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RÄUME MÜSSEN HALTBAR SEIN


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 26.05.2021

Artikelbild für den Artikel "RÄUME MÜSSEN HALTBAR SEIN" aus der Ausgabe 3/2021 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 3/2021

Bis zu 100.000 Autos am Tag rauschten einst in München über die Heckenstallerstraße. Entlastung brachte ein Tunnelneubau. Auf seinem Dach entstand ein Park. Wir sprachen – vier Jahre nach der Eröffnung – mit Tilman Latz vom Büro Latz + Partner über Qualität, die Rolle der Landschaftsarchitektur beim Umbau unserer Städte und die Bedeutung von öffentlichem Grün in Pandemiezeiten.

Der Heckenstaller Park hat eine Länge von 600 Metern und ist bis zu 70 Meter breit. Damit ist dieser Quartierspark als eines von drei großen Projekten ein weiterer Schritt zu einer grünen bayerischen Hauptstadt mit entsprechender Verkehrsfreiheit. Er liegt innerhalb einer fast reinen Wohnbebauung. Die grundsätzliche Erarbeitung der Planung geht auf die Idee Ende der 90er Jahre zurück, einen großen grünen Raum zu gestalten. Der Park wurde 2020 für den Landschaftsarchitektur-Preis in der Kategorie „Nachhaltige ...

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... Stadtentwicklung“ und in der Kategorie „Landschaftsarchitektur für Kinder“ nominiert.

„Beim Heckenstaller Park war quartiernahes Grün notwendig. Denn wir brauchen viel mehr leicht zugängliches Grün in den Städten, sowohl für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Der öffentliche Raum wird wichtiger und Straßen müssen wieder zu humanen Lebensräumen werden“, zeigt sich Tilman Latz überzeugt.

In seiner Gestalt schmiegt sich der etwa zwei Hektar große Park auf der Südseite in zwei Ausbuchtungen einer Straße ein, die zu erhalten war. Ein wichtiger Gedanke bei der Planung war, die Fläche nicht durch einen Weg zu durchbrechen, der zu Konflikten zwischen spielenden Kindern und querenden Passanten oder Radfahrern führen könnte. Die Lösung war eine erhöhte Promenade, die aber nicht dominieren sollte. Über einen erhöht angelegten, wassergebundenen Weg lässt sich der Park von West nach Ost durchlaufen, ohne dass die Verbindungswirkung zu stark betont wird. Ganz klassisch begleiten Bänke den von Hecken gesäumten Weg. Ein durchgängiger Radweg, mit platzartigen Räumen im Westen und Osten des Parks, lässt den Übergang von Park hinaus in die Stadt nicht zu hart wirken.

HERAUSFORDERUNGEN

Bei der Pflanzenwahl orientierte man sich an den vorhandenen Listen der Stadt. Von der Stadt wurde ein hoher Substrat- aufbau gefordert, daher konnte die Fläche überall mit mindestens 1,20 Meter angefüllt werden. So wurde eine „ganz normale“ Parkbepflanzung mit Sträuchern, Hecken und Bäumen möglich. Natürlich wurde darauf geachtet, keine trockenheitsempfindlichen Arten zu verwenden. Der Aufbau besteht aus Kies, die Baumgruben wurden mit Erde angereichert. Allerdings werden sich die Gehölze, die zum Teil auf dem Deckel des Tunnels stehen, hier nie zu „Riesen“ entwickeln können.

Ganz klassisch: Bänke begleiten den Weg.

Gut vier Jahre ist es her, dass der Heckenstaller Park in München fertiggestellt wurde – bei den Menschen im Quartier ist er beliebt.

„Die Zusammenarbeit mit dem ausführenden Tiefbau lief in dem Projekt sehr gut, die Ingenieure haben hervorragende Arbeit geleistet“, sagt Latz. „Das Regenwasser beispielsweise wird durch das Dachgefälle gut zur Seite abgeleitet. Es war eine gute Koordination, die nicht selbstverständlich ist.“

Der südliche Weg besteht aus einer wassergebundenen Decke, die Radwege sind asphaltiert und benötigen nur Notüberläufe. Entwässert wird in die angrenzenden Grünflächen, eine Durchlässigkeit der Beläge war deshalb nicht entscheidend. Wichtiger war es für Latz hier, auf die Benutzbarkeit zu achten – gerade auch für Behinderte, kleine Kinder und Eltern mit Kinderwagen. Hier erweisen sich geschlossene Wege oft als bessere Alternative.

Das Büro Latz + Partner vertritt die Position, dass das Regenwasser in allen Projekten vor Ort und sichtbar bleibt. So werden Parks zu Retentionsflächen für zu dicht versiegelte Innenstadtquartiere.

