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Rangierdiesellok für verschiedene Epochen


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eisenbahn magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 10.01.2023

Verglichen & gemessen

Für diesen Vergleichstest standen die altroten Modelle von ESU und Märklin sowie die neuroten Rangierlokomotiven von Brawa und Piko zur Verfügung. Alle vier Miniaturen sind ab Werk mit Sounddecodern bestückt, sodass damit ein digitaler Mehrzugbetrieb möglich ist. Da es unzählige Farbvarianten dieser Baureihe gibt (siehe Im Fokus in em 9/18), haben die Hersteller auch mehrere Varianten im Angebot, für die die hier vorgestellten Testergebnisse ebenfalls gelten. Da das ältere Roco-Modell derzeit nicht lieferbar ist, wurde es in diesem Vergleich nicht berücksichtigt.

TECHNISCHE WERTUNG Konstruktiver Aufbau

Brawa – Der Führerstand sowie die beiden Vorbauten der aktuellen NeukonstruktionsindseparateKunststoffbauteile, die mittels Rastnasen verbunden sind. Zieht man die Vorbauten zur Seite, kann das Führerhaus abgehoben werden. Am schweren Metallfahrwerk sind alle Details des ...

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Bildquelle: eisenbahn magazin, Ausgabe 2/2023

V 60-Quartett in H0: Mit Zusatzfunktionen ausgestattete Rangierloks versprechen Abwechslung im Anlagenbetrieb. Im em-Vergleichstest überzeugten alle Modelle
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... Umlaufs befestigt. Der Motor mit einseitiger Schwungmasse liegt unter der Platine sowie der Führerstandsnachbildung. Über die Motorschnecke sowie Zahnräder und die Kuppelstangen werden alle drei Radsätze angetrieben. Während der mit Haftreifen belegte Radsatz nur leicht seitenverschiebbar ist, sind die vorderen beiden Radsätze zusätzlich auch kippbar gelagert. An beiden Seiten ist eine digitale Kupplung im NEM-Schacht montiert, deren Haken sich absenken kann.

Märklin – Die Göppinger haben ihre bewährte Konstruktion überarbeitet und technisch auf den heutigen Stand gebracht.

Das Fahrgestell mit Hochleistungsmotor, das mittels einer sichtbaren Schraube im Dachbereich befestigte Metallgehäuse und der Umlauf sind separate Baugruppen, an die das Dach, die Metallgeländer sowie weitere Kleinteile befestigt sind.

DasFührerhauskonntebisunterhalb der Fenster weitgehend von Einbauten freigehalten werden, ein Führerstand ist aber nicht angedeutet. Das gut zugängliche Getriebe wirkt auf alle drei Radsätze, wobei am letzten Radsatz zwei Haftreifen aufgezogen sind. Beidseitig ist die ferngesteuert bedienbare Telex-Kupplung mon- tiert,beiderderBügeldesangehäng- ten Wagens angehoben wird.

Piko – Im Zinkdruckgussrahmen ist unter der Platine der Motor mit Schwungmasse eingebaut. Wie bei den anderen Modellen sind alle drei Radsätze angetrieben, wobei nur der mittlere federnd und kippbar gelagert ist. Auch Piko hat auf einem Rad des letzten Radsatzes einen Haftreifen aufgezogen. Im mittels zweier Schrauben fixierten Kunststoffgehäuse mit separat aufgestecktem Führerstand samt kompletter Führerstandsnachbildung sind zusätzlich einige Metallgewichte eingeklebt. Die Standard-Bügelkupplung ist im NEM-Schacht eingesteckt und wird in einer Kulisse geführt.

Digitalausstattung

Alle vier Modelle haben verschiedene Betriebsgeräusche aufgespielt. Bei der Aktivierung wird zunächst der Startvorgang abgespielt. Deutlich kann man die unterschiedlichen Motorenvarianten der Vorbilder erkennen.

