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REGISSEUR: ARI ASTER: IM INTERVIEW


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 72/2018 vom 14.11.2018

Selten wurde ein Regiedebüt so gefeiert wie das von Ari Aster. HEREDITARY – DAS VERMÄCHTNIS ist in aller Munde, und auch wir von der DEADLINE finden, dass er mit seinem Film einen der besten Horrorfilme aller Zeiten gedreht hat. Siehe unser Review in der DEADLINE #69. Weshalb HEREDITARY so gut funktioniert und woher er sich seine Inspiration geholt hat, erläutert Aster im exklusiven DEADLINE-Interview.


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Bildquelle: deadline - das Filmmagazin, Ausgabe 72/2018

DEADLINE: Weshalb wolltest du mit HEREDITARY dein Spielfilmdebüt wagen?
ARI ASTER: Ehrlich gesagt war hereDitarY nicht mein erster Versuch, einen Langfilm zu drehen. Es ist sehr schwer, einen Film ...

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DEADLINE: Weshalb wolltest du mit HEREDITARY dein Spielfilmdebüt wagen?
ARI ASTER: Ehrlich gesagt war hereDitarY nicht mein erster Versuch, einen Langfilm zu drehen. Es ist sehr schwer, einen Film erfolgreich zu finanzieren, erst recht, wenn es dein erster ist. Vielleicht ging ich auch ambitionierter zu Werke, als man es als Debütant tun sollte, und vielleicht hat es deshalb vorher nicht geklappt. Ich fand letztlich heraus, dass es für mich am einfachsten wäre, einen Horrorfilm finanziert zu bekommen, da dort öfters Debütanten rangelassen werden. Deshalb entschied ich mich, so einen zu schreiben. Fortan drehte sich für mich alles um die Frage, was für eine Art Horrorstreifen ich machen möchte und was mein Beitrag für dieses Genre sein soll. Und so kam dabei am Ende hereDitarY heraus.

DEADLINE: Weshalb hast du den Film den Produzenten eher als Familiendrama denn als Horrorstreifen gepitcht?

ARI ASTER: Ich habe den Film nicht nur als einfaches Drama möglichen Finanziers vorgestellt. Ich habe hereDitarY als Familientragödie gepitcht, welche sich in einen Albtraum verwandelt. Natürlich war es ein Horrorfilm, aber um nicht gleich in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden und genügend Beinfreiheit bei der Herstellung meines Films zu haben, musste ich meine Ideen zunächst auf andere Weise präsentieren. Bei mir reiht sich auch nicht ein Schockmoment an den anderen, sondern die Figuren machen eine richtige inhaltliche Entwicklung durch. Der Horror kommt nicht einfach so, sondern ergibt sich aus seinen Charakteren heraus. Und nur dann, wenn die Figuren echt und glaubhaft sind, erschrecken die Horrorelemente einen nicht nur, sondern sie nehmen dich auch emotional mit. Bevor ich also überhaupt an Horrorelemente denken konnte, musste ich ein gelungenes Familiendrama inszenieren. Gleichzeitig gibt es in diesem Genre gewisse Gesetze, die jeder einhalten muss. Ich hoffe, dass ich meinen Ansprüchen am Ende gerecht geworden bin.

DEADLINE: Was waren die Schlüsselelemente, damit HEREDITARY verstörender wirkt als andere Filme?
ARI ASTER: Meine Intention war, im ersten Drittel ein Sittengemälde zu zeichnen, das am Ende des ersten Akts auf den Kopf gestellt wird. Einer der Personen passiert etwas, von dem ich hoffe, dass es niemand vorher kommen sieht. Denn mir ist es wichtig, dass es den Zuschauern meines Films genauso ergeht wie den Figuren, denen sie zusehen. Der Zuschauer soll dasselbe Gefühl des Verlustes spüren wie die Personen im Film. Ich hoffe wirklich, dass es mir gelingt, eine synthetische Verbindung zwischen dem Zuschauer und den Charakteren zu entwickeln, denn dies ist von essenzieller Bedeutung für das Funktionieren von hereDitarY. Denn er nimmt uns so sehr mit und ist so effektiv, da wir mit seinen Charakteren emotional stark verbunden sind. Und je mehr Empathie eine Figur auf dich ausstrahlt, desto stärker werden dich die Ereignisse emotional mitnehmen. hereDitarY soll sich am Ende für den Zuschauer optimalerweise so anfühlen, als ob die schlimmen Ereignisse nicht den Figuren widerfahren, sondern ihm selbst.

