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RAGE: „ICH HABE GELERNT ZU VERGEBEN“


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 15.01.2020

Nach unserem detaillierten Studioreport in der vorigen Ausgabe folgt jetzt das große Interview mit RAGE-Boss PEAVY WAGNER (M.) – nicht nur über das neue Album WINGS OF RAGE, sondern auch über alte Wunden und heilsame Vorsätze.


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Foto: J. Tochtenhagen (PR)

So entspannt und ausgeglichen wie im Herbst 2019 wirkte Peter „Peavy“ Wagner schon seit Jahren nicht mehr, obwohl er sich derzeit um gleich zwei Bands kümmern muss. Aber sowohl bei Rage als auch bei Refuge hat er Freunde zu Band-Mitgliedern gemacht, ist zu seiner ehemaligen Plattenfirma zurückgekehrt und bringt in diesen Tagen mit WINGS OF RAGE ein ...

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... erstklassiges neues Rage-Album an den Start. Eitel Sonnenschein also im Hause Wagner. Aber woher kommt diese Zufriedenheit? Hat der 55-Jährige etwa mit all seinen früheren Widersachern Frieden geschlossen?

Peavy, mit Rage und Refuge scheinst du derzeit so beschäftigt wie selten zuvor. Existieren beide Bands gleichberechtigt nebeneinander?
Nein. Refuge war nie als ernsthafte Band geplant. Damit wollen wir nichts aufbauen, sondern die Gruppe nur dann und wann für besondere Shows ausgraben, um beispielsweise mit Mitgliedern beider Formationen gemeinsam auf die Bühne zu gehen. Und 2020 wird es definitiv nur Rage geben.

Existieren inhaltliche Übereinstimmungen zwischen beiden Gruppen?
Ja. Allein schon deshalb, weil wir mit Rage Material aus allen Epochen spielen. Unser Klassiker ‘Don’t Fear The Winter’ beispielsweise ist bei beiden Bands fest im Programm. Allerdings gibt es auch Einschränkungen, denn mit Efthi (Christos Efthimiadis, Refuge-Schlagzeuger – Anm.d.A.) und Manni (Schmidt, Refuge-Gitarrist – Anm.d.A.) berücksichtigen wir natürlich keine Songs von BLACK IN MIND.

Unterscheiden sich die Songs spielerisch zwischen beiden Formationen?
Lucky (Vassilios Maniatopoulos, Rage-Schlagzeuger – Anm.d.A.) hat einen völlig anderen Groove als Efthi, und die Art, wie Manni Gitarre spielt, kann man sowieso nicht kopieren, denn er ist Autodidakt und hat sich eine ganz eigene Technik angeeignet.

War bei der Zusammenstellung der aktuellen Rage-Besetzung eine der Bedingungen, dass Songs aus allen Phasen berücksichtigt werden können?
Das war Grundvoraussetzung für das neue Line-up. Aber Marcos (Rodriguez, Rage-Gitarrist – Anm.d.A.) und Lucky legen darauf ohnehin auch selbst den größten Wert. Zudem fordern sie explizit, dass alles so gespielt wird wie bei den Originalversionen. Mike Terrana und Victor Smolski haben damals manches eigenmächtig umgebastelt und es so gespielt, wie sie meinten, dass es klingen sollte. Marcos und Lucky als große Rage-Fans haben dies schon vor ihrem Einstieg hart kritisiert. Es hieß früher oft: „Schrecklich, wie Terrana ‘From The Cradle To The Grave’ verhunzt!“ Das Gute ist: Ich kenne Lucky seit 1988, schon zu Zeiten von PERFECT MAN. Damals war er gerade 15. Später wurde er Efthis Schlagzeug-Roadie. Lucky weiß also, wie es klingen muss.
Terrana und Smolski hatten vor ihrem Einstieg keinen Bezug zu Rage, was man ehrlich gesagt hören konnte. Marcos behauptet schon seit Jahren, dass Victor das Tapping-Solo von ‘Invisible Horizons’ nie so gespielt hat wie Manni das Original auf SECRETS IN A WEIRD WORLD.
Das mögen nur Kleinigkeiten sein, die zwar kaum jemand hört, aber den Unterschied ausmachen. Früher habe ich so etwas nicht registriert, auch weil der Sound auf schlechten Bühnen mies ist. Seit Kurzem verwende ich In-ear, jetzt kann ich diese Feinheiten hören.

Hast du den Eindruck, dass ihr mit WINGS OF RAGE noch einmal etwas korrigiert, was zwischenzeitlich aus dem Ruder gelaufen war? Immerhin musstest du zweimal im Streit die komplette Mannschaft auswechseln.
Nein, den Eindruck hatte ich nie und habe ihn auch heute nicht. Zur entsprechenden Zeit haben alle Besetzungen gepasst. Ich möchte nichts und niemanden schlechtmachen. Alles ist gut so, wie es sich zugetragen hat.

