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REISE: FERIENREGION HOHE TAUERN: Ein Naturerlebnis der Superlative


Ratgeber Frau und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 27.03.2020

In Zeiten von Hitzesommern, Dauererreichbarkeit und Informationsüberflutung entdecken wir die Ruhe und Kraft im Nationalpark Hohe Tauern


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Bildquelle: Ratgeber Frau und Familie, Ausgabe 4/2020

Wer sich aufmacht in den Nationalpark Hohe Tauern, kann die positive Wirkung des Waldes in einer einzigartigen, unberührten Natur erleben. Als ältester Nationalpark Österreichs besteht er seit 1981 und erstreckt sich auf mehr als 1800 Quadratkilometern über drei Bundesländer: das Salzburger Land, Kärnten und Tirol. Dabei bildet er eine der schönsten Berglandschaften der Alpen, mit zahlreichen Dreitausendern, Bergseen und Gletschern. Das 30 Kilometer lange Salzburger ...

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... Raurisertal mit seinen fünf Seitentälern zählt zu den ursprünglichsten Hochtälern in den Alpen.

Einatmen, ausatmen - langsam und stetig

In der Gemeinde Uttendorf/Weißsee führt vom Enzingerboden im Talschluss gut versteckt ein schmaler Weg zum Aufstieg in diesen geheimnisvollen Urwald mit uralten Zirben. „Wer den Weg finden möchte, der findet ihn auch“, meint Stefan Altenberger, Nationalpark-Ranger und Bergführer aus Berufung, und setzt sich an die Spitze unserer kleinen Gruppe. Im steilen Gelände geht es rasch in die Höhe. Einatmen, ausatmen - langsam und stetig setzen wir Schritt vor Schritt und ich bin froh, hilfreiche Stöcke dabeizuhaben. Auf etwa 1 800 Meter Höhe angekommen, werden wir mit atemberaubenden Aussichten belohnt und stärken uns mit Kräuterkracherl, Brot, Speck und Käse aus der mitgebrachten Jausendose.

Der „Wiegenwald der Zirben“ im Nationalpark Hohe Tauern


Die Ferienregion begeistert mit Dreitausendern, Bergseen und Almen


Das Waldgeheimnis: Der kleine See füllt sich im Rhythmus der Natur


Hohe Gipfel, klare Luft und unberührte Natur


Ab hier wandern wir auf einem relativ eben verlaufenden Rundweg weiter und erfahren, dass der Wiegenwald seinen Namen einer mächtigen eiszeitlichen Moräne samt muldenartiger Hochfläche verdankt: Wie eine große Wiege schmiegt sich hier die Hochmoorlandschaft an die Flanken der fast 3000 Meter hohen „Hohen Fürleg“.

Bekanntschaft mit einer Überlebenskünstlerin

In die unberührte Moorlandschaft mit tiefschwarzen Tümpeln mischen sich nach und nach Lär- chen und Zirben und lassen den Wald geheimnisvoller erscheinen - ein „Urwald“ eben.

Auf dem Weg mit Nationalpark-Ranger Stefan Altenberger


Dass der Wiegenwald über die Jahrhunderte unangetastet blieb, obwohl Holz eine wichtige Ressource für die Salzgewinnung war, ist den Landesfürsten des Fürsterzbistum Salzburg selbst zu verdanken: Sie erkannten die Schönheit des Waldes und bestanden schon vor Hunderten von Jahren auf dessen Schutz. Wie um das zu bestärken, ertönt das heisere Krächzen des Tannenhähers, der im Wiegenwald beheimatet ist. Er lebt in einer engen Symbiose mit der Zirbe: Jahr für Jahr legt er einen Vorrat an Zirbennüssen an, um gut über den Winter zu kommen. Vergisst er ein Versteck, geht an dieser Stelle eine neue junge Zirbe auf. Bis zu 70 Zirbennüsse kann der schwarze Krähenvogel in seiner Kehltasche transportieren.
Als absolute Überlebenskünstlerin trotzt die „Königin der Alpen“, wie die Zirbe auch genannt wird, Extremtemperaturen von bis zu minus vierzig Grad und muss vier Jahrzehnte alt werden, um überhaupt erste Früchte zu tragen. Beeindruckt wandern wir an bis zu tausend Jahre alten Zirben vorüber, die damit zu den ältesten im gesamten Alpenraum zählen. Rau und von grober Struktur sind die Rinden der Baumriesen, viele von ihnen sind von den harten Wintern, dem rauen Klima und Blitzeinschlägen gezeichnet. Hier oben zeigt uns Stefan Altenberger auch Bartflechten, deren antibiotische Wirkung schon lange bekannt ist. Sie wachsen nur dort, wo die Luftqualität sehr gut ist.
Es sind nur wenige Menschen im Jahr, die in dieses Naturidyll vordringen und das soll ob des einzigartigen Fleckens Erde auch so bleiben. Die Wege hier sind nicht markiert und um den empfindlichen Naturraum nicht zu stören, sollten sich ortsunkundige Besucher nur in Begleitung eines Nationalpark-Rangers zu einer Wanderung aufmachen.