ÖFFENTLICHE PLÄTZE IN ZEITEN VON CORONA

Auf die Frage, wie sich die Planung öffentlicher Plätze in Bezug zur aktuellen Situation (Corona) ändert, antwortet Latz: „Die Rolle von Landschaft in der Stadt wird im urbanen Kontext deutlich wichtiger.“ Das zeige auch der Heckenstaller Park: Er grenzt ans Wohnumfeld an, ist kein übergeordneter Parkraum, sondern ganz klar ein Quartierspark, der das direkte Bedürfnis an Grün erfüllt.

Damit ist der Heckenstaller Park Teil der Münchener Strategie, kleine Stadtteilparks als Grünstrukturen innerhalb der Stadträume zu schaffen. Darüber hinaus ist das Ziel, wohnungsnahes Grün in die dicht bevölkerten Stadtteile zu bringen. Dabei sollen diese Parks auch Funktionen übernehmen, die sonst nicht in wohnungsnahem Grün zu finden sind, etwa Restaurants, ein Kiosk oder Toiletten. Große Stadtparks hingegen erfüllen andere Aufgaben und sind über das Quartier hinaus wichtig.

In der Pandemie, in der zeitweise sportliche Aktivitäten in Sport- und Kletterhallen nicht möglich sind, drängen die Sportler vermehrt in den öffentlichen Raum. Hier ist eine massive Zunahme der Nutzer von Grünräumen zu beobachten. „Diese Zunahme wird sich aber zurückentwickeln.“, ist Latz überzeugt.

Auch durch fehlende Flugmöglichkeiten, parallel dazu jedoch teilweise mehr Freizeit und Urlaub, wachse der Druck. „Diese Entwicklung hat aber schon lange vor Corona begonnen. Man hat flexiblere Arbeitszeiten, mehr Urlaub und es gibt mehr Freiheiten, wie man heute arbeitet. Corona ist der massive Beschleuniger einer Entwicklung.“

Gerade in den Innenstädten zeigen sich radikale Änderungen. Einkaufs- und Bummelangebote von Kaufhäusern, bislang Mittelpunkt und Impulsgeber in der Stadt, verlagern sich aus der Mitte hinaus. Diese Verlagerung ist auf das virtuelle Einkaufsverhalten zurückzuführen. Die Flächen der Shopping Center werden wieder durch Wohnraum und Arbeitswelten ersetzt.

Latz hofft auf gemischtere Städte, auf eine Entwicklung wieder hin zu dem Zustand, der vor der Entstehung der großen Einkaufszentren herrschte. Als Beispiel nennt er den Rathausplatz – Raadhuisplein Emmen in den Niederlanden, der vom Büro Latz + Partner gestaltet wurde. Latz spricht hier von einem „Plark“, einer Wortschöpfung aus Platz und Park. Die- ser erfüllt als hybrider Raum viele Funktionen.

Das Büro

Das Büro Latz + Partner ist im oberbayerischen Kranzberg beheimatet und beschäftigt 22 Mitarbeiter. Weltweit hat es sich einen Namen durch seine nachhaltige, urbane Landschaftsarchitektur, die Planung postindustrieller Standorte zu regionaler und touristischer Nutzung oder die Gestaltung exklusiver Hausgärten gemacht. Seit 1968 bestand die Leitung aus Peter Latz gemeinsam mit seiner Frau Anneliese. Heute leiten Sohn Tilman Latz mit seiner Frau Iris Dupper das Büro.

Tilman Latz

ist Landschaftsarchitekt, Architekt und Stadtplaner. Er studierte Landschaftsarchitektur in Wien und Kassel, wo er 1993 diplomierte. Später studierte er Architektur in London und Kassel.

DIE GRÜNE WAND UND DER ÖFFENTLICHE RAUM

Die Städte verändern sich also – und sichtbar wird dies auch über eine neue, begrünte Fassadenarchitektur und aufsehenerregende grüne Hochhausprojekte. Ob solche Projekte sinnvoll sind, das hängt für Latz stark davon ab, wo man sich befindet. „In einer dicht besiedelten Stadt? Dann sind grüne Fassaden und Hochhäuser sehr wichtig. Neubaugebiete wie in Freiburg verlangen Fassadenbegrünung. Wie diese dann aussieht, ist völlig frei, solange sie die Architektur nicht schädigt. Das macht sehr viel Sinn, kann aber keine öffentlichen Räume ersetzen“, betont der Landschaftsarchitekt. „Die Öffentlichkeit bewegt sich in der Fläche, hier sind die Räume, wo ich mich treffe, wo Begegnung und Austausch stattfindet. Das ist wichtig für eine Stadt. Wo das nicht passiert, ist die Stadt nur noch Wohnraum und kein urbaner Raum mehr.“

