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RAW-Test


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 08.08.2018

Fujifilm, Panasonic und Sony: Für den aktuellen RAW-Test prüften Wadim Herdt und Reinhard Merz zwei MFT-, zwei APS-C- und zwei KB-Modelle. Das Resultat: Der Umstieg von JPEG zu RAW lohnt in allen sechs Fällen.


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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 9/2018

Moderne Kameras stimmen ihre JPEGs sehr clever ab. Die Bilder sind detailreich und trotzdem rauscharm. Das sieht häufig gut aus, aber das Optimum ist es in der Regel nicht. Denn in den Rohdaten stecken oft noch etwas mehr Details. So neigen die meisten Hersteller zu einer mehr oder weniger aggressiven Nachschärfung und müssen anschließend entsprechend stark entrauschen, was wiederum die Details ...

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Moderne Kameras stimmen ihre JPEGs sehr clever ab. Die Bilder sind detailreich und trotzdem rauscharm. Das sieht häufig gut aus, aber das Optimum ist es in der Regel nicht. Denn in den Rohdaten stecken oft noch etwas mehr Details. So neigen die meisten Hersteller zu einer mehr oder weniger aggressiven Nachschärfung und müssen anschließend entsprechend stark entrauschen, was wiederum die Details bedroht. Wenn Sie jedoch RAW-Bilder aufzeichnen, können Sie den Schärfe- und Entrauschungsprozess selber steuern. Motivabhängig lässt sich so die richtige Abstimmung für jedes Bild finden. Das bedeutet aber zugleich: Es gibt nicht das eine RAWBild, sondern unendlich viele Variationsmöglichkeiten – für Tests eine unglückliche Ausgangssituation.
Wir konzentrieren uns deswegen beim RAW-Test auf ISO 100 und ISO 1600. Bei ISO 100 entwickeln wir das RAW-Bild entsprechend der Grundeinstellungen von Lightroom. Rauschen und Entrauschen spielen bei ISO 100 nur eine geringe Rolle. Bei ISO 1600 vergleichen wir dagegen drei Einstellungen, da nun der Entrauschungsprozess plus Nachschärfung entscheidend wird. Unsere drei Einstellungen stehen für folgende drei Szenarien:

Fujifilm X-0H1

Der Body der X-H1 besteht aus besonders hochwertigem Magnesiummaterial und ist damit noch robuster als der Body der Schwestermodelle. Nebenwirkungen sind ein höheres Gewicht (673 statt 507 g) und ein größeres Gehäuse: Die X-H1 ist 7 mm breiter, 5 mm höher und 37 mm tiefer als die X-T2. Der integrierte Bildstabilisator arbeitet nach dem „5-Achsen“- Prinzip und überzeugte im Test vollends.
Die effektive Vergrößerung des OLED-Suchers beträgt 0,75-fach, die Auflösung 1 230 000 RGB-Pixel. Dank der extrem kurzen Reaktionszeit und einer hohen Bildwiederholrate lassen sich auch Bewegungen im Sucherbild flüssig darstellen. Die Bilddiagonale des TFT-Monitors beträgt drei Zoll, die Auflösung 346 666 RGBBildpunkte; der Monitor ist beweglich und touchfähig. Ihm steht ein monochromes Status-Display zur Seite. Das AF-System nutzt 325 Kontrast-AF-Felder, von denen 169 Phasen-AF-tauglich sind. Für die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit ermittelte das Labor 0,36/0,40 s bei 300/30 Lux.

