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„Rechte und Linke wollen mit allen Mitteln die Union aus dem Kanzleramt fernhalten“


Bild am Sonntag Gesamtausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 37/2021 vom 12.09.2021

Seiner Heimat ist Armin Laschet (60, CDU) treu. Er wohnt in einem Reihenhaus in Aachen-Burtscheid, dem Stadtteil, in dem er auch geboren wurde. Wenn er die Türme des Doms sieht, fühlt er sich zu Hause. Es beeindruckt den Kanzlerkandidaten, dass die 1200 Jahre alte Kirche Kriege und Pest überstanden hat und noch immer steht. Der Wahlkampf muss Laschet bislang auch wie eine ziemlich üble Schlacht vorgekommen sein. Die Umfragen für die Union sind eine Katastrophe, seine persönlichen Werte im Keller. Er steht unter Druck, als wir ihn im Schatten des Doms zum Interview treffen.

BILD am SONNTAG: Herr Laschet, haben Sie schon mal was anderes als CDU gewählt?

ARMIN LASCHET: Ja, in jungen Jahren.

Welche Partei?

Wahlgeheimnis. (lacht)

Ein Kumpel aus dem Kirchenchor drängte Laschet, in die CDU einzutreten. Der Freund steckte so lange Mitgliedsformulare in den Briefkasten des Elternhauses, bis Laschet einen ausfüllte.

Wie weit leitet Sie Ihr Glaube im politischen Handeln?

Ich wache nicht täglich mit einem Bibelspruch auf. Mein Glaube ist privat. Das christliche Menschenbild sieht jeden Menschen als besonders und einzigartig mit einer unveräußerlichen Würde. Er ist zur Freiheit berufen. Aber das Gebot der Nächstenliebe ermutigt auch zum Engagement für andere. Diese Grundbotschaft überzeugt mich.

Wann haben Sie zuletzt gebeichtet?

Das ist schon eine Weile her.

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Heimatgefühle: CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60) auf der Rathaustreppe in Aachen. Hier begann mit 27 Jahren seine politische Karriere als Ratsherr
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Armin Laschet im Gespräch mit den BamS-Reportern Angelika Hellemann und Roman Eichinger

Sie haben in NRW dem Kindesmissbrauch den Kampf angesagt, sind aber sehr zurückhaltend, wenn es um den Missbrauchsskandal um Kardinal Woelki in Köln geht. Traut sich der Katholik Laschet nicht, sich mit der Kir-che anzulegen?

Ich habe schon als Journalist keinerlei Kritik gescheut. Jeder Missbrauchsfall muss aufgeklärt werden, jeder Täter gehört bestraft. Das ist doch völlig klar! Und auch der Mangel an Transparenz war inakzeptabel.

Aber es gibt kein kritisches Wort gegen den Kardinal.

Ich bin nicht mehr Journalist. Ich habe ein staatliches Amt inne, was aus guten Gründen Zurückhaltung erfordert. Innerkirchliche Vorgänge kommentiere ich deshalb nicht. Bei Missbrauchsfällen allerdings gilt Null-Toleranz gegenüber den Tätern.

Welches Vorurteil stimmt über Sie nicht?

Es gibt Vorurteile über mich? (lacht)

Sie gelten als chaotisch.

Unsinn. Das bevölkerungsreichste Bundesland, eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen in Europa und der Welt erfolgreich über viele Jahre zu regieren – das geht nur mit Konzept und klarem Kompass. Lassen Sie sich nicht täuschen, bloß, weil auf meinem Schreibtisch nicht alles wie mit dem Lineal gezogen liegt: Ich schätze nicht nur Recht, sondern auch Ordnung.

Sie gelten als ewig gut gelaunt. Waren Sie schon als Kind der Klassenclown?

Meine Klasse hat mir damals die Abiturrede anvertraut, so viel stimmt. Und ja, ich bin ein optimistischer Mensch.

Kostet Sie das Lachen in der Flut den Wahlsieg?

Ich glaube, die Menschen können unterscheiden. Es war ein Fehler, aber jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr mich das Leid der Menschen berührt. Ich war tagelang im Flutgebiet unterwegs, ich tue alles dafür, den Betroffenen zu helfen. Ich glaube, darauf kommt es an.

Welches Lied singen Sie im Auto lauthals mit?

Bei Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ oder Marianne Rosenberg „Er gehört zu mir“ bin ich jedenfalls recht textsicher.

Laschet hat sich früher über Bundespräsident Heinrich Lübke amüsiert, dem bei einer Rede nicht einfallen wollte, dass er gerade in Helmstedt ist. Nun, wo Laschet im Wahlkampf jeden Tag an einem anderen Ort auftritt, kann er das besser verstehen. Was ihm bei all dem Stress hilft: Er braucht nur fünf bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht. In Nicht-Wahlkampfzeiten guckt er auch schon mal nachts bis drei oder vier Uhr Fernsehserien.

Wohin soll Ihre erste Auslandsreise als Kanzler gehen?

Ich habe in dieser Woche in Paris Emmanuel Macron getroffen, zum neunten Mal in den letzten gut drei Jahren. Unsere persönlichen Bande sind eng und vertrauensvoll, wir beide wissen: Das deutsch-französische Verhältnis ist existenziell für Europa. Also: Paris.

Diese Festlegung ist neu. Beim TV- Triell zur Außenpolitik Ende Juli kündigte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz an, nach Paris zu fliegen. Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wollte nach Brüssel. Laschet ließ das Reiseziel offen.

Fühlen Sie sich unfair behandelt?

Nein. Diese negative Wucht kommt durch Gruppen, die sich online gezielt dazu verabreden. Rechte und Linke wollen mit allen Mitteln die Union aus dem Kanzleramt fernhalten. Stellen Sie sich nur einmal kurz vor, was los gewesen wäre, wenn nicht Olaf Scholz, sondern ich von Menschen als „Versuchskaninchen“ bei der Corona-Impfung gesprochen hätte …

Lesen Sie all die Häme über sich?

Nein, dazu fehlt schlicht die Zeit. Und: Twitter ist auch nicht Deutschland.

BITTE BLÄTTERN SIE UM

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