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Raus in die KÄLTE!


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2021 vom 08.10.2021

WEIDEGANG IM WINTER

Artikelbild für den Artikel "Raus in die KÄLTE!" aus der Ausgabe 110/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2021

Ein winterlicher Weidegang setzt ein gutes Management des Stallbetreibers voraus

Trotz Domestikation sind Pferde immer noch Lauf- und Fluchttiere der offenen Steppe. Daher kommt die Weide ihrem einstigen Lebensraum am nächsten. Hier können sie so artgerecht wie möglich gehalten werden. Doch im Winter stellen die natürlichen Bedürfnisse der Tiere Pferdehalter und Stallbetreiber vor Herausforderungen. Nicht verwunderlich, dass sich viele dazu entscheiden, die Vierbeiner im Winter aufzustallen und nur stundenweise auf einen befestigten Paddock zu lassen. Das ist einfacher. Doch jedes Pferd würde die kalte Winterluft und das Zusammensein mit Artgenossen auf der Weide einer aus menschlichen Sicht „gemütlichen“ Einzelbox vorziehen. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, ob und wie ein winterlicher Weidegang von statten gehen könnte.

Arttypisches Verhalten

Die größte Herausforderung ist das artgemäße Verhalten der Vierbeiner, mit dem sie einer Grasfläche im Winter ...

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... besonders stark zu setzen: Sie lassen kahle Flecken entstehen, in denen es im Frühjahr unerwünschte Pflanzen leichter haben, sich anzusiedeln, und sie sorgen für zahlreiche Trittschäden an der Grasnarbe. Kommen noch eine ungünstige Lage der Weide, nachteilige Bodenverhältnisse und starker Niederschlag in Form von Regen oder Schnee hinzu, verwandelt sich die Wiese in kürzester Zeit in eine braune Schlammlandschaft, in der die Pferdehufe tiefe Löcher hinterlassen. Nach frostigen Nächten werden diese Löcher gefährlich, weil sie verletzungsträchtige Kraterlandschaften bilden. Dieses Szenario gilt es zu verhindern.

Wichtig ist zunächst die Wahl der richtigen Fläche. Ideal für die Winterbeweidung sind trockene, gut durchlässige und leicht geneigte Sandböden. Hier kann das Regenwasser abfließen und der Untergrund rasch abtrocknen. Diese Voraussetzung bieten auch höher gelegene Weideflächen. Lehmund Marschböden sind hingegen weniger geeignet, weil sie in der niederschlagsreichen Zeit eine mangelnde Trittfestigkeit mit oftmals tiefgründigem Morast aufweisen. Das gilt ebenso für starke Hanglagen, wo die Vierbeiner schnell ins Rutschen kommen.

Eine gute Widerstandsfähigkeit bieten v.a. solche Flächen, die eine verdichtete Grasnarbe aufweisen. Eine gute Narbenqualität hält den Belastungen durch die Pferdehufe deutlich besser stand als beispielsweise eine neu eingesäte Wiese.

Verletzungen der Grasnarbe

Um die Böden weitgehend vor Verletzungen an der Narbe zu schützen, sollten die Tiere möglichst gleichmäßig auf einer großen Fläche verteilt werden. Zudem ist es sinnvoll, die Weide in mehrere Winterkoppeln aufzuteilen. So können einzelne nach Bedarf geschlossen werden und sich bis ins Frühjahr hinein regenerieren. Alternativ bietet sich die parzellierte Weidehaltung an. Hierbei werden nicht alle Pferde gemeinsam auf die gesamte Fläche entlassen, sondern in kleinen Gruppen auf einzelnen, großen Parzellen eingesetzt.

Entscheidend ist ebenso die Aufteilung der Koppel. Lange Rechtecke erlauben die größte Bewegungsfreiheit und reduzieren Narbenschäden, die insbesondere beim Bremsen und Wenden entstehen. Eine Unterteilung in einen Ruhe-, Fress- sowie Tränkbereich, die möglichst weit voneinander entfernt liegen, sorgt ebenfalls für eine gleichmäßige Beanspruchung der Grasnarbe.

Dennoch sollten sich Pferdehalter und Stallbetreiber darüber im Klaren sein, dass gerade durch beschlagene Hufe und nasse, milde Winter der Boden stark strapaziert werden kann und der naturgemäße Weideaustrieb auf dieser Fläche später stattfinden wird als üblich. Soll die Fläche auch in der Sommersaison zur Verfügung stehen, muss sie im Frühjahr gesperrt und durch Pflegemaßnahmen, zum Beispiel Nachsaat und Anwalzen, saniert werden.