Brawa – Alle Varianten verfügen über eine PluX22- Schnittstelle, in der bei unserem Modell ein Decoder von Doehler & Haass eingebaut ist. Über die Tasten F0 bis F21 können die Licht-, Geräusch- und Betriebsfunktionen aktiviert werden. Die digitale Kupplung kann nur im Rangiergang (F4) über F5/F6 betätigt werden. Über die Tasten F19/F20 kann die Lautstärke der Betriebsgeräusche, die aus dem im kurzen Vorbau montierten Lautsprecher erklingen, einfach angepasst werden.

ESU – Gleich 32 Funktionen bietet die mit dem LokSound- 5-Decoder bestückte ESU-Lok, wobei sie sich automatisch an den dafür ausgelegten Zentralen anmeldet. Die Digitalkupplung funktioniert nur mit Bügelkupplungen aus nicht magnetischem Material. Für die angekündigten Neuauflagen der V 60 teilte uns ESU folgendes mit: „Die neue Digitalkupplung ist jetzt wie die bei der KG 230 und der T 18 höhenverstellbar und arbeitet außerdem mit magnetischen Kupplungsbügeln zusammen.“ Außerdem hat man einen getakteten Raucherzeuger und einen Doppel-Lautsprecher hinter dem durchbrochenen Kühlergitter eingebaut.

Märklin – Dank des auf der Platine befestigten mfx-De- coders meldet sich die V 60 automatisch an der Zentrale an. Von den 19 Funktionen ist sicherlich die digitale Telex-Kupplung vorne (F1) und hinten (F4) neben den Betriebsgeräuschen des oberhalb der Radsätze 1 und 2 senkrecht eingebauten Lautsprechers die wichtigste Funktion. Die Lautstärke ab Werk ist deutlich höher als bei den anderen Maschinen und sollte gegebenenfalls vermindert werden.

Piko –Die Soundloks sind im längeren Vorbau mit dem SmartDecoder 4.1 und einer PluX22-Schnittstelle ausgestattet. 29 Sounds wie Motorengeräusch, Signalhörner, Bremsenquietschen und weitere schaltbare Funktionen sind einzeln abrufbar. Sie erklingen aus dem Lautsprecher im Bereich der durchbrochenen Lüftungsgitter. Wie bei den Mitbewerbern kann auch hier der Rangiergang eingelegt werden.

Maßgenauigkeit

Brawa/ESU/Märklin/Piko – Alle Modelle stimmen in den nachprüfbaren Hauptabmessungen mit den umgerechneten Werten nahezu bis auf die Kommastelle überein. Keine V 60 bietet von dieser Seite Anlass zur Kritik.

Auch die Geländer, Griffstangen und weitere Anbauteile sind ähn- lich umgesetzt, sodass man beim Betrieb auf der Modellbahn kaum Unterschiede erkennen wird und auch alle Rangierloks parallel einsetzen kann.

Langsamfahrtverhalten

Unser Praxistest wurde sowohl im Gleich- als auch im Wechselstrombetrieb mit der CentralStation 3 von Märklin auf Märklin K- und C- sowie Tillig-H0-Gleisen durchgeführt. Die in jeder Fahrtrichtung ca. eine Stunde eingefahrenen Modelle fuhren dabei mit den Werkseinstellungen. Die Geschwindigkeiten wurden mit den Piko-Messwagen und dem neuen Messgerät von Halling ermittelt.

Brawa/ESU/Piko – Alle drei Modelle schleichen mit kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit von umgerechnet unter einem Kilometer pro Stunde gleichmäßig über die Messstrecke.

Märklin – Mit umgerechnet drei km/h rollt die V 60 gleichmäßig über die Gleise, was ebenfalls ein guter Wert ist, wenn man die kleinste Dauergeschwindigkeit des Originals von neun km/h im Streckengang berücksichtigt.

Streckenfahrtverhalten

Brawa/ESU/Piko – Mit umgerechnet rund 70 km/h überschreiten alle drei Testkandidaten die Vorbildhöchstgeschwindigkeit um zehn bis 20 Prozent, was für eine gute Getriebeeinstel- lung spricht. Im gesamten Bereich lassen sich die taumelfrei fahrenden Modelle gut regeln, wobei alle einen Pufferkondensator eingebaut haben, um kurze stromlose Abschnitte und Weichenstraßen sicher befahren zu können.

