Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 12 Min.

RECHTS LINKS BLINKEN, ABBIEGEN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 10.09.2021

KONTERSTELLUNG UND -LEKTIONEN

Artikelbild für den Artikel "RECHTS LINKS BLINKEN, ABBIEGEN" aus der Ausgabe 100/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Innere und äußere Hilfen beziehen sich beim Reiten immer auf die Stellung und Biegung des Pferdes

Beim Reiten in der Konterstellung und den Konterlektionen ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Schnell kommt man vom Kurs ab, wenn das Pferd nicht in die Richtung gestellt oder gebogen ist, in die geritten wird. Wo ist in der Konterstellung innen, wo außen? Auf welchem Hufschlag soll eigentlich im Konterschulterherein die Hinterhand gehen? Und wie komme ich im Renvers bloß durch die Ecken? Da wäre ein Navi manchmal durchaus hilfreich – aber beginnen wir von vorn.

Orientierung im Viereck

Die Begriffe innen und außen beziehen sich beim Reiten immer auf die Stellung und Biegung des Pferdes, nicht auf die Orientierung im Raum. „Läuft ein Pferd zum Beispiel auf der linken Hand ganze Bahn in Außenstellung, ist es nach rechts gestellt. Deshalb ist dann der rechte Schenkel, der zwar räumlich außen ist, dennoch der innere, genauso wie der rechte Zügel nun ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Mein Pferd. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 100/2021 von KUSCHELZEIT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KUSCHELZEIT
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von Schwarze Perle trifft roten Mohn. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Schwarze Perle trifft roten Mohn
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von Martin Fuchs bangt um Clooney. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Martin Fuchs bangt um Clooney
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 100/2021 von … Hamilton, dem Star der Vielseitigkeit?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
… Hamilton, dem Star der Vielseitigkeit?
Vorheriger Artikel
STARKER RÜCKEN IN ZWEI STUFEN
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel FIT für den Ritt?
aus dieser Ausgabe

... räumlich außen ist, aber dennoch als innerer Zügel bezeichnet wird“, erklären die Ausbilderinnen Babette Teschen und Tania Konnerth anschaulich in ihrem Online-Reitkurs „Mit dem Herzen voran“.

Ist die Konterstellung für Pferd und Reiter neu, sollte sie in kleinen Schritten erarbeitet werden. Und so geht’s: Von der linken Hand kommend, können Sie beispielweise nach der Hufschlagfigur „Aus der Ecke kehrt“ die Stellung mit nach außen nehmen. „Dafür braucht es eine leichte Körperdrehung nach links. Der linke Schenkel (der jetzt der innere ist, obwohl er außen an der Bande ist) gibt leichte Impulse am Gurt und mit dem linken Zügel (ebenfalls jetzt der innere, obwohl er außen an der Bande ist) werden leicht stellende Aufwärtsimpulse gegeben, um eine kleine Bewegung im Genick auszulösen. Das Pferd ist dann korrekt gestellt, wenn der Reiter den Rand des Auges leicht schimmern sieht, erläutern die Expertinnen.

Das Gewicht wird etwas nach rechts verlagert. „Aber, Vorsicht: Diese Hilfe darf nicht zu stark gegeben werden, sonst könnte das Pferd versuchen, über die rechte Schulter zu driften“, warnen die zwei. Die Hinterbeine sollen aber weiterhin der Spur der Vorderbeine folgen.

UNSERE EXPERTINNEN

BABETTE TESCHEN (l.) und TANIA KONNERTH aus Niedersachsen betreiben gemeinsam den Online-Ratgeber „Wege zum Pferd“ und haben zahlreiche erfolgreiche Online-Kurse entwickelt (u. a.: Der Longenkurs, Sehen lernen). Neu ist der Reitkurs „Mit dem Herzen voran“. Ihr Wissen geben die Trainerinnen sowohl im Unterricht als auch in Theorievorträgen und Coachings weiter. www.babette-teschen.de www.tania-konnerth.de

