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ratgeber: VOM KINDERRECHT AUF ÄRGER


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familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 09.05.2018

Niederlagen stoisch auszusitzen gelingt nur wenigen Kindern. Die meisten müssen erst lernen,gute Verlierer zu sein. Das kann für Eltern ganz schön anstrengend werden


Zack! Mit einer Handbewegung fegt Aaron die Spielfiguren vom Brett, steht auf und verlässt türeschlagend das Zimmer. Da hat er sich schon als sicherer Sieger der Mensch-ärgere-Dich-nicht-Partie gesehen, als ihm sein jüngerer Bruder im letzten Moment einen Strich durch die Rechnung macht und sich als Gewinner durchsetzt. Jetzt dringt lautes Wimmern und Fluchen aus seinem Zimmer. Es wird eine Weile dauern, bis Aaron sich wieder beruhigt ...

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Drohungen wie „Dann spiele ich nicht mehr mit dir! “ sind indes nur kontraproduktiv. Natürlich: Ein ausflippendes Kind einigermaßen gelassen auszuhalten gelingt an manchen Tagen besser, an anderen schlechter oder gar nicht. Gleichwohl ist Abstand notwendig. Er hilft, die aufgeheizte Stimmung nicht eskalieren zu lassen. Auch wenn es manchmal schwerfällt: Abwarten und Tee trinken hilft!

Trotzphase und Pubertät sind besonders heikel

Diese Augenblicke können dazu genutzt werden, darüber nachzusinnen, was hinter den unkontrollierten Ausbrüchen stecken könnte. Bereits erwähnt wurde, dass gerade in der Trotzphase und in der frühen Pubertät Kinder infolge von Niederlagen häufiger ausrasten, weil ihr Selbstwertgefühl angekratzt ist. Da kommt bei Kindern schnell mal die Fantasie hoch, nicht gut genug zu sein.

Auch wollen sie keine Schwäche zeigen, wo sie sich doch so gerne stark und omnipotent fühlen. Für manche Kinder stellen Niederlagen im Spiel eine Demütigung dar, die als etwas ganz Schlimmes empfunden wird, als etwas, was nicht hätte passieren dürfen. Da helfen auch gut gemeinte Sätze wie „Morgen gewinnst du wieder! “ nichts. Kinder leben eben im Hier und Jetzt und nicht in einer imaginären Zukunft. Den Flinweis auf ein Morgen kann man sich daher getrost sparen.

Eine besondere Form der Konfliktvermeidung praktizieren manche Erwachsene, wenn sie Kinder absichtlich gewinnen lassen. Aber: Diese „Strategie“ durchschauen Kinder meist schnell. Dann fühlen sie sich nicht als Persönlichkeiten angenommen, die ein Recht darauf haben, alle ihre Gefühlsanteile ausleben zu dürfen und sich unter realistischen Bedingungen zu bewähren. Absichtlich zu verlieren - diese Praktik nimmt Kinder nicht ernst und hält sie kleiner, als sie sind.

„Aber was soll ich denn nun machen?“, lautet eine häufige Frage von Eltern. Zwei Antworten können hilfreich sein:
• Gerade in schwierigen Entwicklungsphasen können Spiele sinnvoll sein, in denen sich nicht einzelne, sondern Gruppen gegenüberstehen. Das hat den Vorteil, dass Niederlagen nicht so persönlich genommen werden - weil man sein Leid mit anderen teilen kann, während sich die Freude bei einem Sieg vervielfacht.
• Flippt das Kind aus, heißt es Ruhe bewahren. Man redet erst mit ihm, wenn es für Argumente wieder zugänglich ist. Dann kommt auch die Zeit, eigene Gefühle anzusprechen. Das geschieht in Ich-Botschaften: „Ich verstehe deine Wut. Aber es ärgert mich, wenn das Spiel durch die Gegend fliegt, weil du ausflippst! “ Gibt man Kindern die Freiheit, ihre Wut über ein verlorenes Spiel auszudrücken, dann lernen sie auch, Verantwortung für sein Tun zu übernehmen.

Im Spiel mit Emotionen umgehen lernen

Und wie in so vielen anderen Erziehungsfragen gilt auch hier: Der Weg ist das Ziel! Das Kind lernt (allmählich), seinen Frust über ein verlorenes Spiel auszuhalten. Und die Eltern lernen, mit den Emotionen ihres Kindes (und natürlich den eigenen) umzugehen. Sage einer, aus Spielen könne man nichts lernen!

Dr. Jan-Uwe Rogge
ist Familien- und Kommunikationsberater, Autor von Bestsellern wie „Kinder brauchen Grenzen“ und „Ängste machen Kinder stark“


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