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Rein ins ERLEBEN


Tourenfahrer - Motorrad Reisen - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 07.07.2020

Der Balkan - ganz speziell Montenegro - bietet unendliche Aus- und Fernblicke. Atemberaubende Schluchten und alpine Berggipfel, gepaart mit unglaublich schönen Mittelmeerstränden, sind Garanten für eine perfekte Enduro-Reise, so das Fazit von Michael Hoyer (Text & Fotos).


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Bildquelle: Tourenfahrer - Motorrad Reisen, Ausgabe 8/2020

Bestes Offroad-Abenteuer in der Bergwelt in der Gegend um Kolašin. Schroffe Felsen und sattes Grün vitalisieren die Sinne.


Der Natur ganz nah: Das Durmitor-Gebirge im Hintergrund bietet für den Enduristen beste Pisten und Trails.


Einen ganz eigenen Charme versprüht der Anblick der Bergkette, sie überschreitet die 2000er-Grenze

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Schmackhaft und rustikal: Die Küche Montenegros ist von dem Einfluss verschiedener Völker geprägt (unten). Onroad am Piva-Stausee, dem zweitgrößten See des Landes mit perfekten kleinsten Sträßchen zum unbeschwerten Motorradfahren. Die Đurđevića-Tara-Brücke bei Žabljak ist eine imposante Konstruktion, die man unbedingt sehen und befahren sollte. Sie überspannt in bis zu 150 m Höhe die Schlucht des Flusses Tara. Gastfreundschaft wird bei der montenegrinischen Bevölkerung ganz großgeschrieben. Auch wenn die Verständigung häufig schwerfällt, so versteht man sich doch bestens. Weites Land mit perfekten Ausblicken: der Piva-Stausee mit moderner Autobrücke (ganz unten von links).

Als der Kurven-Gott gute Laune hatte, muss er die Straßen in Montenegro gebaut haben. Unterwegs in Richtung Virpazar.


Alpine Klippen, grasbewachsene Hügel, ursprüngliche Wälder - dieses Land ist wild und lieblich zugleich


In Herceg Novi geht die Bergwelt sanft in das badewarme Mittelmeer über. Feinste Speisen zu einem günstigen Preis - auch das montenegrinische Bier hält jeden Vergleich mit deutschem Gerstensaft stand. Die Landwirtschaft spielt in Montenegro eine bedeutende Rolle. Viel Handarbeit wird den Bauern abverlangt, um die häufig nicht üppigen Erträge der Natur abzuringen (von links).

Überbleibsel aus den Kriegen: In der Bergwelt um Kolašin säumen Bunkeranlagen die alten Pfade und Wege.


Das Reisefieber ist geweckt und ich bin hellwach. Ich stecke den Zündschlüssel ein, um so eben mal 1400 Kilometer in Richtung Süden zu fahren. Mein Ziel ist der Balkan, um genau zu sein: Montenegro. Von Süddeutschland aus erreicht man es am schnellsten über Salzburg, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina.

Pozdrav (guten Tag), Montenegro. Ich bin im Land der schwarzen Berge angekommen, die gar nicht so schwarz sind wie gedacht, und fühle mich gleich heimisch. Vielleicht liegt es daran, dass der Schwarzwald eben auch nicht so schwarz ist, wie ihm nachgesagt wird.

Im Norden des Landes ist mein erster Halt die kleine Stadt Plužine. Die Dinarischen Alpen bieten geradezu theatralisch den Kontrast. Alte Wälder, grün bewachsene Hügel und alpine Klippen - ein wahrer Genuss für unsere Kameralinsen. Auf der beliebten Hochlandroute findet sich der weltberühmte Tara-Canyon, der Nationalpark Durmitor, atemberaubende Seen sowie das größte Hochplateau des Balkans mit einer Höhe von ca. 1500 Metern - das Durmitor-Plateau.