Grünen Hochhäusern steht er zwiegespalten gegenüber. Er sieht diese Gebäude als hochintensive Anlagen, die auch bezahlt werden müssen. Wer hier leben will, der muss sich das auch leisten können. Einen höheren „Grünwert“ könne durchaus ein Haus mit künstlichen Schattierungselementen und entsprechender Haustechnik mit geringem Energieverbrauch haben. „Grün ist ein Verkaufsfaktor. Das schlägt sich im Prestige und Mietpreis nieder.“

Durchaus zweischneidig sind für ihn auch Projekte wie etwa der Köbogen in Düsseldorf: „Sie sind spektakulär und architektonisch spannend. Doch hier ist relativ viel grüner Stadtraum außen herum, eigentlich sind hier grüne Fassaden nicht so notwendig wie an anderen Stellen. Diese Frage muss man sich als Gestalter dann auch gefallen lassen. Hier ist Dachbegrünung viel wichti- ger, auch benutzbare begrünte Dächer. Die werden aber noch zu wenig durchgesetzt. Flächiges, vertikales Grün kann fürs Wohlbefinden viel beitragen, ist aber nicht Hauptmerkmal.

Aber natürlich haben grüne Fassaden ihre Berechtigung – und Tradition. Auch im Büro Latz+Partner. Bereits Tilman Latz Eltern begrünten in den 60er und 70er Jahren Fassaden und auch er begeisterte sich schon im Studium dafür, grüne Landschaften (auch mal ohne Baum) zu gestalten. Begrünte südorientierte Fassaden sind schon schön und sinnvoll, das steht für Latz außer Frage. Fassadenbegrünungssysteme verringern das Aufheizen und auch der psychologische Effekt sei nicht von der Hand zu weisen.

GREEN UND SMART: WAS BRAUCHEN STÄDTE?

Viel ist derzeit über „Green“ und über „Smart Cities“ zu lesen und unterschiedlichste Professionen haben die Stadt der Zukunft zu ihrem Forschungsgebiet erklärt. Für Latz bleibt aber die „Landschaftsarchitektur ein wesentlicher Träger der Veränderung. „Wir sind die Generalisten, die Allrounder, auch wenn es Versuche gibt, diesem Ansatz zu widersprechen. Unsere Profession kann die unterschiedlichen Bestrebungen kombinieren.“

Auch bei Smart Cities sieht Latz Licht und Schatten. Einerseits geben diese den Bewohnern den maximalen Nutzen digitaler Möglichkeiten – dies allerdings nur denjenigen, die mit diesen Möglichkeiten auch umgehen können. Ein weiteres Problem fürchtet er in der Digitalisierung von Dienstleistungen und bei der Datensicherheit. Und auch hier gelte: Nicht jeder könne sich die Möglichkeiten der Smart City leisten, sie bedeute eine Verteuerung des öffentlichen Raumes.

„Wir als Planer müssen uns mit dem auseinandersetzen“, sagt Latz. „Die Entwicklung bietet energetisch größte Vorteile, führt aber in eine äußerst digitalisierte Umwelt. Wir sind ein Player von vielen. Landschaftsarchitekten als Planer, die im Team mit Ingenieuren, Statikern, Soziologen und den unterschiedlichsten Spezialisten zusammenarbeiten. Die Folge unserer Profession ist es, dass wir vieles nicht mehr selber machen, sondern nur noch managen.“ Bezogen auf die Grünräume sind die neuen technischen Systeme für Latz bislang noch nicht „so dramatisch überzeugend“, er geht deshalb nicht davon aus, dass diese sich radikal durchsetzen werden.

Ganz anders sieht er die Entwicklung bei den „Green Cities“. „Die sind nicht zu stoppen“, ist der Landschaftsarchitekt überzeugt. Hier ist Grün wesentlich stärker charakterbildend. Der identifizierende Faktor und der psychologische Ansatz sind entscheidend. Nicht nur wegen des Klimawandels, der vor allem die Städte im Süden trifft. Auch die Bevölkerung fordert die Green Cities. Hier müssen die Städte liefern, sonst bleiben die für die Wirtschaft einer Stadt wichtigen Effekte aus. „Wenn wir als Profession „Landschaftsarchitektur“ diese Thematik an uns vorbeiziehen lassen, läuft die Entwicklung an uns vorbei“, sagt Latz. „Wir müssen in größeren Teams arbeiten, die Landschaftsarchitekten als „Leads“, die die Federführung bekommen.

