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Ratgeber: Wie krank macht mich das Krankenhaus?


TV neu - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 12.03.2020

Unser Gesundheitssystem hat Lücken, viele Kliniken stecken IN DER KRISE. Doch Patienten können sich schützen. Das sollten Sie wissen


Alarmierende Studien zu Hygiene, Personalnot und Spar - zwang

Artikelbild für den Artikel "Ratgeber: Wie krank macht mich das Krankenhaus?" aus der Ausgabe 12/2020 von TV neu. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TV neu, Ausgabe 12/2020

Fürchten auch Sie sich vor dem Krankenhaus? Laut Forsa hat jede dritte Frau und jeder vierte Mann Angst vor einem stationären Klinikaufenthalt, etwa wegen der Krankenhauskeime. Diese Sorge kann begründet sein, bestätigt Dr. Johannes Schenkel von der Unabhängigen Patientenberatung: „Aus Sparzwang werden teilweise Personalstellen nicht besetzt – das kann beim Thema Hygiene die Gesundheit der Patienten ...

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... gefährden.“

Teils erhebliche Qualitätsmängel

Zum Thema lassen gleich mehrere aktuelle Studien aufhorchen: So steht laut „Krankenhaus Rating Report“ jede zwölfte der rund 1400 deutschen Kliniken vor der Insolvenz, fast jede dritte ist zumindest überschuldet. „Bis zu 800 sollten sowieso geschlossen werden“, fordert die Bertelsmann-Stiftung: „Das würde die Qualität der Versorgung verbessern und Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern.“ Denn auch ein Mangel an Fachkräften senkt die Behandlungsqualität. Um diese steht es laut Expertise des Berliner Instituts IQTIG ohnehin schlecht: Die Prüfung schlug bei 73 Kliniken Alarm, deckte teils erhebliche Qualitätsmängel auf: Das bedrohe die Gesundheit der Patienten!

57 % der Kliniken sollten laut Experten geschlossen werden, um beim Rest die Qualität zu erhöhen

Medizinische Regeln werden nicht eingehalten

„Auch wir von der Unabhängigen Patientenberatung hören solche Beschwerden oft“, bestätigt Dr. Schenkel. „Dabei verursacht das deutsche Gesundheitssystem weltweit mit die höchsten Ausgaben – doch ist das Geld auch gut investiert? Tatsächlich können fehlende Regeln die Patienten gefährden.“ Dr. Schenkel erklärt: „Blutvergiftungen etwa werden bei uns oft zu spät erkannt und therapiert.“ Warum? Die Umsetzung medizinischer Standards bleibt jeder Klinik überlassen, und manche sind hier nachlässiger, als es ärztliche Leitlinien fordern. Ähnliches gilt für die Einhaltung nötiger Hygienemaßnahmen, um Klinikinfektionen zu vermeiden.

Behandlungsfehler? Verdacht gleich ansprechen

Nach Hochrechnungen sterben pro Jahr bis zu 15 000 Patienten an Multiresistenten Keimen: „Im Streit um Schadenersatz und Schmerzensgeld stehen Betroffene oft vor dem Problem, die Infektionsursache vor Gericht beweisen zu müssen“, weiß unser Experte. „Patienten haben aber selten Einblick in klinikinterne Abläufe und Hygienestandards.“ Wer hier Mängel beobachte und Behandlungsfehler vermute, könne sich an die Patientenberatung wenden, rät Dr. Schenkel. Zuerst solle aber ein klärendes Gespräch mit Ärzten und Klinikpersonal gesucht werden. „Den Verdacht auf Behandlungsfehler kann man direkt ansprechen – vieles lässt sich im Gespräch ganz leicht klären.“

Bessere Behandlung in Spezialkliniken nutzen

Bleibt die Frage, ob sich mit der sorgfältigen Wahl der Klinik Ärgernisse vermeiden lassen. Dr. Johannes Schenkel: „Bei planbaren OPs lohnt sich tatsächlich ein Blick in die Klinikempfehlungen von www.weisse-liste.de.“ Wobei Erfahrung und Größe der Hospitäler oft eine wichtige Rolle spielen. „Viele kleine Kliniken mit weniger als 200 Betten sind medizintechnisch nicht adäquat ausgestattet. Jede dritte hat z. B. keinen Computertomographen.“ Ist ein Haus auf bestimmte Eingriffe spezialisiert, kommt es laut Statistik seltener zu Komplikationen, selbst bei schwierigen OPs. „Auch das spricht dafür, sich mithilfe des behandelnden Arztes und der Weißen Liste intensiv um die Wahl des besten Krankenhauses zu kümmern.“

Die drei wichtigsten Tipps

• Information www.weisse-liste.de bietet Orientierung bei Arzt- und Krankenhaussuche, u. a. mit der Zahl der Behandlungsfälle und der Patientenzufriedenheit in Prozent.

• Zweitmeinung Manchmal kommt es auch zur „Überversorgung“ – Ärzte raten sofort zur OP. Unbedingt die Zweitmeinung bei einem weiteren, unabhängigen Arzt einholen!

• Beratung Die Unabhängige Patientenberatung (UPD) gibt Auskunft. Gebührenfreie Hotline: 0800/0 11 77 22 (Mo–Fr 8–22 Uhr, Sa 8–18 Uhr). Online: www.patientenberatung.de


Fotos: AdobeStock (2)