Bildqualität RAW / JPEG

Fujifilm und Lightroom führen immer noch eine „Problemehe“. Bei höheren ISO-Werten rechnet Lightroom unschöne Artefakte ins Bild, die in JPEGs nicht zu sehen sind. Das trifft auch auf die X-E3 zu. Hier muss man bei der nachträglichen Bearbeitung mehr Sorgfalt walten lassen oder gar zu anderen Produkten greifen. Grundsätzlich steigt die Auflösung im RAWModus gegenüber einem JPEG um ca. 200 bis 300 LP/BH, abhängig von der ISO-Empfindlichkeit. Die Dead-Leaves-Werte erreichen zum Teil niedrigere Werte als bei JPEG-Aufnahmen. Bei hohen Kontrasten und ISO 200 liegt das JPEG vorne, bei niedrigen Kontrasten und ISO 1600 gewinnt RAW. Das sieht man auch in den Bildern, wo RAWs eben in Bereichen mit viel niedrigkontrastiger Struktur, wie etwa Gras in unserem Chart, mehr Zeichnung herausholen. Ursache hierfür ist die Signalverarbeitung. Bei JPEGs greift die Kamera stärker ein – die Dead-Leaves-Kurven steigen über den Wert 1,0 und bleiben lange darüber. Bei den RAWs liegen die Kurven näher beisammen, verlaufen flacher und steigen kaum über die 1,0-Grenze. Es wird einfach weniger nachgeholfen. In den Schattenbereichen reduziert sich die für JPEG typische Kantenaufsteilung deutlich, im Lichterbereich moderat.
Bei ISO 200 ist die Zunahme von Rauschen nur bei starker Vergrößerung erkennbar, bei ISO 1600, wo VN von 1,6 (JPEG) auf 2,6 springt (LR3), aber nicht zu übersehen. Dezentes Entrauschen ist der goldene Weg bei der X-H1 – wenn man zu viel entrauscht und schärft, kommen zumindest bei Lightroom verstärkt Artefakte ins Spiel. Insgesamt profitiert man bei RAW durch bessere Detailzeichnung, muss aber gleichzeitg mit mehr Rauschen rechnen.

Fazit

Mit ihrem äußerst robusten Magnesiumgehäuse eignet sich die X-H1 auch für professionelle Einsätze. Eine noch bessere Bildqualität als bei der X-T2 darf man aufgrund der unveränderten Sensortechnik nicht erwarten, eine höhere Trefferquote dank des im Gehäuse integrierten, sehr effektiven Bildstabilisators aber schon. Mit RAW erhält der Fotograf bei höheren ISO-Empfindlichkeiten Bilder mit einer natürlicheren Abstimmung und besserer Zeichnung. Zu starkes Entrauschen mit gleichzeitiger Nachschärfung ist zumindest bei Lightroom wegen steigender Artefakte nicht zu empfehlen.

Die Kurven für Auflösung und Dead Leaves verlaufen im RAW-Format bei ISO 200 und ISO 1600 sehr ähnlich. Auffallend ist der deutliche Anstieg von Artefakten bei LR1 – wohl wegen des Rauschens, das in die Darstellung der Kurve mit einfließt. Auch in der LR3-Einstellung nehmen Artefakte als Folge der Rauschunterdrückung zu.


Fujifilm X-E3

Den X-Trans-Sensor mit 24 Megapixeln Nennauflösung haben alle Fujifilm-X-Modelle gemeinsam, so auch die X-E3. Ihr Gehäuse ist nicht wetterfest, was wegen des günstigen Preises verständlich ist. Der OLED-Sucher hat eine Auflösung von 786 666 RGB-Pixeln bei 0,62-facher Vergrößerung (0,62x) und der an die Linksaußen-Position verlagerte Sucher erlaubt ein besonders komfortables Kamera-Handling.
Der TFT-Monitor an der Rückseite hat eine Diagonale von drei Zoll und eine Auflösung von 346 666 RGB-Bildpunkten. Er ist nicht verstellbar, dafür aber berührungsempfindlich – ein Novum in der X-Serie. Der Hybrid-AF arbeitet mit 325 AF-Feldem, 169 davon Phasen-AF-tauglich. Der Kontrast-AF deckt 65 % der Sensorfläche ab, der Phasen-AF 40 %. Mit 0,36/0,38 s (300/30 Lux) liegt die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit im grünen Bereich. Der elektronische Verschluss erlaubt lautloses Auslösen bis 1/32 000 s und eine Serienbildrate von knapp 14 B/s.