Die eindrucksvollste Strecke im landschaftlich geprägten Montenegro ist sicher der Weg durch den Nationalpark Durmitor. Kurz vor der Brücke, die über den Drina- Stausee führt, biegt man nach links in einen Tunnel ab. Auf dem Weg nach Žabljak durchfährt man einige Serpentinen und Felsformationen. Dank der asphaltierten Straße ist hier Fahrgenuss für jede Art von Motorradfahrer geboten. Wer jedoch mit seiner Enduro unterwegs ist, darf sich auf zahlreiche schottrige Abstecher freuen. Die Gegend bietet eine Vielfalt an unterschiedlichen Offroad-Wegen und es lohnt sich, mehr Zeit dafür einzuplanen. Doch auch die Hauptroute durch den Nationalpark über den Sedlo-Pass ist sehenswert und ein absolutes Muss auf jeder Balkan-Reise. Ein Gipfel reiht sich an den nächsten.

Nach einem Tag ist für mich gut nachzuvollziehen, weshalb der Nationalpark zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Einen ganz eigenen Charme versprüht der Anblick der Bergkette, welche die 2000er-Grenze überschreitet, in Verbindung mit den imposanten Schluchten. Ebenso faszinierend sind die 18 Gletscherseen, die im Nationalpark Durmitor verteilt liegen. Der See Crno Jezero sticht dabei besonders hervor. Auf Deutsch lautet sein Name »Schwarzer See« und er verzaubert jeden Reisenden mit seinen überwältigenden Farben. Das Merkmal des Sees ist seine glatte Oberfläche, die völlige Ruhe aus strahlt und ihm den Beinamen »Augen des Berges« verliehen hat.

Die erste Unterkunft finden wir in einer der größten Städte im Norden - in Žabljak. Das Angebot an kostengünstigen privaten Feriendomizilen, Hotels und Pensionen ist riesig. Durchschnittlich zahlt man für eine einfach Unterkunft sage und schreibe nur etwa 5 Euro. In Vier-Sterne-Hotels liegen die Übernachtungspreise bei circa 80 Euro.

Jetzt geht es offroad in die Tara- Schlucht. Es begeistert mich sehr, wenn ich bereits auf wenigen Kilometern Schotter viele Höhenmeter hinter mir lassen kann. Dieses Schauspiel ist in der Tara-Schlucht oft anzutreffen. Meisterhaft, idyllisch und geheimnisvoll wirkt diese überwältigende und großflächige Schlucht auf mich. Sie zählt sicher zu einem der ursprünglichsten Flusstäler in Europa. Der Name Tara stammt vom gleichnamigen Fluss, der sich über 140 Kilometer erstreckt und sich seit vielen Jahrhunderten seinen Weg durch die Schlucht bahnt. Was besonders beeindruckend ist, ist der Blick an vielen Stellen hinauf zu den über 60 Meter hohen Wasserfällen. Nicht nur Motorradfahrer finden daran Gefallen. Viele Rafting-Fans kommen durch die zahlreichen Kaskaden und Stromschnellen im türkisblauen Flussbett voll auf ihre Kosten. Am unteren Ende der Tara ist der knapp 78 Kilometer lange Canyon mehr als 1300 Meter tief. Damit zählt sie zur längsten und tiefsten Schluchten Europas.

Eine Fahrt über die Đurđevića-Tara-Brücke ist besonders spektakulär. Majestätisch ragt dieses Bauwerk in einer grandiosen Landschaft aus dem Nichts heraus. Steht man erst einmal auf der Brücke, kann man 100 Meter tief nach unten blicken - Gänsehaut pur. Der schimmernde Fluss, das satte Grün der Wälder und die hügelige Landschaft versetzen den Besucher in das Bilderbuch eines Märchens. Auch das Klima ist hier optimal. Während es in den Gebirgszügen sommerlich warm ist, werden wir auf den Bergen von Durmitor mit angenehmen 20 Grad empfangen. Ideale Bedingungen also für einen Ausflug, um die Tara-Schlucht zu erkunden.

