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RECORDING PERFEKTE TASTEN-SOUNDS FÜR STUDIO UND BÜHNE


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Keys - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.11.2022

PERFEKTE TASTENSOUNDS FÜR STUDIO UND BÜHNE

Fotos: Shutterstock, Hersteller & Mark Schwarzmayr VonPiano bis forte, von perlenden Läufen und lyrischen Melodien, von zarten Akkorden eines Erik Satie bis zum Blues-geschwängerten Groove eines Professor Longhair reicht das Klangspektrum. Es ist wahrlich nicht leicht für uns Musiker und Tontechniker, dieses große Spektrum an die Ohren unserer Zuhörer zu transportieren. Wir schauen uns hier vor allem die Originale – Klaviere und Flügel – an und betrachten die Möglichkeit der Plug-ins und Digitalpianos fast gar nicht. Wo liegen Stärken und Schwächen? Was gilt es bei der Aufnahme und auf der Bühne zu beachten? Was macht den Sound aus? Extreme Dynamik, weiter Frequenzbereich, kraftvolle Grundschwingungen und filigrane Obertöne. Viele Parameter beeinflussen den Sound. Die Saiten, die Hämmer, der Body, die Resonanzen des Holzgehäuses, der Deckel, der Raumsound ...

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... In der Mechanik liegen weitere Unterschiede: Bei der aufrechten Saitenlage eines Klavieres schlägt der Hammer die Saite von vorne an, während bei einem Flügel der Hammer die Saite von unten trifft. Wie äußert sich das im Spielgefühl? Eine gute Flügelmechanik erlaubt eine schnellere Repetition. Dabei sind der Auslösepunkt und der Tastenweg unterschiedlich. Ebenso ist es für den Klavierbauer leichter, bei einem Flügel eine präzise Justage der Dämpfer zu erreichen. Hier ist die Schwerkraft behilflich. Das linke Pedal, welches für einen soften Klang verwendet wird, funktioniert unterschiedlich. Beim Klavier verkürzt es den Abstand vom Hammer zur Saite. Der Weg, den der Hammer zurücklegt, wird reduziert. Er beschleunigt nicht so lange und trifft mit weniger Schwung auf die Saite. Beim Flügel verschiebt das linke Pedal Tastatur und Mechanik, sodass der Hammer nicht mehr wie sonst drei Saiten trifft, sondern nur zwei. Der Klang wird leiser und schlanker. Ein Klavierbauer kann die Mechanik fein einstellen und den Klang differenziert formen. Das Abstrahlverhalten ist andersartig. Ein Klavier hat den Resonanzboden auf der Rückseite, strahlt also vom Spieler weg und nutzt meist die Reflexion einer Wand, während ein Flügel nach oben und unten wegstrahlt. Durch Öffnen oder Schließen des Deckels sind unterschiedliche Grundlautstärken und Sounds möglich. Der Flügel sollte mit etwas Abstand zu Wänden und Raumecken platziert werden.Doch wie nimmt man solche Schätzchen richtig auf? Es gibt nicht „die“ eine richtige Art, ein Klavier zu mikrofonieren. Jeder Produzent hat seine persönlichen Präferenzen. Die folgende Vorschläge sollen euch zu eigenen Experimenten motivieren.Ein Mikrofonpaar in leichter AB-Stellung über den Saiten positioniert liefert gute Klangergebnisse. Hier verwende ich gerne zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofone (etwa Neumann KM184, Rode NT5). Die kompakten Mikrofone positioniere ich über den Saiten. Je näher man an die Saiten und Hämmer herangeht, desto knalliger wird der Sound. Es hängt also davon ab, was ich erreichen möchte: eher ein rockiges Blues-Piano oder lieber einen drahtigen Dance-Sound im Gegensatz zu einem warmen Klassik/Jazz-Sound. Spezielle Mikrofonclips erleichtern die Platzierung im Instrument. Beim Klavier kann man entweder oben den Deckel öffnen oder aber die Vorderseite einfach wegnehmen. Das macht die Platzierung von Mikrofonen einfacher. Der Musiker verliert dann allerdings seinen Notenständer. Interessant kann eine Mikrofonierung mit einem Grenzflächen-Mikrofon sein. Unter dem Deckel platziert, kann man eine reizvolle Monospur erhalten. Grenzflächen-Aufnahmen klingen sehr speziell, weshalb ich sie nie alleine einsetze. Sicherheitshalber lasse ich immer noch ein Stereopaar Kondensatormikrofone mitlaufen. So behalte ich die Flexibilität im Mixdown. Öffnet man den Flügeldeckel ganz, ist eine Mikrofonierung mit Großmembranern ebenfalls leicht möglich. Hat man im Studio oder auf der Bühne wirklich nur Klavier, hat man bei der Richtcharakteristik freie Wahl (Kugel, Acht, MS, Niere). Sobald aber Gesang oder andere Instrumente am Start sind, solltet ihr das Übersprechen berücksichtigen. Nieren schirmen Schall besser ab. Das macht den Mix nachher leichter. Beim Flügel lassen sich im Bogen zwei Mikrofone in leichtem AB oder XY platzieren. Der Klang wird weicher und ausgewogener. Neben Kleinmembranmodellen verwende ich gerne ein Stereopaar Großmembran-Mics. Wenn der Raum gut klingt, probiert neben Nierencharakeristik auch ruhig mal eine Kugelcharakeristik aus. Live kann die Mikrofonierung am Instrument für die Aufzeichnung verwendet werden, wenn die Bühnenlautstärke moderat ist, wie zum Beispiel oft bei Jazz, Klassik oder Chanson. Sobald nennenswertes Monitoring im Spiel ist, wird man schnell Feedbacks und Übersprechen bekommen.Das für Klavieraufnahmen optimierte Paar Audix SCX25A-PS im Einsatz. Für Studioaufnahmen sehr reizvoll ist eine weite Mikrofonierung (zwischen ein bis drei Metern Distanz). Bei einer guten Raumakustik und einem gut eingestelltem Flügel (Stimmung, Intonation), muss man im Mixdown oft nur die Fader hochziehen und hat schon einen passenden Klaviersound. Kondensator- oder Bändchenmikrofone eignen sich bestens für diese Aufgabe. Auch hochwertige Pre-Amps sind eine Erleichterung, da eventuell einiges an Pegel aufgeholt werden muss. Macht euch aber bewusst, dass ihr auch hier reichlich Übersprechen erhalten werdet, sollten sich noch andere Schallquellen im Aufnahmeraum befinden. Bei Klavier- und Flügelaufnahmen sind Großmembran-Kondensatormikrofone zu empfehlen. Eine Mikrofonierungs-Strategie, die ich gerne einsetze: Sie bringt gerade dem Musiker ein gewohntes Klangbild. Ich platziere ungefähr einen Meter von der Tastatur entfernt auf Ohrhöhe zwei Mikrofone, die Richtung Instrument zeigen. Typischerweise erhalte ich so eine AB-Mikrofonierung, welche nicht nur Lautstärkeunterschiede, sondern auch Laufzeitdifferenzen zur Stereowirkung nutzt. Achtet darauf, dass keine Nebengeräusche eure Aufnahme ruinieren. Diese können durch Atmen oder Schnaufen des Musiker entstehen oder in einem Übersprechen des Kopfhörers, falls dieser für Monitoring verwendet wird, begründet sein. Wenn ihr mehrere Mikrofonierungs-Konzepte miteinander verbindet, berücksichtigt mögliche Phasenprobleme. Die Ursache sind Laufzeitunterschiede von der Schallquelle zu den einzelnen Mikrofonen. Hierbei werden bestimmte Frequenzbereiche abgeschwächt, andere hingegen verstärkt. Ein unausgewogener, manchmal