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RATGEBER Schallschutz: Endlich Ruhe!


HausbauHelden - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 13.06.2020

Lärm verursacht Stress und wirkt sich nachweislich negativ auf unsere Gesundheit aus. Grund genug, sich beim Bau seiner eigenen vier Wände um einen guten Schallschutz zu kümmern.


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Foto: www.weru.com

1 Dieser zweischalige Außenwandaufbaubestehtauseinerinnenliegenden Holzverbundkonstruktionmitdavorplatzierter Verblendstein-Vormauerung. Beide Wandschalensinddurcheine Luftschichtvoneinandergetrennt. Das verbessertden Schallschutzerheblich.› www.gussek-haus.de


Die gute Nachricht zuerst: Wer ein eigenes Haus baut, kann sich sehr effektiv gegen Lärm schützen. Warum das so wichtig ist, kann jeder nachvollziehen, ...

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... der einmal an einer stark befahrenen Straße gewohnt hat oder laute Nachbarn im Mietshaus hat. Wann Geräusche als störend empfunden und somit zu „Lärm“ werden, hängt von der subjektiven Wahrnehmung des Hörers ab, von persönlichen Vorlieben, sozialer und kultureller Wertung wie auch dem persönlichen Befinden. So nimmt man selbst erzeugte Geräusche – wie die eigene Lieblingsmusik oder das Lachen der eigenen Kinder – häufig nicht als störenden Lärm wahr. Kommen solche Geräusche allerdings aus der Nachbarwohnung, dann schon. Definiert wird Lärm daher z.B. in Gesetzestexten als „unerwünschter Schall“. Fakt ist aber: Lärm macht krank. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stellte fest, dass Lärm als Umweltfaktor das zweitgrößte Gesundheitsrisiko darstellt. Laut Bundesumweltamt „aktiviert (Lärm) das autonome Nervensystem und das hormonelle System. Als Folge kommt es zu Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren.“ Menschen, die ständigem Lärm ausgesetzt sind, haben ein höheres Herzinfarktrisiko und neben Gehörschäden können Schlafstörungen und Depressionen die Folge sein.

Gesetzeslage

Weil man sichzum Schutz der Gesundheit vor Lärmschützen muss, ist der Schallschutzauchgesetzlichgeregelt. So schreiben die Landesbauordnungenvor, dass Gebäudeeinenihrer Nutzungentsprechenden Schallschutzaufweisenmüssen. Der Mindestschallschutz, für „schutzbedürftige Räume“, zudenenauchalle Wohnbereichezählen, in denensich Menschen dauerhaftaufhalten, ist in der DIN 4109-1 geregelt.

Wichtigist, zuwissen, dass es sichhierbeinurum einen Mindestschallschutzhandelt, der fürempfindliche Menschen eventuellkeinebefriedigenden Ergebnissegarantiert.

Wenn Ihr neues Zuhause in einer dicht bebauten Nachbarschaft, in der Nähe von vielbefahrenen Straßenoder in der Einflugschneiseeines Flughafensentstehensoll, dannwirdeventuelleinerhöhter Schallschutzbei der Ausführung dergesamten Außenhülle Ihres Hausesnotwendig.Um realistischeinschätzenzukönnen, wielautder neue Wohnortist, sollten Sie Ihr Grundstückzuverschiedenen Tageszeiten und Wochentagenbesuchen. Erkundigen Sie sichauch, ob in Zukunft Umgehungsstraßeno.ä. in direkter Näheentstehensollen, die evtl. erst in einpaar Jahren fürstörenden Lärmsorgenkönnten. Ein erhöhter Schallschutzistüblicherweisebaulichaufwendiger undkostetmehr Geld und muss daher in der Regelseparatim Bauvertragvereinbartwerden!

2 Wer in der Einflugschneiseeines Flughafensbaut, sollteauchbei Dach und Dachflächenfensternauf erhöhten Schallschutzachten.› www.velux.de


3 Damit Haustürengut gegen den Lärmder Straßeschützen, müssennichtnur Türblatt und Seitenteileschalltechnischentsprechendausgeführtwerden:Auch exzellente Dichtungensindnötig.› www.hoermann.de


Was ist Schall?

Vereinfachtgesagtist Schall Luft, die in Schwingungversetztwurde. Dadurchentstehensogenannte Schallwellen – ähnlichwie Wasserwellen.Je höherdiese Wellensind, umsolauterist der Ton. Von der Anzahl der Schwingungen pro Sekunde(Frequenz) hängt der Klang ab. Man unterscheidetdrei Arten von Schall: Luft-, Körper- und Trittschall.
• Unter Luftschallversteht man die Ausbreitungvon Schallwellen in der Luft, etwadurch Sprache, Musikodervorbeifahrende Autos.
• Körperschallbreitetsich in festen Stoffen, einzel- nen Bauteilenaus und gelangt so in benachbarteund darunterliegende Zimmer. Erwirdu.a.durch Gehen, Klopfenausgelöst.
• Trittschallwirdals Körperschallverursacht unddurch die Luftverbreitet. Im Stock darunterwirderals Gehschallwahrgenommen, als Trittschallim Raumselbst.
Je nach Lärmquelle und Schallübertragungsartgibtes unterschiedlichebauliche Maßnahmen, die das Eindringen von Lärm von außen, beziehungsweisedie Übertragung von Schallzwischenunterschiedlichen Räumeninnerhalbeines Hausesreduzieren.