Mitten in Montenegro findet sich der Nationalpark Biogradska Gora, auf dessen Weg wir uns mit unseren Motorrädern gemacht haben. Unseren nächsten Stopp legen wir in der kleinen Stadt Kolašin ein, die im Winter wie im Sommer ein spannendes Ausflugziel bietet. Um jedoch diesen Ort zu erreichen, müssen wir den hohen Crkvine-Pass und eine der sogenannten »dangerous roads«, also eine gefährliche Straße, passieren. Einmal angekommen, erstreckt sich von hier aus ein wahres Paradies an Offroad-Trails, die allesamt mit dem Prädikat »anspruchsvoll« ausgezeichnet wurden. Was die Trails besonders macht, sind die teils enormen Steigungen von meist 25 Prozent, die einem bei lockerem und grobem Schotter alles abverlangen. Nicht selten denke ich: »Jetzt bloß nicht anhalten!« Die alte Offroad- Regel gilt auch hier: Wenn es schwierig wird, Gas geben. Wenn es noch schwieriger wird, noch mehr Gas geben …

An diesen Steigungen sollte der Gashahn jedenfalls offen bleiben und man sollte sie zügig passieren. Doch auch ich bleibe nicht verschont. An einer Stelle bleibe ich hängen und muss unter schwersten Bedingungen anfahren. Irgendwann endlich greift der Reifen, nachdem er sich durch den Schotter gegraben hat, und ich fahre weiter.

Mit einer gewaltigen Portion Adrenalin im Blut komme ich auf dem Berggipfel an und denke: »So, das war’s jetzt. Die Kupplung ist hinüber und die Motorleistung nicht mehr existent.« Und ich habe zwei linke Hände, kein technisches / mechanisches Verständnis, informiere also noch am selben Abend den ADAC. Dort bietet man mir an, dass am nächsten Tag ein Abschleppwagen kommt, um mein Motorrad nach Hause zu fahren. Die freundlichen Herrschaften sind jedenfalls der festen Überzeugung, dass mir in Montenegro keiner helfen könne und ich mein Motorrad in Deutschland reparieren lassen müsse.

Nach einer fast schlaflosen Nacht kommt mir am nächsten Morgen die Erleuchtung. Ich rufe einen befreundeten Mechaniker an, der tagtäglich an Motorrädern schraubt. Ich schildere ihm meine Situation. Er kennt meine Maschine, eine Afrika Twin, sehr gut und gibt mir den entscheidenden Tipp. Ich solle am Seilzug der Kupplung die Spannung der Schraube nachstellen. Gesagt, getan. Nachdem der Seilzug nachgespannt ist, schnurrt die Africa Twin mit ihren 95 PS wieder vor sich hin, als wäre nichts gewesen. Meine Weiterreise durch Montenegro ist gerettet und ich kann mich erneut aufs Mopped schwingen.

Wahrzeichen: serbisch-orthodoxe Kathedrale der Auferstehung Christi in Podgorica.


Löwe im Brustschild des Adlers: Die montenegrinische Flagge wird voller Stolz gehisst.


Mit einer gewaltigen Portion Adrenalin im Blut komme ich auf dem Berggipfel an. So, das war’s …


Abgelegen: Die alte Mercedes-Werkstatt in Vranjak ist nur über eine Schotterstraße mit engen Serpentinen erreichbar.


Nebenbei sei gesagt: Die gelben Engel vom ADAC haben mir dann noch, nachdem ich ihnen erzählt habe, dass ich das Problem zwischenzeitlich selbst lösen konnte, freundlich gelacht und mir noch eine gute Reise gewünscht.

Idyllisch liegen die Berge Bjelasica und Sinjajevina rund um Kolašin inmitten einer prachtvollen Landschaft. Im Nationalpark Biogradska Gora findet man noch heute einen der letzten Urwälder Europas. Eine Erkundung sollte also unbedingt auf dem Reiseplan stehen.

Für mich geht es zum nächsten Höhepunkt. Mitten im Herzen der Bergwelt Montenegros erhebt sich ein schneeweißes Gebäude aus den Felshängen. Es ist das Kloster Ostrog. Man kann sich kaum vorstellen, dass früher die Menschen barfuß den 900 Meter langen Weg hinauf auf sich nahmen. Heute gelangt man jedoch auch mit dem Motorrad auf einer knapp fünf Kilometer langen Serpentinenstraße zum Kloster.

Ostrog zählt inzwischen zu einem der bedeutungsvollsten Klöster der serbischorthodoxen Kirche, das von Pilgern aus aller Welt besucht wird. Dies nicht zuletzt, weil dort die Gebeine des serbischen Heiligen Vasilije Ostroški (Jovanović) aus dem 17. Jahrhundert aufbewahrt werden. Sie werden als Reliquien verehrt, denen zahlreiche Wunder nachgesagt werden. Das Kloster jedenfalls wirkt geradezu mystisch und beeindruckt mit seiner außergewöhnlichen Bauweise. Das in den Fels geschlagene Gebäude bietet es aufgrund der schwierigen Erreichbarkeit einen besonderen Schutz gegen Angriffe.

