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Reif für die Insel!


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TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 11.10.2022

PULAU BANGKA

Artikelbild für den Artikel "Reif für die Insel!" aus der Ausgabe 110/2022 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 110/2022

Vorbei geht es an Lembeh, direkt hinein ins Herz eines maritimen Makrokosmos. Das Sea Souls Dive Resort auf der Insel Bangka erwartet uns mit Tropenidylle pur. Die lang erträumte Barfuß-Insel! Weiß glitzernder Sandstrand unter den Füßen, der Bungalow direkt unter Palmen, üppige, tiefgrüne Uferwälder nur einen Steinwurf entfernt. Die stresslose Anreise verdaut, einen winzigen Jetlag im Handgepäck, beziehen wir unsere Unterkunft. Das Meer tiefblau und ruhig. Nur wenige Schritte von den vor uns liegenden Tauchgründen entfernt blicken wir über den ruhigen Ozean auf zahllose Vulkane, die sanft schlummernd mit dem Horizont verschmelzen. Resort-Inhaber Steve Radics erwartet uns zusammen mit seinem Partner Dolfye Bawole freudestrahlend mit offenen Armen und heißt uns herzlich willkommen. Und das nicht zum ersten Mal: Nach einer pandemiebedingten Zwangspause finden wir uns erneut als Gäste im ...

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... Sea Souls Dive Resort im Norden Sulawesis ein. Unter deutsch-indonesischer Leitung führt Steve Radics seit 2015 das pittoreske Taucherresort mit seiner familiären Handschrift. Ein Kleinod für maximal zwölf Gäste mit sechs landestypischen Strandbungalows. Neben dem großen, offenen Hauptgebäude mit Restaurant, Bar und Lounge für das gemütliche Dekobier in den Abendstunden gibt es einen geräumigen Kameraraum für die Unterwasserfotografen unter den Gästen. Die Tauchbasis mit Tauchschule sowie zwei Boote runden das Rundum-sorglos-Paket ab. Jede Menge Schweiß und harte Arbeit des Personals haben dieses Dive Resort zu dem gemacht, was es heute ist: ein touristischer Schatz, der bislang kaum geborgen wurde. Nach der zweijährigen coronabedingten Auszeit erwacht die kleine Anlage aus ihrem Dornröschenschlaf und präsentiert sich nach wie vor in tadellosem Zustand. Zweifellos keine Selbstverständlichkeit. Doch Steve Radics ist ein Macher. Ein Schaffer. Dennoch, die Erwartungshaltung unsererseits ist riesig. Auch der Tatsache geschuldet, dass unsere früheren Tauchgänge auf Bangka alles andere als enttäuschend waren. Bis heute erinnern wir uns begeistert daran, wie vor drei Jahren unser Diveguide die Hand hob, den kleinen Finger abspreizte und leicht krümmte. Die eindeutige Geste für ein Pygmäen-Seepferdchen. Und wir denken daran zurück, wie uns beide Hände direkt vor die Maske gehalten und alle Finger ausgestreckt wurden. Eine Zehn? Oder eine 20? Mit riesigen Augen schweifte unser Blick damals auf eine kleine Gorgonie, nicht größer als ein Tennisschläger. Innerhalb kurzer Zeit zählten wir 28 Zwerg-Seepferdchen. Ja, richtig gelesen. 28! Die Messlatte liegt also hoch, und unseren Erwartungen sind kaum Grenzen gesetzt.

Eine echte Freakshow

Der Tauchbetrieb im Sea Souls Dive Resort wurde ganz und gar auf die Bedürfnisse der tauchenden Klientel zugeschnitten. Einem gepflegten Tauchgang geht eine ordentliche Organisation voraus. Ergo: Man muss sich um nichts kümmern. Das Tauchequipment wird direkt nach der Ankunft im Resort abgeholt und für die kommenden Tauchexkursionen vorbereitet.

Nach ausführlicher Einweisung ins tägliche Tauchgeschehen und kurzem Briefing ist es endlich soweit. Mit einer beherzten Rolle rückwärts lassen wir uns hineinfallen ins submarine Treiben. Gespannt, welche Überraschungen die Tiefen des Ozeans rund um Bangka für uns bereit halten, gleiten wir hinab ins große Unbekannte. Schon beim ersten Tauchgang erstreckt sich vor uns ein Meer voller Formen und Farben, voll kurioser Kreaturen. Bangka, der angrenzende Bunaken Nationalpark und die Lembeh Strait sind aufgrund ihrer marinen Biodiversität vor allem an skurrilen Kleinstlebewesen und Nacktschnecken einzigartig. Auch wenn man viele dieser Geschöpfe bereits aus anderen Weltmeeren kennt, ist die Region um Bangka hinsichtlich ihrer Unterwasser-Flora und -Fauna herausragend. Die gesunden Riffe beherbergen vieles, was Rang und Namen hat. Eine wahre Freakshow. Großer Vorteil: Die Divespots rund um das Sea Souls Dive Resort liegen quasi alle vor der Haustür und sind binnen kürzester Zeit erreichbar.