UNSER EXPERTE

JOHANNES BECK-BROICH- SITTER ist Pferdewirtschaftsmeister und leitet mit seiner Frau Martina den Johannenhof in Schleswig-Holstein. Er bietet Trainerkurse an und baute über 20 Jahre Geländestrecken bis zur Qualifikation zum Bundeschampionat. Als Ausbilder hat er sich bundesweit sowie international einen Namen gemacht und profitierte vom Unterricht bei seinem Vater Helmut Beck-Broichsitter, bei Johann Riegler und Philippe Karl sowie vom Austausch mit Richard Hinrichs. www.johannenhof.de

„Der rechte Zügel (der äußere, obwohl er räumlich innen ist) bewacht zudem ein bisschen die äußere Schulter, damit das Pferd nicht zu sehr darauf lastet“, erklären sie weiter. Zu Beginn genügt ein Reiten in Außenstellung für wenige Schritte im Geradeaus, also ganze Bahn. „Ziel ist, dass das Pferd genauso weich und flüssig in Außenstellung laufen kann wie in Innenstellung“, so Babette Teschen und Tania Konnerth. Gelingt dies im Schritt, können Trab und Galopp in Konterstellung hinzugenommen werden sowie das Reiten durch Ecken und auf gebogenen Linien (u. a. Zirkel, S chlangenlinien).

Besser in Balance

„Viele Pferde sind im Genick fest und fallen automatisch auf ihre „Lieblingsschulter“, vor allem wenn die Lektionen etwas schwieriger werden. An diesen beiden Punkten können wir sehr gut arbeiten, indem wir sowohl in Innen- als auch in Außenstellung reiten und dem Pferd damit vermitteln, wie es sich durch kleine Gewichtsverlagerungen von einer Schulter zur anderen selbstständig ausbalancieren kann. Um in Außenstellung auf einer Kreislinie zu gehen, muss das Pferd Gewicht von der Schulter nehmen, die nach außen zeigt (korrekt bezeichnet ist das die innere Schulter, weil das Pferd nach außen gestellt ist), und das kann einen echten Aha-Effekt beim Pferd auslösen“, versichern die Expertinnen.

Das Reiten in Konterstellung eignet sich daher besonders gut für Vierbeiner, die Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht haben. Es schult das Körpergefühl, fördert die Beweglichkeit der Vorhand und verbessert die Geraderichtung und Durchlässigkeit. Das Pferd wird aufmerksamer auf die reiterlichen Hilfen.

Auch junge Vierbeiner profitieren davon. Diese lässt Pferdewirtschaftsmeister Johannes Beck-Broichsitter zu Beginn der geraderichtenden Arbeit absichtlich in Außenstellung gehen – eine Position, die die Tiere auch beim Freilaufenlassen wählen würden, um sich auszubalancieren. „Das bedeutet, ich werde auf der rechten Hand meinem jungen Pferd die Möglichkeit geben, in Linksstellung und -biegung durch die Wendungen zu gehen. Ist das Pferd ausbalancierter, werde ich nach mehr und mehr Innenstellung und -biegung fragen“, erklärt er in seinem Werk „Seitwärts unterwegs“ (Kosmos Verlag).

Ebenso können Anlehnungsschwierigkeiten mit der Konterstellung gelöst werden. Danach ziehen die meisten Pferde deutlich besser an die Hand heran und dehnen sich gerne in die Tiefe.

Lerneffekt für den Reiter

Die Konterstellung schult aber nicht nur das Pferd, sondern auch den Reiter. Das Ziehen am inneren Zügel wird unterbunden, da der Fokus klar auf dem äußeren Zügel liegt. Er lernt darüber hinaus, mehr aus dem Sitz zu wenden, seine diagonale Hilfengebung zu verbessern, und lernt die Trennung von Bewegungsrichtung und Stellung (in den Konterlektionen auch Biegung) kennen, die für die Entwicklung der späteren Seitengänge wichtig ist.