Nach diesem besonderen Erlebnis geht die Montenegro-Reise weiter. Wir befinden uns im Nordosten des kleinen Balkanstaates. Ein Abstecher nach Albanien klingt nach einem guten Plan. An dieser Stelle muss ich es einfach einmal sagen: Die EU ist schon etwas Tolles! Während wir problemlos durch alle Länder gelangt sind, stehen in Montenegro und Albanien Grenzkontrollen an, die in der Regel mit 30 Minuten Wartezeit verbunden sind. Hier werden dann auch gleich alle Papiere (Ausweis, Fahrzeugschein, ja sogar die Versicherungskarte) ganz genau geprüft.

Nachdem uns die Einfahrt gewährt wurde, erwartet uns sogleich ein Kurvenerlebnis der Extraklasse. Die Straße, auf der wir uns befinden, führt uns ins Kelmend und nach Han i Hotit. Auf dieser Straße, die landschaftlich wie auch fahrtechnisch punktet, fühlen sich vor allem Onroad-Fahrer wohl. Nach wenigen Kilometern eröffnet sich ein breites Hochtal. Es steigt am südlichen Ende abrupt 600 Meter vom Fluss Cem (Cijevna) steil empor. Die Aussicht hier oben kann man einfach nur als wahnsinnig bezeichnen - ein Genuss für die Sinne. Nach unten hin bewundern wir die Cem-Schlucht, die mit steilen Felswänden und der faszinierenden Bergwelt des Kelmend begeistert. Ein Felsplateau bietet beste Bedingungen, um den Blick in die Schlucht zu genießen. Die Straße, die in Serpentinen den Berg hinaufführt, wurden Ende der Sechzigerjahre gebaut und ist frisch asphaltiert. Sie erinnert mich stark an die Straßen des Stilfser Jochs. Das Schöne hier ist allerdings, dass wir die Straße quasi für uns allein haben - ohne viel Tourismus.

Inzwischen nähern wir uns Podgorica, der Hauptstadt Montenegros. Die Wahrzeichen der Stadt sind die Flüsse und Brücken. Die Millennium-Brücke führt über den Fluss Morača und die Steinbrücke über den Fluss Ribnica. Der im 17. Jahrhundert von den Osmanen erbaute Uhrturm prägt das Stadtbild. Zu den Highlights im Zeta- Skadar-Tal südlich der Stadt gehören Strände und Vogelarten wie der Krauskopfpelikan, aber auch mittelalterliche Klöster. Sie befinden sich im Nationalpark Skutarisee. Podgorica selbst empfinde ich als keine sehr schöne Hauptstadt - leider. Aus ihrer sozialistischen Vergangenheit haben sich zahlreiche ungepflegte Hochhäuser erhalten und prägen noch heute das karge Stadtbild.

Willkommen im kleinen Städtchen Virpazar - unserem nächsten Halt! Das nette Fischerdorf befindet sich am Skutarisee. Im Frühjahr, wenn der Wasserpegel steigt, verwandelt sich Virpazar zu einer kleinen Insel, die dann nur noch über drei alte Brücken zu erreichen ist.

Wir fahren auf befestigter Straße weiter zu der alten Stadt Stari Bar, die sich im Süden Montenegros befindet. Unterschiedliche Völker errichteten hier im Laufe der Zeit prächtige Bauten. Einst lebten dort bis zu 4000 Einwohner in prunkvollen Gebäuden. Jetzt gleicht Stari Bar einer Ruinenstadt und zählt zu den kulturhistorisch wertvollsten Städten in Montenegro.

Ein Zielgebiet für Wanderer, Naturliebhaber und leidenschaftlicher Offroader ist der Norden und Nordosten Montenegros. Fast schon touristisch hingegen ist der Süden, der sehr mediterran geprägt ist. Unser nächstes Ziel ist die berühmte Bucht von Kotor im Südwesten des Landes. Auf dem Weg dorthin passieren wir das Gebirgsdorf Njeguši. In diesem kleinen, aber feinen Örtchen mit wenigen Hundert Häusern stehen kulinarische Spezialitäten ganz weit oben auf der Liste. Bekannt ist Njeguši für seinen Schinken - da erwachen bei einem Schwarzwälder doch gleich die Heimatgefühle.