hohler nasaler Klang kann die Folge sein. Gerade die Bass-Sounds der linken Hand sind anfällig. Der Polaritätsumkehrschalter in der DAW ist eine erste Hilfe, ersetzt aber nicht die sorgfältige Platzierung aller Mikros. All diese Probleme kann man umgehen, wenn man auf elektronische Lösungen setzt. Digitalpianos findet man üblicherweise im häuslichen Umfeld. Neben einem guten Klang legen die Hersteller Wert auf eine ansprechende Optik und verbauen (je nach Preisklasse) hochwertige Lautsprechersysteme mit in die Instrumente. Manche sehen einem akustischem Klavier zum Verwechseln ähnlich, bieten aber zusätzlich lautloses Üben (Kopfhörerausgang), unterschiedliche Sounds und historische Stimmungen auf Knopfdruck. Stage-Pianos fühlen sich auf der Bühne richtig wohl. Hochwertiger und live-tauglicher Sound, geringes Gewicht, Controller für ein ausdrucksstarkes Spiel, MIDI-, Split- und Transpose-Funktionen, XLR-Outputs sind Pluspunkte. Sample-Librarys und Plug-ins waren einst für den Studioeinsatz gemacht. Dank leistungsstärkerer Laptops und passender Host-Software (Mainstage, Brainspawn Forte) geht es mittlerweile aber auch on stage. RAM und Rechenpower stehen meist genügend zur Verfügung und so klingen die Pianos aus Bits und Bytes extrem realistisch. Sample-Loops, begrenzte Polyfonie, fehlende Saitenresonanzen … all diese begrenzenden Faktoren sind nahezu Vergangenheit. Nadelöhr zum Pianohimmel ist hier meist die Tastatur und das Wiedergabesystem. Manchmal schadet allerdings zu viel Realismus. Die Hochglanzsounds kommen eventuell druck- und konturlos aus der PA. Hier muss der Keyboarder nacheditieren.Das Earthworks-PM40-Set ist eher im hochpreisigen Niveau angesiedelt. Den vielseitigen Sound eines Klaviers oder Flügels richtig zur Geltung zu bringen, ist nicht einfach. Die Schwierigkeiten sind sehr unterschiedlich. Die Studioaufnahme von Flügel und Klavier bringt ganz andere Gegebenheiten und Probleme mit sich als die eines Digitalpianos auf der Live-Bühne. Macht euchklar,wasihrmitderPianospur erreichen wollt. Spielt dasKlaviereinetragendeRolle oder ist es eher hinten imArrangement?Wie viel Zeit steht euch zur Verfügung? Selbst wenn ein Flügel vor Ort (Studio oder Konzertbühne) ist, kann es sinnvoll sein, auf elektronisch erzeugte Klänge zurückzugreifen. Die Mikrofonierung eines akustischen Instrumentes erfordert Erfahrung und Zeit. Wenn ihr ein Setup für die Bühne kauft, macht eine Checkliste: Was sind eure Bedürfnisse? Eine Workstation oder ein Stage-Piano? Manche Pianisten brauchen unbedingt 88 Tasten, also den vollen Tonumfang, während andere mit 76 Tasten auskommen und Platz und Gewicht sparen. Brauchtihr Streichersounds, Pads, eineumfangreiche Steuerzentrale für ein Laptop-System(Regler, Trigger-Pads), oderspieltihr sowieso nur Akustikpiano? Aufpassen! Nicht alle Stage-Pianos verfügen über ein Pitchbend- und Modulation-Wheel.Mit ein paar Handgriffen am Equalizer könnt ihr euren Pianosound aufpeppen. >> Ihr müsst eure Klaviersounds in einen Raum einbetten, egal ob ihr sie mit Mikrofonen aufgenommen oder elektronisch erzeugt habt. << Ihr müsst eure Klaviersounds in einen Raum einbetten, egal ob ihr sie mit Mikrofonen aufgenommen oder elektronisch erzeugt habt. Das heißt natürlich nicht, dass alles in Hallsuppe ertrinken muss, aber ein Musikhörer hat seinen Kopf nicht im Inneren des Flügels. Der Klang entfaltet sich über mehrere Meter, bis er die Ohren erreicht hat. Logisch, dass die Räumlichkeit einen nicht geringen, sondern sehr entscheidenden Einfluss auf euren Sound hat. Wenn ihr mit Mikrofonen aufnehmt, experimentiert mit unterschiedlichen Positionen und Mikrotypen. Mikrofonpositionen kann man im Instrument oder auf dem Boden (entfernbar) markieren. Verschiebt, wenn möglich, auch mal das Instrument. Wo im Raum klingt es am besten? Auf den ersten Blick klingt diese Frage blödsinnig: Selbstverständlich klingt ein Flügel in Stereo mikrofoniert fantastisch. Allerdings sind viele legendäre Aufnahmen zum Beispiel im Jazz oder der Beatles in Mono erfolgt. Man hatte damals nicht viele Kanäle und begnügte sich mit einem Mikrofon. Ein gutes Instrument in einem guten Raum – fertig! Hinzu kommt, dass es gerade live unheimlich schwierig ist, für alle Zuhörer einen sinnvollen Stereomix unabhängig vom Sitzplatz zu mischen. Besonders in Digitalpianos wird die Stereobreite manchmal arg übertrieben. Alle tiefen Töne kommen von links und alle hohen Töne von rechts. Aus der Position des Spielers mag dies durchaus sinnvoll sein, aber euer Publikum will ja auf jeder Bühnenseite alle Töne hören. Aus diesem Grund schränken Tontechniker die Stereobreite von Pianosounds bewusst ein. Hartes Panning (Left/Right) ist selten eine gute Idee. Das gilt auch fürs Mixing. Was über die Studiolautsprecher noch okay klingt, entfaltet über Kopfhörer eine seltsame Wirkung. Konsequent mono unterwegs bin ich aber nicht. Ein Monoklavier klingt für mich flach und eindimensional – besonders, wenn ich live nur einen Monitorlautsprecher zu meinen Füßen liegen habe. Eigentlich ist es auch logisch. Ein akustisches Klavier strahlt in echt nicht nur aus einem Speaker in Höhe meiner Knie, sondern stellt eine große Schallquelle da. In-Ear-User sind da im Vorteil: Hörer ins Ohr und los. Arbeitet man lieber mit konventionellen Monitorboxen, besteht die Möglichkeit, anstatt einer großen leistungsstarken Monitorbox zwei kleinere Modelle links und rechts neben sich zu platzieren und so ein Stereo-Setup zu erhalten. Ideal für solche Zwecke sind leichte aktive Monitore oder Kompakt-PAs. Singt man als Pianist zusätzlich, muss man sich mit dem Techniker absprechen, wie der Monitorsound sein soll. Gesangsmonitore werden häufig entzerrt, um Verständlichkeit und Druck zu erhöhen. Ein Piano über den verdrehten Sound eines Gesangsmonitors ist leider problematisch. Sucht den Kompromiss.