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Red Sonja


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 29.07.2022

Thema

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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 4/2022

In seinem 1934 erschienenen Pulp-Roman „The Shadow Of The Vulture“ beschreibt Fantasy-Autor und „Conan“-Schöpfer Robert Ervin Howard eine weibliche Kämpferin mit Schwert und Pistolen, die während des Einfalls der Türken ins Wien des 16. Jahrhunderts den Helden der Geschichte, Gottfried Von Kalmbach, vor den Häschern des ottomanischen Sultans Suleiman I rettet. Aufgrund ihres leuchtend roten Haars wird sie „Red Sonya of Rogatino“ genannt. Doch wie gelangte diese stolze Kämpferin polnisch-ukrainischer Herkunft dann von Österreich in das hyborianische Fantasy-Reich Cimmeria, in dem sie seitdem nur noch mit einem gepanzerten Ketten-Bikini bekleidet ist und ihre Pistolen gegen einen einzigen Zweihänder eingetauscht hat? Warum wird sie nun mit einem „j“ geschrieben und muss erst noch trainieren, um ihre ausgezeichneten Schwertkampffähigkeiten zu erlangen? Nun, letztere Eigenschaft hat sie ...

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... vermutlich einer anderen Howard-Kreation zu verdanken, deren Geschichte allerdings nicht zu dessen Lebzeiten veröffentlicht wurde. Seine ebenfalls im 16. Jahrhundert angesiedelte, französische Figur „Dark Agnes de Chastillon“ besitzt gleichfalls rotes Haar und ein ungestümes Temperament. Um einem tyrannischen Patriarchat zu entkommen, ermordet sie ihren unfreiwilligen Verlobten und entflieht in eine raue, von brutaler Gewalt dominierte Welt. Daraufhin nimmt sich ein Söldner ihrer an und bringt ihr die Kampfkunst mit dem Schwert bei. Durch viel Training gelingt es ihr schließlich, sich als Kämpferin in der Männerwelt durchzusetzen.

Eine Marvel-Superheldin?

Seit dem Jahre 1970 und vorerst bis 1993 war „Conan der Barbar“ ein eher durchschnittlich beliebter Marvel-Comic, der die in Howards Geschichten beschriebene Welt sowie deren Charaktere aufnahm und teils fließbandmäßig in diversen Szenarien präsentierte. Als ein „Held“, der nicht in der Gegenwart (also im bekannten Marvel-Superhelden-Universum) verortet ist, keinerlei magische Kräfte besitzt und nicht mal ansatzweise Sinn für Humor hat, konnte sich „Conan der Barbar“ nur schwer am Markt behaupten. Comic-Autor Roy Thomas und Zeichner Barry Windsor-Smith nutzten jedoch die verkaufsfördernde Zugkraft weiblicher Charaktere und versetzten Howards Figur „Red Sonya“ einfach in die „Conan“-Welt. Allerdings muss dazu noch erwähnt werden, dass Barry Windsor-Smith seine Heldin in seiner Version von „The Shadow Of The Vulture“ sowie der Folgegeschichte „The Song Of Red Sonja“ noch mit einem Kettenhemd zeichnete und die Metall-Bikini-Sexualisierung erst später durch den spanischen Künstler Esteban Maroto erfolgte.

Von Bakshi bis Fleischer

Ihren großen Durchbruch feierte „Red Sonja“ allerdings erst dann, als im Zuge des riesigen Erfolges der Arnold-Schwarzenegger-Filme „Conan der Barbar“ von 1982 und „Conan der Zerstörer“ von 1984 ein dritter Film über das hyborianische Zeitalter erschaffen wurde. Nicht etwa, weil der Film so erfolgreich an den Kinokassen war – das Gegenteil war der Fall, denn der Film floppte. Es war einfach die Barbaren-Filmwelle, die das Genre auch in anderen Medien wie etwa dem Zeichentrickfilm („Feuer und Eis“ 1983, „Heavy Metal“ 1981), der Spielzeugindustrie („He-Man“ 1983) und dem Comic zum Aufschwung verhalf.