Raufutter bereitstellen

In den kühlen Monaten sind die Weideflächen bis auf die überständigen Geilstellen meist abgefressen, und dem restlichen

Erfahrungen aus der Praxis

Diplom-Agrar-Ingenieurin Marion Ute Werner betreibt einen Pferdepensionsbetrieb mit Paddockboxen und Aktivstall in Seeburg (Niedersachsen). Derzeit stehen insgesamt 55 Pferde unterschiedlicher Rassen auf der Anlage (www.wellenreiter-seeburg.de), die einen winterlichen Weidegang genießen

Mein Pferd: Wie lange stehen die Pferde täglich auf der Winterweide?

Marion Ute Werner: Je nach Witterung kommen die Boxenpferde bis zu sechs Stunden täglich raus, außer bei extremen Wetterverhältnissen.

Im vergangenen Winter ist beispielsweise über Nacht fast ein Meter Schnee gefallen. Die Pferde in den zwei Laufställen haben eine Winterweide angrenzend an ihren Paddock. Diese wird nur bei Dunkelheit geschlossen.

Wie gelingt das Weidemanagement?

Von unseren insgesamt 15 Hektar Weideflächen, die direkt am Stall liegen, bieten wir zwei Hektar für die Tiere im Winter an. Dabei schleppe ich die Fläche zwischendurch ab und ebne Löcher ein. Wird eine Winterweide zu matschig, habe ich die Möglichkeit, diese zu schließen und dafür eine andere zu öffnen. Dafür braucht man aber viel Platz. Im Frühjahr wird die Weide dann abgeschleppt und neu eingesät. So steht sie nach vier bis acht Wochen wieder für die Sommersaison zur Verfügung. Doch hier ist im Vergleich zu den reinen Sommerweiden der Unkrautdruck trotz Neueinsaat recht hoch. Ist der Boden im Winter gefroren, dürfen die Pferde auch auf andere Weideflächen, da die Grasnarbe dann nicht durch Trittschäden verletzt werden kann.

Wie erfolgt die Raufutter-Versorgung?

Bevor die Boxenpferde auf die Winterweide kommen, erhalten sie ihr Raufutter und haben mindestens zwei Stunden Zeit zum Fressen. Auf den Winterweiden selbst stehen Raufen bereit, in denen wir Heu aus Netzen füttern. Wird es um die Raufe herum zu matschig, versetze ich diese und säubere den vorherigen Standort.

Warum bieten Sie auch Winter-Paddocks an?

Früher hatten wir nur die Möglichkeit einer Winterweide. Eine Matschwiese ist aber nicht gut für die Tiere. Wir hatten mit Mauke zu tun. Auch fehlte des Öfteren ein Eisen. Wenn die Witterungsverhältnisse zu schlecht sind, kommen die Tiere deshalb heute auf befestigte und drainierte Paddocks. Ein winterlicher Weidegang kann in diesem Fall meiner Meinung nach nur „on top“ zu den Paddocks gelingen, um den Pferden noch mehr Bewegung zu ermöglichen. Mit dieser Kombination sind wir jetzt am glücklichsten.

Welche Risiken bestehen auf der Weide?

Gefahren bestehen eigentlich nur dann, wenn die Flächen zu klein sind und die Pferde nur kurz oder nicht täglich rauskommen. Sie legen dann einen Kaltstart hin und rutschen eventuell aus. Sehnen-und Muskelschäden sind meist die Folge. Diese Probleme haben wir nicht, auch nicht bei den Tieren mit viel Bewegungslust, weil sie einfach wissen, wann sie herumtoben können und wann nicht.

Gras fehlt es an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien. Das, was die Pferde jetzt fressen, dient vorwiegend ihrer Beschäftigung und der Befriedigung ihres Knabberbedürfnis. So können sie ihren angeborenen Futtersuchtrieb ausleben. Ihren Energiebedarf, der durch den Fellwechsel und die niedrigen Temperaturen ansteigt, decken sie mit dem kurzen Gras aber nicht mehr. Bei nachlassender Menge und Qualität des Weidegrases im Winter laufen die Tiere daher Gefahr, unterversorgt zu sein. Deshalb ist eine gezielte Rohfaserversorgung mit Raufutter notwendig, egal, ob die Tiere sich nur für einige Stunden oder den ganzen Tag auf der Winterweide befinden.

Sollen die Vierbeiner nur stundenweise auf die Koppel, füttern Sie davor ausreichend Raufutter. Nach einem ausgiebigen Frühstück ist der erste Hunger gestillt. Verdauungsstörungen, Hufrehe und anderen Gefahren (siehe Kasten rechts) wird so vorgebeugt. Eine ausreichende Raufuttergabe ist noch aus einem weiteren Grund wichtig: Auf der Winterweide besteht das Risiko, dass die Pferde an giftigen Pflanzen knabbern, da nur noch wenig Grün vorhanden ist. Das kann insbesondere der Fall sein, wenn die Winterflächen an Gärten, Parkanlagen, Friedhöfen oder Waldränder grenzen. Besonders Pflanzen, die ihre Blätter oder Nadeln in der kalten Jahreszeit behalten (u. a. Buchsbaum, Thuja oder Eibe) sind für die Vierbeiner attraktiv.

