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RED BULL AIR RACE 2018: Premiere in Cannes


fliegermagazin - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

Zum ersten Mal gastierte der Rennzirkus in der Stadt an der französischen Riviera – dasfliegermagazin war während des Wettbewerbs in der Box des deutschen Piloten und Weltmeister von 2016 Matthias Dolderer mit dabei


Artikelbild für den Artikel "RED BULL AIR RACE 2018: Premiere in Cannes" aus der Ausgabe 60/2018 von fliegermagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: fliegermagazin, Ausgabe 60/2018

Strandromantik mit Flugzeug: Das Renngeschehen lässt sich in Cannes hautnah beobachten


Stars ohne rotem Teppich: Cannes ist für seine Filmfestspiele bekannt, aber auch für das Red Bull Air Race bietet die Stadt an der Côte d‘Azur eine eindrucksvolle Kulisse


1 Im Ziel: Dolderer fehlen im Finale nur 74 Tausendstelsekunden auf den Sieg


Die Menschenschlange ist fast 200 Meter lang. Sie zieht ...

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... sich entlang der Promenade de la Pantiero, vorbei am Hafenbecken bis zum Palais des Festivals. Genau an dieser Stelle feiert die Stadt an der französischen Riviera jedes Jahr im Mai die Stars auf dem roten Teppich – seit 1946 ist Cannes Veranstaltungsort der Filmfestspiele.

Wer heute allerdings an den Kassen noch eines der Tickets ergattern will – die Preise liegen zwischen 25 und 1450 Euro –, ist aus einem anderen Grund da: Red Bull statt roter Teppich, zum ersten Mal gastiert hier das Air Race des österreichischen Brauseherstellers.

Gut fünf Kilometer westlich bekommt Matthias Dolderer vom Trubel an der Rennstrecke wenig mit. Am Pistenanfang der »17« des Flughafens Cannes-Mandelieu hat der Rennzirkus im wahrsten Sinne des Wortes seine Zelte aufgeschlagen. Das Wort »Fahrerlager« ist angesichts des fliegenden Renngeräts natürlich nicht ganz passend – bis auf die MXS-R des Franzosen Mika Brageot steuern alle Piloten modifizierte Versionen der Edge 540 von US-Hersteller Zivco Aircraft –, aber ansonsten hat das Vorfeld in Cannes durchaus Ähnlichkeit mit der Boxengasse einer Formel-1-Veranstaltung. Seit 2005 sieht sich die Veranstaltung als die schnellste Motorsportserie der Welt, 2016 gewann der Tannheimer Matthias Dolderer den Titel.

Nach einer darauf folgenden durchwachsenen Saison will der 47-Jährige nun wieder durchstarten. Weil er beim Saisonauftakt in Abu Dhabi mit 12,5g durchs letzte Tor kam und deshalb disqualifiziert wurde, findet sich die MD-Box hier in Cannes diesmal allerdings ganz am Ende des Felds.

Die Regeln des Red Bull Air Race sind einfach: die Strecke, der aus aufgeblasenen Pylonen bestehende Track, hat Air Gates und eine Schikane, am Ende muss mit einem vertikalen Manöver gewendet werden.

In den ersten beiden Runden treten jeweils zwei Piloten gegeneinander an, der Schnellere kommt weiter. Strafsekunden gibt es etwa für das Durchfliegen eines Tors mit nicht horizontalem Flügel oder in falscher Höhe, mehr als 202 Knoten beim Einfliegen in den Kurs, oder eben das Überschreiten der höchstens zulässigeng -Kräfte – 10g dürfen für 0,6 Sekunden überschritten werden, über 12g bedeutet Disqualifikation.

Fans im Netz: Für die sozialen Netzwerke posiert das Dolderer-Team zum Selfie


2 Zurück am Boden: Vor dem Finallauf wird Matthias von seinem Team zum Tanken geschoben


3 Die Zeit ist Alles: Der Uhrenhersteller Hamilton ist Sponsor von Nicolas Ivanoff und offizieller Zeitnehmer der Rennserie