Überhaupt fällt es schwer, den Klang von Digitalpianos oder Sample-Librarys einzuschätzen. Üblicherweise hat man im Laden für die Test-Session einen Kopfhörer in die Hand bekommen. Sounds verhalten sich im Mix oder auf einer Bühne aber völlig anders. Was im Kopfhörer fantastisch klingt, kann live zusammenfallen, während das, was auf den ersten Eindruck unscheinbar wirkt, perfekt passt. Glücklich, wer Boxen antesten oder gar einen Probe-Gig bestreiten darf.Hat man bei der Aufnahme oder Soundprogrammierung seine Arbeit gut gemacht, braucht ein Klavier nur wenig EQ-ing. Aufmerksamkeit erfordern die unteren Mitten. Hier entsteht schnell ein unangenehmes Dröhnen (Resonanzen), welches man durch Absenken von Problemfrequenzen in den Griff bekommen muss. Gerade wenn man selbst aufnimmt, ist hier wahrscheinlich Fein-Tuning nötig. Bei Sample-Librarys oder Bühneninstrumenten sollten diese Sachen in der Regel behoben sein. Ansonsten sollte der Bassbereich stramm, die Höhen und Obertöne klar wiedergegeben werden. Eure Abhöre muss das abbilden können. Das ist für mich als Spieler die Maßgabe. Als Mischer / Produzent sind noch andere Faktoren wichtig. Betrachtet das Klavier nicht für sich allein, sondern eingebettet in die Komposition. Eine leichte Höhenabsenkung bei 17 kHz bis 20 kHz macht euer Klavier klanglich dunkler. Nehmt ein wenig Air-Frequenzen raus, was Platz für Becken, Hi-Hat oder Vocals schafft. Besonders wichtig bei Klavieren ist der Bereich von c–c2, vor allem im Bandkontext. Hier spielt sich das Meiste ab (circa 140 Hertz bis 550 Hertz, inklusive Obertöne deutlich höher): Voicings, Melodien, Soli. Mit einer breitbandigen, dezenten Anhebung lässt sich die Präsenz erhöhen. Je weiter unten ihr mit dem Equalizer arbeitet, desto mehr müsst ihr auf Störgeräusche von der Pedalmechanik und der Tastatur achten.Ein Zeit- und Kostenfaktor: Klaviere und Flügel müssen regelmäßig gestimmt werden. Ein Kompressor kann zwei Dinge für euch tun: Ihr könnt mit ihm die Dynamik begrenzen und mehr Gleichmäßigkeit in den Track bringen oder ihr könnt ihn zur Klangformung einsetzen. Mit kurzen Attacks und Releases habt ihr Einfluss auf das Anschwingverhalten eures Klavieres. Ein knallendes Rock’n’Roll-Piano kann auf diese Weise entstehen. Alternativ verwendet für solche Aufgaben einen Envelope-Shaper oder Transient-Designer. In vielen Fällen setze ich aber erst gar keinen Kompressor ein. Ein guter Musiker versucht eher das Klavier so zu spielen, dass die natürliche Dynamik sinnvoll zum Song passt. Einige dynamische Ausreißer nach oben kann aber ein Opto-Kompressor sanft abfangen. Dass man Kompressoren zur extremen Klangformung einsetzen kann, ist kein Geheimnis. Hört mal in „Lady Madonna“ von den Beatles rein. Das Klavier am Anfang hat fast keine Dynamik mehr. Dafür aber Druck und Drive ohne Ende. Stereo ist es auch nicht wirklich, aber das Thema hatten wir ja schon … Bei der Auswahl eines Tonerzeugers ist neben dem Klang immer das Spielgefühl ein wesentlicher Punkt. Die größte Sample-Library oder das beste E-Piano nützt nichts, wenn ihr die Feinheiten nicht ausdrucksstark mit euren Fingern ansteuern könnt. Nicht immer ist das Teuerste und Neuste auch das Beste. Mein Lieblings-Stage-Piano-Sound ist nicht der realistischste, sondern der, der mich am meisten beim Musizieren inspiriert. Der natürliche Klang eines Flügels ist schon etwas ganz Besonderes. Neben dem hervorragenden Spielgefühl greift man deshalb gerade bei Aufnahmen gerne auf das Original zurück. In der Regel wird es mit mindestens zwei Mikrofonen abgenommen. So bekommt man den großen Klangkörper gut abgebildet und erhält, wenn gewünscht, eine schöne Stereospreizung. Für die Studioarbeit eignen sich besonders Kondensatormikrofone (Klein- oder Großmembran). Wir betrachten hierfür als Beispiel das Audix SCX25A-PS, welches für diesen Einsatzzweck optimiert wurde. Das Set wird in einem stabilen Koffer geliefert. Es besteht aus zwei Mikrofonen und eignet sich aufgrund seiner Charakteristik (Niere) sowohl für die Bühne als auch für das Recording-Studio. Extrem nützlich sind die mitgelieferten D-Flex-Clips, mit denen die Mikros sicher und ohne Schäden im Instrument platziert werden können. Wer schon mal einen Flügel im Inneren mit schweren Großmembran-Mikrofonen mikrofoniert hat, der weiß, welch zeitraubende Tätigkeit das sein kann. Meist muss man die Galgen der Mikrofonständer weit ausfahren, um in das Instrument reinzukommen (Close-Miking). Hat man hier keine guten Stative mit Gegengewicht, senken sich die schweren Mikros gerne genau dann ab, wenn man schon mitten im Recording ist. Ständig hat man unter dem Deckel zu wenig Platz. Da ist das D-Flex-Clipsystem eine bequeme Lösung. Die kompakte Bauform der Mikros erlaubt euch, den Deckel in jeder gewünschten Position zu platzieren: offen, halboffen oder geschlossen. Das Audix-Pärchen lädt auch zum Experimentieren ein, da sich die Clips leicht im Instrument verschieben lassen. So kann man sich an seinen persönlichen Klaviersound herantasten. Der Klang hat für mich eine angenehme Wärme mit einem schönen Bass. Soundmäßig ist man hier auf Augenhöhe mit hochwertigen Studio-Kleinmembran-Mikrofonen. Für rund 1500 Euro erhält man das Stereo-Setup mit Kabeln, Koffer, Clips und Zubehör. Also: „ready to record!“ Angenehmer Nebeneffekt: Man bekommt nicht nur Klavier-Mikrofone, sondern man kann mit den Audix SCX25A-PS durchaus noch mehr machen: Als Drum-Overheads, Sektion-Mics oder Raummikrofone sind sie ebenfalls einsetzbar.>> Mit kurzen Attacks und Releases habt ihr Einfluss auf das Anschwingverhalten eures Klavieres. << Von der Firma Earthworks kommt eine Alternative: das Earthworks PM40. Aufgebaut wirkt das System unscheinbar, was gerade dann ein echter Pluspunkt ist, wenn Video mitaufgezeichnet werden soll. Keine störenden Stative und Kabel sind im Bild zu sehen. Hinzu kommt die schnelle Platzierung der Stange im Flügel. Deckel öffnen, auf Breite des Instrumentes einstellen, festdrehen, Mikros ausrichten und man kann loslegen. Der Flügeldeckel ist in jeder gewünschten Position fixierbar. Kernstück des Systems sind die beiden Kugelmikrofone mit ihrem extrem breiten Frequenzgang und der hohen Pegelfestigkeit. Selbst wenn der Künstler kräftig in die Tasten langt, seid ihr vor Verzerrungen gefeit. Der Klang ist wirklich erstaunlich. Erstaunen könnte allerdings auch der Preis hervorrufen. Rund 3300 Euro müsst ihr für das System einplanen. Wer häufig mit dem Flügel zu tun hat, vielleicht ein solch edles Instrument im Studio bereithält oder Live-Events aufnimmt, kann seinen Kunden damit ein tolles Profi-Tool bieten. Es lässt sich aber meiner Meinung nach wirklich nur für den Flügel einsetzen. Die Mikros sind also für einen kleinen Einsatzbereich hoch optimiert. Die einfache Handhabung und schnelle Montage gefallen mir ausgesprochen gut. Kann dieses System zur Live-Verstärkung verwendet werden? Ausprobieren konnte ich das PM40 in einer lauten Live-Umgebung leider noch nicht. Was dafür spricht: Ihr könnt mit den kleinen Mikrofonkapseln extrem nahe an die Saiten ran und sogar den Deckel schließen. Da es sich um Kugelmikrofone handelt, hängt die Live-Tauglichkeit aber von vielen Faktoren ab. In einer Band mit In-Ear-Monitoring kann man sicherlich gut damit arbeiten. In einer Jazz-Trio-Situation kommt man bestimmt ebenfalls zu guten Ergebnissen. Auf einer Live-Bühne in Kombination mit E-Gitarren, lauten Monitoren und fetten Drums sind wahrscheinlich die Grenzen irgendwann erreicht.Beim Flügel schlagen beim Spielen der Tasten die Hämmerchen von unten auf die Saiten. Auch die Wahl der Abhöre ist ein entscheidender Faktor.

