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Re der vival Ri tuale


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Emotion Slow - epaper ⋅ Ausgabe 2/2021 vom 23.09.2021

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Bildquelle: Emotion Slow, Ausgabe 2/2021

Gerade in Krisenund Umbruchphasen können Rituale und Zeremonien stärken und stabilisieren

Jin den Funktionsmodus schalte –, schaffe ich mir den Raum, ich selbst zu sein und für mich da zu sein. Um darin zu wachsen, um mich darin zu spüren und um in mir Halt zu finden. Ich meditiere, schreibe dann intuitiv auf, was sich in mir regt, und ich bewege mich (Yogaübungen oder frei tanzen). Dabei bin ich bewusst und voll im Moment. Ohne mein selbst erschaffenes Morgenritual fehlt mir etwas, vor allem Energie und der Kontakt zu mir.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht bei dem Thema Rituale nicht um Routinen, die wir im Robotermodus erledigen und dabei das Gefühl bekommen: „Oje, täglich grüßt das Murmeltier, und ich bin im Hamsterrad gefangen.“ Im Gegenteil. Es geht darum, sich selbst einen bewussten Rahmen zu eder Tag startet für mich gleich: Ich habe ein Date mit mir selbst. Bevor ich mit jemand anderem und der Welt Kontakt aufnehme – und mich vielleicht darin verliere oder mal erschaffen, wo ...

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... wir im vollen Kontakt mit unserem Körper, Geist und unserer Energie das Unbekannte betreten und darin wachsen, auf neue Ideen kommen – alleine oder mit anderen (Rituale macht man eher für sich, Zeremonien in der Gruppe). Es geht darum, komplett authentisch und kreativ zu sein. Wertfrei zu fühlen. Neue Ideen zu entwickeln, abzuschließen und neu zu beginnen. Das ist ein Raum, der kostbar ist in unserer beschleunigten Welt und wichtiger denn je.

Moderne Rituale und Zeremonien haben sich aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, sich selbst (auch im Einklang mit der Natur) zu erforschen, das Leben magischer zu machen und mit Gleichgesinnten auf der Bewusstseinsebene zu wachsen. Es ist für viele zur Sehnsucht geworden, sich zu ent-täuben und ohne Medienkonsum oder sonstige Beschallungen in einem Raum zusammenzukommen, um sich jenseits von Smalltalk, Dresscodes und Selbstfindungsdruck zu zeigen und zu begegnen. So finden vielerorts (online oder live) Vollmondrituale, Women’s Circles, Kakaozeremonien statt, oder alte Bräuche wie die Raunächte erleben ein Revival. Viele nehmen die Tradition und entwickeln sie weiter, damit sie in das soziale Umfeld passt. Nur kommen wir heute vielleicht nicht mehr am Lagerfeuer oder in der Kirche zusammen, um zu singen und Geschichten zu erzählen – sondern wir treffen uns im Yogastudio oder in einem schönen Loft.

In einer Gesellschaft, wo die Weltreligionen vor allem im Westen zunehmend an Bedeutung verlieren und wir Entwurzelung durch verwässerte Familienkontexte, Isolation, Reizüberflutung und Stress erleben, ist es wichtig, eigene Wurzeln zu finden, unser Sein zu erforschen und eine Gruppe von Gleichgesinnten für den ehrlichen Austausch zu finden. Ankommen. Das Zuhause und Vertrauen in sich fühlen, um die innere Stimme überhaupt wieder hören zu können. Ein Ventil haben, um Gefühle wie Trauer zu spüren und rauszulassen.

Aber ein Ritual muss nicht immer opulent sein und stundenlang dauern. Ein Ritual kann auch sein, die Hände nach der Yogastunde ans Herz zu legen. Und natürlich kann man auch Pflichten oder tägliche Gewohnheiten zu einem Ritual machen: Wenn ich zum Beispiel nicht einfach nur dusche und dabei schon an die To-dos des Tages denke oder das Radio dudelt, sondern ganz bewusst meinen Körper spüre, präsent bin und mir vielleicht auch vorstelle, wie das Wasser mir hilft, mich von negativen Gedanken zu reinigen und mich für den Tag zu beleben, dann habe ich mir gleich ein kleines Detox-Ritual erschaffen.

All diese Rituale dienen dazu, erst einmal innezuhalten. Aber nicht nur das. Geht man durch so ein Ritual mit einer klaren Intention und Ausrichtung (etwa: „Ich entdecke eine neue Seite an mir“ oder „Ich öffne mich einem selbstbestimmten Leben“) und baut dann in der Gruppe (oder allein) eine positiv bestärkende Energie wie Liebe, Freude, Gelassenheit auf – dann kann das Neue auf dem Nährboden wachsen. Das Unsichtbare wird erfahrbar und das, wovon viele Weisheitslehrer und auch Wissenschaftler reden, erlebbar: Wir sind alle in einem Quantenfeld aus Energie verbunden, und der Raum der Möglichkeiten ist unendlich, wenn man sich selbst aus dem Weg tritt und es schafft, in das volle Sein einzutauchen. Rituale und Zeremonien können den Zugang dazu schaffen wie ein Passwort zum WLAN (auch eine unsichtbare Verbindung!).