4 Der Schnellste: Am Ende gewinnt der Australier Matt Hall gewinnt das erste Red Bull Air Race in Cannes


5 Daumen hoch: Die Fans feiern Dolderer, auch der Rennpilot ist mit seiner Leistung an diesem Wochenende zufrieden


1 Abgehoben: Die obere Rumpfverkleidung der Edge 540 kann komplett entfernt werden


2 Hol- und Bringdienst: Gabelstapler verteilen die Transportkisten an jede Box


3 Prüfender Blick: Die Schraubenlöcher müssen zur Wiedermontage der Verkleidung genau fluchten


4 Heck weg: Das Höhenleitwerk wird vom Rumpf genommen und separat verpackt


5 Vollbeschäftigung: Ein Rennflugzeugs zu zerlegen ist echte Teamarbeit


6 Operation am offenen Flügel: Die Steuerstangen für die Querruder sind nur blind zu erreichen


Entspannung und Konzentration: Zwischen den Läufen braucht der Rennpilot auch ruhige Momente


Pausenspaß: Mit Jonglierbällen hält sich Dolderer vom Rennstress ab


Die Stimmung ist locker in der Box von Matthias Dolderer. Mal ein Selfie mit dem Team, um es in den sozialen Netzwerken zu posten, kurz in den Rennanzug geschlüpft, um dem Red-Bull-eigenen Rennserien-Fernsehsender ein Interview zu geben, dann ausgewählten Gästen in der Boxengasse das Flugzeug erklären – wer Rennpilot sein will, hat mehr zu tun, als nur schnell durch den Kurs zu fliegen.

Der Tannheimer spult dies alles locker ab. Das Qualifying in Cannes hat er als Vierter abgeschlossen. Und wenn alles nach Plan läuft, das weiß jeder in seinem Team, bringt Dolderer weder das Rahmenprogramm noch sonstwas aus dem Konzept. Dann wird der Pilot zur Rennmaschine – entspannt vor dem Rennen, hochkonzentriert im Cockpit.

Die Rennleitung ruft die Red-Flag-Phase aus, eine rote Signallampe zeigt an, dass nun niemand in der Boxengasse etwas zu suchen hat, der nicht direkt am Renngeschehen beteiligt ist. »Have fun up there«, sagt Dolderer – Spaß dort oben zu haben, das sei wichtig, findet er und verabschiedet sich mit einem kurzen »Bis später!« Dann schnallt er sich zur Round of 8 ins Cockpit seiner Edge 540 V3.

Derweilen herrscht am Hamilton Beach ausgelassene Stimmung. Der Uhrenhersteller ist offizieller Zeitnehmer der Renn-Magneserie – wer könnte dafür geeigneter sein als ein Unternehmen, dessen Produkte bereits 1918 im amerikanischen Luftpostdienst zwischen Washington und New York eingesetzt wurden! In Cannes hat sich Hamilton für Gäste, Kunden und Medienvertreter einen exklusiven Abschnitt des Strands an der Rennstrecke gesichert. – mit direktem Blick auf die schwarz-weiß-karierten Pylone, die das Ziel, das »Hamilton Finish«, markieren.

Von Barbecue, Putenspießchen, Snacks und kühlen Drinks dort bekommt Dolderer nichts mit, als er zum zweiten Mal durch die 25 Meter hohen Pylonen jagt und sich gegen Juan Velarde für das Finale der besten vier qualifiziert – wenn es mal läuft, kann Dolderer nichts aufhalten.

Am Ende fehlen beim anschließenden Finallauf dann trotzdem 74 Tausendstel Sekunden. Bis zum vorletzten Gate liegt Dolderer gegen den späteren Sieger Matt Hall noch eine Viertelsekunde vorn. Aber bei der Umkehrkurve zieht er zu wenig, will nicht wieder eine Disqualifikation riskieren wie beim Saisonauftakt. Und so hat der Australier schließlich die Nase vorn – um umgerechnet knapp sieben Meter.

Nicht schlimm, findet der Deutsche. Weil die Leistung über das gesamte Renn-wochenende konstant und die Stimmung im Team gut war – und weil er sich die ganze Zeit über wohlgefühlt hat. Manchmal ist es strategisch klüger, nichts zu erzwingen, statt zu riskieren, im letzten Moment zu patzen. »Und nächstes Mal machen wir es dann noch ein bisschen besser«, sagt der Zweitplatzierte zuversichtlich.