Wasserversorgung sichern

Ein großes Problem stellt zudem häufig die Versorgung mit Wasser dar. Die Tränkemöglichkeit muss so gestaltet werden, dass sie jederzeit zugänglich ist und bei Frost nicht einfriert. Allein durch die Aufnahme von Schnee kann der Flüssigkeitsbedarf der Tiere nämlich nicht gedeckt werden.

Nicht zu vergessen ist ein stabiler, witterungsgeschützter Bereich, der bei Schlechtwetterlagen eine zu starke Auskühlung verhindert. Er sollte so beschaffen sein, dass er Stürmen und Schneelast standhält und dabei groß genug ist, um allen Pferden gleichzeitig Schutz zu bieten. Innen sollte er eine trockene und wärmedämmende Liegefläche bieten, damit eine zu starke Wärmeableitung an den Boden verhindert wird.

Sicherheit auf der Weide

Ferner sollte ein Blick auf die Umzäunung geworfen werden. So gut weiße, große Zaunbänder im Sommer zu sehen sind, so unauffällig sind sie vor dem weißen Hintergrund des Schnees im Winter. Vernünftiges Zaunmaterial muss aber nicht nur gut sichtbar sein, sondern auch Winddruck und Schnee aushalten. Die weiße Pracht haftet nämlich auf breiten Elektrobändern und lässt sie durch sein Gewicht durchhängen.

Entscheidend ist darüber hinaus, den Pferden täglich Bewegung zu verschaffen – und zwar bei Wind und Wetter. Ansonsten könnten die Vierbeiner nach einem Boxentag angestaute Energie unkontrolliert herauslassen und anfangen, auf der Weidefläche zu toben. Das tun sie nicht, wenn sie um die winterlichen Gegebenheiten draußen wissen.

Richtig gemanagt, bringt ein Weidegang den Tieren mehr Lebensqualität in der kalten Jahreszeit. Damit wirkt er sich positiv auf Psyche und Körper aus, was wiederum zu mehr Ausgeglichenheit und Leistungsbereitschaft führt – und davon profitiert dann auch der Reiter.

Vorsicht, Gefahren!

Verletzungsrisiko:

Wenn die Grasschicht verletzt wird, lauern Gefahren. Pferde können im Schlamm einsinken, sich Hufeisen abreißen oder auf abschüssigen Passagen ausrutschen.

Trittschäden können sich zudem bei Minustemperaturen zu bösen Stolperfallen entwickeln. Hinzu kommt im Winter, dass diese durch den Schnee meist nicht sichtbar sind und somit ein erhöhtes Verletzungsrisiko darstellen. Das gilt ebenso für gefrorene Maulwurfshügel. Sorgen Sie daher durch Pflegearbeiten vor, begradigen Sie die Fläche, ebnen Sie Löcher ein und ziehen Sie Maulwurfshügel glatt.

Hufrehegefahr:

Mit den ersten Minusgraden entwickeln Gräser ihren Frostschutz. Fruktane dienen ihnen dabei als Frostschutzmittel, das v. a. dann gespeichert wird, wenn viel Sonnenlicht auf sie einwirkt, gleichzeitig aber die nötige Wärme fehlt, die für das Wachstum wichtig ist. Diese Zuckermoleküle machen etwa die Hälfte des Gesamtzuckers im Gras aus. Es besteht daher eine erhöhte Gefahr an Hufrehe zu erkranken. Die Grasmenge, die gefressen wird, ist in der Regel zwar gering, bei vorbelasteten Tieren (z. B. Equines Metabolisches Syndrom, Polysaccharid Speicher Myopathie, Diabetes Typ 2, PSSM, Cushing) ist jedoch Vorsicht geboten.

Verdauungsstörungen:

Aufgrund des langsam wachsenden Grases werden Winterweiden schnell kurz geknabbert. Wenn Pferde beginnen, das stark abgefressene Gras mit Wurzeln auszureißen, besteht durch die erhöhte Aufnahme von Erde die Gefahr einer Sandkolik. Gefrorenes Gras hingegen ist nur für solche Tiere gefährlich, die nicht an das Grün gewöhnt sind. Eine plötzliche Aufnahme kann u.a. zu Kotwasser und Magenbeschwerden oder im schlimmsten Fall zu Koliken führen.

Aufstollen:

Der Schneefall im Winter hat die nachteilige Eigenschaft, in Hufeisen aufzustollen. Pferdebesitzer sollten sich daher entweder dafür entscheiden, die Eisen über den entsprechend schneegefährdeten Zeitraum oder für die Dauer des gesamten Winters abzunehmen. Alternativ bieten sich Hufgrips bzw. ein vergleichbarer Schutz gegen das Aufstollen an.