Nachdem wir uns mit einem leckeren Mittagessen gestärkt haben, erreichen wir die Bucht von Kotor. Ein Traumziel für Reisende. Sie wird auch gern der südlichste Fjord Europas genannt. Schroffe Steilhänge, die smaragdgrüne funkelnde Adria und idyllische Siedlungen machen den Reiz von Kotor aus. Dank ihres Bilderbuch- Panoramas zählt die Bucht zu einem der schönsten Flecken an der Adria-Küste. Große Kreuzfahrtschiffe und zahlreiche Touristen reisen jährlich hierher. Kein Wunder, dass seit dem Jahr 1979 die Buchten von Kotor und Risan zum Weltnaturerbe der UNESCO zählen.

Anspruchsvolles Terrain: Von Risan an der Bucht von Kotor führt eine alte Militärstraße bis auf die höchsten Berggipfel.


Stille Wasser sind tief: Der Bergsee Zabojsko Jezero liegt auf einer Höhe von 1474 m.


Im Frühjahr, wenn der Wasserpegel steigt, ist Virpazar eine Insel und nur über drei alte Brücken erreichbar


Zum Ende meiner Reise will ich nochmals Adrenalin ins Blut pumpen und begebe mich dafür ins Gelände. Eine alte Militärstraße führt mich bergauf zu unterschiedlichsten Gefechtsplätzen und Kasernen aus früheren Kriegen. Mit Blick auf die umliegenden Gipfel kann ich zerbombte Forts entdecken. Diese letzte Offroad-Tour bleib mir im Gedächtnis. Sehr oft bemerke ich, dass Wege, die wahrscheinlich im Winter einfach abbrechen, notdürftig geflickt werden. Es sind dann aber offizielle Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Bauernhöfen. Manchmal können diese monatelang nicht erreicht werden und sind von der Außenwelt abgeschnitten.

»Stilfser Joch« auf Albanisch, und das ohne Verkehr - bei Han i Hotit im Grenzgebiet zu Montenegro.


INFOS ONLINE Alle Kontaktdaten und vieles mehr finden Sie unter bit.ly/tflinks


Sie wird doch wohl halten …? Knarzende Holzbrücke in der Nähe von Mojkovac.


Mitunter können die Bauernhöfe monatelang nicht erreicht werden und sind abgeschnitten von der Außenwelt


Am Ende meiner Reise halte ich fest: Montenegro ist wild und lieblich zugleich. Für Offroad-Fahrer ist es ein echtes Eldorado von perfekten, teils auch richtig anspruchsvollen Trails und Pisten. Das Land bietet unzähligen Weit- und Ausblicke. Und nicht zuletzt hervorzuheben ist die Freundlichkeit der Montenegriner.

Beim Verlassen des kleinen, aber bemerkenswerten Mittelmeerstaats hauche ich leicht versonnen: Doviđenja (auf Wiedersehen) Montenegro! Vor mir liegen wieder ca. 1400 Kilometer heißer Asphalt, um in die Heimat zu gelangen. Und irgendwie fühlt sich diese Rückfahrt mindestens dreimal so lang an wie die Hinfahrt.

Allgemeines

Montenegro hat ca. 650.000 Einwohner. Die meisten Menschen leben in den Städten, dadurch ist es in den Bergen meist einsam. Das Leben ist sehr westlich geprägt - sogar mit dem Euro kann man bezahlen. In vielen Gegenden gibt es echte Armut und Luxus ist dort ein Fremdwort. Gleichzeitig verfügt das Land über einen großen Reichtum, und der heißt hier unendliche Gastfreundschaft und Menschlichkeit.

In den Städten herrscht ein reges Treiben. Die Leute sind hilfsbereit, sprechen teilweise Englisch, selten auch Deutsch. Montenegro besteht aus vielen verschiedenen Kulturen. Albaner, Kroaten, Serben und Bosnier leben in diesem kleinen Land. Beachtenswert ist, dass sich nur etwa die Hälfte der Einwohner als Montenegriner bezeichnen. Daher findet sich hier auch ein babylonisches Sprachgewirr, das durch verschiedene Religionszugehörigkeiten weiter verkompliziert wird.

