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RAUS AUS DER KLIMAKRISE


bioland - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 06.04.2021

Milchvieh

Artikelbild für den Artikel "RAUS AUS DER KLIMAKRISE" aus der Ausgabe 4/2021 von bioland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Während die Kühe beim Holistic Planned Grazing bis an den Zaun heran weiden, haben sie schon die Portion für die nächste Mahlzeit im Blick.

In diesem Jahr wurde im Februar innerhalb von sieben Tagen ein Temperaturanstieg von 41,9 °C ermittelt. Lokal traten sogar Temperaturen von über 20° C auf. Wetterextreme wie diese zeigen sich immer häufiger und werden für die Landwirtschaft zunehmend existenzbedrohend. Wie gehen wir mit dieser Tatsache zukünftig um? Suchen wir jetzt noch intensiver nach technischen Lösungen, die uns helfen, etwas länger durchzuhalten? Oder müssen wir uns, unsere Betriebe und unser Management radikal an die neuen Gegebenheiten anpassen und das Beste daraus machen?

Diesen zweiten Weg schlagen acht Grünlandbetriebe im Oberallgäu ein. Sie erproben im EIP-Agri-Projekt KUHproKLIMA gemeinsam innovative Strategien für eine ressourcenschonende und resiliente Grünlandbewirtschaftung. Um ihre vielen drängenden Fragen zu den Zusammenhängen zwischen Bewirtschaftung und Klima zu beantworten, beschlossen sie, ein ...

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... Forschungsprojekt auf den Weg zu bringen. Sie haben deshalb 2019 die „Operationelle Gruppe Grünland“ gegründet, zu der neben den Betrieben mit Weidehaltung sechs Wissenschaftler aus verschiedenen Fachdisziplinen und Institutionen sowie weitere Akteure gehören. Unter anderem begleiten die Technische Universität München (TUM) und die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) das Projekt. Eine Besonderheit in diesem EIP- Agri-Projekt ist, dass der landwirtschaftliche Betrieb als eigenes Ökosystem betrachtet wird.

„Viele unserer Probleme sind Symptome, die sich aus unbeabsichtigten Konsequenzen des früheren Managements ergeben“

Ökologe Allan Savory

Ganzheitlicher Ansatz

Die menschliche Existenz ist untrennbar mit dem Klima verbunden. Den Schlüssel, die Klimakrise zu stoppen, hat die Menschheit selbst in der Hand. Allen voran haben Landbewirtschafter das größte Potenzial, das Ruder herumzureißen. Mit einer an die Bedürfnisse der Natur angepassten Bewirtschaftungsweise können sie auf ihren Flächen wichtige Ökosystemfunktionen regenerieren. Landwirte haben also in Zukunft neben der Nahrungsmittelproduktion eine zweite systemrelevante Aufgabe – unter immer schwierigeren Umweltbedingungen. Aber wie kann das gelingen?

Das Projekt KUHproKLIMA setzt auf die Holistic- Management-Methode, die der Ökologe und Rancher Allan Savory seit den 1960er Jahren entwickelt hat und die mittlerweile weltweit erfolgreich umgesetzt wird. Seine ganzheitliche Betrachtung der natürlichen Kreisläufe, mit der die Akteure in dem Projekt arbeiten, eignet sich hervorragend, um komplexe, regenerative und auf Langfristigkeit ausgelegte Betriebskonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Das Holistic-Management-Framework stellt dafür verschiedene Anleitungen, Formeln, Pläne und Checklisten zur Verfügung. Das ganzheitliche Weidemanagement (Holistic Planned Grazing) wird dabei nur als eine Möglichkeit von vielen betrachtet, um Ökosystemfunktionen zu verbessern.

Dieses Weidesystem orientiert sich am natürlichen Weideverhalten von Rindern, die im dichten Herdenverbund nur für kurze Zeit auf einer Fläche grasen und Weidereste stehen lassen. Ziel ist es, neben der optimalen Versorgung der Kuh wichtige Ökosystemfunktionen, wie zum Beispiel den Mineralstoff- oder Wasserkreislauf, zu regenerieren und zu erhalten.

