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REISE: Der schöne Süden der Toskana


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2018 vom 29.06.2018

Italiens beliebteste Urlaubsregion hat eine fast unberührte Seite. Das Val d’Orcia und die Maremma locken mit wilder Ursprünglichkeit


Artikelbild für den Artikel "REISE: Der schöne Süden der Toskana" aus der Ausgabe 27/2018 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 27/2018

HARMONIE
Typisch Toskana: Idyll aus Licht und sanften Hügeln


HEILBAD
In den bis zu 37 Grad warmen Schwefelquellen von Saturnia ließen es sich schon die alten Römer gut gehen


Zauberhaft in magisches Licht getaucht ist die berühmte Landschaft. Friedliche Stille inmitten von Hügeln, Zypressen und Olivenhainen. Kilometerweit erstrecken sich Felder und Weinberge, dazwischen Landsitze und Dörfer, die auf Hügeln thronen wie das entzückende Weinstädtchen Montalcino, aus dem der ...

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... berühmte rote Brunello stammt. Von hier aus blickt man weit übers Val d’Orcia. Das Tal zählt zum Unesco-Weltkulturerbe, denn es wurde in der Renaissance von Menschenhand als Ideallandschaft geschaffen und von berühmten Malern in Panoramen geehrt. Nebenan ließ Papst Pius seinen Geburtsort Pienza zur idealen Stadt umbauen. Die ganze Gegend atmet bis heute Kunst und Kultur.

Je weiter südlich man kommt in der Toskana, desto mehr prägt ursprüngliche Natur das Bild des Landes. In der Maremma, die bis zum Tyrrhenischen Meer reicht, lösen Pinien die Zypressenalleen ab, es mehren sich Kastanienwälder, Korkeichen und wilde Feigenbäume. Im Süden wird die Toskana ruhiger und geheimnisvoller.

Wie aus der Zeit gefallen

Verwunschen ist die Stimmung in den Tuffsteinstädten Pitigliano, Sorano und Sovana, die aus kühnen Felsen hochwachsen, auf denen sie sich aus dem dichten Grün erheben. In ihren engen Gassen scheint sich die Zeit verloren zu haben. Manche öffnen sich unvermittelt zu Plätzen, andere enden am Rand eines 300 Meter tiefen Abgrunds ins Nichts.

Es ist eine mystische Erfahrung, im geisterhaften Licht- und Schattenspiel durch einen der etruskischen Hohlwege zu wandern, die die Umgebung durchziehen. Die sogenannten Vie Cave führen fast alle zu archaischen Kultstätten, verbanden in vorchristlicher Zeit aber wie Handelswege auch viele Orte. Mehrere Meter tief sind sie in den Tuffstein gegraben, man läuft wie zwischen engen Mauern durch wilde Anemonen, Farne und Flechten. Danach öffnet sich wieder die Weite: Grandios ist etwa die Aussicht vom Tuffsteinplateau in Sorano auf Steineichenwälder und Felsen voller Grotten, die lange bewohnt waren.

MYSTISCH
Das Städtchen Sorano scheint aus den steilen Tuffsteinwänden


zu wachsen
DIE COWBOYS DER MAREMMA Die Butteri hüten die Rinder der Maremma und zeigen in Shows ihr Talent mit Lasso und Zügel


Keine Autostunde entfernt sprudeln heiße Quellen aus dem Tuffstein: Bei Saturnia genießen Badende das warme Thermalwasser, das ganzjährig 37 Grad erreicht. Vor 3000 Jahren entdeckten die Etrusker die Schwefelquellen und nutzten sie schon damals als Therapie bei Arthrose, Rheuma und Bronchitis. Die Römer schickten später verwundete Soldaten auf Kur oder badeten ihre Pferde. Am Fuß des Vulkankegels Monte Amiata liegt fernab des Massentourismus das kleine edle Thermalbad Bagni di San Filippo. Schon Medici-Fürst Lorenzo der Prächtige erholte sich hier. Am nahen Wildbach Fosso Bianco ist das warme Wasser frei zugänglich, ebenso in Petriolo, wo gerade Badeanlagen des 15. Jahrhunderts restauriert werden.

Es gibt in der Maremma Orte absoluter Stille. Etwa die Ruine der Abtei San Galgano, die vor allem bei Sommerkonzerten unter freiem Himmel große Magie verströmt. Oder die nahe Rotunde von Montesiepi, die man über einen kleinen beschatteten Fußweg erreicht: Unter ihrer Kuppel aus dem 12. Jahrhundert suchen spirituelle Menschen Erleuchtung. Abenteurer untersuchen ein uraltes, tief im Fels steckendes Schwert. War König Artus etwa hier? Nein, aber irische Mönche, die seine Geschichte in die Welt trugen.