Im Wettbewerbswesen ist es so, dass größere Projekte als kleineres Büro nicht mehr zu managen sind. Diese können so vielfältige Projekte nicht abdecken und sind auf Zusammenarbeit angewiesen. Die Frage ist also: „Was können wir, was können die anderen?“

„Wir können Räume – Freiräume – gestalten. Technologische Elemente sind oft nicht wirklich nachhaltig, da diese schnell veralten. Ein Baum, ein Park, der kann Jahrzehnte bis Jahrhunderte halten. Der Landschaftsarchitekt muss selbstbewusster auftreten. Wir müssen die Änderung proaktiv annehmen, ihr uns nicht verweigern und wir dürfen uns auch nicht klein machen. Die Integration von Infrastrukturen der Städte ist noch stark vom Ingenieurwesen und dem Autoverkehr dominiert, mit uns Landschaftsarchitekten aber durchaus positiv gestaltbar. Derzeit ist Landschaftsarchitektur wenig nachhaltig, sondern deckt immer nur die momentanen Bedürfnisse ab. Es gibt wenig Raum zum Gestalten. Die Haltbarkeit der Räume ist allerdings entscheidend. Dabei ist es wichtig, nicht reine Vermittler zu werden, denn sonst kann auch ein Soziologe, Geograph oder einer, der Bürgerbeteiligung macht, unsere Arbeit erledigen. Vielleicht zu Recht hat unser Anteil abgenommen, Räume werden oft von Architekten geplant, wir Landschaftsarchitekten haben uns dem oft nicht angenommen.“

„Der Landschaftsarchitekt muss selbstbewusster auftreten: Wir müssen die Änderung proaktiv annehmen, ihr uns nicht verweigern und wir dürfen uns auch nicht klein machen.“

VERÄNDERUNG DER GROßSTÄDTE

Wie solche Projekte Großstädte verändern und was das Projekt für München bedeutet, ist ein Thema, über das Tilman Latz gerne spricht: „München fällt es schwer, große Parks zu bauen. Der Englische Garten ist völlig übernutzt. Für die gesamte Stadt und die Quartiere ist der Englische Garten von Bedeutung. Es ist ein großer sozialer Raum und für das Geflecht hinsichtlich Klima- und Emissionsschutz von großer Bedeutung. Das kann ein Stadtteilpark nicht leisten, sondern immer nur für den entsprechenden Stadtteil.

Der Heckenstaller Park hat keine übergeordnete ökologische Bedeutung und ist aufgrund seiner Größe eher für das Mikroklima einer Stadt wichtig. Doch er bietet einen sozialen Ausgleich an, durch den die Städte wieder lebenswert gemacht und Räume für Menschen hergestellt werden. Durch die Vernetzung mit den benachbarten Innenhöfen entsteht ein intensiv genutzter Quartierspark. Die Städte der Zukunft müssen aber wieder große Parks planen, denn nur diese machen den entscheidenden Unterschied (für eine Stadt). Außerdem binden diese Parks die Bevölkerung – wer vor der Haustüre ins Grüne kommt, sieht öfter von einer Fahrt in die Alpen ab.“

Latz spricht von „Binnen Park Reisen“, von Park zu Park. Dies müsse in der Stadtplanung berücksichtigt werden, das fehle nach wie vor. Ein 50 bis 100 m breiter Grünzug reicht hier nicht aus, und ist auch kein Ersatz für große, offene Räume. Parks, die in sozialer und urbaner Hinsicht wirksam sind, benötigen mindestens eine Größe wie etwa der Westpark.

„Dies ist eine politische Position, die nicht falsch verstanden werden soll. Aber in München gibt es noch viele weitere Möglichkeiten. Straßen müssen zu Lebensräumen umgestaltet werden, München ist noch zu stark auf das Thema Auto fixiert.“

WIE PARKS FUNKTIONIEREN KÖNNEN

Doch zurück vom Großen ins Kleine. Wie sieht Latz die Entwicklung des Heckenstaller Parks nach vier Jahren? Was hat sich bewährt – und was würde er heute vielleicht anders planen?

Es war ein langer Abstimmungsprozess der im Konzept bereits Ende der 90er Jahre begonnen hatte. Latz ist im Prinzip über das Ergebnis froh und würde den Park wieder ähnlich bauen, allerdings eine aktivere Infrastruktur hineinbringen, die Begegnungsmöglichkeiten der Nachbarschaft in den Vordergrund stellen. Die Spielplätze jetzt sind Anlaufstellen für Familien. „Man benötigt Orte, an denen sich die Nachbarschaft, die „Quartierschaft“ treffen kann. Orte, an denen man sich der Gemeinsamkeit versichert, sich treffen kann, das soziale Geflecht stärkt und eine Art findet, sich den Park anzueignen.