War Richard Fleischers „Red Sonja“-Verfilmung lediglich als rund 12 Millionen US-Dollar günstiger Streifen geplant („Conan der Zerstörer“ kostete ca. 18 Millionen US-Dollar), der diese Welle noch mitreiten sollte, entwickelte sich daraus durch immer wieder neu auftauchende Posten ein ebenfalls rund 18 Millionen US-Dollar teures Projekt, das mehr Hürden mit sich brachte, als es den Produzenten lieb war. Ursprünglich sollte beispielsweise Ralph Bakshi (Schöpfer des „Der Herr der Ringe“-Zeichentrickfilms von 1978) Regie führen. Er sprang dann aber durch die Verzögerung des Drehs ab und wurde durch Richard Fleischer ersetzt, der von seinen Kollegen als recht zurückhaltender Rahmengeber dieses Projekts bezeichnet wird.

Hera in New York

Dann stellte Produzent Dino De Laurentiis fest, dass seine angepeilte Hauptdarstellerin Laurene Landon bereits in dem Barbarenfilm „Hundra“ (1983) den Mainpart spielte, wodurch „Red Sonja“ am Ende wie ein simpler Klon ausgesehen hätte. Erst als er einige Monate später das dänische Model Brigitte Nielsen auf dem Cover eines Modemagazins entdeckte, hatte er seine Amazonen-hafte Hauptdarstellerin gefunden. Die damals gerade mal 21-jährige Brigitte Nielsen hatte allerdings noch nie geschauspielert, konnte weder reiten noch hatte sie Erfahrungen im Umgang mit dem Schwert. All das musste sie quasi während des Drehs unter anderem vom Stunt-Koordinator und Action-Regisseur Vic Armstrong lernen. Aber das war bei Arnold Schwarzeneggers Schauspieldebüt in „Hercules in New York“ (1970) ja auch nicht anders gewesen. Irgendwie passt „Gitte“ Nielsens hölzernes Spiel auch ganz gut zum Barbaren-Flair und ergänzt Arnies nicht weniger steifes Gebaren auf organische Weise. Letzterer sollte übrigens laut Drehbuch nur in einer winzig kleinen Nebenrolle im Film zu sehen sein. Lediglich zehn Tage waren für den Dreh seines Parts offiziell vorgesehen, daraus wurden allerdings mehrere Wochen und seine hünenhafte „Conan“-Figur tauchte so schließlich in immer mehr Szenen auf. Und das, obwohl Sonja der festen Meinung ist, „Ich brauche keinen Mann, der mir zu Hilfe kommt!“. War es Zufall, die reine Marketing-Maschinerie oder steckte noch mehr hinter der ominösen Schwarzenegger-Geschichte?

Der Clou

Es gibt zwar keine offiziellen Beweise, aber Fakt ist, dass die beiden „Conan“-Filme große Erfolge waren und Dino De Laurentiis daher von einem dritten sprach, der auf dem Roman „Conan der Eroberer“ basieren sollte. Allerdings hielten Universal Pictures die „Conan“-Rechte, weshalb es eine sehr große Investition gewesen wäre, ebendas zu verwirklichen. Außerdem sah Schwarzeneggers Multifilm-Vereinbarung mit De Laurentiis vor, dass er zu keinem vollständigen Filmdreh gezwungen werden könne. Es passierte also Folgendes: Der Kult-Produzent sicherte sich die wesentlich günstigeren Verfilmungsrechte an „Red Sonja“ und ließ darin Schwarzenegger als Kalidor (nicht Conan) auftreten. Dessen Part wurde kontinuierlich am Set erweitert, solange sich der Österreicher nicht darüber beschwerte. Dino De Laurentiis, der zu diesem Zeitpunkt mehr mit der 1984er „Dune“Verfilmung beschäftigt war, bekam hierdurch seinen inoffiziellen dritten „Conan“-Film unter falscher Flagge. Da er allerdings weniger als die Hälfte des Budgets wieder einnahm, war dieser „Clou“ wohl eher ein Schuss nach hinten.

