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R.B.S. Kirchweyhe GmbH: Kesselwagen richtig reinigen


Sauber Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 24.06.2019

Die professionelle Reinigung von Kesselwagen beginnt mit der Auftragsannahme und endet mit der fachgerechten Entsorgung des Rest - produktes. Das komplexe und umfangreiche Thema unterliegt ständig steigenden Anforderungen durch Gesetze, Genehmigungsbehörden und Berufsgenossenschaften. Das Unternehmen R.B.S. Kirchweyhe GmbH stellt sich der Herausforderung mit jahrzehntelanger Erfahrung.


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Bildquelle: Sauber Magazin, Ausgabe 2/2019

Die Reinigung von Kesselwagen ist eine komplexe Aufgabe, der sich die R.B.S. Kirchweyhe GmbH mit jahrzehntelanger Erfahrung stellt.


Eine Vielzahl verschiedener Faktoren beeinflusst die Reinigung eines Kesselwagens; dazu ...

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Eine Vielzahl verschiedener Faktoren beeinflusst die Reinigung eines Kesselwagens; dazu gehören zum Beispiel:
■ die enorme Vielzahl an Lade- und Gefahrgütern,
■ die technische Anlagenanforderung für die Behandlung von anfallendem Abwasser und entstehender Abluft,
■ behördliche Auflagen und Genehmigungen,
■ geeignete Reinigungs- und Neutralisationsmittel,
■ die Lagerung und Entsorgung von Reststoffen,
■ verschiedenste Baureihen von Kesselwagen.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren muss der richtige Weg festgelegt werden, um eine hochwertige und gleichbleibende Qualität der Reinigung zu gewährleisten.

Eindeutige Produktidentifikation
Die Reinigung eines Kesselwagens beginnt bereits mit der Auftragsannahme und endet erst bei der fachgerechten Entsorgung des Lade- oder Gefahrgutes durch ein zertifiziertes Entsorgungsunternehmen. Das Produkt muss schon zum Zeitpunkt der Auftragsannahme eindeutig identi - fiziert werden, um die weiteren Vorgehensweisen im Unternehmen klar und unmissverständlich festzulegen. Schäden durch mangelnde Sorgfalt können tödliche oder nicht rückgängig zu machende Folgen für Mensch und Umwelt mit sich bringen. Alle Produkte, die gehandelt, transportiert und verbraucht werden, verfügen über ein Sicherheitsdatenblatt (SDB) beziehungsweise Material Safety Data Sheet (MSDS), das dazu bestimmt ist, dem berufsmäßigen Verwender die beim Umgang mit den Stoffen und Gemischen notwendigen Daten und Umgangsempfehlungen zu vermitteln. Das SDB beinhaltet unter anderem die Bezeichnung des Stoffes, mögliche Gefahren, Erste-Hilfe-Maßnahmen, Handhabung und Lagerung des Stoffes, seine physikalischen und chemischen Eigenschaften, toxikologische Angaben, Hinweise zur Entsorgung und Angaben zum Transport.

Risikobewertung und Gefahrgutklassen
Durch die eindeutige Produktidentifizierung in der Arbeitsvorbereitung mit Unterstützung des SDB kann das Ladegut verschiedenen Gefahrengutklassen zugeordnet und somit das Risiko bewertet werden. Die Gefahrgutklassen reichen von explosiven, gasförmigen, flüssigen und festen Stoffen bis hin zu entzündend wirkenden, giftigen, radioaktiven und ätzenden Stoffen. Daraus ergeben sich Anforderungen an die persön liche Schutzausstattung (PSA) des Mitarbeiters, die technische Abhandlung sowie den Umgang mit den Reststoffen zur Lagerung und Entsorgung. Je nach Gefährdungsgruppierung darf der Reiniger den Kessel nur mit entsprechender PSA, zum Beispiel einem Chemikalien-Schutzanzug, einem Atemschutzgerät, einer Atemschutzmaske und einer Absturzsicherung, begehen. Vor Begehen eines Kessels müssen Messungen auf Sauerstoff - gehalt und Produkt-Konzentration vorgenommen werden.