Aller Anfang ist jedoch schwer. „Oft stocken Pferde in ihrer Bewegung, wenn sie nach außen gestellt werden, und machen sich im Hals fest. Das hat ganz häufig etwas damit zu tun, dass wir als Reiterin oder Reiter verkrampfen“, so Babette Teschen und Tania Konnerth. Bleiben Sie entspannt und lassen Sie es langsam angehen. „Oft erwarten wir zu viel Vorwärts, wenn das Pferd eigentlich noch beim Sortieren ist“, so die beiden. Auch ein zu langes Verweilen in der Außenstellung kann zu einer Überforderung führen.

Driftet das Pferd in die Bahnmitte, hilft ein sanftes Antippen mit der Gerte an der äußeren Schulter, empfehlen die zwei. Bei diesem Problem sollte auch die Gewichtshilfe überprüft werden. Sind Sie eventuell in der Hüfte eingeknickt und haben Ihrem Pferd damit eine falsche Gewichtshilfe gegeben? Achten Sie zudem darauf, dass der Vierbeiner nicht in die Wendungen hineinkippt und schief wird, sondern weiterhin in Balance bleibt.

Gelingt das Reiten in Außenstellung, folgt das Konterschulterherein – die Konterlektion zum „echten“ Schulterherein. Es wird auch das Schulterherein des jungen Pferdes genannt, da es für die meisten Vierbeiner aufgrund der begrenzenden Bande einfacher auszuführen ist. Dasselbe gilt übrigens auch für viele Reiter.

Im Konterschulterherein

„Hierbei wird die Vorhand bei Stellung und Biegung in Richtung Bahnäußeres geführt. Es bleibt, genau wie im Schulterherein, die Hinterhand auf ihrem Hufschlag. Somit ist das Pferd nicht zur Bahnmitte hin, sondern nach außen (zur Bande hin) gebogen“, erläutert Johannes Beck-Broichsitter.

Zur Einleitung können Sie das Pferd auf dem dritten Hufschlag in Richtung Bande nach außen stellen und biegen, so als wollten Sie auf eine Volte in diese Richtung abwenden, aber doch geradeaus weiterreiten. Die Übung lässt sich außerdem gut entwickeln, wenn Sie durch die halbe Bahn oder aus dem Zirkel wechseln, ohne die Stellung und Biegung zu verändern. „Sie können Konterschulterherein auch nach der Hufschlagfigur ‚Aus der Ecke kehrt‘ beginnen und auf dem dritten Hufschlag parallel zur Bande weiterreiten“, empfiehlt der Experte.

Die Hilfengebung ist dieselbe wie für das Schulterherein: „Nachdem Reiter und Pferd sich mittels halber Paraden auf die Übung eingestellt haben, wird das Pferd an beiden Zügeln, vorwiegend am äußeren Zügel, geführt. Dieser gibt aber so viel nach, wie es notwendig ist, um dem Pferd die Biegung nach innen zu ermöglichen und der äußeren Schulter Platz zum Vorgreifen zu geben. Darüber hinaus sorgt er zusammen mit dem eine Handbreit hinter dem Gurt liegenden Schenkel für die Bewachung der Biegung. Der innere Zügel erhält die Nachgiebigkeit und sorgt zusammen mit dem am Gurt liegenden inneren Schenkel für das seitliche Geschmeidighalten und die Beweglichkeit des Pferdes. Gleichzeitig hat er die Aufgabe, das Vorwärts zu erhalten sowie das innere Hinterbein zur Lastaufnahme anzuregen“, erklärt der Ausbilder. Die Schultern bleiben parallel zu denen des Pferdes.

Ob Sie mehr innen, außen oder mittig sitzen sollten – darüber sind verschiedenste Ausbilder bis heute uneinig. Probieren Sie einfach aus, wie die Lektion am besten bei Ihnen und Ihrem Pferd gelingt. „In Wendungen kann es notwendig sein, die Gewichtsverlagerung in die Bewegungsrichtung zu verdeutlichen, also nach außen – entgegen der Biegungsrichtung –, um einem Zurückdrängen zur Wand vorzubeugen“, gibt der Pferdewirtschaftsmeister zu bedenken.

