkt; oft schickte man sie daher lieber mit Bomben los. Erst Anfang 1944 stand der verbesserte Mk.13-1A mit ringförmiger Flossenverkleidung zur Verfügung. Er hielt zuverlässig Kurs und ließ sich aus über 240 Metern Höhe und bei 500 km/h problemlos abwerfen. Dies bedeutete eine mächtige Kampfwertsteigerung für die Avenger. Nun konnten die Besatzungen endlich das volle Potenzial des Torpedoträgers nutzen.

TBF-1 holten die japanischen Jagdflieger in ihren A6M vom Himmel, ehe diese überhaupt in Zielnähe gelangten.

Die sechste blieb ebenfalls erfolglos, kehrte jedoch immerhin schwer beschädigt nach Midway zurück. Pilot Ensign Earnest und Radioman Ferrier waren verletzt, Bordschütze Seaman Manning tot. Die von der Hornet gestarteten TBD wurden alle abgeschossen, einzig Ensign Gay überlebte. Die VT-8 war damit kom-plett aufgerieben. Was nicht überraschte: Ohne Jagdschutz war Grummans Schwergewicht eine leichte, wenn auch, wie sich später immer wieder zeigen sollte, oftmals zähe Beute.

6TBF-1 starteten von Midway aus zum Einsatz

Bomben bevorzugt

Zwar endete der erste Avenger-Einsatz vernichtend, doch bot sich bald schon die Gelegenheit, die Einsatztauglichkeit des neuen Kampfflugzeugs zu beweisen. Bis Mitte August 1942 waren alle Torpedostaffeln an der Front auf die Avenger umgerüstet. Zur Ausstattung der Besatzungen zählte bald schon ein einfaches Entfernungsmessradar. Schwierigkeiten bereitete allerdings der veraltete Torpedo Mk.13 (siehe Seite 49), der die Möglichkeiten der TBF einschränkte, weshalb man folglich weitaus öfter mit Bomben angriff.

Die Kriegslage sowie die lange Zeit unzuverlässigen Torpedos zwangen zu teils neuen Angriffstaktiken wie etwa dem Intervall-Bombenwurf. Zudem zog man die Flugzeuge verstärkt zur Luft-nahunterstützung und zum Angriff auf Landziele heran. Auch ungelenkte, hoch effektive 12,7-mm-HVAR-Raketen spielten eine große Rolle.

8ungelenkte 127-mm-Raketen konnte die Avenger mitführen

Während der Seegefechte um Guadalcanal verbuchte die TBF am 24. August 1942 mit der Versenkung des TrägersRyujoihren ersten maßgeblichen Erfolg im Pazifik. Bis Ende November 1942 fielen den TBF zahlreiche Transporter sowie das Schlachtschiff Hieizum Opfer. Im Spätherbst schickte auch das U.S. Marine Corps ihre Avenger erstmals erfolgreich in den Kampf. Die Besatzungen wussten inzwischen recht genau um die Vor- und Nachteile des mächtigen Flugzeugs, das sich so flog, wie es aussah: sehr schwerfällig mit hohen Steuerdrücken. Nicht umsonst heimste die Maschine Spitznahmen wie »Turkey« (Truthahn) und «Pregnat Beast« (Schwangeres Biest) ein. Auch ging etwa der Spruch um, die Avenger sei so schwer, dass sie schneller fallen als fliegen könne. Start und Landung waren hingegen nicht allzu schwierig. Auf kleinen Geleitträgern half ein Katapult, die Avenger in die Luft zu bringen, was mitunter eine heikle Angelegenheit war. Neben der Beschussfestigkeit bestand ein weiteres Plus in der Ähnlichkeit zu den Grumman-Jägertypen F4F Wildcat und F6F Hellcat, die so manchem japanischen Jagdflieger zum Verhängnis wurde, als er unvermutet mit den rückwärtigen Abwehrfeuer des vermeintlichen Jägers Bekanntschaft machte.