Mit geschultem Auge deutet unser Diveguide Charles auf einen winzigen, gerade mal fünf Millimeter großen, braunen Punkt. Was wie ein marginales Schwebeteilchen scheint, offenbart sich beim Blick durch den Sucher als winziger Hairy Shrimp. Mit wilder Löwenmähne posiert der winzige Wicht im Rampenlicht der Kamera. Eine Korallen-Garnele tänzelt derweil über die Tentakel ihrer Peitschenkoralle. Und zwei grüne Kubaryana-Nacktschnecken finden sich zum gemütlichen Tête-à-Tête auf felsigem Grund. Ein Paar Geistermuränen scheint uns mit weit aufgerissenem Maul auf Distanz halten zu wollen. Schwarz das juvenile Männchen, funkelnd gelb und blau die Dame. Wir treiben entlang einer kunterbunten Szenerie, einem knallig abgedrehten Theater, voll obskurer Protagonisten. Während sich unsere Speicherkarte füllt, neigt sich der Luftvorrat in unseren Tauchflaschen langsam dem Ende zu. Strahlend, in flammendem Rot und Braun, stellt sich zu guter Letzt ein Orang-Utan-Krebs anmutig zur Schau. Sanft wiegt er mit der Strömung hin und her und liefert den grandiosen Abschluss eines denkwürdigen Tauchgangs.

Gespannt gleiten wir ins Unbekannte. Schon beim ersten Tauchgang erstreckt sich vor uns ein Meer voller Formen und Farben, voll kurioser Kreaturen.

Kuriositäten-Kabinett

Wie im Rausch gleichen die darauffolgenden Tauchgänge einer explosiven Reizüberflutung. Im Sucher unserer Kamera präsentiert sich eine in Flammen getauchte Prachtsepia in ihrem teuflischen Gewand. Anglerfische hier und da, in allen Farben des Regenbogens. Neben einer ganzen Armee divergenter Kleinstlebewesen porträtieren wir einen drolligen Bobtail Squid, eine winzige Candy Crab irisierenden Ausmaßes, Coleman Shrimps und die bei Tauchern so beliebten Zwergseepferdchen. Natürlich saust auch Filmstar Nemo vorbei, der mutig jeden verjagt, der seinem Territorium zu nahe kommt. Derweil lauern die schillerndsten Wesen des Ozeans überall. Nacktschnecken. Ob neonpinkfarbenes Stachelkleid oder Leopardenkostüm: Die Farbenpracht der sogenannten Nudis verwandelt das Riff in einen Laufsteg der Super-Diven und öffnet die Showbühne für die Schönsten der Schönen. Dabei sind die Supermodels oft nicht größer als der kleine Finger und führen ihre Gewänder auch lediglich im Schneckentempo vor. Rockstar im Kuriositäten-Kabinett und Heiliger Gral im Nacktschnecken-Universum ist dabei die gespensterhafte Melibe Colemani. Ein Skelett! Ein Hauch aus Nichts, der wie ein Geisterwesen über seine vertraute Weichkoralle spaziert.

Die Farbenpracht der Nacktschnecken verwandelt das Riff in einen Laufsteg der Super-Diven und öffnet die Showbühne für die Schönsten der Schönen.

Während die Sonne den Ozean vor dem Dive Resort in endlos grün-blau-türkisfarbene Töne taucht, steuern wir in kleiner Gruppe auf Batu Gosoh zu: ein Tauchplatz, der aus einer Reihe steiler Gipfel und Pinnacles besteht. Nach einer Überdosis an Makrotauchgängen treibt uns die Sehnsucht nach Weite, Großfisch und bunten Korallengärten. Schon nach wenigen Flossenschlägen finden wir uns in einer atemberaubenden Topografie wieder. Felsnadeln und kleine Unterwasser-Gebirgszüge, überzogen mit blühenden Weichkorallen. Die hereinfallenden Sonnenstrahlen verwandeln die Szenerie in einen bunten Märchenwald mit Wolken aus Süßlippfischen. Ein kleiner Babyhai zieht an uns vorüber, riesige Korallenfächer wiegen sanft in der Strömung hin und her. Neben Batu Gosoh gehört Batu Sahaung mit zu den beeindruckendsten Korallengärten rund um Pulau Bangka. Wir gleiten über gigantische Flächen von Weich- und Hartkorallen in knalligem Rot, Orange, Gelb und Violett. Das Wasser ist kristallklar, Sichtweiten von über 30 Metern keine Seltenheit. Nichts steht hier zwischen uns Tauchern und einer prächtigen, märchenhaften submarinen Flora und Fauna.

Lollypink-lilafarbene Weichkorallen stehen auch zum Abschluss unserer Tauchtage im Brennpunkt der Unterwasserkamera. Wie grelle Farbtupfer wachsen sie an den Stelzen des nahegelegenen Jetties neben dem Sea Souls Dive Resort. »Dieser Tauchplatz hat seinen ganz speziellen Reiz und Charme«, erklärt uns Steve Radics. »Egal, ob bei Tag oder Nacht: Hier wirst du immer wieder überrascht sein.« Und tatsächlich ist der Tauchplatz derart beeindruckend, dass er gleich mehrfach von uns ergründet wird. Es ist hier wie an den meisten Divespots rund um die sulawesische Insel Bangka: Man hat noch nicht einmal die ganze Luft aus dem Jacket gelassen, schon beginnt das Spektakel. Mit etwas Glück beinhaltet der indonesische Unterwassercocktail alles, was das Taucherherz begehrt: Makromotive, Großfisch und bunte Korallenlandschaften, und dazu ausgezeichnete Sichtweiten. Und dass es anscheinend doch nichts gibt, was es nicht gibt, beweisen die unzähligen, oft überaus skurrilen Critter und Kleinstlebewesen in Bangkas buntem Makrokosmos. Auch wenn es nicht immer 28 Pygmäen-Seepferdchen auf einer einzigen Gorgonie sind: Unsere Erwartungen wurden auch diesmal mehr als erfüllt. Als am Abend der sternenklare Himmel Blitze über den schlummernden Vulkanen regnen lässt, können wir unseren Augen kaum trauen. Und setzen die Messlatte abermals in luftige Höhen.