Märklin – Die älteste Konstruktionfährtmitfast100km/h deutlich zu schnell, ist aber damit auch in Blockabschnitten hauptstreckentauglich. Die Fahreigenschaften sind auch auf M-Gleisen im gesamten Regelbereich sehr gut.

Ausrollverhalten

Neben dem Notstopp haben wir auch das Verhalten getestet, wenn man schlagartig die Fahrstufe von 128 auf 0 herunterregelt. Die Brawa- und ESU-Modelle stoppen dann nach rund 125 Zentimetern. Die Märklin- und Piko-Loks kommen erst nach rund zwei Metern zum Stillstand. Diese Bremswege sind realistisch, lassen sich aber durch Aktivierung des Rangiergangs minimieren.

Brawa – Dank des Pufferkondensators rollt die Lok im stromlosen Abschnitt noch 680 Millimeter weiter, was gerade in Halteabschnitten im Schattenbahnhof oder vor Signalen schon zu Problemen führen kann, wenn diese einfach überfahren werden. Hier sollte man ggf. den Decoder umprogrammieren.

ESU – Mit rund 450 Millimetern Halteweg ist die ESU-Maschine deutlich besser ausgelegt, denn kleinere stromlose Abschnitte werden überbrückt, in Halteabschnittenwirdabernochangehalten.

Märklin – Auch wenn es beim Wechselstromsystem selten zu Kontaktproblemen kommt, sind die 50 Millimeter Ausrollweg bei Stromunterbrechung nicht mehr zeitgemäß.

Piko – Ebenfalls einen guten Kompromiss hat man in Sonneberg mit einem Ausrollweg von rund 300 Millimetern gefunden, der für alle Betriebssituationen optimal ist.

Zugkraft

Brawa/ESU/Märklin/Piko – Da alle Testkandidaten eine ähnliche Reibungsmasse haben, ist es nichtverwunderlich, dass auch die Zugkraft mit Werten zwischen 0,5 und 0,6 Newton sehr ähnlich ist. Während man an der Federwaage noch kleine Messunterschiede feststellenkonnte,zogenallevierModelle den identischen Testgüterzug mit 30 Radsätzen problemlos über die fünfprozentigen Rampenabschnitte.

Stromabnahme

Brawa – Kleine Kontaktbleche nehmen an der Oberseite aller sechs Räder den Strom sicher ab.

ESU – Je nach Einsatz der Lok wird der Strom über den Mittelschleifer und die oberhalb der Räder angeordneten Kontaktbleche sicher abgenommen.

Märklin – Traditionell sorgt der Mittelschleifer in Kombination mit sechs Rädern für eine gute Stromabnahme.

Piko – Kleine Kontaktbleche nehmen an der Innenseite aller sechs Räder den Strom sicher ab.

Wartungsfreundlichkeit

Die DB-Rangierloks von Brawa, Märklin und Piko sind in einer Klarsicht-Blisterschale mit übergeschobenem Schutz sicher ausgeliefert. Beides ist in einem Karton stoßfest eingeklemmt, der zusätzlich noch eine aufschiebbare Kartonumhüllung hat. ESU verwendet einen deutlich größeren Karton mit Schaumstoffeinlage und Kunst- stoffrahmen, an dem die Lok mit zwei Schrauben befestigt ist.

Brawa – Die zweiseitig bedruckteund rundeinen Meter lange Betriebsanleitung erklärt ausführlich die Demontage aller Baugruppen. Für den Haftreifenwechsel muss zumindest die Kuppelstange abgeschraubt werden. Einfacher geht es, wenn auch die Bodenplatte mittels dreier Schrauben demontiert und der Radsatz entnommen wird. Ausführlich werden hier und auf einem weiteren Blatt Hinweise zur Decoderprogrammierung gegeben. Eine ausführliche Ersatzteilliste kann bei möglichen Beschädigungen oder Defekten helfen. Wie bei allen vier Modellen sind langlebige LED montiert, die keinerlei Wartung benötigen. Gelegentlich etwas Öl benötigen die Motorlager sowie die Lager der Radsätze und der Blindwelle an den in der Anleitung gekennzeichneten Stellen.

