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RALLYE DAKAR 2020: Hell on Wheels


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 11.02.2020

Das Wüstenland Saudi-Arabien ist zum ersten mal Gastgeber der fahrenden Wüsten-Legende Dakar. 2020 wird also auf viele Arten und Weisen Geschichte geschrieben. Wir waren natürlich live vor Ort und hatten den direkten Überblick auf ein spannendes Rennen, die Teams und Land und Leute …


Artikelbild für den Artikel "RALLYE DAKAR 2020: Hell on Wheels" aus der Ausgabe 3/2020 von Off Road. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Off Road, Ausgabe 3/2020

Die Vorzeichen waren eindeutig, der Titelkampf zwischen Toyota und MINI vorhersehbar. Aus deutscher Sicht durch den verletzungsbedingten Ausfall von Dirk von Zitzewitz (Ex Copilot im Werks-Toyota von Giniel De Villiers) mit Timo Gottschalk nur noch ein Copilot (im X-Raid MINI von Jakub Przygonski) dabei, der gut für das ...

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Die Vorzeichen waren eindeutig, der Titelkampf zwischen Toyota und MINI vorhersehbar. Aus deutscher Sicht durch den verletzungsbedingten Ausfall von Dirk von Zitzewitz (Ex Copilot im Werks-Toyota von Giniel De Villiers) mit Timo Gottschalk nur noch ein Copilot (im X-Raid MINI von Jakub Przygonski) dabei, der gut für das Podium war. Nicht lange, denn bereits auf der ersten Etappe gab das X-Trac Getriebe im MINI den Geist auf, sechs Stunden Zeitverlust und damit alle Podium Träume beendet. Das Wüstenland Saudi-Arabien bietet naturgemäß ideales Terrain für eine Wüstenrallye. So abwechslungsreich wie Südamerika war es nicht, aber mit den felsigen Gebirgsetappen der ersten und den sandigen Wüstenetappen der zweiten Woche wurde ein anspruchsvoller Parcours für die Dakar 2020 geschaffen. An den Felsen der ersten Woche zerfetzen die Reifen dutzendweise. Das musste auch der litauische Rallyeprofi Vaidotas Zala schmerzlich erfahren. Nach seinem viel beachteten Sieg bei der Eröffungsetappe zerschmetterte er gleich sechs BF Goodrich Spezial Pneus auf der dritten Etappe an den „Saudi-Ripper“ Felsen. Er war dreimal auf Reifenspenden seiner X-Raid MINI Teamkollegen angewiesen und verlor entsprechend viel Zeit. Die beiden MINI-Buggys (Carlos Sainz und Stephane Peterhansel) mit ihren mächtigen 37-Zoll-Rädern hatten keine Probleme damit, ein Vorteil, der sich später auszahlen sollte. Giniel De Villiers (Werks-Toyota) war mit seinem neuen Copilot Alex Haro Bravo eher unauffällig unterwegs. Das südafrikanischiberische Duo gewann lediglich die zweite Etappe.

ALLES ETWAS ANDERS …

Neben dem neuen Austragungsland hatte die Rallye durchaus noch andere erhebliche Veränderungen. In Südamerika war es zum Schluss so, dass man für Geld fast jede Information über die Rennstrecke kaufen konnte. Die Werksteams hatten damit einen erheblichen Vorteil. Diesem Auswuchs wurde nun massiv entgegengewirkt. Die Roadbooks wurden nun nicht mehr Wochen vorher gedruckt, sondern erst am Tag oder in der Nacht vor der Etappe. Bei der Hälfte der Etappen erhielten die Teilnehmer diese erst morgens am Start. Nun kam es viel mehr auf den Copiloten im Auto an, der sich nun nicht mehr auf die Arbeit seiner Navigationshelfer im Camp verlassen konnte. Dass dieses Vorgehen absolut erfolgreich war, zeigte sich an den Ergebnissen, plötzlich tauchten viele neue Namen in der Top Ten der Tagesergebnisse auf. Die Überraschung des Rennens waren z.B. die Franzosen Mathieu Serratori und Fabian Lurquin, die im privat eingesetzten Century V8-Buggy aus Südafrika sensationell gegen die hochkarätige Konkurrenz die achte Etappe gewinnen konnten. X-Raid Teamchef Sven Quandt erklärt, dass Serratori von einer Lücke im Reglement profitiert. So habe der Rallye Dakar Veranstalter ASO es versäumt, bei der Übernahme des FIA Cross Country Regelwerks 2020 für die nun etwas leichteren Buggys bei den Benzinern den dann vorgeschriebenen kleineren Airrestrictor (35 statt 37,5 mm) vorzuschreiben, was einen Vorteil von ca. 60 PS bedeutet. Das schmälert den Erfolg Serratoris kaum, ist er doch als „David“ gegen die Goliaths MINI und Toyota erfolgreich gewesen. In Frankreich wird er dafür bereits als neuer Peterhansel gefeiert.

