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RASANT!


Monopol - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 23.08.2018

Lamborghini, Mercedes, Ferrari: Das Museum Kunstpalast zeigt in der Ausstellung „PS: ICH LIEBE DICH“ die schönsten klassischen Sportwagen. Wir haben sechs Künstlerinnen gebeten, sich den ikonischen Maschinen zu nähern und den Fetisch des fossilen Zeitalters künstlerisch zu untersuchen


Artikelbild für den Artikel "RASANT!" aus der Ausgabe 9/2018 von Monopol. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Monopol, Ausgabe 9/2018

Mit EVA GRUBINGER, VERENA DENGLER, MONICA BONVICINI, OKKA-ESTHER HUNGERBÜHLER, OPHELIA FINKE und ANNETTE KELM


Eva GRUBINGER testet den FERRARI GTC4LUSSO T

Eva Grubinger auf Boxenstopp in der SCUDERIA Zeschdorf


Fotos Mirjam Wählen

Bei Sportwagen im Luxussegment gibt es zum einen die Super- und Hypercars, bei denen es in erster ...

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Bei Sportwagen im Luxussegment gibt es zum einen die Super- und Hypercars, bei denen es in erster Linie um Leistung geht, und die auch in ihrer Form extrem schnittig sind. Diese Boliden bieten sich als ultimatives Statussymbol – etwa für Ölscheichs oder Rapper – an. Andererseits gibt es extrem gut motorisierte Edelflitzer für den Durchschnittsmillionär. Der Ferrari GTC4Lusso T ist für distinguierte Wohlhabende konzipiert, die im Alltag etwas weniger schrill auftreten und bequem mit Gepäck reisen möchten, ohne auf Eleganz, Luxus und Fahrvergnügen verzichten zu müssen. Dementsprechend geht die Testfahrt für mich und meine Beifahrerin Mirjam Wählen nicht auf die Rennstrecke –no drifting, no donuts . Wir begeben uns auf eine gepflegte Spritztour von den Bildhauerwerkstätten in Berlin-Wedding hinaus zum Reit- und Fahrverein Alt Zeschdorf in der schönen Mark Brandenburg, um den Lusso sowohl in der Stadt, auf Autobahnabschnitten ohne Tempolimit, als auch auf der Landstraße auszuchecken.

Der Lusso wartet mit einer breiten Front und großem Kühlergrill auf, das Heck läuft als Shooting Brake aus. Aufgrund seiner verjüngten Taille wirkt er dennoch sehr dynamisch. Sobald man in den belüfteten, lederbezogenen Karbonschalen Platz nimmt und der Gurt automatisch nach vorn kommt, wird klar, dass hier an nichts gespart wurde.

1. Formel-1-inspiriertes Lenkrad mit cavallino rampante. Der „Michael-Schumacher-Knopf“ dämpft Stöße auf holpriger Piste.


2. Schön von hinten: Die Rücklichter im klassischen Ferrari-Design.


3. Massive Ansaug-brücken boosten den Motor im FERRARI-ROT


Der Technologietransfer aus der Formel 1 direkt ins Serienfahrzeug hinein spiegelt sich vor allem im Lenkrad wider, denn so gut wie alles – anlassen, schalten, die Auswahl der diversen Fahr-Modi – findet direkt hier statt.

Sobald man den V8 zum Wummern bringt, wird deutlich, dass dem Lusso derselbe Motor eingepflanzt wurde, der auch im 488 Pista und im Portofino zu finden ist. Trotz des breiten Radstands ist der Lusso aufgrund der beweglichen Hinterachse auch in der City kinderleicht zu lenken. Was unser Fahrvergnügen jedoch deutlich schmälert, ist, dass den restlichen Verkehrsteilnehmern verborgen bleibt, dass hinter den getönten Scheiben des Ferraris zwei hochamüsierte, abenteuerlustige Frauen im Cockpit sitzen und dass wir die Haare nicht im Fahrtwind wirbeln lassen können. Auf der Autobahn schwenke ich in den Sport-Modus um, deaktiviere die Automatik und übernehme mit der Handschaltung die Kontrolle über das Getriebe.