VonPiano bis forte, von perlenden Läufen und lyrischen Melodien, von zarten Akkorden eines Erik Satie bis zum Blues-geschwängerten Groove eines Professor Longhair reicht das Klangspektrum. Es ist wahrlich nicht leicht für uns Musiker und Tontechniker, dieses große Spektrum an die Ohren unserer Zuhörer zu transportieren. Wir schauen uns hier vor allem die Originale – Klaviere und Flügel – an und betrachten die Möglichkeit der Plug-ins und Digitalpianos fast gar nicht. Wo liegen Stärken und Schwächen? Was gilt es bei der Aufnahme und auf der Bühne zu beachten? Was macht den Sound aus? Extreme Dynamik, weiter Frequenzbereich, kraftvolle Grundschwingungen und filigrane Obertöne. Viele Parameter beeinflussen den Sound. Die Saiten, die Hämmer, der Body, die Resonanzen des Holzgehäuses, der Deckel, der Raumsound und natürlich der Musiker an den Tasten. Zwischen Klavier und Flügel existieren Gemeinsamkeiten, aber auch entscheidende Unterschiede. Direkt fällt natürlich die Optik auf. Das imposante Gehäuse eines Flügels macht im Studio und auf der Bühne eine Menge her. Klangliche Differenzen entstehen besonders im Bassbereich durch unterschiedliche Saitenlängen und einen entsprechenden Resonanzraum. Gerade bei großen Flügeln (über 1,80 Meter Länge) profitieren klanglich die unteren Oktaven.