ESU – Das farbige DIN-A5- Heft enthält neben Vorbildinformationen auch Hinweise zum Betrieb unter Gleich- oder Wechselstrom bzw. ohne oder mit Schleifer, die Funktionstastenbelegung mit ausführlichen Erklärungen, Tipps zu den Decodereinstellungen und Wartungsarbeiten. Für den Wechsel des Haftreifens müssen recht umständlich neun Schrauben gelöst und der quadratische Kurbelzapfen herausgezogen werden. Erst dann kann der Radsatz entnommen werden. Die Ersatzteillisten können von der ESU-Internetseite heruntergeladen werden. Ein Abschmieren der einzelnen Antriebskomponenten ist laut Betriebsanleitung nicht erforderlich, da hochwertige Fette und Öle für eine dauerhafte Schmierung sorgen.

Märklin – Im üblichen DIN- A6-Heft werden die Digitalfunktionen erklärt und Servicehinweise gegeben. Zum Haftreifenwechsel muss nur die Gestänge-Befestigungsschraube gelöst werden. Eine Explosionszeichnung zeigt alle Baugruppen sowie die erhältlichen Ersatzteile. In einem weiteren Heft wird auf die digitalen Spielewelt-Funktionen des Diesellokmodells eingegangen. Um lange Freude an der Lok zu haben, sollten die Motor- und Achslager sowie Getriebeteile alle 40 Stunden abgeschmiert werden.

Piko – Recht kurz werden die Vorbildinformationen, Sicherheits- und Wartungshinweise sowie die Schnittstellenbelegung auf zwölf DIN-A6-Seiten zusammengefasst. Ein weiteres Blatt enthält alle Informationen zum verwendeten Decoder. Für den Haftreifenwechsel muss ebenfalls das Gestänge demontiert werden. Bei häufigem Fahrbetrieb sind die Achslager regelmäßig mit einem Tropfen Öl abzuschmieren.

OPTISCHE WERTUNG

Aufbau und Detaillierung

Auf den ersten Blick haben alle vier Anbieter ihre Hausaufgaben ähnlich gemacht und ein vorbildgerechtes, maßstäblich korrektes und in den Proportionen stimmiges Modell konstruiert. Selbst die Geländer sind mit ca. 0,5 Millimeter Materialdicke (Märklin 0,6 mm) ähnlich dimensioniert.

Brawa – Das dreiteilige Gehäuse ist fein graviert und mit zierlichen Griffstangen und Scheibenwischern bestückt. Das Dach ist extra aufgesetzt und mit Horn und Antennen versehen. Die Fenster sind vorbildgerecht mit silbernen Rahmen bzw. Gummidichtungen dargestellt. Dahinter erkennt man die nachgebildete Führerstandseinrichtung, die allerdings knapp unter der Fensterunterkante aufhört. Der Kunststoff der Geländer ist zwar leicht federnd, aber trotzdem ist uns ein Bügel abgebrochen.

ESU – Am einteiligen Aufbau sind alle Klappen, Türen usw. vorbildgerecht hervorgehoben. Das vordere Lüftungsgitter ist sogar durchbrochen. Extra angesetzt sind die Griffstangen und Scheibenwischer. Die Fenster sind passgenau eingesetzt und mit schwarzen Dichtungen bzw. silbernen Rahmen hervorgehoben und ermöglichen den Blick auf die Be- dienelemente des Lokführers, dessen Oberkörper auch eingeklebt ist. Das Dach mit Horn und Auspuffaufsatz ist ein extra Bauteil. Die Geländer sind wie bei Märklin und Piko formstabil und vertragen auch einmal eine grobere Berührung.

Märklin – Auf den ersten Blick ist das Metallgehäuse ebenso gut wie das von ESU und im Bereich der oberen Lüftungsgitter sogar noch besser detailliert. Allerdings hat man die Griffstangen nicht freistehend angebracht und nur die entsprechend hervorstehenden Teile bedruckt. Die im Glas angeformten Scheibenwischer sind farblich ebenso abgesetzt wie die Fensterrahmen bzw. Dichtungen. Der Blick durch die Fenster ist möglich, eine Inneneinrichtung aber nicht vorhanden. Auf dem Dach sind das Horn und der Auspuffaufsatz dargestellt, letzterer aber nicht als Rohr.