Wichtig und gut gelungen ist hier ein entsprechender Komfort: beispielsweise die Überdachung im zentralen Spielbereich für heiße, sonnige Tage oder auch bei Regen. Der Park soll ein Anlaufpunkt für alle Generationen sein. Dies beinhaltet auch die Bequemlichkeit der Ausstattung. Dazu gehört, dass Kinder Fußball spielen können, und die Kante der Promenade verhindert, dass es zu Konflikten zwischen Spielenden und Passanten kommen kann. Dies funktioniere gut. Auch mit der Bepflanzung ist Latz zufrieden, sie benötige allerdings für die endgültige Entwicklung noch etwas Zeit.

„Der öffentliche Raum muss stark sein. Die Struktur, die man setzt, muss auch die Veränderung von Nutzungen aushalten.“

Einen Punkt würde er allerdings doch anders machen. München hat das Ziel der durchgängigen Radwege, die auch durch den Park führen. Die kombinierten Radwege auf der Nordseite würde er gerne eindeutiger, durch eine stärkere materielle Unterscheidung herstellen, da es hier offensichtlich immer wieder zu Konflikten kommt. Zum Radverkehr – lokaler Quell- und Zielverkehr in den Park – im Gegensatz zu dem Radverkehr der durchfährt, würde er sich stärkere Gedanken machen und beide Verkehrsströme deutlicher trennen. Man benötigt hierfür größere Verkehrsflächen, für eine immer mobilere Gesellschaft.

Die Rückmeldungen zum Park sind nach Latz durchweg positiv: Er wird von den Menschen im Quartier gut angenommen, ist beliebt und als „unser Park“ betrachtet. Das führe nun leider dazu, dass Menschen von außen schon fast unerwünscht von den Anwohnern sind, was wiederum Konflikte erzeuge.

Im Planungsprozess flossen die Anregungen aus der Bevölkerung konsequent in die Parkgestaltung mit ein. Die Ideen der Anwohner wurden vorgestellt und die Kritik und Anregung an den Planer weitergegeben, der die Vorschläge anzupassen und zu verbessern hatte. Dabei ließ sich aber nicht alles erfüllen: Toilette und Kiosk etwa waren gewünscht aber nicht umsetzbar.

Gut wäre auch ein größeres Angebot für Jugendliche. Ein Skatepark fehlt, dies wurde vom Baureferat untersucht aber aufgrund drohender Nachbarschaftskonflikte wegen der zu erwartenden Lautstärke verhindert – ein bekanntes Problem, bedauerlich aber verständlich. Im Heckenstaller Park befindet sich der Spielplatz in der Mitte, da dies der beste Platz war, zudem wurde er auch noch abgesenkt. Darüber waren die Anwohner nicht unglücklich. So hat er den größten Abstand zu den meisten Wohnungen.

Der Heckenstaller Park funktioniert deshalb so gut, weil es ein komplett öffentlicher Ort ist und kein Teil davon privat. Dennoch ist eine teilweise private Aneignung von öffentlichen Plätzen als soziale Kontrolle des Parks gut.

„Man plant viel zu sehr für Bürger, die ganz aktuell ihre Interessen durchsetzen möchten, dabei wird die wichtige Kraft des Raumes vergessen. Die Struktur die man setzt, muss auch die Veränderung von Nutzungen aushalten, Pflanzungen der Bewohner sind etwas Temporäres. In dieser Vermischung von Privat und Öffentlichkeit liegt oft der Grund eines Scheiterns. Im öffentlichen Bereich hat Privates nur temporär eine Berechtigung, das muss berücksichtigt werden, sonst kommt die große Enttäuschung. Die Strukturen müssen stark genug sein. Wie kann man Öffentliches und Privates zusammenbringen? Das ist ein großes Konfliktfeld.“ Latz ist gespannt, wie sich das alles in den nächsten Jahren entwickelt, wie sich die Menschen integrieren, damit diese den Raum als mehr als nur öffentlichen Raum ansehen und nicht immer nur schimpfen, was bei der Verwaltung alles falsch läuft. Klar ist für ihn aber auch: Der öffentliche Park gehört allen, er kann deshalb durch den Einzelnen nur temporär in Besitz genommen werden. Es ist eben nicht der persönliche Garten für den Bewohner der Quartiers. „Der Einzelne kann keinen Anspruch erheben.“