UNTERSCHIEDLICHE MECHANIK

In der Mechanik liegen weitere Unterschiede: Bei der aufrechten Saitenlage eines Klavieres schlägt der Hammer die Saite von vorne an, während bei einem Flügel der Hammer die Saite von unten trifft. Wie äußert sich das im Spielgefühl? Eine gute Flügelmechanik erlaubt eine schnellere Repetition. Dabei sind der Auslösepunkt und der Tastenweg unterschiedlich. Ebenso ist es für den Klavierbauer leichter, bei einem Flügel eine präzise Justage der Dämpfer zu erreichen. Hier ist die Schwerkraft behilflich. Das linke Pedal, welches für einen soften Klang verwendet wird, funktioniert unterschiedlich. Beim Klavier verkürzt es den Abstand vom Hammer zur Saite. Der Weg, den der Hammer zurücklegt, wird reduziert. Er beschleunigt nicht so lange und trifft mit weniger Schwung auf die Saite. Beim Flügel verschiebt das linke Pedal Tastatur und Mechanik, sodass der Hammer nicht mehr wie sonst drei Saiten trifft, sondern nur zwei. Der Klang wird leiser und schlanker. Ein Klavierbauer kann die Mechanik fein einstellen und den Klang differenziert formen. Das Abstrahlverhalten ist andersartig. Ein Klavier hat den Resonanzboden auf der Rückseite, strahlt also vom Spieler weg und nutzt meist die Reflexion einer Wand, während ein Flügel nach oben und unten wegstrahlt. Durch Öffnen oder Schließen des Deckels sind unterschiedliche Grundlautstärken und Sounds möglich. Der Flügel sollte mit etwas Abstand zu Wänden und Raumecken platziert werden.Doch wie nimmt man solche Schätzchen richtig auf? Es gibt nicht „die“ eine richtige Art, ein Klavier zu mikrofonieren. Jeder Produzent hat seine persönlichen Präferenzen. Die folgende Vorschläge sollen euch zu eigenen Experimenten motivieren.

MIKROFONIERUNG IM INSTRUMENT

Hier verwende ich gerne zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofone (etwa Neumann KM184, Rode NT5). Die kompakten Mikrofone positioniere ich über den Saiten. Je näher man an die Saiten und Hämmer herangeht, desto knalliger wird der Sound. Es hängt also davon ab, was ich erreichen möchte: eher ein rockiges Blues-Piano oder lieber einen drahtigen Dance-Sound im Gegensatz zu einem warmen Klassik/Jazz-Sound. Spezielle Mikrofonclips erleichtern die Platzierung im Instrument. Beim Klavier kann man entweder oben den Deckel öffnen oder aber die Vorderseite einfach wegnehmen. Das macht die Platzierung von Mikrofonen einfacher. Der Musiker verliert dann allerdings seinen Notenständer. Interessant kann eine Mikrofonierung mit einem Grenzflächen-Mikrofon sein. Unter dem Deckel platziert, kann man eine reizvolle Monospur erhalten. Grenzflächen-Aufnahmen klingen sehr speziell, weshalb ich sie nie alleine einsetze. Sicherheitshalber lasse ich immer noch ein Stereopaar Kondensatormikrofone mitlaufen. So behalte ich die Flexibilität im Mixdown. Öffnet man den Flügeldeckel ganz, ist eine Mikrofonierung mit Großmembranern ebenfalls leicht möglich. Hat man im Studio oder auf der Bühne wirklich nur Klavier, hat man bei der Richtcharakteristik freie Wahl (Kugel, Acht, MS, Niere). Sobald aber Gesang oder andere Instrumente am Start sind, solltet ihr das Übersprechen berücksichtigen. Nieren schirmen Schall besser ab. Das macht den Mix nachher leichter. Beim Flügel lassen sich im Bogen zwei Mikrofone in leichtem AB oder XY platzieren. Der Klang wird weicher und ausgewogener. Neben Kleinmembranmodellen verwende ich gerne ein Stereopaar Großmembran-Mics. Wenn der Raum gut klingt, probiert neben Nierencharakeristik auch ruhig mal eine Kugelcharakeristik aus. Live kann die Mikrofonierung am Instrument für die Aufzeichnung verwendet werden, wenn die Bühnenlautstärke moderat ist, wie zum Beispiel oft bei Jazz, Klassik oder Chanson. Sobald nennenswertes Monitoring im Spiel ist, wird man schnell Feedbacks und Übersprechen bekommen.