Bildqualität RAW / JPEG

Da in der X-E3 die gleiche Hardware (Sensor/Bildprozessor) steckt wie in der X-H1, erwartet man in etwa gleiche Ergebnisse – und erhält sie auch größtenteils. Doch da Fujifilm die Signalverarbeitung der Kameras unterschiedlich abstimmt, gibt es auch kleine Unterschiede. Das erste was bei den RAW-Aufnahmen auffällt: Sie sind weniger kontrastreich, wirken aber dadurch ausgewogener und nicht blass. Messtechnisch erreichen die RAWs im Schnitt ca. 200 bis 300 LP/BH höhere Grenzauflösung als die JPEGs, der Unterschied ist etwas größer als bei der X-H1. Die Dead-Leaves-Werte sind bei hohen Kontrasten geringer als bei den JPEGs, bei niedrigen Kontrasten in etwa gleich. Die Kontrastverstärkung ist im JPEGFormat ausgeprägter und für höhere Werte verantwortlich. Insgesamt liegen die Kurven enger zusammen. Auch die Kanten sind bei RAW weicher.
Das Rauschen bleibt bei ISO 200 stabil, bei ISO 1600 LR1 steigt es von 1,6 VN JPEG) auf 2,7. Das ist sichtbar. Zu starkes Entrauschen – wie in der LR3-Einstellung – ist aber keine Lösung, da die Bilder mit den glattgebügelten Flächen schnell künstlich aussehen. Die LR2-Einstellung mit moderater Rauschreduzierung ist bei der X-E3 die beste Lösung, da hier genug Details erhalten bleiben. Eventuell muss man bei dieser Einstellung etwas stärker nachschärfen.

Fazit

Das schmucke Gehäuse ist wunderbar kompakt, und beim Bedienkonzept hat die X-E3 ihren Schwestermodellen den Touch-Monitor voraus. Auch der komfortable Bildtransfer zum Smartphone per Bluetooth ist ein Vorteil. Bei der X-E3 bringt das RAW-Format etwas mehr Auflösung und – wie bei der X-H1 – eine realistischere Kontrastbehandlung sowie bei ISO 1600 etwas mehr Rauschen. Lightroom konvertiert die RAW-Aufnahmen aus der X-E3 ein wenig besser als die Fotos der neueren X-H1. Kauftipp Preis/Leistung.

Durch den Umstieg auf RAW bekommt man Fotos ohne eine zu aggressive Abstimmung, was bei der X-E3 im JPEG-Modus leider der Fall ist. Die Dead-Leaves-Kurven verlaufen flacher. Bei der X-E3 und auch bei der X-H1 ist auffällig, wie wenig Auflösung und Detailzeichnung von ISO 200 auf ISO 1600 verloren gehen.


Panasonic Lumix G9

Die niedriger verlaufenden Dead-Leaves-Kurven illustrieren den Hauptvorteil von RAW, nämlich die deutlich zurückhaltendere Kontrastbehandlung. Damit wirken die Aufnahmen ausgewogener, Details kommen besser heraus. Besonders bei ISO 200 zeigt die G9 eine saubere, artefaktarme Abbildung. Als Kritikpunkt bleibt die weiße Kante, die nicht völlig verschwindet. Das ist aber nicht nur bei Panasonic der Fall.