Weiterhin muss im Vorfeld gegebenenfalls das Reinigungsverfahren zur Vor- und Nachbehandlung und zur Hauptreinigung festgelegt werden; dazu gehört auch die produktspezifische Bestimmung des geeigneten Reinigungs- und Neutralisationsmittels. Dies kann Wasser, Dampf oder die Zugabe von Seifen, technischen Säuren oder technischen Laugen sein. Der Reiniger muss mögliche Gefahren durch chemische Reaktionen zwischen dem Ladegut, Wasser und den Reinigungsmitteln im Vorfeld kennen und auftretende Risiken abschätzen. Ferner muss der Reiniger auch die Materialbeständigkeit der Kessel kennen sowie eine mögliche chemische Reaktion mit dem Kesselmaterial, da es sonst zu Materialabzehrungen kommen kann. Weiterhin muss die Wirkung von Produktresten und Spülwasser auf vorhandene Abwassertechnik und Ablufttechnik bekannt sein. Organisch gebundene Halogene (AOXhaltige Produkte), entstehende Gase und Dämpfe müssen durch eine Immissionsschutzanlage (zum Beispiel durch Aktivkohle) gefiltert und gebunden werden.

Über eine Drehscheibe werden Kesselwagen in die Werkstatt gebracht.


Solche gewerblich genutzten Anlagen unterliegen strengen gesetzlichen und behördlichen Auflagen, die vom Betreiber mit dem Ziel zu erfüllen sind, den Schadstoffausstoß zu reduzieren und die Luft reinzuhalten (BImSchG, TA-Luft, Einleitungsgenehmigungen). Jedes Land hat eigene Gesetze und Richtlinien, die dabei einzuhalten sind.

Waschwasser entsorgen
Mit der entsprechenden sorgfältigen Vorbereitung könnte theoretisch die Reinigung beginnen – aber ein weiterer entscheidender Punkt sind die Zwischenlagerung und die fachgerechte Entsorgung des Restproduktes sowie des Waschwassers (Pre-Wash). Ein geringer Anteil an Pre-Wash- Wasser kann nach vorhergehender Prüfung in öffentliche Abwasseranlagen eingeleitet werden. Hierzu gibt es in Deutschland eine Verordnung über das Einleiten oder Einbringen von Abwasser in öffentliche Abwasseranlagen (Indirekteinleiterverordnung), die einer sehr strengen Überwachung unterliegen. Den deutlich größeren Anteil der Pre-Wash-Wasser müssen zertifizierte Entsorgungsunternehmen entsorgen und in der Regel in Verbrennungsanlagen beseitigen.

Auch hier bedarf es im Vorfeld einer klaren Analyse, denn nicht jedes Pre- Wash-Wasser kann in ein und dasselbe Zwischenlagerbehältnis gepumpt werden. Auch hier kann es bei unsachgemäßer Handhabung zu chemischen Reaktionen mit verheerenden Auswirkungen kommen.
Das Entsorgen von Reststoffen und Pre-Wash-Wassern sollte stets über ein zertifiziertes Entsorgungsunternehmen stattfinden.
Der Entsorgungsprozess für den Verursacher ist erst dann abgeschlossen, wenn ein entsprechender Nachweis über die fachgerechte Entsorgung vorliegt. Bis dahin ist der Verursacher in der vollen Verantwortung bei eventuellen Schäden für Mensch und Umwelt.

Schutzmaßnahmen strikt einhalten
Bei der Reinigung von Kesselwagen nimmt eine gründliche Vor- und Nachbereitung den größten Teil der Arbeit in Anspruch. Ein Reiniger von Kesselwagen muss alle Verhaltens - regeln kennen und alle Schutzmaßnahmen strikt einhalten. Erst wenn alle Unstimmigkeiten geklärt sind, darf ihm eine Befahrerlaubnis zum Begehen und Reinigen des Kessels erteilt werden.