Verkehr / Motorradfahren

Es gibt einige große Teerstraßen, oft aber finden sich ungeteerte Gebirgssträßchen. Von der Hauptstadt Podgorica aus wird zur Grenze nach Bosnien und Herzegowina zurzeit eine Autobahn gebaut. Das chinesische Generalunternehmen hat mehrere Tausend chinesische Bauarbeiter ins Land gebracht, um dieses prestigeträchtige Bauprojekt voranzutreiben.

Die Straßen Montenegros befinden sich eher in einem schlechten Zustand - ungünstig für die Onroad-Freunde unter den Motorradfahrern. Sehr häufig findet man Verbindungsstraßen, die man als maximal grob geschottert bezeichnen kann.
Der Verkehr in Montenegro ist nicht ohne. Die Pkws und Lkws sind überhaupt nicht auf Motorradfahrer eingestellt. Sehr häufig wird am Lenkrad telefoniert und die Fahrer der großen Blechbüchsen nehmen es mit der Spurtreue nicht so genau. Da wird schnell einmal die gesamte Fahrbahn ausgenutzt. Gefährlich also, wenn man dann als Mopedfahrer gerade um eine Kurve kommt. Daher gilt stets äußerste Wachsamkeit. In den Städten gibt es viel Verkehr, außerhalb wird es ruhiger, gar einsam.
Landschaftlich ist Montenegro eher schroff und karg. Im Landesinnern bietet sich Offroad-Fahrern eine beeindruckende Bergwelt. Ein Paradies für alle, die Schotter lieben.

Reisezeit

Aufgrund des mediterranen Klimas kann man acht Monate im Jahr Offroad-Touren fahren. Juni, Juli, August und September sind die besten Reisemonate, da in dieser Zeit die Berge eine schneefreie Wettergarantie bieten. Aber Vorsicht! In dieser Zeit steigt das Thermometer auch gern auf Temperaturen von über 40 Grad. Das Wetter kann sich gerade im Norden rasend schnell verändern. Nicht selten gibt es hier tagsüber Temperaturstürze von 15 bis 20 Grad in wenigen Stunden.

Unterkünfte

In den größeren Dörfern finden sich meist Hotels oder Gästehäuser; die Übernachtungspreise liegen je nach Kategorie bei 5 bis 80 Euro. Für die naturverbundeneren Motorradreisenden gibt es jede Menge schöner Campingplätze.

Essen und Trinken

Nicht nur landschaftlich, sondern auch kulinarisch bietet das kleine Land eine große Vielfalt. Die montenegrinische Küche ist vom Einfluss vieler Völker (Italiener, Österreicher, Serben, Türken, Ungarn) stark geprägt und eher mediterran. Es gibt sehr viel Fleischspezialitäten, die aber auch immer mit reichlich Gemüse und Salaten angeboten werden. Weiterhin variieren die Gerichte von Region zu Region. Während an der Küste viele Fischgerichte zu finden sind, ist die Küche im Landesinnern bzw. im Gebirge etwas rustikaler. Die Preise liegen deutlich unter deutschen Verhältnissen.

Eine Besonderheit in Montenegro ist das Kochen unter dem Sartsch. Man kann ihn sich als eine Art Metalldeckel vorstellen, der einer Glocke ähnelt. Mit dessen HIlfe wird sehr häufig Lamm zubereitet. Der Sartsch wird mit Asche und Glut bedeckt. Das Fleisch wird dann in der Halbkugel gegart und bleibt dadurch besonders saftig. Zahlreiche Restaurants haben diese traditionelle Kochmethode aus den ländlichen Gebieten übernommen.

Achtsamkeit ist bei der Verwendung von Leitungswasser und allen Speisen, die damit gewaschen worden, geboten. In vielen Ortschaften und Städten, vor allem an der Küste, fließt noch immer das sogenannte technische Wasser aus den Leitungen. Es ist kein Trinkwasser und verursacht bei den westlichen Touristen häufig heftige Magen-Darm-Probleme.