Kleiner, leichter, mit verbessertem Sucher und mit einem Info-Display ausgestattet – die G9 verwandelt die GH5 in eine High-End-Kamera für Fotografen. Das Touch-Display ist mit 7,5-cm-Bildschirmdiagonale etwas kleiner geworden und liefert mit 260 000 RGBW-Bildpunkten eine geringere Auflösung. Das OLED-Display im Sucher erlaubt dafür eine stärkere Vergrößerung von 0,83x für die Sucherlupe. Unverändert praktisch ist die 4K/6K-Fotofunktion: Aus verschiedenen Bildern setzt die Kamera ein von vorn bis hinten scharfes Bild zusammen. Wer dabei perfekte Ergebnisse erwartet, sollte allerdings nicht aus der Hand fotografieren. Denn so viel Stabilisierung liefert auch der duale Bildstabilisator nicht, der ansonsten gute Dienste leistet. Dank der Videofunktion gibt es eine manuelle Konfiguration, mit der man die Autofokusgeschwindigkeit und die Empfindlichkeit selbst festlegen kann. Die AF-Zeit von 0,13/0,20 s (bei 300/30 Lux) ist über jeden Zweifel erhaben.

Bildqualität RAW / JPEG

Die Panasonic G9 holt sehr viel aus ihrem MFT-Sensor mit 20 Megapixeln heraus. Die Signalverarbeitung bei JPEG ist bei Panasonic jedoch traditionell sehr aggressiv abgestimmt. Das trifft auch auf die G9 zu, wenn auch in kleinerem Maße. Mit RAW umgeht man dieses Problem und gewinnt noch etwas Bildqualität hinzu.
Mit etwa 100 LP/BH (ISO 200) ist der Anstieg an Auflösung überschaubar. Viel mehr passiert bei der Dead-Leaves-Messung. Zwar sind die RAWWerte für hohe Kontraste fast gleich, etwa 1370 LP/BH bei ISO 200. Bei niedrigem Kontrast ist der Gewinn von ca. 100 LP/BH auch noch moderat. Doch die Kurven verlaufen dramatisch anders. Statt ausgeprägter Verstärkung bis 1,2 bei JPEG erhält man im RAW nur eine kleine Aufsteilung bei niedrigen Frequenzen. So wirken die Bilder natürlicher und zeigen auch mehr Dynamik. Feine Strukturen werden weit besser wiedergegeben, die geringere Kantenaufsteilung sorgt für sanftere Übergänge.
Wenn es um Rauschreduktion geht, sollte man bei Panasonic – wie bei den meisten Kameras – den Weg der moderaten Entrauschung gehen. Tut man nichts dagegen, steigt das Rauschen auf deutliche 3,2 VN (LR1 ISO 1600) und stört den Bildeindruck. Tut man zuviel, fällt der Messwert zwar fast auf das Niveau von ISO 200, doch die Bilder verlieren schnell an Zeichnung und gewinnen an Artefakten. Generell rauschen die RAWs der G9 nur wenig mehr als bei den beiden APS-C-Kameras im Test.

Fazit

Die G9 ist sehr überzeugend auf die Bedürfnisse von Fotografen abgestimmt. Weniger umfangreich als bei der GH5 sind in erster Linie Videofunktionen, hinzugekommen dagegen sind Features wie das zweite Display und eine deutlich bessere Bedienbarkeit. RAW-Bilder sind bei der Panasonic kontrastärmer – und das ist gut so, denn die JPEGs werden recht agressiv abgestimmt. Bei der Auflösung und beim Rauschen kommt die G9 trotz kleinerer Sensorfläche nah an das APS-C-Modell heran und erhält den Kauftipp Micro-Four-Thirds.

Panasonic Lumix GX9

Mit der GX9 erhält der Fotograf viel der Technik aus der G9 – zum halben Preis. Auch in der GX9 kommt der 20,2 Megapixel auflösende CMOS-Sensor ohne Tiefpassfilter zum Einsatz. Er ist beweglich gelagert, sodass die GX9 die Dual-IS-Stabilisierung mit Ausgleich in fünf Bewegungsrichtungen unterstützt. Auf den Spritzwasserschutz muss man verzichten, was angesichts des Preises verständlich ist.
Auch den riesigen Sucher der G9 (Vergrößerung 0,83x) hat Panasonic bei der GX9 weggelassen, doch der 0,7-fach vergrößernde elektronische Sucher lässt sich nach oben schwenken und überzeugt. Das 3 Zoll große Touch-Display arbeitet mit einer Auflösung von 413 334 RGB-Bildpunkten und ist klappbar. Das Scharfstellen funktioniert per Kontrastautofokus mit DFD-Unterstützung, die AF-Zeiten von 0,14/0,18 s (300/30 Lux) sind Spitze.