Bis zu 15 Minuten Kampfzeit

Der normale Kampfeinsatzradius einer TBF-1 lag bei rund 400 Kilometern und ergab sich in der Regel wie folgt:

– Warmlaufen: 20 Minuten – Start: eine Minute – Zehn Minuten sammeln mit 60 Prozent Motorleistung

– Steigen auf 5000 Meter mit 60 Prozent Motorleistung

– Übergang in Marschgeschwindigkeit mit 60 Prozent Motorleistung

– In 450 Metern Höhe fünf Minuten Kampfzeit mit voller Leistung, plus zehn Minuten mit normaler Leistung

– Rückflug in 450 Metern Höhe bei 60 Prozent Motorleistung Ergaben sich Kampfhandlungen, konnte die Sache natürlich rasch völlig anders aussehen.

400Kilometer betrug der optimale Einsatzradius einer TBF-1

Lieutenant George H. W. Bush

Einer der bekanntesten Avenger-Piloten ist der ehemalige US-Präsident George Herbert Walker Bush. Am 2. September 1944 flog der damals 20-Jährige vom leichten Träger San Jacinto aus (siehe auch Seite 46/47) mit zwei anderen TBM der VT-51, begleitet von einigen Hellcat-Jägern, gegen eine japanische Funkstation auf der Insel Chichi Jima. Den amerikanischen Angreifern schlug heftiges Abwehrfeuer der japanischen Flak entgegen, wobei Bushs Maschine Treffer einstecken musste. Trotz brennendem Motor setzte Lieutenant Bush den Angriff fort und warf seine Bomben ins Ziel. Anschließend steuerte er die angeschlagene Avenger (46214) auf Heimatkurs, doch fing der Motor an zu stocken, Qualm drang in die Kabine. Bush sowie ein weiteres Besatzungsmitglied sprangen aus etwa 1500 Metern Höhe ab. Der dritte Mann, offensichtlich tot oder ernstlich verletzt, ging mit der Maschine in die Tiefe.

Während George Bush sicher auf dem Wasser aufkam, stürzte das zweite Besatzungsmitglied zu Tode, da sich sein Fallschirm nicht öffnete. Bush harrte im Schlauchboot aus, während Hellcats über ihm kreisten und zwei japanische Boote abwehrten, deren Besatzungen den abgeschossenen Gegner gefangen nehmen wollten. Nach vier Stunden nahm das Rettungs-U-Boot USS Finback den jungen Piloten auf. Wer im abstürzenden Flugzeug zurückgeblieben war, ließ sich nie klären, da man keinen der beiden je fand. Der Funker, hier Radioman Second Class John Delaney, musste zuerst aussteigen, um Platz für den Bordschützen zu schaffen, der erst aus dem Turm klettern musste und dort aus Platzmangel keinen Fallschirm trug. Dieser hing nahe beim Funker, der ihn im Regelfall dem Turmschützen reichte und dann ausstieg. Diese Prozedur dauerte bei einer eingespielten Mannschaft lediglich ein paar Sekunden. Tragischerweise flog bei diesem Einsatz Lieutenant White, ein Nachrichtendienst-Offizier, als Turmschütze mit, der die Insel aus der Nähe inspizieren wollte. Für seinen unerschrockenen Einsatz an jenem Septembertag verdiente sich Bush ein Distinguished Flying Cross. Er kehrte im November 1944 auf die San Jacinto zurück und flog bis Mitte Dezember weitere Einsätze. Wieder in den USA, schulte er angehende Torpedobomber-Piloten und flog anschließend bis zu seinem Ausscheiden am 18. September 1945 in der VT-153. Während seiner Einsatztätigkeit bei der Navy verbuchte George Bush 1228 Flugstunden, 129 Trägerlandungen und 58 Kampfeinsätze.

Durch zwei abwerfbare Zusatztanks unter den Flächen sowie einen weiteren im Schacht ließ sich die Reichweite der Avenger erheblich steigern. Für Über- führungsflüge waren bei ausgebauter Bewaffnung und Panzerung bis zu 4300 Kilometer möglich.