DEADLINE: Hattest du Vorbilder beim Drehen von HEREDITARY?
ARI ASTER: Es gibt viele Filmemacher, die ich toll finde. Nicolas Roeg zum Beispiel und den frühen Roman Polanski. wenn Die gOnDeln trauer tragen war ein Film, über den wir viel gesprochen haben. Generell waren die Werke, mit denen wir uns in der Vorproduktion von hereDitarY auseinandergesetzt haben, eher keine Horrorstoffe, sondern Familiendramen wie in the BeDrOOm und Der eiSSturm. Auch all Or nOthing stand für uns auf dem Programm. Es ging dabei vor allem darum, beim Schreiben von hereDitarY möglichst gute Inspiration für Erzählungen zu finden, in denen die persönlichen Hintergründe von Charakteren im Zentrum der Geschichte stehen und nicht so sehr die Ereignisse selbst.

DEADLINE: Für dich ist HEREDITARY also eher ein Familiendrama mit Horrorelementen als umgekehrt?
ARI ASTER: hereDitarY ist ein Familiendrama, das zu einem Horrorfilm wird.

DEADLINE: Wie schwer war es, für deinen Debütfilm bekannte Stars wie Toni Collette und Gabriel Byrne zu gewinnen?
ARI ASTER: Es war wirklich verdammt schwer, Leute zu überzeugen, vor allem weil das letzte Drittel von hereDitarY von normaler Logik in die Logik eines Albtraums übergeht. Die Erste, die dann aber irgendwann an Bord war, war Toni Collette. Sie hatte nach dem Lesen des Skripts eine sehr gute Vorstellung davon, was aus dem abstrakten Schriftlichen am Ende auf der großen Leinwand werden könnte. Zudem wollte sie sich der Herausforderung stellen, eine solch besondere Figur zu spielen. Als wir Toni an Bord hatten, ergab sich der Rest gefühlt fast von allein. Schauspieler konnten überzeugt werden, und auch die Finanzierung stand endgültig. Toni Collette war also der Schlüssel dafür, dass es hereDitarY am Ende tatsächlich geben konnte.

DEADLINE: Wie war es am Set: Konntest du da dein Ding machen, oder wurdest du kritischer beäugt und hat man dir reingeredet, weil du deinen ersten Spielfilm gedreht hast?
ARI ASTER: Ich kann mit großer Freude versichern, dass der Film, der am Ende in die Kinos kommt, von der Essenz her genau der ist, den ich ursprünglich geschrieben habe. Natürlich werden immer wieder kleinere Änderungen vorgenommen. Aber ich musste bei nichts Kompromisse eingehen, was für hereDitarY von großer Bedeutung war oder dessen Aussage oder Stil substanziell verändert hätte. Darüber bin ich wirklich sehr glücklich, denn so etwas ist leider nicht immer selbstverständlich.

DEADLINE: Wärst du offen für eine Fortsetzung?
ARI ASTER: Ich habe bereits eine Idee für ein mögliches Sequel. Allerdings ist dieses recht ungewöhnlich, und ich würde nur zustimmen, mich an eine Fortsetzung zu setzen, wenn ich diese Idee auch genau so umsetzen dürfte. Aber zunächst müssen wir erst einmal abwarten, wie hereDitarY läuft, bevor überhaupt über ein mögliches Sequel gesprochen werden kann.

DEADLINE: Vielen Dank für das Gespräch.

BIRDS OF PASSAGE

OT: PÁJAROS DE VERANORegie: Ciro Guerra, Cristina Gallego / Kolumbien, Dänemark 2018 / 125 Min.Darsteller: Carmina Martínez, Natalia Reyes, José Acosta, Juan MartínezProduktion: Cristina Gallego, Katrin PorsFreigabe: tbaVerleih: MFA+ FilmdistributionStart: 20.12.2018