Bildqualität RAW / JPEG

Die GX9 setzt beim Sensor und der Bildverarbeitungs-Engine auf die Technik der großen Schwestermodelle G9 und GH5. Die Testergebnisse für die JPEG-Aufnahmen fallen daher ähnlich aus. Die Unterschiede zwischen den Messwerten der RAW-Fotos sind ebenfalls nicht groß und zeigen die gleichen Tendenzen.
Bei der GX9 ist eine natürlichere Abstimmung der Hauptvorteil des RAW-Formates. Der Sprung über die 1,0-Grenze (Dead-Leaves-Messung) existiert auch bei den RAW-Aufnahmen, ist jedoch bei Weitem nicht so stark ausgeprägt wie im JPEG-Format. Für die GX9 gilt: Die Resultate für niedrige und hohe Kontraste liegen bei ISO 200 auf dem gleichen Niveau wie die Werte der JPEG-Bilder. Bei ISO 1600 hängen die Werte von den Entrauschungseinstellungen ab: Von LR1 zu L3 sinken sie um gut ein Drittel. Die Auflösung steigt um etwas mehr als 100 LP/BH bei ISO 200. Der Vorteil des RAW-Formats ist also weniger die Grenzauflösung als vielmehr die Detailerhaltung.
Etwas höher – im Vergleich zum JPEG – fallen die Ergebnisse der Rauschmessung aus. Schon bei ISO 200 rauschen die RAW-Aufnahmen der GX9 stärker: 1,4 VN gegen 1,1 VN beim JPEG. Das ist auch etwas mehr als bei der teureren G9 (1,2 VN). Bei ISO 1600 LR1 steigen die Werte auf 3,6 VN, was im Bild sehr störend auffällt. Moderates Entrauschen (LR2) behebt das Problem nur teilweise, denn mit 2,5 VN bleibt der Wert relativ hoch und der Bildeindruck immer noch sehr gut, er verbessert sich aber. Artefakte sind – wie schon bei der G9 – nur dann ein Thema, wenn man zu stark gegen das Rauschen vorgeht.

Der Umstieg auf RAW lohnt sich auch bei der GX9. Im Vergleich zum JPEG entfällt die überzogene Nachschärfung und Kontrastanhebung. Was stört, sind das ausgeprägtere Rauschen bei hohen ISO-Empfindlichkeiten sowie Artefakte in den LR1- und LR3-Einstellungen. Hier wird der Nachteil des MFT-Formats gegenüber KB-Sensoren sichtbar. Bei gutem Licht ist das alles kein Problem.


Sony A7R III

Die spiegellose Alpha 7R III wirkt neben den SLR-Vollformatern von Canon oder Nikon ausgesprochen zierlich. Das Gehäuse ist eine Kombination aus Magnesium und verwindungsfreiem Kunststoff und ist spritzwassergeschützt. Als Stromquelle kommt ein potenter 2280-mAh-Akku zum Einsatz. Der 0,5 Zoll große Sucher hat eine hohe Auflösung von 1 228 800 RGB-Bildpunkten. Dank der großzügigen Baugröße und Darstellung (100% bei eff. 0,78x Vergrößerung) sind die Sucheranzeigen für Brillenträger gut zu erkennen.
Der Phasen-AF wertet 399 Felder aus, die ca. 68 % der Sensorfläche abdecken. Zudem kann die A7R III auf 425 Kontrastfelder zugreifen. Das führt zu kurzen AF-Zeiten: 300 Lux 0,30 s; 30 Lux 0,32 s. Von der Bildstabiliserung des Sensors (3 von 5 Bewegungsrichtungen) profitieren Objektive ohne eigenen Stabilisator. Standardmäßig bietet die A7R III als Empfindlichkeitsbereich ISO 100 bis 32 000, für ernsthaftes Fotografieren macht man den Cut besser bei ISO 3200.