Weite Mikrofonierung

Für Studioaufnahmen sehr reizvoll ist eine weite Mikrofonierung (zwischen ein bis drei Metern Distanz). Bei einer guten Raumakustik und einem gut eingestelltem Flügel (Stimmung, Intonation), muss man im Mixdown oft nur die Fader hochziehen und hat schon einen passenden Klaviersound. Kondensator- oder Bändchenmikrofone eignen sich bestens für diese Aufgabe. Auch hochwertige Pre-Amps sind eine Erleichterung, da eventuell einiges an Pegel aufgeholt werden muss. Macht euch aber bewusst, dass ihr auch hier reichlich Übersprechen erhalten werdet, sollten sich noch andere Schallquellen im Aufnahmeraum befinden.

MIKROFONIERUNG IN „PLAYERS-POSITION“

Eine Mikrofonierungs-Strategie, die ich gerne einsetze: Sie bringt gerade dem Musiker ein gewohntes Klangbild. Ich platziere ungefähr einen Meter von der Tastatur entfernt auf Ohrhöhe zwei Mikrofone, die Richtung Instrument zeigen. Typischerweise erhalte ich so eine AB-Mikrofonierung, welche nicht nur Lautstärkeunterschiede, sondern auch Laufzeitdifferenzen zur Stereowirkung nutzt. Achtet darauf, dass keine Nebengeräusche eure Aufnahme ruinieren. Diese können durch Atmen oder Schnaufen des Musiker entstehen oder in einem Übersprechen des Kopfhörers, falls dieser für Monitoring verwendet wird, begründet sein. Wenn ihr mehrere Mikrofonierungs-Konzepte miteinander verbindet, berücksichtigt mögliche Phasenprobleme. Die Ursache sind Laufzeitunterschiede von der Schallquelle zu den einzelnen Mikrofonen. Hierbei werden bestimmte Frequenzbereiche abgeschwächt, andere hingegen verstärkt. Ein unausgewogener, manchmal hohler nasaler Klang kann die Folge sein. Gerade die Bass-Sounds der linken Hand sind anfällig. Der Polaritätsumkehrschalter in der DAW ist eine erste Hilfe, ersetzt aber nicht die sorgfältige Platzierung aller Mikros. All diese Probleme kann man umgehen, wenn man auf elektronische Lösungen setzt. Digitalpianos findet man üblicherweise im häuslichen Umfeld. Neben einem guten Klang legen die Hersteller Wert auf eine ansprechende Optik und verbauen (je nach Preisklasse) hochwertige Lautsprechersysteme mit in die Instrumente. Manche sehen einem akustischem Klavier zum Verwechseln ähnlich, bieten aber zusätzlich lautloses Üben (Kopfhörerausgang), unterschiedliche Sounds und historische Stimmungen auf Knopfdruck. Stage-Pianos fühlen sich auf der Bühne richtig wohl. Hochwertiger und live-tauglicher Sound, geringes Gewicht, Controller für ein ausdrucksstarkes Spiel, MIDI-, Split- und Transpose-Funktionen, XLR-Outputs sind Pluspunkte. Sample-Librarys und Plug-ins waren einst für den Studioeinsatz gemacht. Dank leistungsstärkerer Laptops und passender Host-Software (Mainstage, Brainspawn Forte) geht es mittlerweile aber auch on stage. RAM und Rechenpower stehen meist genügend zur Verfügung und so klingen die Pianos aus Bits und Bytes extrem realistisch. Sample-Loops, begrenzte Polyfonie, fehlende Saitenresonanzen … all diese begrenzenden Faktoren sind nahezu Vergangenheit. Nadelöhr zum Pianohimmel ist hier meist die Tastatur und das Wiedergabesystem. Manchmal schadet allerdings zu viel Realismus. Die Hochglanzsounds kommen eventuell druck- und konturlos aus der PA. Hier muss der Keyboarder nacheditieren.

DER OPTIMALE TASTENSOUND

Den vielseitigen Sound eines Klaviers oder Flügels richtig zur Geltung zu bringen, ist nicht einfach. Die Schwierigkeiten sind sehr unterschiedlich. Die Studioaufnahme von Flügel und Klavier bringt ganz andere Gegebenheiten und Probleme mit sich als die eines Digitalpianos auf der Live-Bühne.

KLÄRT DIE ANFORDERUNGEN

Macht euchklar,wasihrmitderPianospur erreichen wollt. Spielt dasKlaviereinetragendeRolle oder ist es eher hinten imArrangement?Wie viel Zeit steht euch zur Verfügung? Selbst wenn ein Flügel vor Ort (Studio oder Konzertbühne) ist, kann es sinnvoll sein, auf elektronisch erzeugte Klänge zurückzugreifen. Die Mikrofonierung eines akustischen Instrumentes erfordert Erfahrung und Zeit. Wenn ihr ein Setup für die Bühne kauft, macht eine Checkliste: Was sind eure Bedürfnisse? Eine Workstation oder ein Stage-Piano? Manche Pianisten brauchen unbedingt 88 Tasten, also den vollen Tonumfang, während andere mit 76 Tasten auskommen und Platz und Gewicht sparen. Brauchtihr Streichersounds, Pads, eineumfangreiche Steuerzentrale für ein Laptop-System(Regler, Trigger-Pads), oderspieltihr sowieso nur Akustikpiano? Aufpassen! Nicht alle Stage-Pianos verfügen über ein Pitchbend- und Modulation-Wheel.

>> Ihr müsst eure Klaviersounds in einen Raum einbetten, egal ob ihr sie mit Mikrofonen aufgenommen oder elektronisch erzeugt habt. <<

EIN KLAVIER IST NICHTS OHNE RAUM

Ihr müsst eure Klaviersounds in einen Raum einbetten, egal ob ihr sie mit Mikrofonen aufgenommen oder elektronisch erzeugt habt. Das heißt natürlich nicht, dass alles in Hallsuppe ertrinken muss, aber ein Musikhörer hat seinen Kopf nicht im Inneren des Flügels. Der Klang entfaltet sich über mehrere Meter, bis er die Ohren erreicht hat. Logisch, dass die Räumlichkeit einen nicht geringen, sondern sehr entscheidenden Einfluss auf euren Sound hat. Wenn ihr mit Mikrofonen aufnehmt, experimentiert mit unterschiedlichen Positionen und Mikrotypen. Mikrofonpositionen kann man im Instrument oder auf dem Boden (entfernbar) markieren. Verschiebt, wenn möglich, auch mal das Instrument. Wo im Raum klingt es am besten?