Die Strahlanlage trägt Material und somit auch das Restprodukt ab.


Nach erfolgter Reinigung und fachgerechter Lagerung oder Entsorgung muss der Kesselwagen getrocknet werden. Dies erfolgt in der Regel unter Zuführung von warmer Luft. In den kalten Jahreszeiten kann dies wiederum zu Problemen führen, da beim Abkühlen der Trocknungsluft Kondenswasser entsteht, das Wasserränder bildet.
Nach erfolgter Trocknung des Kesselwagens wird der erzielte Reinheitsgrad (RHG) nach UIP-Reinheitsgradschlüssel festgelegt.
Die RHG-Bestimmung ist ein sehr heikles Thema, das im Alltag, vor allem bei Rückgabe aus Miete (RAM) oder Produktwechsel, aufgrund mangelnder Fachkenntnis und daraus folgend falscher RHG-Auslegung immer wieder zu Problemen führt. Selbst nach gründlicher Reinigung kann es passieren, dass an der Kesselwandung feste Anhaftungen verbleiben oder die Wandungen leicht schmierig und fettig sind. Um diese Anhaftungen zu entfernen, ist das Strahlen des Kessels mit Glasperlen, Sand oder Schlacke unumgänglich. Sollte es nach der Reinigung zu Verfärbungen im Kessel kommen, können diese in der Regel durch Beizen entfernt werden.

Reinigungsprozesse
Nach dem festgestellt worden ist, welches Produkt sich in den Kesselwagen befunden hat, wird die Arbeitsvorbereitung gestartet. Dabei kommt es darauf an, ob feste oder flüssige Produkte vorhanden sind.
Bei festen Produkten, wie zum Beispiel Schwefel und Bitumen, wird der Kessel wagen in die Abteilung Restung eingeplant. Hier werden die Reste „bergmännisch“ abgebaut. Das heißt mit Presslufthammer, Schaufel und so weiter. Vorher werden die „schwarzen“ Wagen mit der eigenen Dampfversorgung aufgeheizt, um das feste Produkt, beispielsweise Bitumen, wieder zu verflüssigen und so den Großteil des Produktes auf den normalen Wegen aus dem Kessel zu bekommen. Die im Kessel verbleiben - den Reste werden dann, wie bereits beschrieben, aus dem Kessel entfernt. Nach der Restung bekommt der Kesselwagen eine Lösemittelspülung beziehungsweise eine Grundreinigung, um den gewünschten Reinheitsgrad herzustellen oder den Kessel für die Kesselprüfung vorzubereiten.
Nach diesem Reinigungsprozess wird der Kessel zum Trocknen in die Trocknungshalle rangiert. Nach dem Trocknen wird der Kesselwagen dann seiner weiteren Bearbeitung zugeführt
Ein weiteres Reinigungsverfahren ist die Außenwäsche von Kalkwagen (Schüttgutwagen). Hierbei wird das Fahrzeug mit einer Salzsäurelösung eingesprüht: Diese Lösung zieht über einen gewissen Zeitraum ein. Danach wird der Wagen mit einem Hochdruckreiniger abgestrahlt. Das dabei entstandene Waschwasser wird in der eigenen Abwasseraufbereitungsanlage aufbereitet, bevor es nach einer externen Beprobung weiter in die öffentliche Kanalisation abgeleitet wird. Die Reinigung von Chemiekessel wagen oder auch Mineralölwagen findet in einer geschlossenen Halle statt. In dieser Halle sind entsprechende Abluft- und Reinigungsanlagen vorhanden. Die Abluftanlagen sorgen dafür, dass die Gase, die beim Öffnen und beim Reinigungsprozess entstehen, abgesaugt werden. Die kontaminierte Luft wird dann durch entsprechende Filter, wie zum Beispiel Aktivkohle, gereinigt.