Bildqualität RAW / JPEG

Trotz gleicher Auflösung liefert die A7R III dank überarbeitetem Bildprozessors eine bessere JPEG-Bildqualität als die A7R II. Das gilt auch für RAW, allerdings in sehr überschaubarem Bereich.
Die Auflösung klettert bei ISO 100 auf 2734 LP/BH, das ist ein Plus von fast 200 LP/BH gegenüber JPEG und etwa auf dem Niveau der A7R II. Die Dead-Leaves-Werte der RAWs bei ISO 100 liegen etwa um 100-150 LP/BH niedriger als die der JPEGs. Bei ISO 1600 hängt der Wert von den LR-Einstellungen ab und liegt entweder auf dem Niveau der JPEG-Messung (LR1) oder darunter (LR2 und LR3). Das ist erneut eine Folge der veränderten Signalverarbeitung: Bei den JPEGs ist eine spürbare Anhebung der Kontraste bis 1,3 zu beobachten, die Kurven der RAWs verlaufen um einiges flacher. Das breite Plateau bis Frequenzen um 1200 LP/BH ist ein Indiz dafür, dass Sony bei RAW-Dateien nicht komplett auf „Optimierung“ verzichtet. Auch im Vergleich zu RAWs aus der A7R II arbeitet die Signalverarbeitung der dritten Generation schonender.
Das Rauschen hält sich in Grenzen. Das hat Sony mit diesem hochauflösenden Sensor gut im Griff, etwas besser als bei der A7R II. Wirklich störend ist es nur bei der ISO-1600-LR1-Einstellung, wobei der Wert von 2,6 VN deutlich besser ist als die 3,2 VN der zweiten Generation. Eine klare Entscheidung zwischen LR2 und LR3 fiel uns schwer. Hier kommt es eher auf den persönlichen Geschmack und das Motiv an. Beides sind anwendbare Lösungen.

Fazit

Sony liefert für 3500 Euro eine absolute Topkamera: Der 42-MP-Sensor sorgt für beste Bildergebnisse, auch bei höheren ISO-Stufen. Der eingebaute Sensor-Shift-Bildstabilisator macht das kompakte und griffige Gehäuse selbst bei weniger Licht freihandtauglich. Obwohl die RAWs immer noch „optimiert“ aus der A7R III herauskommen, sind sie erheblich natürlicher abgestimmt als die JPEGs mit ihren harten Kanten und Kontrasten. Platz 1 in der Bestenliste!

Sony verarbeitet die Aufnahmen im RAW-Modus schonender als im JPEG-Modus mit seiner kontrast- und kantenbetonten Abstimmung. Auf den RAWs sind die Überschwinger bei den Dead-Leaves-Kurven (ISO 100 und LR1) immer deutlich präsent. Sony greift also auch im RAW-Format verstärkend ein. Positiv ist dagegen das niedrige Rausch- und Artefakte-Niveau.


Sony A7 III

Die A7 III zeigt im RAW-Format bei ISO 100 eine leicht verbesserte Auflösung gegenüber JPEG. Die Dead-Leaves-Kurven verlaufen deutlich flacher. Sie zeigen aber, dass Sony auch im RAW-Format die niedrigkontrastigen Frequenzen verstärkt: Diese springen im Bereich der niedrigen bis mittleren Frequenzen kurz über die 1,0-Grenze und erreichen Werte bis fast 1,2 – das ist für RAW viel. Das Rauschen ist insgesamt niedrig.


