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Regenwälder in Flammen


aquaristik - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 12.02.2020
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Bildquelle: aquaristik, Ausgabe 2/2020

Die Lunge der Erde, der Regenwald am Amazonas, ist durch Rodungen und außergewöhnliche Dü rre geschwächt. Die verheerenden Brände gefährden das gesamte Ökosystem.


Die Regenwälder am Amazonas, im Kongobecken und in Südostasien fallen in diesem Jahr besonders vielen gelegten Bränden zum Opfer. Das bedroht deren immense Artenvielfalt, die dort lebenden Menschen – darunter viele indigene Völker – und feuert die Erderwärmung an. Was sind die Ursachen, wer steckt hinter den Bränden, was haben diese mit uns zu tun?

Im Amazonasbecken in Südamerika befi ndet sich das größte verbliebene Regenwaldgebiet der Erde. Es ...

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... umfasst ca. 6,7 Millionen Quadratkilometer Land – das entspricht der eineinhalbfachen Fläche der EU. Neun Staaten haben Anteil an Amazonien, wobei der Hauptt eil auf Brasilien entf ällt. Es ist die Heimat von 320 verschiedenen indigenen Völkern. Insgesamt 34 Millionen Menschen leben dort.

Regenwald in Malaysia.


Rinderherde in Mato Grosso. Damit sie mehr Weideland für ihre Rinder gewinnen, stecken Farmer immer wieder Regenwald in Brand. Allein in Brasilien leben 200 Millionen Rinder.


Der Amazonas-Regenwald beherbergt eine immense Biodiversität. Geschätzte 40.000 Pfl anzenarten, darunter allein 16.000 verschiedene Bäume, kommen dort vor. 427 Säugeti er- und 1.294 Vogelarten wurden bereits wissenschaft lich beschrieben.

Rund ein Fünft el des Süßwassers der Erde fl ießt durch das Amazonasbecken.

Über 3.000 verschiedene Fischarten jeder Größe leben dort, darunter Riesenfi sche wie der bis zu zwei Meter lange Arapaima.

Auch Rochen, Haie, Garnelen, Seekühe und Delfi ne, die sonst nur in den Meeren vorkommen, tummeln sich in den Urwaldgewässern. Für das Weltklima ist der Regenwald nicht nur als Kohlenstoff speicher von besonderer Bedeutung. Amazonien wirkt zudem wie eine riesige Wärme- und Wasserpumpe.

Es saugt feuchte Luft massen vom Atlanti k an, die sich über dem Regenwald abregnen. Wie ein gewalti ger Schwamm hält der Urwald die Feuchti gkeit zurück.

1.000 Liter Wasser täglich verdunstet ein Baumriese in die Atmosphäre und trägt damit zur Bildung neuer Gewitt erwolken bei. Die Andenkett e leitet einen Teil der feuchten Luft strömungen in südliche Richtung um. Als „fl iegende Flüsse” versorgen sie den Süden Brasiliens mit Regen, sonst würden sich dort Wüsten ausbreiten.

Der zuSammenBruch DeS ÖkoSYStemS Droht

Das Amazonasgebiet ist stark bedroht, etwa 20 Prozent wurden bereits abgeholzt. Wissenschaft ler warnen davor, dass weitere Rodungen zum Zusammenbrechen des Ökosystems und regionalen Klimas führen könnten. Bisher herrschte – zumindest den Worten nach – weitgehend Einigkeit darüber, dass das Amazonasgebiet geschützt und erhalten werden muss. Doch seit der Machtübernahme von Brasiliens rechtspopulisti schem Präsidenten Jair Bol sonaro brennt es in weiten Teilen des Regenwaldes.

Bolsonaro hat die Gesetze zum Schutz der Umwelt und Gebiete der indigenen

Fischfängerfamilie am Amazonas.


Urwaldriesen in einem Regenwaldgebiet in Kamerun.


Minenarbeiter im Kongo.


Einwohner gelockert, um die dorrgen Ressourcen in klingende Münze urrzuwan- deln: Tropenhölzer, Land für neue Soja- und Palmölplantagen sowie Rinderweiden, Bodenschätze wie Eisenerz, Bauxit urd Gold, Flüsse, die sich zur Stromerzeugung zu gewaltiger Seen aufstauen lassen.

AUCH DAS KONGOBECKEN 8RENNT

Im Sücen cer Demokratischen Republik ist der Abbau von Bodenschätzen wie Ccltan, Kobalt und Kupfer Antreiber der Rodungen unc Brande, werter im Norden sind es vor 3 lern Trooenholz-Konzessionen sowie in- dustrieplantagen mit Ölpalmen und Kaut- schukbaumen.

Eigentlich ist der P.egenwald zu feucht, um in Flammen at-fzugehen. Doch im .ahr 2015 kam es in der Republik Kongo zum ersten Wal zu ausgedehnten Bränden. Nach Analysen von Satellitenaufnahmen durch Wissenschaftler brannte es vor allem dort, wo Konzessionen zum Einschlag von Tropenhölzern vergeben worden waren.