Die Kraft liegt darin, dass die innere Ausrichtung im gegenwärtigen Moment das Potenzial hat, ein Leben zu verändern – weil ich mich in einem Ritual selbst dazu motiviere, alles dafür zu tun, um zu heilen und zu wachsen. Und weil ich Vertrauen fasse, dass dies möglich ist. Weil ich mich selbst stark mache und kraftvolle Energien aktiviere, die über mich und mein Ego hinausgehen. Das ist besonders in unsicheren Zeiten hilfreich, was auch die moderne Hirnforschung bestätigt:

Erschaffe dir dein eigenes Morgenritual

Die Elemente

Starte gleich morgen mit deinem persönlichen Ritual, das meditative und Bewegungselemente enthalten kann. Ein paar Ideen: Meditation (vielleicht auch mithilfe einer App oder geführter Anleitungen), Bewegung, Tagebuch schreiben, kalt duschen, bewusst ohne Ablenkung gesund essen und trinken. Du solltest danach voller Energie und Optimismus in den Tag starten können.

Kurzversion Falls du keine Zeit hast, schreib wenigstens drei positive Affirmationen auf, wie du dich heute fühlen willst.

Völlig frei

Falls du absolut kein Fan von Festgelegtem bist, dann nimm dir einfach eine Stunde Zeit und mache, was du willst: Trampolin springen, singen, tanzen, malen. Fernsehen und Social-Media-Konsum scheiden als Optionen aus. Schreibe auch lieber mit einem Stift auf Papier als auf dem Computer oder Handy.

Schaffe dir einen Rituale-Raum

Schau, was für dich machbar ist, und richte dir dauerhaft alles so ein, dass du gleich starten kannst: Schaffe Raum für einen Meditations- und/oder Yogaplatz in deiner Wohnung und zieh dir am besten gleich nach dem Aufstehen bequeme Kleidung an, in der du meditieren und Sport machen kannst.

Was ist anders?

Behalte dasselbe Ritual für zwei Wochen bei und schaue dann, was du eventuell ändern willst und wie sich das Ritual auf deinen Alltag auswirkt: Startest du mit mehr Energie und Gelassenheit in den Tag?

„Rituale sind eine Möglichkeit, das Ausmaß an Kohärenz, also jenen Modus im Gehirn, in dem alles einigermaßen gut zusammenpasst und möglichst wenig Energie verbraucht wird, zu verbessern. Das gilt vor allem in schwierigen Problemoder Umbruchphasen wie in der Pubertät oder in einer Trauerphase. Sie haben deshalb vor allem in Krisenzeiten eine stabilisierende Wirkung“, erklärt der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther.

Ich habe auf der ganzen Welt an Ritualen teilgenommen, für mich Rituale erschaffen und biete selbst Kakaorituale an – und habe dabei für mich Schätze wie tiefe Gefühle von Liebe und Glück gehoben, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren. Außerdem richte ich Rituale zu Geburtstagen, Firmengründungen und anderem aus. Die Menschen haben das Bedürfnis, wichtige Momente nicht in Alkohol zu ertränken, sondern in einer kleinen Zeremonie zu würdigen, die Raum für Emotionen, Dankbarkeit und das bewusste Erleben von Übergängen schafft.

Was ich an einem Ritual so liebe, ist, dass es mir eine Struktur bietet: Es gibt immer einen Rahmen mit einem Auftakt, bei dem ich mir eine Intention setze, dann entsteht der offene Raum des Erkundens, und dann folgt ein Abschluss (etwa in Form einer Danksagung) wie bei einem Zyklus. Jedes Mal verstehe ich mich besser, ich lasse los und erkenne, dass alles Energie ist und wir mit allem verbunden sind – auch wenn unsere Welt sich manchmal so getrennt zeigt. Ich merke an mir und an anderen, wie anstrengend es ist, auf nicht ausgelebten Gefühlen zu sitzen. Wie ermüdend es ist, eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen, und wie langweilig es ist, sich anzupassen. Die Freiheit, man selbst sein zu können – in der authentischen Verbindung zu sich selbst und anderen –, ist die Zukunft. Rituale unterstützen uns, den Weg dahin zu finden. Bis wir sie nicht mehr brauchen, weil unser Leben zu einem bewussten Ritual geworden ist.