Ein Jahrhundertverbrecher und seine Folgen: Wenn wir einen filmischen Ausflug nach Kolumbien wagen, dann erwarten uns dort fast immer Gewalt und Drogen. Ein Grund dafür ist der legendäre und schillernde Drogenbaron Pablo Escobar. Der ist zwar seit bald einem Vierteljahrhundert tot, wird aber immer noch regelmäßig in Film und Fernsehen gezeigt, zuletzt etwa in narcOS oder lOVing paBlO. Ganz so berühmt sind die Wayuu sicher nicht. Kaum einer dürfte den stolzen Stamm der südamerikanischen Ureinwohner hierzulande kennen, die in BirDS Of paSSage maßgeblich dazu beitragen, dass der Drogenhandel später so florieren wird. Dabei fing alles so harmlos an für Rapayet (José Acosta ), Mitglied der Wayuu, als er in den späten 60ern sich ein bisschen was durch den Verkauf der berauschenden Substanzen hinzuverdient. Das bringt ihm und seiner Familie zwar viel Geld und Macht, führt aber auch zu jeder Menge Konflikte – innerhalb des Stammes wie außerhalb. Vor allem das Verhältnis zu Cousin Aníbal (Juan Martínez ), der ebenfalls im Drogengeschäft mitmischt, ist äußerst angespannt und droht jederzeit zu einem Krieg auszuwachsen. Und tatsächlich, auf eine schockierende Weise eskaliert hier die Gewalt, geschont wird in dem Drogenthriller niemand. Explizit ist das zwar eher selten, dafür aber ausgesprochen surreal. Ciro Guerra, der vor einigen Jahren mit seinem fiebrigen Dschungelabenteuer Der Schamane unD Die Schlange von sich reden machte, und seine Co-Regisseurin Cristina Gallego verbinden irdische Scharmützel mit jeder Menge indigener Folklore. So sehen wir zu Beginn Rapayets künftige Gattin Zaia, wie sie in einem farbenprächtigen Ritual zu einer erwachsenen Frau wird. Und auch der Alltag ist von überliefertem Glauben geprägt, von Totengeistern, die über die Erde wandeln, von Träumen, die die Zukunft vorhersagen, von Talismanen und Schutzzaubern. Großartige Bilder mit leichter Western- und Horroranmutung erzählen vom Kampf zwischen alt und neu, zwischen Tradition und Moderne, der weder für Gewinner noch Helden Platz lässt.
(OLIVER ARMKNECHT)

FOLKLORISTISCH-SURREALER DROGENTHRILLER

Kino dort, wo alles vibriert. In einem hohen, weiten Raum, an dessen Front der DJ mit gnadenloser Härte den Bass mit unaufhörlicher Konsequenz durch den Raum hämmern lässt. Hier drinnen ist alles Hitze. Draußen grell und kalt in den Augen stechend: nichts als eisige Kälte und Schnee. Ein klein wenig nehme ich es Gaspar Noé vielleicht übel, dass er der momentanen Unsitte folgt, in seinem nun schon nach SEUL COnTRE TOUS – MEnSCHEnFEinD, iRRÉ- VERSiBLE, EnTER THE VOiD und LOVE fünften meisterlichen Kinofilm in Folge als erstes Bild ein wildes aus dem erst späteren Verlauf des Filmes vornean zu stellen. Warum nicht gleich in die Vollen gehen? Direkt loslegen? Vorab schon was spoilern? Vielleicht, weil der Film im Grunde natürlich wieder eine bis ins kleinste Detail und von großer Hand vorbereitete, dann konsequent durchgezogene Versuchsanordnung darstellt. Der Versuch, etwas erlebbar werden zu lassen, was man so direkt bislang nur aus der Wirklichkeit kennt. Grenzüberschreitung fast schon mit wissenschaftlichem Eifer. Etwas spürbar werden lassen, was außerhalb des Kinos nur verdammt gesundheitsschädlich erlebbar wäre.

Am Anfang sitzen die Probanden/Schauspieler/Tänzer direkt vor der Kamera und dürfen sich erklären. Eingefasst in die VHS- und Büchersammlung des Meisters (SUiCide, MOde d’eMPlOi – GeBRaUCHSanleiTUnG ZUM SelBSTMORd von Claude Guillon neben POSSeSSiOn von Andrzej Zulawski u. a. ). Es sind die 90er. Und das heißt Tanzen. Eine Tanzgruppe probt eine Chorografie. Ist diese fulminant gelungen, geht alles in eine dann zunächst noch recht entspannte Party über. Wir treiben mit der Kamera durch den Raum, bleiben mal etwas an einem Gespräch hängen, dann wieder woanders. Ganz langsam reibt sich dabei das LSD aus der üppig dunklen Fruchtbowle unter unsere Haut. Gerät alles aus den Fugen. Taumeln wir durch die sich jetzt zunehmend verschiebenden Zugänge in Richtung Tanzfläche.

Disco und Kino, das ist ja im Grunde eins. Auch architektonisch. Wir haben die kalte, weiße Wirklichkeit hinter uns gelassen, als wir durch die Eingangstüre an der Kasse vorbeigeeilt sind. Betreten den Kinosaal, die weite, hohe Tanzfläche über lange, schlauchförmige Gänge und ein paar Treppen. Dort, wo sich die große Leinwand aufrichtet: der DJ. Im Saal dann, kaum beginnt das Lichterspiel, zuckende Leiber. CLiMAX ist nicht nur Körperkino in Vollendung, sondern gleichzeitig wohl der interessanteste Dialogfilm seit Jahren. Auch weil er den Kinodialog, den er gleich zu Anfang so stark in sein Zentrum rückt, dann konsequent aushebelt. Wie kommt man vom direkt in die Kamera gesprochenen Bekenntnis, von der sprudelnden Freude am Reden, irgendwann nur noch zum animalischen Schreien? Wo und wann beginnt sich der Wahnsinn einzuschleichen? Wann verlieren wir alle zusammen völlig die Kontrolle? Ab wann kannst du mitten auf die Tanzfläche pinkeln, und niemand findet das befremdlich?