Klassische Heldinnen-Genese

Für Brigitte Nielsen war der Fantasy-Film hingegen der Türöffner zu weiteren Hollywood-Produktionen wie etwa „Rocky IV“ (1985), „Die City-Cobra“ (1986) und „Beverly Hills Cop 2“ (1987). Aus heutiger Sicht besitzt ihr Schauspiel-Debütfilm aber trotz aller Kritik (die es übrigens auch für die beiden „Conan“-Filme hagelte) eine Menge Kultpotenzial. Mit einem Ensemble wie den „Indiana Jones“-Darstellern Ronald Lacey, Pat Roach und Terry Richards, dem „Dune“-Darsteller Paul L. Smith als unterwürfiges „Kindermädchen“ Falkon, dem späteren „Turtles II“-Kämpfer Ernie Reyes Jr. als nervtötender Mini-Prinz und der „Conan“-Darstellerin Sandahl Bergman in der Rolle der machthungrigen Königin Gedren werden die kleineren Verfehlungen der beiden Protagonisten gut aufgefangen. Die generische Heldengeschichte spiegelt die Conan-Genese aus weiblicher Perspektive wider und beginnt mit einer traumatischen Sequenz, an deren Ende Sonjas Familie ausgelöscht und sie sogar geschändet wird. Und all das nur, weil Königin Gedren nicht mit Sonjas sexueller Abweisung zurecht kommt. Eine ganze Schwertmeister-Ausbildung später wird ein MacGuffin in Form des Welten schaffenden/ zerstörenden Talismans von der Bösewichtin gestohlen. Passenderweise darf dieser ausschließlich von Frauen berührt werden. Männer verschwinden einfach in einem kuriosen Spezialeffekt. Eine der Wächterinnen des mächtigen Schatzes ist Varna, die Schwester Sonjas, die nun auch durch Gedrens Hand bzw. einen Giftpfeil das Zeitliche segnet. Ein Grund mehr für die rothaarige Amazone Sonja, sich Gedren entgegen zu stellen und die Welt vor der zerstörerischen Macht des Steins zu retten. Auf ihrem Weg begegnet ihr schließlich der Kämpfer Kalidor, der als großer Lord das Ritual der Talisman-Zerstörung aufgrund einer zerstörten Brücke verpasst hat und sich nun in der Pflicht sieht, diese Verfehlung wieder rückgängig zu machen. Ähnlich wie Gawain in der „Parzival“-Handlung der Artusbzw. Gralslegende agiert Kalidor aus dem Hintergrund und vergisst dabei nicht, um das Herz der stolzen Amazone zu buhlen. Mit seinem Austreten aus der Handlung wird seine Stärke zum Mythos zusätzlich dadurch geadelt, dass er wohl der einzige ist, der Sonja „bändigen“ kann und mit dem sie die ganze Nacht „durchkämpfen“ würde …

„Red Sonja“ Editionen

Renato Casaro bei der Arbeit

Auch mit 86 Jahren ist der italienische Filmplakat-Künstler mit viel Liebe zum Detail bei der Sache. In der auf der Blu-ray und UHD-Scheibe enthaltenen Dokumentation „The Last Movie Painter“ (ca. 98 Min.) lässt sich sein Schaffen seit seinem ersten Filmplakat für den deutschen Film „Zwei blaue Augen“ (1956) über die Spaghetti-Western-Ära, die Bud-Spencer-Terrence-Hill-Komödien und die „Rambo“-Streifen bis hin zu aktuellen Tarantino-Filmen nachvollziehen. 1985 malte er das Original-Kinoplakat zu „Red Sonja“ (siehe Steelbook-Edition), weshalb es etwas ganz Besonderes ist, dass der Altmeister nun exklusiv zum Start des UHD-Remasters auf Blu-ray und UHD-Blu-ray ein neues Ölgemälde für die entsprechenden Cover anfertigte, das wir freundlicherweise auch für unser Titelbild verwenden durften.