Die Schaltung reagiert in Echtzeit, die Pferde werden zum Galoppieren gebracht, wir sind auf der Überholspur – was für ein Spaß! Auch auf der Bundesstraße macht sich das messerscharfe Ansprechverhalten und die kraftvolle Beschleunigung – etwa beim Überholen von Lastwagen – bezahlt und sorgt für ein spritziges Fahrgefühl.

Am Ziel angelangt, kann ich es mir natürlich nicht verkneifen, uns mit einem kräftigenrevving anzukündigen. Trotzdem lässt sich weder bei den Kollegen in Berlin noch bei meinen Reitfreunden, selbst nicht beim Mehrheitseigner einer Agrargenossenschaft im Brandenburgischen so richtig Eindruck schinden – ich lerne, dass einige Landmaschinen mehr PS unter der Haube haben.

Und was den von Ferrari angepriesenen Kofferraum anbelangt: Etwas sperrigere Kunstobjekte passen leider nicht hinein.

FAZIT:

Mit dem Ferrari GTC4Lusso T haben die Pferdebändiger aus Maranello einen eleganten und komfortablen Möchtegern-Kombi für vier Personen geschaffen, der von au en auf Understatement setzt, im Inneren jedoch alle Register eines vollwertigen Rennwagens zieht. Im Zweifel würde ich mich dann aber gleich - wenn schon, denn schon - für einen roten Ferrari 488 Spider entscheiden. See you on the track, ladies!

EVA GRUBINGER ist Bildhauerin und Zeichnerin. Im September wird ihre Arbeit auf der Busan-Biennale in Südkorea und im Wiener Belvedere 21 gezeigt, im Oktober hat sie eine Einzelausstellung in der Leipziger Galerie Tobias Naehring. Sie ist Gastprofessorin an der Akademie der Bildenden Künste München. Der Ferrari Lusso, den sie getestet hat, kommt wahrscheinlich erst im nächsten Jahrhundert ins Museum

VERENA DENGLER „SHE GOT IN THAT BIKINI/ WHEN WE IN THAT LAMBORGHINI“ (JUSTIN & MARKO), 2018


Verena DENGLER denkt über LAMBORGHINIS und Testosteron nach

Die Designer des Lamborghini Miura S waren 1966, als der Wagen vorgestellt wurde, nicht viel älter als Justin Bieber heut e. Marcello Gandini war damals gerade mal 27.

Justin Bieber kann seinen neuen Lamborghini nicht einmal einparken. Der Miura wurde nach besonders aggressiven schwarzen Stieren benannt. Es ist ein Rennauto und extrem laut. Ferruccio Lamborghini (Sternzeichen Stier) hat seinen Autos gerne Namen von spanischen Kampfstieren gegeben. Dabei hat das erste Superauto der 60er-Jahre, bekannt durch die Eröffnungssequenz von „The Italian Job“ (1969), sehr cute Sixties-Cat-Eye-Scheinwerfer-Wimpern. Eher Ferdinand der Stier als der ultimative Matador-Killer, finde ich.

2012 ist der Fußballer Marko Arnautović (West Ham United) in Wien-Floridsdorf bei einer Verkehrskontrolle angehalten worden. „Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen“, soll Arnautović gesagt und noch eine Drohung hinterhergeschickt haben: „Wenn du mich anzeigst, dann wirst du schon sehen. Ich bin etwas Höheres als du.“ Ein Wort der Warnung: Testosteron ist nicht die Lösung all deiner Probleme.
VERENA DENGLER

VERENA DENGLER ist 1981 in Wien geboren, wo sie auch lebt und arbeitet. Gerade hat sie den renommierten Strabag Artaward gewonnen und entwirft derzeit Kostüme für das Berliner Ensemble. Sie hat sich den Lamborghini Miura S von 1970 ausgesucht