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RATGEBERKITA: BEGLÜCKENDEBEGEGNUNGEN


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 04.10.2018

In immer mehr Kitas gehören gemeinsame Aktivitäten vonJung und Alt zum Konzept. Für die Entwicklung der Kinder ist das von unschätzbarer Bedeutung


Artikelbild für den Artikel "RATGEBERKITA: BEGLÜCKENDEBEGEGNUNGEN" aus der Ausgabe 11/2018 von familie & co. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: familie & co, Ausgabe 11/2018

Alt und Jung unter einem Dach zu betreuen ist ein recht ungewohntes Konzept. Dabei ist der Grundgedanke einfach und überzeugend: die Generationen einander im Alltag (wieder) nahezubringen. Viele Kinder sehen ihre Großeltern nur selten und haben überhaupt wenig Kontakt zu alten Menschen. Das Ergebnis ist einerseits eine klischeehafte, nicht selten negativ geprägte Vorstellung von alten Menschen – und andererseits eine Lücke in der Weitergabe von Erfahrungen. ...

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... Das zu ändern ist die Motivation der „intergenerativen“ oder generationenübergreifenden Pädagogik.

Seit einigen Jahren entstehen immer mehr, regional ganz unterschiedliche Modelle. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Berliner Kita „Am Beerenpfuhl“. Nach ihren Erfahrungen gefragt, erzählt Leiterin Kathrin Sobottka: „Die Familien empfinden das als große Bereicherung. Als wir ganz am Anfang unser Konzept auf der Website veröffentlichten, riefen sofort Eltern an und wollten genau deshalb einen Kitaplatz bei uns haben. Eine Mutter sagte: ‚Unsere Oma wohnt so weit weg – wir sind wegen der Arbeit nach Berlin gezogen und es wäre so schön, wenn unsere Kinder Kontakt zu älteren Menschen hätten.‘“

In der Kita „Am Beerenpfuhl“ gibt es regelmäßige Treffen und Aktionen, aber auch ganz spontane Begegnungen. So kann es etwa vorkommen, dass eine Gruppe Seniorinnen am Gartenzaun vorbeikommt und sagt: „Wir drehen eine kleine Runde, wollt ihr mitkommen?“ Wenn einige der Kinder Lust haben, machen die Fachkräfte das möglich.

Brücken zwischen den Generationen schlagen

Zu den festen gemeinsamen Terminen für Jung und Alt gehört eine Musikveranstaltung, die immer montags stattfindet. Je nach Wunsch wird gesungen, musiziert oder es werden Klanggeschichten erzählt. Manchmal stellen Kinder und Erwachsene auch einfache Instrumente her oder machen einen Ausflug ins Musikinstrumenten-Museum.

Neben solchen Aktivitäten bieten sich Vorlesestunden, gemeinsames Malen oder Backen an. Bundesweit gibt es diverse Ansätze, Brücken zwischen den Generationen zu schlagen. Besonders lange Erfahrungen mit der Idee hat das Erfurter Augusta-Viktoria-Stift. Dort werden schon seit 1920 Kinder und alte Menschen unter einem Dach betreut.

Demgegenüber nimmt sich die Hamburger Kita „Eulennest“ wie ein Grünschnabel aus. Die Einrichtung kooperiert seit 2012 mit dem angrenzenden Seniorenheim. Gemeinsames Trommeln oder Kegeln gehört hier zu den beliebtesten Aktivitäten.

Unsicherheiten und Ängste werden abgebaut

Beim Stuttgarter Mehrgenerationenhaus „Anna Haag“ ist generationenübergreifendes Zusammenleben Teil des Konzepts. Die Website zeigt, wie dort Kinder, Jugendliche und Senioren Theater spielen, gärtnern, basteln oder werken. Man trifft sich morgens beim „intergenerativen Frühstück“ und feiert gemeinsam die jahreszeitlichen Feste.

Wie sich die gemeinsamen Aktionen auf Alt und Jung konkret auswirken, nahmen Wissenschaftler der Evangelischen Hochschule Freiburg in den Blick. Für das Forschungsprojekt „Begegnungen“ begleiteten sie von 2011 bis 2014 die gemeinsamen Aktivitäten diverser Kitas und Seniorenpflegeeinrichtungen. In dem daraus entstandenen Handbuch für die Praxis dokumentieren die Wissenschaftler den gegenseitigen positiven Einfluss und unterstreichen, „dass es gerade alltagsnahe Begegnungen sind, die Ängste und Unsicherheiten auf beiden Seiten abbauen“. (Mehr dazu unter www.intergenerative-begegnungen.de).

Natürlich begegnen Kinder in solchen Zusammenhängen auch den Themen Krankheit oder Tod. Manche Eltern fürchten, das könnte die Kleinen unnötig belasten. Die Erfahrung aus der Praxis jedoch zeigt, dass es darauf ankommt, wie die Fachkräfte solche Erlebnisse pädagogisch begleiten und was die beteiligten Erwachsenen den Kindern vorleben.

In der Berliner Wohnanlage etwa treffen die Kinder auch auf demenzerkrankte Senioren. Wie sie auf deren Verhalten reagieren, beschreibt Leiterin Kathrin Sobottka so: „Sie fragen dann natürlich:, Warum hat die Frau ein Tuch vorm Mund?‘ oder ‚Warum läuft da die Spucke raus?‘ Wir antworten und erklären – und danach ist es für die Kinder kein Thema mehr. Prinzipiell erleben wir, dass die Kinder sehr unbefangen und aufmerksam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern umgehen, dass sie auch leiser sind und nicht so schnell laufen.“

Um zu lernen, wie man auf die Fragen der Kinder eingehen kann, empfiehlt die Kita-Leiterin das Buch „Meine Oma isst Zement“ von Daniel Kratzke (arsEdition, 32 Seiten, 4,80 Euro). Außerdem stehen Handpuppen zur Verfügung, mit denen Kinder Erlebnisse nachspielen können, die sie bewegen. Sobottka findet es immer wieder faszinierend, wie behutsam Kinder und Senioren miteinander umgehen und welche Freude die Gemeinsamkeit auslöst: „Wir sehen, was das mit den Senioren macht, wenn unsere Kinder kommen; wie deren Augen wirklich anfangen zu leuchten. Und auch unsere Kinder sind beglückt und fragen uns ganz oft:, Wann gehen wir wieder zu den Omis und Opis?‘“

Gefördert werden Toleranz und Empathie

Die Pädagogin wundert das nicht. Nicht einmal die Fachkräfte hätten schließlich so viel Zeit und ungeteilte Aufmerksamkeit für die Kinder. Eine der letzten gemeinsamen Aktivitäten von Jung und Alt bestand darin, Gesichter in Kürbisse zu schnitzen. „Dabei arbeiteten jeweils ein Kind und ein Senior bzw.eine Seniorin an einem Kürbis“, erzählt Kathrin Sobottka. „Währenddessen haben sie einander erzählt, was sie im Augenblick bewegt.“

Gerade diese Art von Gesprächen sind von unschätzbarem Wert für die emotionale und soziale Entwicklung der Kinder, denn sie fördern Toleranz, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen.

Sylvia Meise
ist Journalistin und Autorin und lebt mit ihrer Familie in Frankfurt am Main


FOTO: MAURITIUS.COM/BSIP/AMELIE-BENOIST; PRIVAT