Dann, wenn nach und nach der völlige Kontrollverlust reinkickt, heult der Film mit einer Konsequenz auf, wie man sie so im Kino fast noch nie gesehen hat. Noé zeigt alles, findet in der allerheftigsten Hölle aber auch immer wieder ganz große Momente von Zärtlichkeit. Fast ein wenig dem Muster alter Katastrophenfilme folgend, gibt es eine Vielzahl interessanter Figuren: den DJ, die beiden Berlinerinnen, den Skinhead, die Choreografin, das Kind …die, und das ist erst recht ein Beleg für die große Kunst von CLiMAX, dann eben doch nicht so prototypisch sind wie zunächst angelegt. Auch weil sich Menschen im Exzess immer noch mal ganz besonders individuell freilegen, entwickeln, manchmal sogar sichtlich zu sich selbst finden. CLiMAX ist ein wuchtiger Höhepunkt in diesem spannenden Kinojahr. Ein wahnsinnig souveräner, meisterhaft schön choreografierter, mörderischer Exzess. Kino als Sog und Strudel. Ein Höllentrip. Die Art, wo es irgendwann gar keine Rolle mehr spielt, ob es draußen längst schon hell geworden ist. Fuck it. Wir sind längst dort, wo alles Tanz ist: im Kino.

(SEBASTIAN SELIG)
ALLES VIBRIERT

ANNA UND DIE APOKALYPSE

OT: anna anD the apOcalYpSeRegie: John McPhail / Großbritannien, USA 2017 / 92 Min.Darsteller: Ella Hunt, Malcolm Cumming, Sarah Swire, Christopher Leveaux, Ben Wiggins, Marli SiuProduktion: Naysun Alae-Carew, Nicholas Crum, Tracy JarvisFreigabe: FSK 12Verleih: Splendid/24 BilderStart: 06.12.2018

In ANNA UND DIE APOKALYPSE kombiniert John McPhail ein Highschool-Musical mit einem Zombie-Splatter-Movie – und lässt die Handlung in Schottland zur Weihnachtszeit spielen. Somit treffen schmissige Songs auf blutige Horror-Actioneinlagen und sehr viel festtägliches Lokalkolorit. Das Remake des Kurzfilms ZOMBIE MUSICAL, den der inzwischen verstorbene Co-Autor von ANNA UND DIE APOKALYPSE, Ryan McHenry, im Jahre 2011 in Szene setzte, erzählt von der Schülerin Anna (Ella Hunt ), die sich kurz vor ihrem Abschluss befindet und vor dem Studienbeginn erst mal auf Reisen gehen will. Mit ihrem besten Freund John (Malcolm Cumming), dem Paar Lisa (Marli Siu ) und Chris (Christopher Leveaux ) sowie der von Ehrgeiz bestimmten Steph (Sarah Swire ) und dem Schul-Bully Nick (Ben Wiggins ) bewegt sich Anna durch den Kleinstadt-Alltag – und bekommt zunächst kaum mit, dass im Radio über eine weltweite Masseninfektion berichtet wird. Bald greift die Epidemie in der schottischen Provinz um sich – und die Teen-Gruppe muss sich gegen ihr untotes Umfeld wehren. Als Antagonist erweist sich dabei auch der fiese stellvertretende Schulleiter Savage (Paul Kaye ).

Das jugendliche Personal wird von Ella Hunt und deren Co-Stars überaus liebenswürdig verkörpert; die mal poppigen, mal punkigen Lieder werden lustig und mitreißend dargeboten. Als Mix aus musikalischer Coming-of-Age-Tragikomödie und rabiatem Endzeit-Weihnachtsfilm funktioniert McPhails Werk perfekt; an den subversiven Humor von SHAUN OF THE DEAD oder die Relevanz im Umgang mit der Zombie-Thematik in Klassikern wie DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN vermag ANNA UND DIE APOKALYPSE zwar nicht heranzureichen; auf der Suche nach guter Unterhaltung mit sympathischen Figuren, die das Singen und Tanzen ebenso beherrschen wie den Kampf gegen das Ende der Zivilisation, macht man mit diesem Genre-Konglomerat indes gewiss wenig falsch. Als Abschlussfilm beim diesjährigen Fantasy Filmfest konnte es bereits etliche Fans gewinnen – und als Gegenentwurf zu diversem Kino-Festtagskitsch könnte es sich durchaus zum Hit entwickeln.
(ANDREAS KÖHNEMANN)
CHARMANT UND TEMPOREICH