Bis Kriegsende nahmen TBF/TBM auf diese Weise praktisch an jeder größeren Landungsoperation teil. Während des Großangriffes auf Truk am 16. und 17. Februar 1944 verloren die Japaner rund 200 000 Tonnen Schiffsraum, viel- fach durch die inzwischen verbessserten Torpedos der beteiligten Avenger. Während der schweren Gefechte in der Philippinensee am 19. und 20. Juni 1944 waren Avenger-Besatzungen an der Versenkung von drei japanischen Trägern beteiligt. In der Leyte-Golf-Schlacht versenkten Avenger am 24. Oktober 1944 mit 19 Torpedos die Musashi, mit 67 000 Tonnen eines der größten Schlachtschiffe. Auch bei der Versenkung der Yamato, des größten japanischen Schlachtschiffes, am 7. April 1945, spielten Grummans »Turkey«-Bomber mit 13 Torpedotreffern eine entscheidende Rolle.

Beliebt bei den Briten

Unter der Bezeichnung Tarpon, später ebenfalls Avenger, flogen TBF/TBM auch beim Fleet Air Arm (FAA) der britischen Marine-Luftwaffe. Rund 1000 Maschinen der Versionen TBF/TBM Mk. I/II/III standen beim FAA im Dienst. Erste Einsätze flogen Tarpon im Sommer 1943 bei den Salomon-Inseln. Auf den Flottenträgern im Pazifik verdrängte die Avenger bis Oktober 1944 sogar die britische Fairey Barracuda. 48 TBF-1 und TBF-1C erhielt bis Februar 1944 beispielsweise die Royal New Zealand Air Force, die sich im Südwestpazifik an den Kämpfen beteiligten, und am 24. Juli 1945 warf eine Maschine der No. 848 Squadron als erstes britisches Flugzeug Bomben auf japanischen Boden. Hauptsächlich operierten die britischen TBF/TBM jedoch über der Nordsee, dem Atlantik und der nor-wegischen Küste. In erster Linie von Land aus, jedoch auch von Trägern, kämpften sie gegen deutsche U-Boote und Schiffe.

51deutsche U-Boote gingen durch Avenger verloren

Aufgerüstet gegen U-Boote

Der Einsatz der Avenger gerade gegen U-Boote war auch auf amerikanischer Seite erfolgreich. So operierte der US-GeleitträgerUSSBogueab März 1943 im Atlantik auf Konvoifahrten zusammen mit Begleitschiffen als unabhängige Hunter-Killer Group. Am 23. Mai 1943 gelang es einer Avenger der Bogue erstmals, ein deutsches U-Boot zu vernichten. Zwei weitere folgten im Juni 1943. Insgesamt sorgten danach 13 weitere Hunter-Killer Groups bis Ende 1943 bei den deutschen U-Boot-Besatzungen im Nordatlantik für Unruhe.

Auch kamen verstärkt Avenger mit ASD- und später AN/APS-Radar zum Einsatz. Auf derBoguespeziell umgebaute Avenger mit wesentlich längerer Flugdauer starteten in der Abenddämmerung und blieben die ganze Nacht in der Luft. Auf der USSGuadalcanalging man ab Frühjahr 1944 dazu über, rund um die Uhr Avenger am Himmel zu halten. Bis Anfang 1945 hatten viele U-Boot-Jäger-Gruppen diese Vorgehensweise übernommen – für die deutschen U-Boote eine verheerende Situation. Bis Kriegsende fielen 51 »Graue Wölfe« den fliegenden U-Boot-Jägern zum Opfer, zwei weitere versenkten sie zusammen mit Begleitschiffen.

Bisher erschienen (Auswahl):

FC 04/2022 Mikojan-Gurewitsch Mig-15

FC 06/2022 Messerschmitt Bf 110

FC 08/2022 Bristol Blenheim

FC 10/2022 Messerschmitt Me 410

Etwa1000Tarpon / Avenger flogen in der britischen Royal Navy