Ohne Glück in Saudi-Arabien: Timo Gottschalk und Jakub Przigonski haben auf der ersten Etappe einen Getriebeschaden und später die Servolenkung kaputt. Trostpreis 19. Platz.


Top-Favorit Nasser Al-Attiyah hatte im Toyota Hilux die letzten neun (!) Rallyes vor der Dakar gewonnen. Er war der Einzige, der die MINI unter Druck setzen konnte.


Die MINI-Buggy-Piloten Carlos Sainz und Stephané Peterhansel dominierten die Rallye Dakar 2020! Große, stabile 37-Zoll-Reifen und überragende Federwege brachten die entscheidenden Vorteile.


DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN

Schon ab dem dritten Tag war klar, dass die Pace der drei Dakarsieger Al-Attiyah, Peterhansel und Sainz niemand schritthalten konnte. Lediglich Lokalmatador Yazeed Al-Rahji (Toyota) konnte dem Spitzentrio noch einigermaßen folgen. Al-Attiyah hatte bis zur Marathonetappe Sainz mit nur sechs Minuten Rückstand quasi in Sichtweite, doch ein falscher Abzweig kostete Ihn knapp zehn Minuten. Er gewann zwar die letzte Etappe, konnte den Rückstand aber nur um die verlorene Zeit verkürzen. Die weiteren Tagessiege gingen alle an die MINI-Buggys von Sainz (5) und Peterhansel (3). Carlos Sainz festigte seine Führung dank der fehlerfreien Navigation seines Copiloten Lucas Cruz. Rennentscheidend war, dass seine Verfolger Peterhansel und Al Attiyah den gleichen falschen Abzweig nahmen und sechs bzw. neun Minuten einbüßten. Die letzten zwei Etappen konnte Sainz seinen komfortablen Vorsprung von 16 Minuten verwalten. Der erste Teil der Marathonetappe war auch für Formel 1 Star Fernando Alonso, der sich bis dahin im Werks-Toyota sehr acht- bar schlug, ein eindrückliches Ereignis. Die dritte Düne bei Kilometer 2,5 sollte dem Spanier zum Verhängnis werden. Schräg angefahren hatte er keine Chance, den Pick-up auf dem sehr steil abfallenden Sandmonster abzufangen. Nach vier Rollen kam das Fahrzeug etwas onduliert auf den Rädern zum Stehen. Die Fahrt konnte ohne größere Zeitverzögerung weitergehen. Alonso und Coma wurden letztlich dreizehnte, für ein Dakar Debüt ein sehr gutes Ergebnis. Der spanische Formel 1 Star brachte auch ein wenig Leben in das sonst ruhige Biwak. Er war der allseits von Presse und Fans umringte Star. Die Marathonetappe forderte einige weitere Opfer, darunter auch zwei Fahrzeuge, die sich an der gleichen Düne wie Alonso überschlugen bzw. von der Düne aus zehn Metern Höhe ungebremst auf den Grund sprangen. Schlechte Sicht wegen Sandsturm und zahlreiche Einsätze der Rettungshubschrauber führten zum Abbruch der Etappe nach Rennkilometer 345. Die Dakar wurde ihrem Ruf wieder mal gerecht. Nach dem tragischen Tod des Motorradprofi Paulo Goncalves (letzte Woche Sonntag) wollte und durfte man wohl auch kein unnötiges Risiko eingehen. Mehr als verständlich und vernünftig.