Wer erfolgreich ist, den hat die Rennleitung auf dem Schirm. 17.45 Uhr – ein technischer Kommissar taucht in der Dolderer-Box auf. Er möchte den Motor inspizieren. Also Cowling runter, und ab sofort gilt Fotoverbot: Die Kühlung des Motors zu optimieren ist eine der Hauptaufgaben, für die Dolderer die kalifornische Kohlefaser-Koryphäe Andy Chiavetta ins Team geholt hat. Die Luftführung durch den Sechszylinder ist verantwortlich für bis zu 30 Prozent des Gesamtwiderstands eines Flugzeugs. Und Chiavetta dafür, Dolderers Edge 540 V3 schneller zu machen. Wie genau, das ist Betriebsgeheimnis des Teams.

Der Kommissar interessiert sich ohnehin nicht für die Arbeit des Aerodynamik-Experten sondern für den Lycoming Thunderbolt AEIO-540-EXP-Motor selbst. Das Triebwerk darf nicht verändert werden, und ein beliebter Trick, mehr Leistung herauszukitzeln, ist das Verschieben des Zündzeitpunkts jenseits 25 Grad vor dem oberen Totpunkt. Also rasch das Magneten-Testgerät angeklemmt und die Werte überprüft. 18.03 Uhr dann das Ergebnis: »No issues« – alles o.k. Ganz im Gegensatz zu Rennkollegen Martin Šonka – der überschritt die Maximaldrehzahl von 2950 rpm im Rennen und wird zum wiederholten Mal disqualifiziert.

In der Bucht von Cannes ist die Party mittlerweile zu Ende. Die Lüfter, die die Pylone auf den Pontons in der Bucht aufgeblasen hielten, sind ausgeschaltet. Am Strand machen sich die letzten Fans auf den Heimweg.

Das Dolderer-Team hat noch lange nicht Feierabend. Bis zum Morgen muss die Edge verpackt sein. Eine logistische Meisterleistung: Verkleidung abnehmen, um Flügel und Leitwerk demontieren zu können und in den auf Maß gefertigten Transportkisten zu verstauen. Den restlichen Sprit ablassen. Noch ein paar Aufnahmen mit dem Handy von Details, an denen man bis zum nächsten Rennen arbeiten muss. Was nun nicht dokumentiert ist, verschwindet für vier Wochen unter Metern von Verpackfolie. »Luftfahrzeug zerlegt für den Transport« – Chefmechaniker Kai Frommelt klebt den Wartungsaufkleber ins Logbuch der N721MD. Dann schließen sich sie letzten Versandkisten.

Die Flugzeuge werden auf Lkw verladen, vom Airport in Marseille geht es dann per Luftfracht zum nächsten Rennort. Seit es auf jedem Kontinent einen kompletten Satz Hangartechnik gibt, reichen zwei statt fünf Boeing-747-Frachtjumbos aus.

23 Uhr, Matthias Dolderer drängt zur Eile, will noch feiern: »Jetzt aber schnell, sonst ist die Party vorbei.« Als er mit seinem Team am nächsten Morgen in die Boxengasse kommt, herrscht längst emsiges Treiben, Frachtpaletten und Transportkisten werden auf Lkw geladen.

Noch ein paar Stunden, dann ist das Vorfeld wieder leer. Der Zirkus zieht weiter. Ende Mai macht er Station im japanischen Chiba.

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1 Einladend: Dick mit Folie geschützt warten die Rennflugzeuge vor dem Frachter. Die Regie für die Transportlogistik übernimmt Red Bull für alle Rennteams


5 Kleinteilig: Flügel und Leitwerk sind abgenommen, gleich wird die Verkleidung wieder montiert. Ein gelber Halter ist statt des Holms eingesetzt, daran läßt sich die Edge auf der Frachtpalette verzurren


2 Flugzeuge im Bauch: Vier Maschinen auf zwei Paletten passen nebeneinander in die 747 Um das komplette Rennequipment zu befördern, werden zwei Jumbos benötigt


3 Hochnäsig: Das Vorderteil des 747-Frachters kann aufgeklappt werden. Deshalb eignet sich das Muster ideal zum Verladen der langen Flugzeugrümpfe


4 Ab in die Kiste: Der Flügel hat einen durchgehenden Holm, die Transportbox ist maßgefertigt


FOTOS: CHRISTINA SCHEUNEMANN (3), RED BULL CONTENT POOL (3)

FOTOS: CHRISTINA SCHEUNEMANN

FOTOS: CHRISTINA SCHEUNEMANN (2), JEAN-MARIE URLACHER (3)