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Ratgeber: Hier werden wir ausgespäht


TV neu - epaper ⋅ Ausgabe 44/2019 vom 24.10.2019
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Bildquelle: TV neu, Ausgabe 44/2019

Es war im Juli vor fünf Jahren, als Sarah (42) aus Berlin plötzlich schreckliche E-Mails in ihrem Posteingang hatte. „Wissen deine Eltern, dass du eine Schlampe bist?“, „Schick mir Geld, oder dein Boss bekommt die Fotos“. Was für ein Schock! Sarah war Opfer eines Hacker-Angriffs geworden! Jemand hatte sich Zugang zu ihrem E-Mail-Konto verschafft, freizügige Fotos geklaut – und diese auf zig Internetportalen hochgeladen. Ständig schickte der Erpresser neue E-Mails, in denen er immer höhere Summen forderte. „Irgendwann ging ich zur Polizei und erstattete Anzeige“, ...

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... erzählt Sarah. Doch der Täter wurde nie geschnappt. Und die Bilder geistern immer noch im Netz herum …

Lukrative Geschäfte mit

den Daten der Internetnutzer

Sarah ist kein Einzelfall: Jeder zweite Deutsche wurde bereits einmal Opfer von Cyberkriminalität. Kein Wunder, geben wir doch häufig recht unbedarft private Daten weiter, z. B. beim Online-Shopping, Internetbanking, beim Buchen von Hotels etc. Dabei übermitteln wir bereitwillig z. B. Kontodaten oder Vorlieben. Und das machen sich nicht nur Kriminelle zunutze, sondern auch Google & Co. „Die Internetgiganten erstellen anhand der Daten Nutzerprofile, um passende Werbung zu platzieren“, weiß Christine Steffen von der Verbraucherzentrale NRW. „Das Wissen um die Interessen der Nutzer ist bares Geld wert, denn: Unternehmen zahlen pro Klick auf ihre Werbung!“ Um dem entgegenzuwirken, rät die Expertin, regelmäßig über die Einstellungen des Browsers (das „Fenster“ auf dem Bildschirm zum Surfen) die gespeicherten „Cookies“ zu entfernen. Sie merken sich Daten und Surfverhalten der User. „Oder man stellt den Browser so ein, dass die Cookies nach jeder Sitzung automatisch gelöscht werden.“

BEOBACHTUNG

Egal wo und wie wir uns online bewegen: Unsere Daten werden meist gespeichert

Datenchip in Kleidung wird

im Vorbeigehen ausspioniert

Noch weiter in Sachen Datensammlung ist übrigens Schweden. Fast jeder tausendste Bürger hat hier bereits ein reiskorngroßes elektronisches Implantat unter der Haut. Dieses ist voller scanbarer Daten – man kann sich damit ausweisen, die Wohnungstür öffnen, bezahlen oder Bahn fahren. Bei uns sind diese RFID-Chips („Radio-Frequenz- Identifikation“) zum Glück nicht unter der Haut – aber zum Beispiel in einigen Kleidungsstücken. Die Mini- Chips enthalten nicht nur den Identifikationscode des Produkts, sie senden ihn auch: Die Daten können im Vorbeigehen ausgelesen werden. So kann theoretisch das Konsumverhalten eines Kunden dokumentiert werden. Wenn es also beim nächsten Mal an einer Ladentür piepst, obwohl Sie – natürlich – nichts geklaut haben, könnte das am Chip in Ihrer jüngst gekauften Jacke liegen. Deswegen der Tipp der Verbraucherschützerin: Beim Kauf von Kleidung nachfragen, ob diese mit einem RFID-Chip versehen ist, und ihn gegebenenfalls entfernen lassen.

UNSERE EXPERTIN

Christine Steffen, Juristin der Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen e. V.

Seltsames Verhalten

löst sofort Alarm aus

Auch Behörden setzen immer häufiger auf digitale Überwachung. Jüngstes Beispiel ist eine Software, die am Bahnhof Südkreuz in Berlin zum Einsatz kam. Die Bundespolizei testete dort, wie gut ein Programm Gesichter in einer Menschenmenge erkennen und mit Datenbanken abgleichen kann. Das Ziel: Straftäter aufspüren. Die Polizei ist mit dem Testlauf mehr als zufrieden – und so ist mittlerweile sogar schon Phase II in Gang: Die Systeme sollen Personen identifizieren, die sich „verdächtig“ benehmen. Unruhig auf der Bank sitzen, plötzlich aufstehen etc. Datenschutz-Experte Peter Schaar sieht das skeptisch und fordert ein Gesetz, das die automatische Gesichtserkennung klar regelt. „Man weiß ja schließlich nicht, was mit den Aufnahmen geschieht!“

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