Die ganzheitlich ausgerichtete Art der Beweidung mit Rindern gehört zu den effektivsten Werkzeugen, die dafür zur Verfügung stehen. Denn erstens hat sich die Kuh ko-evolutionär zusammen mit Graslandschaften entwickelt, welche aufgrund der Symbiose mit Wiederkäuern zu den größten Kohlenstoffspeichern der Erde gehören. Zweitens bringt die Kuh das Bodenleben zurück, das so dringend für den Humusaufbau, die Nährstoffversorgung der Pflanzen und letztendlich auch für die Wasserhaltefähigkeit im Boden benötigt wird. Und drittens kann die Kuh, wenn sie ihrer Art entsprechend weidet, arten- und strukturreiche Landschaften gestalten und somit Habitate für verschiedenste Wildtierlebensräume schaffen.

Der Natur auf der Spur

Die Akteure in KUHproKLIMA wollen die regenerativen Effekte ihrer Kuhherden unterstützen. Dafür haben sie zusammen mit Wissenschaftlern umfassende Konzepte erstellt, die Biodiversität fördern und sich gut in das Betriebs- und Weidemanagement integrieren lassen. Um mehr über die Interaktion zwischen Kuh, Pflanze und Bodenleben zu erfahren, hat das Projektteam auf jedem Betrieb verschiedene Testflächen eingerichtet. So lassen sich in dem EIP-Agri- Projekt verschiedene Nutzungskonzepte vergleichen: die reine Schnittnutzung mit reiner Beweidung sowie das zusätzliche Ausbringen von Gülle gegenüber selbst hergestellten Kompostextrakt-Gaben. Die Tierhalter und Wissenschaftler wollen herausfinden, ob Kompostextrakte eine bessere und zugleich kostengünstigere Alternative zur Gülle sind.

Außerdem soll das Projekt zeigen, welches Bodenbiologie-Management sich im Grünland am besten bewährt, um dauerhaft Kohlenstoff im Boden zu speichern. Am Ende des Projekts fließen die Ergebnisse und die Verlaufsbeispiele der acht Betriebe in einem anschaulichen Leitfaden zusammen.

Anregungen statt Rezepte

Universelle Patentrezepte wird man im Abschlussleitfaden nicht finden, jedoch viele Anregungen, die vielleicht zu einer anderen Sichtweise führen. Das KUHproKLIMA-Team möchte verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie Milchviehhalter ihr betriebliches Management besser an den Bedarf der Natur anpassen können. Denn wenn eine einvernehmliche Kooperation mit der Natur gelingt, hat man einen erfahrenen, mächtigen und großzügigen Bündnispartner an der Seite. In jedem Fall ist es hilfreich, eine klare Vision vor Augen zu haben und sich einen ganzheitlichen Plan zu erarbeiten, um künftige Zeiten bestehen zu können. ←

Weitere Information: www.kuhproklima.de

⃗ Kühe als Klimaschützer

Die Landwirte im EIP-Agri-Projekt KUHproKLIMA

Tobias Ruppaner, Biohof Ruppaner, Bioland-Betrieb, Waltenhofen (siehe Interview Seite 39)

Martin Wiedemann-Bajohr, KugelSüdhangHof, Demeter-Betrieb, Sibratshofen

Jakob Huber, Huber GbR, Demeter-Heumilchbetrieb, Waltenhofen

Manfred Reisacher, Demeter Hof Regis, Demeter-Betrieb, Dietmannsried

Tobias Heiligensetzer, Bio Hof Heiligensetzer, Bioland-Betrieb, Wiggensbach

Walter Schwärzler, Schwärzler-Hof, Demeter-Betrieb, Kempten

Jürgen Königl, Dorn-Königl GbR, Bioland-Betrieb, Altusried

Wolfgang Birk, Archehof Birk, Bioland- Betrieb, Weitnau

Das Projekt KUHproKLIMA wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).