STRECKENFÜHRUNG DAKAR 2020:

Parcours der Rallye Dakar 2020: Es waren 7880 Kilometer (davon gut 5000 in Wertung zu fahren), teilweise auf extrem schnellen Strecken in offenem Gelände.


Toyota hatte nur eine Crew (Al-Attiyah/Baumel) die den MINI gefährlich werden konnte, aber ein Navigationsfehler kostete am Ende den Sieg.


„Rote Fahne“-Chinakracher mit Toyo-Rahmen und Ford-V8


Unser von der GFG vorbereiteter Presse-G 500 hat absolut hervorragende Dienste geleistet!


DAS NEUE GASTGEBERLAND

Das Resümee ist zwiespältig: Saudi-Arabien bietet attraktive Strecken durch atemberaubende Landschaften. Im Vergleich zu den Südamerika Dakar Rallyes verliert die Veranstaltung allerdings 99% der Zuschauer an der Strecke. Während in Argentinien, Chile und Peru Millionen von Menschen zum Rennen kamen, sind es in Saudi-Arabien nur wenige Tausend. Der französische Veranstalter ASO hat es nicht für nötig befunden die Teilnehmer von seiner komfortablen Finanzierung durch die Saudis profitieren zu lassen. Zwar gab es das Benzin für die Rennautos kostenlos, die Nenngelder blieben hingegen auf dem alten, extrem hohen Niveau. Das Nennergebnis bei den Autos war in diesem Jahr mit nur 83 Startern um 25 Prozent niedriger als der bisherige Schnitt. Die Dakar ist für die Servicecrews wesentlich unattraktiver geworden. Während früher sommerliches Wetter, Geselligkeit im Fahrerlager und jeden Tag interessante Überführungen mit begeisterten Zuschauern lockten, gab es nun triste, menschenleere Autobahnen, Alkoholverbot und Temperaturen vom Gefrierpunkt bis zu maximal 20 Grad. Elf Jahre Südamerika erscheinen da im Vergleich als grandioses Geschenk in der Dakar-Geschichte …

Profipannenhelfer Behringer/Henken sorgen seit Jahren im MAN dafür, das die South Racing Can-Am ins Ziel kommen.


Erster Sieg für den MINI-Buggy und fünfter Sieg für X-Raid aus Hessen.


Die Macht aus Tatarstan: Truck-Dominator Kamaz feiert mit Karginov und Shibalov erneut einen eindrucksvollen Doppelsieg - auch 2020 in Saudi-Arabien.


STIMMEN AUS DEM ZIEL

Fernando Alonso: „Es ist für mich die erste Dakar Rallye, dieses Rennen ist das längste der Welt. Es ist extrem anspruchsvoll, zwei Wochen jeden Tag im harten Wettkampf zu bestehen. Vorgestern auf der Marathonetappe hatten wir einen Überschlag, wir schafften es aber ins Marathon Biwak und reparierten das Auto. Wenn ich noch einmal wieder komme, werden die Erwartungen noch höher sein. Wenn ich zurückkomme, möchte ich um den Sieg fahren können. Ich bin aber glücklich, wie es jetzt gelaufen ist. “

Carlos Sainz: „Für mich ist dieser dritte Rallye Dakar-Sieg ein sehr besonderes Erlebnis! Mit 57 Jahren nochmal so einen grandiosen Erfolg zu haben ist einzigartig. Der Wettbewerb an der Spitze zwischen Nasser (Al Attiyah), Stephane (Peterhansel) und mir war von Anfang an sehr eng. Wir haben uns gar nichts geschenkt und sind vom ersten Tag an voll auf der letzten Rille gefahren. Das gefahrene Tempo war diesmal besonders hoch. Ein besonderes Lob geht an meinen Copilot Lucas, der einfach hervorragend und fehlerfrei navigiert hat und an mein Team X-Raid die den MINI Buggy mit der aktuellen Evolution zum Siegerauto gemacht haben!“

T Jörg Sand F| Sand/Teams/Veranstalter

Sieg Nr. 3 für „El Matador“ Carlos Sainz: Nach VW und Peugeot jetzt im MINI.