Piko – Nach heutigen Fertigungskriterien kann man mehr von einer Modellumsetzung nicht erwarten. Alle Details sind entweder angesteckt oder plastisch sehr gut graviert, sodass sie im direkten Vergleich schärfer als bei den Mitbewerber-V 60 wirken. Die Lüftungsgitter an der langen Haube sind vorn und oben durchbrochen und von innen dunkel hinterlegt, damit eine Tiefenwirkung entsteht. Der gesamte Führerstand einschließlich der Bedienelemente und passgenau eingesetzten Scheiben ist vorbildgerecht, sodass nur ein Lokführer vermisst wird.

Fahrgestell

Brawa – Der Rahmen der Lok mit den beim Vorbild innen liegenden Radsatzlagern ist konstruktionsbedingt kaum zu erkennen. Von daher fallen mehr die Kuppelstangen mit Ölschmiergefäßen, die Blindwelle zwischen Radsatz zwei und drei, die beidseitigen Bremsklötze an jedem Rad sowie die Sandfallrohre ins Auge, die allesamt perfekt umgesetzt wurden. Ebenso hat man versucht, möglichst viele freistehende Teile des Bremsgestänges (ein gemeinsames für die Radsätze 1 und 2 sowie ein weiteres für Radsatz 3) nachzubilden.

ESU – Bis auf das Bremsgestänge, das aufgrund der serienmäßigen Schleifermontage nicht möglich war, sind nahezu alle am Fahrgestell einsehbaren Teile nachgebildet, allerdings etwas grober als bei Brawa.

Märklin – Auch am Göppinger Modell sind die Bremsklötze und weitere Details vorhanden – allerdings deutlich weniger und grober. Konstruktiv war die Darstellung des Bremsgestänges nicht möglich, was allerdings mehr stört, ist das sichtbare Antriebszahnrad hinter der Blindwelle.

Piko – Dieses Modell entspricht dem heutigen Fertigungsstandard. Als einziger Hersteller hat man sogar einige Details bedruckt. Es ist alles weitgehend nachgebildet, was im normalen Betrieb sichtbar ist. Obendrein hat man zusätzlich Teile des Bremsgestänges amUnterbodengraviert,sodassman die technischen Zusammenhänge erkennt, aber der Schleifer trotzdem montiert werden kann.

Räder

Alle vier Testkandidaten haben vorbildgerechte Speichenräder mit Gegengewichten und 13 Speichen montiert.

Fakten zum Vorbild

Baureihen-Vielfalt

Seit der Indienststellung der ersten V 60 sind bereits viele em-Beiträge zum Original erschienen, sodass hier nur auf die einzelnen Baureihenunterschiede hingewiesen werden soll. Nach nur vier Vorauslokomotiven von Krupp (V 60 001), Henschel (002/004) und MaK (003) bestellte die DB Ende 1955 die ersten Serienlokomotiven, die bis auf den nicht mehr vorhandenen Knick in der Führerhausseitenwand nahezu identisch waren. Bei der ersten Nachbauserie experimentierte man mit einer erhöhten Reibungsmasse von 18 statt 16 Tonnen, was auch bei der zweiten und dritten Nachbauserie fortgesetzt wurde. Anschließend wurden bis 1964 nur noch Loks mit 54 Tonnen Dienstmasse beschafft. Die leichteren

wurden 1968 zur Baureihe 260 (623 Stück), die schwereren zur Baureihe 261 (319 Stück) bzw. ab 1988 in 360/361 umgezeichnet. Jene Loks, die eine Funkfernsteuerung erhielten, liefen ab 1988 als 364/365. Bei den mit Caterpillar-Tauschmotor ausgestatteten Rangierloks unterschied man außerdem noch zwischen den Baureihen 362 (ex 364) und 363 (ex 365).

MM

Brawa/Piko – Durch die einheitliche fast schwarze Lackierung der Radsterne sind Details der ähnlich gestalteten, galvanisch dunkel eingefärbten Radreifen kaum zu erkennen.

