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ratgeber: WAS HÄNSCHEN KLEIN UNS LEHRT: RATGEBER ERZIEHUNG


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 04.07.2018

Kinder brauchen die Unterstützung ihrer Eltern – und das Gefühl,behütet zu sein. Wer sie indes verhätschelt, tut ihnen damit keinen Gefallen. Warum das so ist


Man soll Kinder ruhig verwöhnen – so oder ähnlich kann man es häufig lesen oder hören. Man müsse ihnen jeden Wunsch von den Lippen ablesen und dürfe sie nicht frustrieren. Dabei heißt es im Lied vom kleinen Hänschen, es gehe, versehen mit Stock und Hut – sprich: gehalten und behütet – in die weite Welt hinaus. Von Überbehütung oder Verwöhnen keine Rede.

Verwöhnung ersetzt Beziehungslosigkeit

Dabei sind Verwöhnen und Behüten nicht auf materielle ...

Artikelbild für den Artikel "ratgeber: WAS HÄNSCHEN KLEIN UNS LEHRT: RATGEBER ERZIEHUNG" aus der Ausgabe 8/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 8/2018

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... Aspekte beschränkt, vielmehr haben beide Aspekte zwischenmenschliche Facetten, die ihrerseits mit Achtung und Respekt zu tun haben.

Kinder können, wenn sie in einem emotional ausgeglichenen Klima aufwachsen, auch materielle Enttäuschungen aushalten. Sie lernen dadurch nicht allein Frustrationstoleranz, sondern werden auch angehalten, nach neuen Wegen und Möglichkeiten Ausschau zu halten, sich materielle Wünsche selbst zu erfüllen.

„Weniger ist manchmal mehr“ – lautet der Kommentar des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer zum Thema „Verwöhnen“. Dieses „mehr“ ist Beziehung, ist Spannung, ist Auseinandersetzung. Grenzenlos verwöhnte Kinder haben demgegenüber Defizite. Ihnen fehlen Erfahrung, Handlungssicherheit, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Mut, sich Neuem zu stellen.

Ständig verwöhnte Kinder lernen nicht, sich und ihre Fähigkeiten angemessen einzuschätzen. Dies führt zu Unsicherheit, macht Angst, Neues anzupacken und das individuelle Leistungsvermögen zu testen. Ständig verwöhnte und überbehütete Kinder resignieren schnell, können Frustrationen nicht aushalten, reagieren weinerlich, sind schnell auf die Unterstützung von anderen angewiesen, die nur allzuoft dazu neigen, Frustrationen und Enttäuschungen einfach wegzureden: „Es ist doch alles gar nicht so schlimm, mein Kleines!“ – „Ach, was hat er da wieder gemacht, mein Süßer?“ – „Na komm, ich zeig’ meinem kleinen Schatz, wie einfach das ist.“

Überbehütung macht kleinmütig und unfrei

Der überbehütende und verwöhnende Erziehungsstil hält Kinder künstlich klein, macht sie gefühlsmäßig, aber auch intellektuell abhängig von erwachsenen Bezugspersonen. Er verwechselt das Bedürfnis von Kindern nach Beziehung, Nähe und Bindung mit symbiotischer Einheit, die unfrei, abhängig und unselbstständig macht.

Pausenlos umsorgte Kinder haben ständig besorgte Eltern. Die Angst um den Nachwuchs hält die Familie zusammen und schafft ein Klima der Unsicherheit und des Kleinmuts: „Von morgens bis abends denke ich nur: Hoffentlich geht es meinem Kind gut!“ – „Nur wenn es meinem Kind gut geht, geht es auch mir gut!“. Umgekehrt sind betroffene Kinder immerzu darauf bedacht, es ihren Eltern recht zu machen und ihnen keinen Anlass zur Sorge zu geben. Solche Kinder zeichnen sich durch überangepasstes Verhalten und ein hohes Maß an Unmündigkeit aus.

So werden nicht Urvertrauen, stabile Bindungen oder eine positiv erlebte Auseinandersetzung mit Grenzen und Normen ausgebildet, sondern Zögerlichkeit, Unreife und Abhängigkeit. Herausforderungen werden gemieden, weil das Kind befürchtet, sie nicht bestehen zu können und damit ein Verlust an Ansehen und Wertschätzung verbunden wäre. Auffällig ist auch, dass überbehütete Kinder Gefahrensituationen nicht einschätzen können und über eine nur gering ausgebildete Risikokompetenz verfügen.

Um noch einmal auf das eingangs erwähnte Lied zurückzukommen: Hänschens Eltern haben ihm einen Stock in die Hand gegeben, der ihm Halt gibt. Und sie haben ihm einen Hut voller guter Wünsche mit auf den Weg gegeben. Die Botschaft lautet: „Sei guten Mutes, du schaffst das allein!“

Solcherlei Verwöhnung und Behütung gibt Kraft und macht stark, mit den Unwägbarkeiten des Lebens und Frustrationen selbstbewusst fertigzuwerden.

Dr. Jan-Uwe Rogge ist Familien- und Kommunikationsberater, Autor von Bestsellern wie „Kinder brauchen Grenzen“ und „Ängste machen Kinder stark“


FOTOS: GETTY IMAGES/VINCENT BESNAULT; PRIVAT