Ausländische Holzkonzerne haben mit Rodungen und den dort angelegten Straßen. Holzlagerplätzen, Sägewerken und Ar- oe tersieclungen den Regenwa d ausgeiich- tet. Ohne cas schützence, die Sonneneinstrahlung abhaltence und cie Feuchtigkeit zurückhaltende Kronendach der Bäume trocknet der leergeräumte Wald aus – und wird damit brennbar.

Dichter Rauch über dem Regenwald am Amazonas.


Feuer am 1.980 km langen Rio Xingu in Brasilien.


Diese Aufnahme verdeutlicht sehr gut, an wie vielen Stellen es gleichzeitig am Amazonas brennt.


(1) https://unearthed.greenpeace.org/2016/04/20/ logging-and-drought-may-have-causedunprecedented- fires-in-congo-basin-rainforest/ (2) https://advances.sciencemag.org/content/advances/3/1/e1600821.full.pdf

HOLZSIEGEL WIE FSC SCHÜTZEN NICHT!

Die größten Feuer konzentrierten sich auf die zertifizierten Konzessionsgebiete der Industrie Forestière de Ouesso (IFO), einer Tochter der österreichisch-schweizerischen Danzer Group/Interholco AG (1). So wurde der Regenwald mit dem Siegel für „verantwortliche Waldwirtschaft” der Organisation Forest Stewardship Council (FSC) aus Bonn Opfer der Flammen. Der selektive Holzeinschlag in zertifizierten Konzessionsgebieten sei eine wichtige Triebfeder für die Abnahme der Urwaldgebiete in Zentralafrika, berichtet ein internationales Forscherteam (2). Die Zertifizierung der Konzessionen, beispielsweise mit dem FSC-Siegel, bremse die Zerstückelung der Urwaldgebiete nicht, so die Studie weiter. Der Holzeinschlag und die damit verbundene Erschließung der Regenwälder setze eine Kaskade von Eingriffen in Gang, an deren Ende schließlich die Umwandlung der Wälder in industrielle Monokulturen stehe. Der selektive Holzeinschlag ermögliche somit die Ausweitung der Plantagen mit Ölpalmen und anderen landwirtschaftlichen Nutzungen.

UNSERE IMPORTE AUS DEN REGENWALDLÄNDERN

Das Entsetzen in Europa über die Vernichtung der Regenwälder ist groß. Es wird zum Schutz der Regenwälder aufgerufen, ohne dabei vom eigenen Mantra des ständigen Wachstums und der Profitmaximierung abzurücken. Denn wir treiben die Abholzung und Brandrodung mit an: Millionen Tonnen Soja, Palmöl, Südfrüchte, Kautschuk, Rindfleisch, Eisenerz, Aluminium und Kupfer importieren die Mitgliedsländer der EU jedes Jahr.

WARUM IST DER REGENWALD FÜR AQUARIANER WICHTIG?

Zwei Aspekte sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Solange die einheimischen Zierfischfänger vom Zierfischfang leben können, schützen sie den Wald vor Zugriffen und Brand. Durch den Kauf von Wildfängen, etwa aus Barcelos (beschrieben u.a. im Buch „Abenteuer Amazonas”), tragen Aquarianer aktiv zum Schutz des Regenwalds bei. Werden die Zierfischfängerfamilien arbeitslos, suchen sie sich andere Beschäftigungen wie z.B. als Holzfäller oder Minenarbeiter und unterstützen damit die Vernichtung des Regenwalds.Des Weiteren führt die Entwaldung dazu, dass immer mehr Sedimente in die Bäche und Flüsse gespült werden. Nicht nur die Kiemen der Fische werden geschädigt und Fische sterben daran, auch die Fortpflanzung wird nachhaltig gestört. In wenigen Jahren können die dadurch betroffenen Gewässer fast ihren gesamten Fischbestand verlieren. So sterben bereits heute viele Fischarten aus, die wissenschaftlich noch gar nicht beschrieben wurden bzw. erst nach dem Aussterben anhand von Museumsexemplaren beschrieben werden. Der Bau von Staudämmen ändert massiv die Strömung und Wasserwerte der Habitate und auch hier verschwinden nach und nach die dort lebenden Arten, die auf gewisse Wasserverhältnisse angewiesen sind.


Foto: © gustavofrazao, stock.adobe.com

Foto: © Brasil2, istockphoto

Foto: Redakti on

Foto: © alff oto, istockphoto

Foto: Hudson Crizanto

Foto: Rettet den Regenwald e.V.

Foto: LIZENZ CC BY-NC-ND 2.0

Foto: NASA

Foto: ISS Crew Earth Observations ISS029-E-8032

Foto: NASA