Es gab im Vorfeld von WINGS OF RAGE also nichts, was du generell ändern wolltest?
Ich wollte noch nie etwas generell ändern, jedenfalls keine kompletten Alben. Sicher sind wir mit dem ein oder anderen Song auch schon mal übers Ziel hinausgeschossen oder haben uns vergaloppiert. Über manch eine Nummer hätte man sicher besser noch mal nachgedacht, bevor sie veröffentlicht wurde. Aber ein gewisses Grund-Niveau wurde bei Rage nie unterschritten. Es gibt kein Album, für das ich mich schäme. Das liegt allerdings auch daran, dass eine Reihe von Songs nicht veröffentlicht wurde, da ihnen das erforderliche Niveau noch fehlte. ‘A Nameless Grave’ von WINGS OF RAGE beispielsweise trage ich schon seit 1998 mit mir herum. Erst jetzt habe ich ein Arrangement gefunden, mit dem ich wirklich zufrieden bin.

Auch die Orchester-Ära der Neunziger findet auf WINGS OF RAGE erneut Berücksichtigung. Hast du an diese erfolgreiche Zeit besonders gute Erinnerungen?
Oh ja, absolut. Man darf nicht vergessen: Damals war so etwas noch völlig neu, nur Waltari hatten etwas Vergleichbares, allerdings mit einem stilistisch anderen Ansatz. In der Form, in der wir es gemacht haben, waren Rage die ersten. Das hat uns aus der Masse herausgehoben und viele andere Bands inspiriert. Die Orchesterphase war für Rage eine wichtige und erfolgreiche Epoche, auf die wir bewusst mit drei Songs im Mittelteil von WINGS OF RAGE verweisen.

Waren die Orchesterwerke die Scheiben mit den größten Fortschritten für dich als Musiker?
Ja und nein. Durch mein Elternhaus hatte ich bereits eine enge Beziehung zur Klassik, außerdem habe ich in jungen Jahren klassische Gitarre gelernt. Daher war ich mit den Grundstrukturen dieser Musik vertraut und konnte die Grundlagen anwenden. Mit Christian Wolf hatten Rage damals einen studierten Musiker. Chris konnte uns natürlich viele neue Aspekte aufzeigen und speziell mir eine Menge beibringen.

Und ausgerechnet diese Ära endete im völligen Desaster.
Das stimmt, wobei ich mich sowieso in der vorherigen Besetzung mit Efthi und Manni, von Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger, deutlich wohler gefühlt hatte. Danach entstand die Viererkonstellation, die mir anfangs sehr gut gefiel, nach THIRTEEN aber zu großen persönlichen Auseinandersetzungen führte. Der Zusammenbruch dieser Besetzung war fies und für mich traumatisch. Ich war menschlich zutiefst enttäuscht. Damals ist in mir etwas zerbrochen, was mich sehr beschäftigt und künstlerisch lange lahmgelegt hat. In dieser Phase kam dann Victor.

…von dem du dich schlussendlich auch im Unfrieden getrennt hast.
Victor hat es irgendwann übertrieben. Zu Zeiten, in denen Mike Terrana noch zur Band gehörte, hatten wir eine Art Gegengewicht, sodass die Sache einigermaßen in Balance blieb. Als Terrana raus war, ging die Ausgewogenheit jedoch verloren. Victor fing an, mich aus Entscheidungen herauszudrängen, sodass ich ihm am Ende kündigen musste. Seinerzeit hatte ich die Schnauze gestrichen voll von der Musik und wusste überhaupt nicht mehr, was ich selbst leisten kann. Es gab eine kurze Phase, in der ich sogar darüber nachgedacht habe, den Beruf zu wechseln.

Nach zweimaligem Schiffbruch: Welche persönlichen Anteile an diesen Entwicklungen siehst du bei dir selbst?
Ich weiß, dass ich überfällige Entscheidungen oftmals zu lange verschleppt habe, auch im Privaten. Durch mein Zögern ist letztendlich noch größerer Schaden entstanden, als wenn ich früher gehandelt hätte. So etwas hat natürlich immer auch mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur zu tun.

Bist du konfliktscheu?
Sagen wir mal so: Im Grunde genommen bin ich kein Alphamännchen, ich drängle mich nicht gerne nach vorne und mag keine Prahlhanse. Eigentlich stehe ich am liebsten im Hintergrund. Dies mag auch ein Indiz für eine gewisse Faulheit sein, das will ich nicht abstreiten.

Welche Konsequenzen hast du aus dieser Erkenntnis gezogen?
Ich lasse mir meine Kompetenzen nicht mehr streitig machen. In einer Band müssen die Positionen klar sein.

Bedeutet konkret: Du hast jetzt bei allem immer die letzte Entscheidung?
Korrekt. Ich lasse mich gerne überzeugen und bin ganz sicher nicht beratungsresistent – aber die letzte Entscheidung liegt bei mir.

Konntest du mit all deinen ehemaligen Widersachern Frieden schließen?
Als ich vor einigen Jahren 50 wurde, habe ich mir geschworen, dass ich keine Feindschaften mehr pflegen will. Hass frisst einen auf, Hass kostet ungeheuer viel Energie. Das alles möchte ich nicht mehr. Ich habe gelernt zu vergeben und finde, dass diese Fähigkeit jeder erlernen sollte.

Klingt nach einem großen Happy End!
Im Großen und Ganzen ist alles wieder im Lot. Allerdings würde ich zwei meiner ehemaligen Rage-Kollegen auch heute noch nicht zu meinem Geburtstag einladen.