Mehr Versammlung

Das Konterschulterherein stellt eine höhere Anforderung an das Gleichgewicht des Pferdes als die Konterstellung, denn hier kreuzen nun die Vorderbeine. Es schult dieses daher noch stärker. Gleichzeitig ermöglicht es, die Beanspruchung der Muskulatur der inneren und äußeren Seite zu vertauschen. „Das kann bei Schwierigkeiten auf gebogenen Linien, im Schultervor oder Schulterherein sehr helfen. Eine verspannte oder angestrengte, der Bahnmitte zugewandte innere Seite wird auf diese Weise gedehnt und von der eigentlichen Anstrengung der Muskelanspannung kurz befreit“, so Johannes Beck-Broichsitter.

Im weiteren Verlauf ist diese Lektion auch auf gebogenen Linien sinnvoll und fördert die Versammlung, da die Hinterbeine unterschiedlich lange Wege zu bewältigen haben. „Das der Bande zugewandte Hinterbein ist jetzt zwar das innere, hat jedoch den ‚weiteren‘ Weg. Das heißt, es muss sich nicht nur beugen, sondern muss auch vorgreifen, um im Takt zu bleiben. Für das dem Bahninneren zugewandte, (neue) äußere Hinterbein bedeutet dies aufgrund des ‚kürzeren‘ Weges mehr Beugung“, sagt er.

Darüber hinaus lässt sich die Lektion vom Reiter gezielt nutzen, um ein aufgeregtes oder unaufmerksames Pferd durch die Veränderung von Gleichgewicht und Blickrichtung sowie ein vermehrtes Einrahmen in die diagonalen Hilfen wieder auf den Menschen zu konzentrieren.

Konterschulterherein ist laut dem Experten dann richtig, wenn das Pferd sich danach aktiver und selbsttätiger anfühlt, es sich wie auf Schienen – auch durch Wendungen – sicher leiten lässt, sich die Aufmerksamkeit auf die inneren und äußeren Hilfen verbessert, der Gang ausdrucksvoller und schwingend wird, und es im Geradeaus deutlicher die Hand sucht bzw. an sie herantritt.

PRAKTISCHE ÜBUNGEN

Übung 1: Wechselspiele

Diese Übung von Babette Teschen und Tania Konnerth ist ideal für die Aufwärmphase: Reiten Sie zu Beginn der langen Seite in Außenstellung und entlassen Sie Ihr Pferd nach ein paar Schritten wieder ins Geradeaus. Kurz vor der nächsten Ecke bitten Sie es, in Innenstellung zu gehen. Nach der Ecke lassen Sie es sich dehnen. Vor der nächsten Ecke nehmen Sie die Zügel wieder auf und bitten erneut um eine Innenstellung. Nach der Ecke geht es bis zum Ende der langen Seite noch einmal in die Außenstellung.

Übung 2: Ohne Umstellen

Eine wirksame Übung, die Johannes Beck-Broichsitter gerne bei jungen und unausbalancierten Pferden einsetzt, lautet wie folgt: „Reiten Sie in Linksstellung und -biegung auf der rechten Hand und wechseln Sie dann auf die linke Hand, ohne die Biegung zu verändern. Hier haben Sie jetzt für kurze Zeit weniger Schulterlastigkeit innen, die Sie nun auf einer großen gebogenen Linie zu erhalten versuchen können.“ Diese Übung können Sie natürlich auch auf der anderen Hand absolvieren. Fortgeschrittene reiten sie im Trab und Außengalopp.

Übung 3: Zirkeltraining

Verkleinern Sie den Zirkel in Außenstellung und vergrößern Sie ihn in Innenstellung. Fällt das Pferd beispielsweise in der Rechtsbiegung stark auf die innere Schulter, hilft ihm diese Übung, das Gewicht davon zu nehmen.

Übung 4: Dreitakt in Konterstellung

Gehen Sie in den Handgalopp und stellen Sie Ihr Pferd für wenige Sprünge nach außen. Wichtig: Die Schenkel müssen bleiben, wo sie sind, damit das Pferd im Handgalopp bleibt. Stellen Sie Ihr Pferd daher nur mit den Zügeln um.