MONO ODER STEREO?

Auf den ersten Blick klingt diese Frage blödsinnig: Selbstverständlich klingt ein Flügel in Stereo mikrofoniert fantastisch. Allerdings sind viele legendäre Aufnahmen zum Beispiel im Jazz oder der Beatles in Mono erfolgt. Man hatte damals nicht viele Kanäle und begnügte sich mit einem Mikrofon. Ein gutes Instrument in einem guten Raum – fertig! Hinzu kommt, dass es gerade live unheimlich schwierig ist, für alle Zuhörer einen sinnvollen Stereomix unabhängig vom Sitzplatz zu mischen. Besonders in Digitalpianos wird die Stereobreite manchmal arg übertrieben. Alle tiefen Töne kommen von links und alle hohen Töne von rechts. Aus der Position des Spielers mag dies durchaus sinnvoll sein, aber euer Publikum will ja auf jeder Bühnenseite alle Töne hören. Aus diesem Grund schränken Tontechniker die Stereobreite von Pianosounds bewusst ein. Hartes Panning (Left/Right) ist selten eine gute Idee. Das gilt auch fürs Mixing. Was über die Studiolautsprecher noch okay klingt, entfaltet über Kopfhörer eine seltsame Wirkung.

DIE ABHÖRE MUSS HOCHWERTIG SEIN

Konsequent mono unterwegs bin ich aber nicht. Ein Monoklavier klingt für mich flach und eindimensional – besonders, wenn ich live nur einen Monitorlautsprecher zu meinen Füßen liegen habe. Eigentlich ist es auch logisch. Ein akustisches Klavier strahlt in echt nicht nur aus einem Speaker in Höhe meiner Knie, sondern stellt eine große Schallquelle da. In-Ear-User sind da im Vorteil: Hörer ins Ohr und los. Arbeitet man lieber mit konventionellen Monitorboxen, besteht die Möglichkeit, anstatt einer großen leistungsstarken Monitorbox zwei kleinere Modelle links und rechts neben sich zu platzieren und so ein Stereo-Setup zu erhalten. Ideal für solche Zwecke sind leichte aktive Monitore oder Kompakt-PAs. Singt man als Pianist zusätzlich, muss man sich mit dem Techniker absprechen, wie der Monitorsound sein soll. Gesangsmonitore werden häufig entzerrt, um Verständlichkeit und Druck zu erhöhen. Ein Piano über den verdrehten Sound eines Gesangsmonitors ist leider problematisch. Sucht den Kompromiss.Überhaupt fällt es schwer, den Klang von Digitalpianos oder Sample-Librarys einzuschätzen. Üblicherweise hat man im Laden für die Test-Session einen Kopfhörer in die Hand bekommen. Sounds verhalten sich im Mix oder auf einer Bühne aber völlig anders. Was im Kopfhörer fantastisch klingt, kann live zusammenfallen, während das, was auf den ersten Eindruck unscheinbar wirkt, perfekt passt. Glücklich, wer Boxen antesten oder gar einen Probe-Gig bestreiten darf.

DER EQ MACHT MÜDE PIANOS MUNTER

Hat man bei der Aufnahme oder Soundprogrammierung seine Arbeit gut gemacht, braucht ein Klavier nur wenig EQ-ing. Aufmerksamkeit erfordern die unteren Mitten. Hier entsteht schnell ein unangenehmes Dröhnen (Resonanzen), welches man durch Absenken von Problemfrequenzen in den Griff bekommen muss. Gerade wenn man selbst aufnimmt, ist hier wahrscheinlich Fein-Tuning nötig. Bei Sample-Librarys oder Bühneninstrumenten sollten diese Sachen in der Regel behoben sein. Ansonsten sollte der Bassbereich stramm, die Höhen und Obertöne klar wiedergegeben werden. Eure Abhöre muss das abbilden können. Das ist für mich als Spieler die Maßgabe. Als Mischer / Produzent sind noch andere Faktoren wichtig. Betrachtet das Klavier nicht für sich allein, sondern eingebettet in die Komposition. Eine leichte Höhenabsenkung bei 17 kHz bis 20 kHz macht euer Klavier klanglich dunkler. Nehmt ein wenig Air-Frequenzen raus, was Platz für Becken, Hi-Hat oder Vocals schafft. Besonders wichtig bei Klavieren ist der Bereich von c–c2, vor allem im Bandkontext. Hier spielt sich das Meiste ab (circa 140 Hertz bis 550 Hertz, inklusive Obertöne deutlich höher): Voicings, Melodien, Soli. Mit einer breitbandigen, dezenten Anhebung lässt sich die Präsenz erhöhen. Je weiter unten ihr mit dem Equalizer arbeitet, desto mehr müsst ihr auf Störgeräusche von der Pedalmechanik und der Tastatur achten.