ESU/Märklin – Beide Hersteller haben die Radsterne vorbildgerecht rot ausgelegt und ähnlich gefertigt. Die Metallradreifen sind galvanisch behandelt und entsprechend dunkel.

Farbgebung

Brawa – Das Modell ist in Verkehrsrot entsprechend RAL 3020 sauber lackiert. Farblich abgesetzt sind nur die Kontrastflächen mit den Loknummern an den Stirnseiten sowie die Türbeschläge, senkrechten Griffstangen, Auftritte und Geländer.

Während der Umlauf grau lackiert ist, bestehen die Bleche auf den Bühnen sowie die Trittstufen aus glänzendem Metall. Das Fahrgestell ist einheitlich schwarz; Dach und der Auspuffaufsatz sind dunkelgrau lackiert. Wie bei ESU und Piko ist der Kunststoff der Inneneinrichtung einheitlich grau eingefärbt.

ESU – Der purpurrote Lack nach RAL 3004 wirkt etwas matter als beim Märklin-Modell. Die sandgelben Zierlinien (RAL 1002) sind auch an den Ecken und Rundungen perfekt aufgebracht. Das Dach ist mit seiner mattgrauen Lackierung (RAL 7023) stimmig.

Auffallender sind dagegen die hochglänzenden Gitterroste an den Bühnen und Aufstiegen. Die Radsterne und Kuppelstangen sind rot ausgelegt. Optisch störend sind die seitlichen, kupferfarbenen Bleche der Digitalkupplungen.

Märklin – Die V 60 zeigt den typischen Auslieferungszustand mit aluminiumfarbenem Dach, altroten Aufbauten samt grauen Griffstangen (RAL 7021), gelben Zierlinien, grauem Rahmen (RAL 7021) und roten Radsternen (RAL 3002). Die Kuppelstangen sind ebenfalls in Rot ausgelegt.

An den Fronten sind die später abgeschafften gelben Warnstreifen noch zu erkennen. Alle Farbübergänge sind konturenscharf aufgebracht, sodass sich ein stimmiger Gesamteindruck ergibt.

Piko – Die Farbgebung der 364 ist nahezu identisch mit jener von Brawa. Einzig die Laufbleche auf den Bühnen sind dunkler ausgeführt. Gut gefallen auch die Gitter auf dem Vorbau, die dank des dunklen Hintergrunds absolut plastisch wirken.

Beschriftung

Brawa – Das DB AG-Logo unter den Seitenfenstern sowie der Eigentumsvermerk „DB Schenker Rail Deutschland AG“ verweisen auf den Einsatz der Diesellok 362 390 während der Epoche VI. Die letzte Hauptuntersuchung erfolgte am 2. Januar 2012 mit Verlängerung bis zum 29. Dezember 2018. Winzig und kaum erkennbar sind die mehrfarbigen Piktogramme an den Vorbauten.

ESU – Am 20. Juni 1965 hat dieGießener260180ihreletzte Hauptuntersuchung erhalten. Diese und andere technische Angaben einschließlich des MaK-Fabrikschildes sind sauber aufgebracht, allerdings nach dem Testbetrieb am Umlauf teilweise abgegriffen.

Märklin – Noch als V 60 770 mit Untersuchungsdatum 11. Februar 1960 beschriftet, zeigt dieses im Bw Koblenz beheimatete Modell vorbildgerecht die umfangreichsten sowie mehrfarbige Anschriften. Sogar die Henschel-Fabrikschilder sind gut lesbar wiedergegeben.

Piko – Die vorbildgerecht nur schlicht bedruckte Lokomotive 364 786 ist für DB Cargo mit einem Untersuchungsdatum vom 10. März 2000 unterwegs. Einige wenige farbige Piktogramme sind nur unter der Lupe erkennbar. Wie bei den V 60-Modellen von Brawa und Märklin konnten keine Abnutzungsspuren nach dem mehrstündigen Testgebrauch festgestellt werden.

Beleuchtung

Bei allen vier Modellen befindet sich das oberer Spitzensignal am Kamin vor den Fenstern. Die zwei unteren Lampen sind direkt am Bühnengeländer befestigt und in dessen Farbton lackiert.