Übung 5: Kraftvoll in den Galopp

Konterschulterherein, kurz geraderichten und dann angaloppieren im Handgalopp. Diese Übungsabfolge von Johannes Beck-Broichsitter ist zur Vorbereitung für den Galopp hilfreich, weil sich im Konterschulterherein das innere (der Bande zugewandte) Hinterbein beugt, das als neues äußeres kraftvoll den Handgalopp beginnen soll. „Zudem ist im Konterschulterherein die äußere Schulter frei und kann als neue innere Schulter im Galopp lockerer vorgreifen. Für das rechts hohle Pferd ist diese Übung beispielsweise auf der linken Hand sinnvoll, um den häufig schwierigeren Linksgalopp effektiv vorzubereiten“, erläutert er.

Übung 6: In Kombination

„Einen besonderen gymnastischen Effekt für das (alte und neue!) innere Hinterbein hat die Kombination Travers – Renvers auf gebogenen Linien“, so der Ausbilder.

Wechseln Sie dazu im Travers aus dem Zirkel ohne Veränderung von Stellung und Biegung und schwenken Sie in das Renvers auf dem anderen Zirkel um.

Danach kommen Sie durch erneutes Wechseln aus dem Zirkel wieder ins Travers.

Umgekehrtes Travers

Als weitere Konterlektion gilt das Renvers, wobei es sich hierbei um keine „echte“ Konterlektion handelt. „Renvers ist an das französische Verb „renverser“ (umkehren) angelehnt. In seiner Bedeutung bezieht es sich damit indirekt auf die Lektion Travers, das als Renvers einfach nur umgekehrt geritten wird, das heißt statt mit der Hinterhand ins Bahninnere mit der Hinterhand zur Wand“, so der Ausbilder.

Das Pferd ist – wie im Travers – in Bewegungsrichtung gestellt und gebogen, jedoch wird beim Renvers die Vorhand hereingebracht. Bei einem Abstellungswinkel von circa 30 Grad geht das Pferd auf vier Hufschlaglinien. Die Vorder- und Hinterbeine kreuzen, womit sich der Schwierigkeitsgrad erhöht. „Im Renvers wird der Vierbeiner noch stärker im Gleichgewicht geschult, weil er sich nicht – wie im Konterschulterherein oder Travers – mit Kopf, Hals und Schulter an der Bande ‚anlehnen‘ kann, sondern sich auf einer freien Linie bewegt“, erklärt Johannes Beck- Broichsitter. In der Lernphase empfiehlt es sich daher, mit weniger Abstellung zufrieden zu sein und die Lektion zunächst im Schritt und erst später im versammelnden Trab zu reiten.

Eingeleitet werden kann die Lektion aus dem Schulterherein. Hier wird das Pferd, das sich ja schon mit der Vorhand im Bahninneren und mit der Hinterhand auf dem Hufschlag befindet, einfach in die Bewegungsrichtung umgestellt und -gebogen. Oder reiten Sie im Travers Aus-dem-Zirkelwechseln ohne Stellung und Biegung zu verändern. Auch aus der Kurzkehrtwendung lässt sich Renvers entwickeln.

Ohne Hilfslinie

Die Hilfengebung wird entsprechend dem Travers gestaltet, nur dass der Reiter sich an einer gedachten Linie orientiert und sich bewusst ist, dass sich jetzt zur äußeren Wand die innere Seite des Pferdes befindet. Der äußere (in die Bahnmitte zeigende) Zügel bringt zusammen mit dem inneren (zur Bande zeigenden) Schenkel die Vorhand so weit herein, dass ein Betrachter von vorn vier Beine auf vier Hufschlaglinien sieht. „Da die Bande als optische Hilfslinie entfällt, haben die äußeren Hilfen eine noch größere Bedeutung“, sagt der Ausbilder und ergänzt: „Der äußere Zügel muss in Abstimmung mit dem inneren genügend nachgeben, um dem Pferd eine Biegung zu ermöglichen, aber noch so viel Kontakt erhalten, dass er als führender Zügel das Pferd auf der gedachten Linie sicher leiten kann. Unterstützt wird er dabei durch den leicht hinter dem Gurt liegenden äußeren Schenkel.