VORSICHT MIT KOMPRESSOREN

Ein Kompressor kann zwei Dinge für euch tun: Ihr könnt mit ihm die Dynamik begrenzen und mehr Gleichmäßigkeit in den Track bringen oder ihr könnt ihn zur Klangformung einsetzen. Mit kurzen Attacks und Releases habt ihr Einfluss auf das Anschwingverhalten eures Klavieres. Ein knallendes Rock’n’Roll-Piano kann auf diese Weise entstehen. Alternativ verwendet für solche Aufgaben einen Envelope-Shaper oder Transient-Designer. In vielen Fällen setze ich aber erst gar keinen Kompressor ein. Ein guter Musiker versucht eher das Klavier so zu spielen, dass die natürliche Dynamik sinnvoll zum Song passt. Einige dynamische Ausreißer nach oben kann aber ein Opto-Kompressor sanft abfangen. Dass man Kompressoren zur extremen Klangformung einsetzen kann, ist kein Geheimnis. Hört mal in „Lady Madonna“ von den Beatles rein. Das Klavier am Anfang hat fast keine Dynamik mehr. Dafür aber Druck und Drive ohne Ende. Stereo ist es auch nicht wirklich, aber das Thema hatten wir ja schon …

SPIELGEFÜHL VS. KLANG

Bei der Auswahl eines Tonerzeugers ist neben dem Klang immer das Spielgefühl ein wesentlicher Punkt. Die größte Sample-Library oder das beste E-Piano nützt nichts, wenn ihr die Feinheiten nicht ausdrucksstark mit euren Fingern ansteuern könnt. Nicht immer ist das Teuerste und Neuste auch das Beste. Mein Lieblings-Stage-Piano-Sound ist nicht der realistischste, sondern der, der mich am meisten beim Musizieren inspiriert.

MIKROFONE

Der natürliche Klang eines Flügels ist schon etwas ganz Besonderes. Neben dem hervorragenden Spielgefühl greift man deshalb gerade bei Aufnahmen gerne auf das Original zurück. In der Regel wird es mit mindestens zwei Mikrofonen abgenommen. So bekommt man den großen Klangkörper gut abgebildet und erhält, wenn gewünscht, eine schöne Stereospreizung. Für die Studioarbeit eignen sich besonders Kondensatormikrofone (Klein- oder Großmembran). Wir betrachten hierfür als Beispiel das Audix SCX25A-PS, welches für diesen Einsatzzweck optimiert wurde. Das Set wird in einem stabilen Koffer geliefert. Es besteht aus zwei Mikrofonen und eignet sich aufgrund seiner Charakteristik (Niere) sowohl für die Bühne als auch für das Recording-Studio. Extrem nützlich sind die mitgelieferten D-Flex-Clips, mit denen die Mikros sicher und ohne Schäden im Instrument platziert werden können. Wer schon mal einen Flügel im Inneren mit schweren Großmembran-Mikrofonen mikrofoniert hat, der weiß, welch zeitraubende Tätigkeit das sein kann. Meist muss man die Galgen der Mikrofonständer weit ausfahren, um in das Instrument reinzukommen (Close-Miking). Hat man hier keine guten Stative mit Gegengewicht, senken sich die schweren Mikros gerne genau dann ab, wenn man schon mitten im Recording ist. Ständig hat man unter dem Deckel zu wenig Platz. Da ist das D-Flex-Clipsystem eine bequeme Lösung. Die kompakte Bauform der Mikros erlaubt euch, den Deckel in jeder gewünschten Position zu platzieren: offen, halboffen oder geschlossen. Das Audix-Pärchen lädt auch zum Experimentieren ein, da sich die Clips leicht im Instrument verschieben lassen. So kann man sich an seinen persönlichen Klaviersound herantasten. Der Klang hat für mich eine angenehme Wärme mit einem schönen Bass. Soundmäßig ist man hier auf Augenhöhe mit hochwertigen Studio-Kleinmembran-Mikrofonen. Für rund 1500 Euro erhält man das Stereo-Setup mit Kabeln, Koffer, Clips und Zubehör. Also: „ready to record!“ Angenehmer Nebeneffekt: Man bekommt nicht nur Klavier-Mikrofone, sondern man kann mit den Audix SCX25A-PS durchaus noch mehr machen: Als Drum-Overheads, Sektion-Mics oder Raummikrofone sind sie ebenfalls einsetzbar.

>> Mit kurzen Attacks und Releases habt ihr Einfluss auf das Anschwingverhalten eures Klavieres. <<

PROFI-TOOL

Von der Firma Earthworks kommt eine Alternative: das Earthworks PM40. Aufgebaut wirkt das System unscheinbar, was gerade dann ein echter Pluspunkt ist, wenn Video mitaufgezeichnet werden soll. Keine störenden Stative und Kabel sind im Bild zu sehen. Hinzu kommt die schnelle Platzierung der Stange im Flügel. Deckel öffnen, auf Breite des Instrumentes einstellen, festdrehen, Mikros ausrichten und man kann loslegen. Der Flügeldeckel ist in jeder gewünschten Position fixierbar. Kernstück des Systems sind die beiden Kugelmikrofone mit ihrem extrem breiten Frequenzgang und der hohen Pegelfestigkeit. Selbst wenn der Künstler kräftig in die Tasten langt, seid ihr vor Verzerrungen gefeit. Der Klang ist wirklich erstaunlich. Erstaunen könnte allerdings auch der Preis hervorrufen. Rund 3300 Euro müsst ihr für das System einplanen. Wer häufig mit dem Flügel zu tun hat, vielleicht ein solch edles Instrument im Studio bereithält oder Live-Events aufnimmt, kann seinen Kunden damit ein tolles Profi-Tool bieten. Es lässt sich aber meiner Meinung nach wirklich nur für den Flügel einsetzen. Die Mikros sind also für einen kleinen Einsatzbereich hoch optimiert. Die einfache Handhabung und schnelle Montage gefallen mir ausgesprochen gut. Kann dieses System zur Live-Verstärkung verwendet werden? Ausprobieren konnte ich das PM40 in einer lauten Live-Umgebung leider noch nicht. Was dafür spricht: Ihr könnt mit den kleinen Mikrofonkapseln extrem nahe an die Saiten ran und sogar den Deckel schließen. Da es sich um Kugelmikrofone handelt, hängt die Live-Tauglichkeit aber von vielen Faktoren ab. In einer Band mit In-Ear-Monitoring kann man sicherlich gut damit arbeiten. In einer Jazz-Trio-Situation kommt man bestimmt ebenfalls zu guten Ergebnissen. Auf einer Live-Bühne in Kombination mit E-Gitarren, lauten Monitoren und fetten Drums sind wahrscheinlich die Grenzen irgendwann erreicht.

Mark Schwarzmayr