Die Werkstatt der R.B.S. Kirchweyhe GmbH ist als „fachtechnisch begutacht ete Werkstätte“ für Reparatur und Revision von Kesselund Güterwagen aller Art durch VPI und DB Schenker Rail AG zertifiziert.


Je nach Produkt legt das Reinigungspersonal die Reinigungszeit, die Menge an Waschwasser und die Zugabe von Reinigungsmittel fest. Dann wird der Reinigungsprozess gestartet. Nach erfolgreicher Reinigung wird mit dem Kesselwagen so verfahren, wie oben zum Restungsprozess beschrieben.
Häufig kommt es vor, dass unsere Kunden einen hohen UIP-Reinheitsgrad wünschen (zum Beispiel den RHG 3.2.1.1). Gründe hierfür sind unter anderem die Rückgabe der Fahrzeuge aus der Miete oder ein Produktwechsel. Diese hohen Reinheitsgrade können zum großen Teil nicht mit einer einfachen Innenreinigung erzielt werden. Dann müssen weitere Reinigungsverfahren wie das Beizen oder das Innenstrahlen durchgeführt werden.
Beim Beizen wird der Kessel von innen mit einer sogenannten Sprühbeize eingesprüht. Diese Sprühbeize ist ein Gemisch aus mehreren Säuren und Chemikalien. Diese Beize muss dann über mehrere Stunden einziehen. Danach wird die Beize ausgespült. Die Beize löst beim Einwirken geringfügig Material vom Kessel. Durch das Ausspülen wird das gelöste Material und das daran an - haftende Produkt entfernt. Nach diesem Vorgang wird dann der Kessel passiviert und nochmals gespült. Danach erfolgen die Trocknung und die weitere Bearbeitung.
Auch beim Strahlprozess wird Material und dadurch auch das Restprodukt abgetragen. Beim Strahlen ist es wichtig, das Material des Kessels zu kennen, da dementsprechend das Strahlgut fest gelegt werden muss. Sollte falsches Strahlgut eingesetzt worden sein, kann es später zu Schädigungen (Korrosionen) des Kesselmaterials kommen. Bei Edelstahlkesseln werden Glasperlen als Strahlgut eingesetzt, damit der Edelstahl nicht verunreinigt wird. Bei Normalstahl kesseln kann zum Beispiel Kupferschlacke oder Sand als Strahlgut eingesetzt werden. Als weiteres Strahlgut können auch sogenannte Eispellets eingesetzt werden. Diese haben sich aber für die Innenreinigung von Kesselwagen nicht durchgesetzt, da dieses Verfahren sehr aufwendig und teuer ist.
Nach jeder Reinigung wird zum Abschluss das Reinigungszertifikat erstellt und dem Kunden übergeben.Erfahrung, Wissen, Vorsicht
Das Reinigungsunternehmen ist immer verpflichtet, sich im Vorfeld über den Zustand des Kessels und even tuelle Restmengen an Lade- und Gefahrgütern zu informieren. Selbst Wagen, die als gereinigt zugestellt werden, müssen vor Begehung stets denselben Sicherheitsvorkehrungen unterzogen werden wie Wagen, die als Gefahrgutwagen zugestellt werden. Auch bietet das Sicherheitsdatenblatt eine gewisse Grundlage, die jedoch letztendlich nicht allein für den Reiniger bindend ist, denn die alltägliche Erfahrung zeigt, dass der Kesselinhalt mit dem SDB nicht immer identisch sein muss.
Die Reinigung von Kesselwagen bedarf eines hohen Grades an Erfahrung, Wissen und Vorsicht. Dies ist nicht selbstverständlich. Nur der gewissenhafte Umgang mit den Gefahrstoffen ermöglicht einen ausreichend hohen Schutz der Gesundheit, Sicherheit am Arbeitsplatz sowie den Schutz der Umwelt.


FOTOS: RBS KIRCHWEYHE GMBH