Der innere Schenkel liegt am Gurt und ist zuständig für Biegung und Erhalt des Vorwärts. Dem Gewicht fällt die Aufgabe zu, nach innen vorn die Bewegung des Pferdes unter das Reitergewicht zu unterstützen“, erklärt der Pferdewirtschaftsmeister. Für die Ausbildung des Reiters sei das Renvers schon eine anspruchsvolle, aber auch nützliche Übung. Es mache ihn geschickter in Führung und Einwirkung, fügt er hinzu.

Wenn die Anlehnung danach leichter wird, sich die äußere Schulter frei von der Bande bewegt, sich das Pferd in Wendungen besser ausbalanciert und die Grundgangarten ausdrucksstärker, ausbalancierter und schwingender geworden sind, hat der Reiter alles richtig gemacht.

In der Auflistung der Konterlektionen darf der Außengalopp nicht fehlen. Dabei wird auf der rechten Hand bewusst im Linksgalopp, auf der linken Hand im Rechtsgalopp geritten, wobei das Pferd entgegen seiner Bewegungsrichtung gestellt ist. Dabei können die Ecken geringfügig abgerundet werden, wobei das Pferd aber mit der Vorund Hinterhand auf einer Hufschlaglinie bleibt.

Kann Ihr Vierbeiner auf leichte Hilfen aus dem Trab und Schritt angaloppieren, lässt er Übergänge innerhalb der Gangarten, also Zulegen und Einfangen zu, so besitzt er bereits ein gewisses Maß an Versammlung – die Grundvoraussetzung für die Lektion. Diese Versammlungsbereitschaft kann der Kontergalopp bei richtiger Ausführung noch erhöhen. Er verbessert zudem die Fähigkeit des Pferdes, sich auszubalancieren und mit der Hinterhand Last aufzunehmen. Der Wechsel zwischen Hand- und Außengalopp fördert wiederum das geradegerichtete Galoppieren.

Kontergalopp einleiten

Einen ersten Versuch können Sie nach der Hufschlagfigur „Aus der Ecke kehrt“, „Durch die halbe Bahn wechseln“ oder nach einer groß angelegten Kehrtvolte starten. Bereiten Sie Ihr Pferd durch halbe Paraden vor und nutzen Sie die gleiche Hilfengebung wie für den Handgalopp. Reiten Sie danach einfach weiter, sind Sie schon mittendrin im Außengalopp. Vor der nächsten Ecke sollten Sie jedoch erst einmal wieder in den Trab parieren, da sich der Außengalopp auf einer gebogenen Linie für Pferd und Reiter schwieriger gestaltet als im Geradeaus. Auch aus dem Schritt oder Trab heraus – in Konterstellung geritten – können Sie den Außengalopp an der langen Seite einleiten.

Für das Üben von Wendungen, legen Sie zunächst eine flache, einfache Schlangenlinie im Galopp an. Wenn Sie diese nach und nach steiler ausreiten, gewöhnt sich das Pferd langsam an die ungewohnte Bewegung. Danach können Ecken, in abgerundeter Form, durchritten werden.

Fazit: Gelingen die Konterstellung und die Konterlektionen, erhält die Navigation durch das Dressurviereck eine ganz neue Dimension. „Je besser ich die Beweglichkeit des Pferdes allein durch eine Veränderung der Wege beeinflussen kann, desto eher kann ich auch anfangen, die Vorhand durch die Zügelhände und die Hinterhand durch die Schenkel – unterstützt vom Gewicht – zu bewegen. Somit ist die Grundlage für ein systematisches Ausbilden im Sinne der Ausbildungsskala gelegt“, resümiert Johannes Beck-Broichsitter.