1 Nichtnur auf Treppensorgt Teppichbodenaufgrundseiner Elastizitätfüreine Reduzierungdes Trittschalls unddank seiner weichen Oberflächefüreine Verbesserung der Raumakustik.› www.tretford.de


2 Spezielle Schallschutzdeckenkönnenin sehrmoderneund reduziertgestalteten Wohnbereichenfüreine Verbesserung der-Raumakustiksorgen, da sie Schallabsorbieren.› www.lignotrend.de


3 Unabhängig von Form und Materialschließt „Piano– die Flüstertreppe“dankihrerspeziellen Konstruktion Trittschallübertragungpraktischaus.› www.treppenmeister.com


Haushülle optimieren

Um das Eindringen von Außenlärm ins Haus zuverringern, kann man z.B. auf „schwere“ Materia- lien setzen. Wändeaus Ziegel, Kalksandstein und Beton, die einerelativhohe Rohdichtehaben, sindschwerer in Schwingungzubringen und bietenguten Schallschutz. Aber auchleichtere Materialienkönnen dies: Im Holzbauwird der Schallschutzz.B. durchmehrschalige Wände und Dämmung inden Zwischenräumenerreicht.

Haus- wie Innentürendämpfenmehr Schall, wennsieschwersind und dicht am Boden abschließen.Da an Haustürenauchhohe Wärmedämm-Anforderungengestelltwerden, sindsiemeistauchschalltechnisch ok – wersichergehenwill, solltesichabergenauerkundigen.

Der optimale Grundriss

Der Schutz von Wohn- und Schlafbereichenvorstörenden Geräuschenkannaußerdemdurch die Grundrissplanungunterstütztwerden. Werein Haus an einervielbefahrenen Straßebaut, sollte Nebenräumewie Flure, Treppenhaus, WCs, Bäderund Abstellräumeals „Pufferzone“ inderen Richtungim Grundriss platzieren – die Wohn- und Schlafräumehingegen von der Straßeabgewandt.

Aber auchinnerhalbeines Hausesentsteht Schall, der als Lärmempfundenwerdenkann. Wer„laute“ Gemeinschaftsbereicheim Grundriss vonruhebedürftigen Schlafbereichentrennt, muss wenigerin baukonstruktive Maßnahmeninvestieren.

Eine Herausforderungkann dies bei den beliebten, offenen Grundrissendarstellen. Auf „schall- puffernde“ Räumewie Flurewirdhierzugunsteneinergroßzügigeren Raumanmutungweitestgehendverzichtet. In diesem Fall sorgenschalldämmende Innentüren und entsprechende Innenwandkonstruktionenfür die gewünschte Ruhe.

Zum Standard in jedem Haus solltenschallentkoppelte Treppen und einschwimmender Estrichgehören. Durchelastische Auflager, bzw. eine Dämmschichtzwischen Estrich, tragender Deckesowie Wänden, wird die Übertragung von Körperund Trittschallunterbunden. Diesebeiden Maßnahmensorgenfüreinensehrguten Schutz gegendie Ausbreitung von Geräuschenim Haus.

4 Bei Reihenhäusernisteinexzellenter Schallschutzsehrwichtigfüreineharmonische Nachbarschaft:Doppelteund sauberschalltechnischvoneinanderentkoppelte Haustrennwändesindein Muss. Diese Häuserwurdenauseinembesondersgut schall- undwärmedämmenden Ziegelgebaut.› www.poroton.org


Schallbrücken vermeiden

Wichtigistbeiallen Schallschutzmaßnahmen, Schwachstellen in der Konstruktion – sogenannte Schallbrücken – zuvermeiden. Leiderführen Ausführungsfehlerin der Baupraxisimmerwiederzu Mängeln. Nichtselten fallen z.B. in den Zwischenraumvon Doppelhaustrennwänden Mörtelreste.Bleibensiezwischen den beiden Hauswändenstecken, bildensieeine Körperschallbrücke unddie eigentlichgute Schalldämmung der Konstruktionwirdzunichtegemacht.

Dasselbe Problem ergibtsichbeimangelhafter Ausführung von schwimmenden Estrichen. Eine Unterbrechung der trennenden Dämmschichtzwischen Estrich und tragenden Bauteilen an nureiner Stelle sorgtfür die Weiterleitung des Trittschallsin die Hauskonstruktion und somit in dasganze Gebäude. Steht in diesem Raumzufällig die Waschmaschine, kann man es späterimganzen Haus vernehmen, wenn der Schleudergangbeginnt.

Gute Akustik

Ebensostörendwie Lärm von außenkanneineschlechte Akustikinnerhalbeines Raumes sein.Dieseentstehtdurchvieleharte und glatte Oberflächen, die Schallreflektieren, wiez.B. Glasoder Fliesen. Hierkommt es zu Halleffekten, die sehrstörend sein können. Abhilfeschaffen Schallabsorbierende Flächen, wie Wohntextilien, also Teppiche, Gardinenoder Polstermöbel. Es könnenaberauch in bestimmten Bereichenspezielle Oberflächenmaterialienverbautwerden, um die Raumakustikzuverbessern.

Wer so rechtzeitigbei der Planung auf den Schallschutzachtet, schützt seine Gesundheit undmuss sichspäternichtunnötigärgern.


Anschriften Seite 67

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