Über die Funktionstasten lassen sich im Digitalbetrieb das Doppel-A-Signal sowie die Führerstandsbeleuchtung einschalten, bei Brawa, ESU und Piko zusätzlich auch die Beleuchtung am Triebwerk.

Brawa – Die unteren Lampen sind samt Blech vier Millimeter dick, die darunter liegende Platte 1,1 Millimeter. Die Detaillierung der Gehäuse ist optisch gelungen, die gelblichen und roten LED geben ein angenehmes Licht ab.

ESU – Die nicht ganz so realistisch umgesetzten Lampen sind 4,5, die darunterliegenden Bleche 2,2 Millimeter stark. Die Lichtfarben der weißen und roten LED sind gut ausgelegt.

Märklin – Für seine 3,3 Millimeter messenden einfachen, vorstehenden Lampen hat Märklin sich eine andere Befestigungsart ausgedacht, sodass hier ein kleiner, schräger Winkel auf dem Umlauf zu erkennen ist. Mittels dieser Technik kann nur das weiße Spitzensignal gezeigt werden. Eine Triebwerksbeleuchtung wie bei den drei Mitbewerbern gibt es ebenfalls nicht.

Piko – Bei einer Lampendicke von 3,7 Millimetern ist das Befestigungsblech nur 1,5 Millimeter stark. Die Lampengehäuse zeigen nahezu alle Details der Originale. Leider sind die LED viel zu hell, was insbesondere bei der oberen Lampe auffällt, die den Vorbau unnatürlich anstrahlt.

FAZIT DES TESTERS

Alle vier Rangierlokmodelle sind für den digitalen Anlageneinsatz gut geeignet. Der Unterschied liegt wie so oft im Detail und in den persönlichen Vorlieben hinsichtlich der Digitalausstattung.

Brawa (1,6) – Die teuerste Ausstattungsvariante bietet viele Digitalfunktionen, zu der auch die digitale Kupplung zählt. Diese macht den Betrieb auf der Modellbahn abwechslungsreicher, sodass die Lok sicher oft eingesetzt wird. Wer nicht mit Wagen fahren möchte, kann natürlich auch die beiliegende gelbe Rangierkupplung anbringen. Die in der Vollausstattung teuerste Maschine dieses Ver- ESU (1,9) – Wer diese Maschine mit digitaler Vollausstattung bevorzugt, wird die Baureihe 260 regel- mäßig einsetzen, zumal die Rangierkupplung den Spielbetrieb interessanter macht. Mit deutlich über 400 Euro ist die Digitallok zwar teuer, aber für den Rangierbetrieb auf der Modellbahnanlage uneingeschränkt zu empfehlen.

Märklin (2,3) – Deutlich preiswerter und optisch einfacher als die V 60 gleichs ist für Modellbahner ideal, die gerne rangieren und Digitalfunktionen nutzen. Beim Anlagenbetrieb ist die V 60 allerdings aufgrund ihrer bruchgefährdeten, zierlichen Anbauteile empfindlich.

Die Zwischenwertungen für die Testblöcke Technik und Optik werden ermittelt, indem rechnerisch die Summe aller „Noten“ durch deren Anzahl geteilt wird. Auch die Gesamtwertungspfeile im Fazit werden auf diese Weise aus allen beurteilten Testkriterien ermittelt. Ab einem Wert von X,5 und schlechter wird der nächstschlechtere Wertungspfeil vergeben. von Brawa und ESU ist das Modell aus Göppingen, wobei nahezu identische Spielfunktionen geboten werden. Das von seiner Grundkonstruktion älteste Fahrzeug dieses Vergleichs ist für jene Betriebsbahner ideal, die die Lok sowohl für Streckenfahrten als auch im Rangierbahnhof einsetzen möchten, was aufgrund der Digitalkupplung viel Freude bereitet.

Piko (1,7) – Als einziger Testkandidat hat Piko keine automatische Kupplung vorgesehen, was daher zum attraktivsten Preis führt. Wer gute digitale Fahreigenschaften bei perfekter Optik bevorzugt, wird sicherlich zum Sonneberger Produkt greifen, zumal viele Varianten ab Werk lieferbar sind und auch funktionslose gelbe Rangierkupplungen beiliegen.

MM