Wildschwein und Salsiccia

Das bewaldete Hinterland der Toskana steht in reizvollem Kontrast zur romantischen Ideallandschaft. Es birgt dramatische Naturwunder: bizarre Karstlandschaften aus rotbrauner, grasloser Erde in den Colline Metallifere, den Hügeln des Toskanischen Erzgebirges. Kastanien- und Korkeichenwälder, in denen Wildschweine, Fasane und Stachelschweine leben. Im Bergstädtchen Montieri zeugen alte Silberminen vom früheren Reichtum der Region. Reich und hervorragend ist auch die Küche der Maremma, etwa im urigen „Ristorante da Motosega“ am Rand des Naturreservats: Pasta mit selbst gesammelten Pilzen, Wildschweingulasch mit viel Lorbeer oder Tarte von Wildspargel aus dem eigenen Wald. Nach dem Mahl empfängt einen draußen ein Sternenhimmel so klar, wie man ihn nur fern der großen Städte findet. Und im August ist Sternschnuppenzeit!

WEINKATHEDRALE
Die Cantina Antinori ist auch architektonisch sehenswert


FOTOS: S. 32-33: STEVANZZ/SHUTTERSTOCK (GR.), BORCHI/SCHAPOWALOW; S. 34-35: ZELEI/GETTY IMAGES, PAOLINI/LAIF, COZZI/HUBER IMAGES, ALAMY

Die Maremma lässt sich wunderbar mit dem Auto erkunden. Vorteil: Man kann unterwegs direkt beim Erzeuger Olivenöl und Wein einkaufen. Die kurvenreichen Landstraßen sind auch bei Radfahrern beliebt. Weniger Sportliche wählen Genusstouren zu Weingütern. Pferdefreunde erkunden die Gegend auf jahrhundertealten Reitpfaden wie der mehr als 200 Kilometer langen Via dei Cavalleggeri. Viele Ausflüge enden auf der romantischen, von Patrizierpalästen gesäumten Piazza Garibaldi in Massa Marittima, das seinen Glanz dem Erzbergbau verdankt. Hier kann man mit einer toskanischen Spezialität wieder Kräfte sammeln: Coniglio ripieno, mit Wurstbrät und Kartoffeln gefülltes Kaninchen.

Verfeinerte regionale Kost nur mit Zutaten aus der Region serviert der junge Koch Valentino in seinem Restaurant „Al Castello“ ganz oben an der Burg von Montemassi. Wer die beste Salsiccia sucht, sollte einen Abstecher ins 300-Seelen-Dorf Torniella machen: Von dort beliefert der kleine Familienbetrieb Mori selbst das englische Königshaus mit den pikanten Würsten, Wildschweinsalami und Schinken, der mehrere Monate an der frischen Luft der maremmanischen Hügel reifte.

ENDLOS
Kilometerlang säumen Pinien den Strand von Castiglione della Pescaia nach Marina di Grosseto


Die schönsten Strände

Doch die Luft war hier nicht immer so rein: Die Maremma-Ebene galt jahrhundertelang als malariaverseuchtes Sumpfgebiet. Ein Grund, weshalb viele Orte auf Hügeln liegen. Österreichs Leopold II., von 1765 bis 1790 auch Großherzog der Toskana, ließ die Gegend trockenlegen. Daran erinnert noch heute sein Denkmal auf dem großen Platz der Provinzhauptstadt Grosseto. Auch an der Küste hat die Maremma einiges zu bieten: Der Jachthafen im mondänen Punta Ala zieht den Jetset an. Der kilometerlange Naturstrand Alberese mit den bizarren Treibholzskulpturen alle, die wilde Ursprünglichkeit lieben. Und für Romantiker gehört der Sonnenuntergang am Golf von Baratti zu den schönsten der Welt.

Tipps für Ferien in der südlichen Toskana

ANREISE Direktflüge nach Pisa etwa von Köln/Bonn mit Eurowings ab 100 Euro hin und zurück, von Berlin mit Easyjet im Sommer ab 73 Euro.

INFOS Klassiker in neuer (18.!)Auflage: Reiseführer „Toscana“ von Michael Müller, Michael Müller Verlag, 784 Seiten, 26,90 Euro. Opulenter Bildband mit Rezepten und Geschichten: „Südtoskana“ von Emiko Davies, Hölker Verlag, 272 Seiten, 29,95 Euro.

TOURISMUSVERBAND Englischsprachige Seite des Tourismusverbands mit vielen Reisevorschlägen:visittuscany.com/en/

AUSFLÜGE Deutsche Führungen zu Sehenswürdigkeiten der Maremma, Rundgänge sowie naturkundliche Wanderungen:intomaremma.com