Mit Feminismus dürfte die Erhebung Sonjas zur Titelheldin eines eigenen Filmes also relativ wenig zu tun gehabt haben, zumal Kalidor nahezu alle brenzligen Situationen auflöst und damit den Beweis für das Publikum der 1980er Jahre erbringt, dass eine Red Sonja ebendoch ohne die Hilfe eines Mannes nicht zurecht kommen kann. Des Weiteren wird hier auch ganz klar die potenzielle Mutterrolle Sonjas hervorgehoben, wenn sie zum Beispiel den widerspenstigen Prinz Tarn (Ernie Reyes Jr.) mit fester Hand erzieht oder die Kamera eine barbarische Mutter-Vater-Kind-Konstellation einfängt.

Kulissen und Ausstattung

Das größte Kapital des Films ist dessen Atmosphäre, die durch sagenhafte Landschaftsaufnahmen gewonnen wird. Gedreht wurde im Gebirgsmassiv der Abruzzischen Appeninen (nahe der der südlichen Adria in Italien) mit schwindelerregenden Perspektiven, bei denen beispielsweise ein in den Vordergrund reitender Kalidor ins Verhältnis zur Kilometer weit entfernt reitenden Sonja gesetzt wird (ca. 28. Min.). Solche Panoramen sind hier nicht selten und erfreuen die Green-Screen-überdrüssigen Augen des heutigen Publikums. Auch der Raum des Lichts (ca. 39. Min.) mit seinen hunderten Kerzen und die detaillierten, kunstvollen Kostüme bieten ordentlich Schauwerte, sodass sich der neue 4K-Scan von den Original-Negativen und die Restauration mit u. a. über 150 Stunden manueller Bereinigung des Bildmaterials bereits dafür absolut gelohnt haben. Vergleicht man das neu überarbeitete Bild der UHD-Blu-ray mit dem Material aus dem Making-of (ca. 12 Min.) oder mit dem Beitrag „Arnold Schwarzenegger, der Mann, der Hollywood auf den Arm nahm“ (ca. 16 Min.) liegen qualitative Welten dazwischen. Gerade bei den oben beschriebenen Panoramen ist es wichtig, dass selbst die am weitesten entfernte Reiterin klar abgegrenzt, scharf dargestellt und detailliert ist, egal wie klein sie auch fürs Auge erscheinen mag. Vorher war dort nur ein verschwommenes Etwas zu sehen. Diese klare Abgrenzung der Figuren und Details in den fokussierten Bereichen zieht sich durch den gesamten Film und wird durch die satten Farben noch verbessert. Statt matschigbleicher Brauntöne bekommt man nun richtig vollmundiges Kastanien-Braun, Karmin-Rot und Kerzenfeuer-Gelb zu sehen. Die Hautfarben sind teils sonnengebräunt-orange, teils rosig. Und das Grün der Landschaften kann endlich als saftig bezeichnet werden. Die gewitternden Matte-Paintings fallen durch die höhe Auflösung zwar etwas mehr auf, verringern aber nicht den nostalgischen Wert des Gesamtbildes, dessen Brillanz die wenigen offensichtlichen Glasgemälde überwiegt. Da ein Großteil der Handlung in dunklen Höhlen stattfindet, leistet zudem der gehobene Kontrastumfang äußerst zuverlässige Dienste. Das Filmkorn verhält sich nahezu wie auf analogem Film. Daher Schwert aufs Herz: So gut hat dieser Barbaren-Klassiker gewiss noch nie ausgesehen. Und der deutsche PCM-2.0-Mono-Sound sowie das gepimpte englische DTS-HD-MA-5.1-Original erfüllen die Publikumserwartungen ebenfalls und lassen Ennio Morricones eingängige, martialische Kompositionen in neuem Glanz erschallen.

FALKO THEUNER