Die dritte Generation der Sony A7 lockt mit gehobener Ausstattung, darunter ein spritzwassergeschütztes Magnesiumgehäuse, ein Bildstabilisator nach dem „5-Achsen“-Prinzip und ein hochwertiger elektronischer Sucher mit 786 432 RGB-Bildpunkten und 0,78-facher Vergrößerung. Das Display mit 307 200 RGB-Bildpunkten ist verstellbar und berührungsempfindlich. Die Touch-Funktionalität beschränkt sich im Wesentlichen auf den AF (ohne Auslösung) und das Aktivieren der MFLupe per Doppelklick mit dem Finger. Mit 693 Phasen- und 425 Kontrast-AFFeldern kombiniert die A7 III das Beste aus den AF-Systemen der A9 und der A7R III. Im AF-C-Modus kann jetzt auch der Autofokus mit Augenerkennung für das AF-Tracking genutzt werden, und der Joystick zum Anwählen von AF-Punkten ist ohnehin seit der A9 Standard bei den A7-Modellen. Die Auslöseverzögerung inklusive AF-Zeit beträgt 0,33/0,35 s bei 300/30 Lux, und Serien schafft die A7 III mit guten 10 B/s.

Bildqualität RAW / JPEG

Die Sony A7 III ist mit einem überarbeiteten CMOS-Sensor ausgestattet, die Neue kann sich sowohl bei JPEG als auch bei RAW etwas verbessern.
Großen Auflösungszuwachs sollte man aber nicht erwarten. Bei ISO 100 sind es nicht einmal 100 LP/BH. Die Werte für die Dead Leaves liegen bei ISO 100 ca. 200 LP/BH unter denen der hoch- und niedrigkontrastigen Messungen von JPEG-Aufnahmen. Bei ISO 1600 wendet sich das Blatt. Wie schon bei der A7R III ist dies aber kein Problem, sondern eine Lösung für aggressive Signalverarbeitung der JPEG-Files. Zwar bleiben auch auf den RAW-Bildern Kontrastanhebung sowie Kantenverstärkung erhalten, speziell bei niedrigen Kontrasten, sie sind aber nicht in dem Maße ausgeprägt wie auf den JPEG-Bildern. Im direkten Vergleich mit dem JPEG-Format wirken die RAW-Aufnahmen ausgewogener, zeigen eine bessere Dynamik und Zeichnung, insbesondere in den Bereichen mit niedrigen Kontrasten.
Bei ISO 100 nimmt das Rauschen im Vergleich zu JPEG nur leicht zu und ist in der Praxis irrelevant. Bei ISO 1600 hängt das Rauschen von den Konvertierungseinstellungen ab. Am stärksten ausgeprägt ist es bei L1 (2,3 VN). Das ist nicht viel, manche Motive können es durchaus vertragen. In der LR3-Einstellung sinkt es auf den gleichen Wert wie beim JPEG.
Dank KB-Formats und „nur“ 24 MPAuflösung hat die A7 III genügend Reserven für Aufnahmen bis ISO 1600. Wie stark man gegen das Rauschen vorgeht, ist eine persönliche Sache: Zwar gehen durch das Entrauschen Details verloren, doch selbst in der LR3-Einstellung sind die Bilder immer noch gut.

Fazit

Sonys Vollformatkamera der 2000-Euro-Klasse agiert auf Augenhöhe mit den Profimodellen A7R III und A9 und hat praktisch alles, was man sich als ambitionierter Fotograf wünscht: vom High-End-Hybrid-AF über den integrierten Bildstabilisator bis hin zum SD-Karten-Doppelschacht. Auch die Bildqualität kann überzeugen. Zwar verbessert sich die Auflösung nur ein wenig, aber dafür verschwinden die hässlichen Kantenaufsteilungen und übertriebenen Kontraste. Außerdem hat die Sony das Rauschen gut im Griff. Kauftipp Vollformat.

Fujifilm X-E3, 900 Euro


Fujifilm X-H1, 1900 Euro


Panasonic Lumix GX9, 800 Euro


Panasonic Lumix G9, 1700 Euro


Sony Alpha 7 III, 2300 Euro


Sony Alpha 7R III, 3500 Euro



Fotos: Hersteller, Image Engineering