Am Goldwaschplatz Bodenhaus erklärt Theo, worauf es bei der Goldsuche ankommt


Toni Sommerer fertigt die traditionellen Pinzgauer Zäune


Von nachsinnigen Stecken

Bei Zimmermeister Toni Sommerer lernen wir am nächsten Tag die Tücken des Pinzgauer Dialekt kennen, als er uns in und vor einem alten Stadl in Wörth zeigt, wie ein original Pinzgauer Zaun aus Lärchen- und Fichtenholz entsteht. Mit seinem Wissen ist er der Einzige im Raurisertal, der den traditionellen Zaun in mühevoller Handarbeit herstellt. „Schräg“, „Hag“ und „Gitschn“ sind Bezeichnungen zur Bauart, was übrig bleibt ist ein „Schüpfa“ (Reste als Brennholz) - das geht gerade noch so. Wir lernen auch, dass ein Pinzgauer Zaun das „Grag“ (Kleinvieh) beisammenhalten soll und noch allerlei mehr.
Mit gutem Willen und hilfreichen einheimischen Übersetzern tasten wir uns an die Sache heran. Der Pinzgauer Zaun wird mit unglaublich viel Aufwand und Handarbeit hergestellt, vom Fällen der Bäume über den Transport bis zum händischen Spalten des Holzes und Errichten des Zaunes. Er kommt ganz ohne Nagel aus und ist dabei äußerst robust gegen Wind, Schneelasten und Tiere. Gut, dass er heute wieder sehr geschätzt wird. „Nachsinnig“ ist übrigens ein Holz, wenn es es sich von rechts nach links dreht, „widersinnig“ ist es im umgekehrten Fall, und was wir uns bei diesem unvergesslichen Besuch auf jeden Fall gemerkt haben, ist, dass man Pinzgauerisch eigentlich gar nicht falsch schreiben kann, weil man es nur spricht.

Bartgeier - die Könige der Lüfte

In Europa waren sie bereits ausgestorben, als man sich 1986 entschloss, die Bartgeier im Raurisertal wieder anzusiedeln. Die Tiere werden bis zu 1,25 Meter lang und haben bis 2,9 Meter Flügelspannweite, damit zählen sie zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Es bleibt ein unvergessliches Erlebnis, die majestätischen Tiere in ihrem Lebensraum zu erspähen. Die Chance darauf bietet sich im Krumltal. Dort sind Steinadler, Bart- und Gänsegeier in freier Wildbahn anzutreffen. Noch näher heran an Adler, Eulen und Falken kommt man an der Greifvogelwarte auf der Hochalm. Zu den spektakulären Flugvorführungen gelangt man ganz einfach mit den Rauriser Hochalmbahnen.

Wenn der Goldflitter in der Pfanne funkelt

Bis 1929 und über 1000 Jahre lang wurde einst in Kolm Saigurn, am Fuße des Hohen Sonnblicks, nach Tauerngold geschürft. Zur Blütezeit kamen zehn Prozent des weltweiten Goldvorkommens aus den Bergen zwischen dem Gasteiner- und dem Raurisertal. Dass laut Schätzungen heute noch rund 120 Tonnen Gold im Gestein lagern sollen, spornt kleine und große Schatz- sucher an, das Edelmetall unter fachkundiger Anleitung an zwei Goldwaschplätzen herauszufiltern.

Das Raurisertal ist ein Juwel, das sich das Gute und Echte bewahrt hat


Fotos: SalzburgerLand Tourismus, TVB Rauris/Florian Bachmeier, Papouschek

Die Goldgräberzeit hat im Tal Spuren hinterlassen: Ignaz Rojacher (1844-1891) war ein Pionier, der im Zuge des Goldabbaus nicht nur elektrisches Licht, Telefon und die ersten Skier ins Tal brachte, sondern auch das Wetterobservatorium auf dem 3106 Meter hohen Hohen Sonnblick begründete. Es ist Europas höchstes, ganzjährig betriebenes Observatorium. Ein weiteres Juwel des Nationalparks ist der „Rauriser Urwald“ am Fuße des Hohen Sonnblicksmit seinen über 80 dunklen Moortümpeln. 300 natürliche Quellen, 60 Brunnen und -tröge, Kneipp- und Wasserspielplätze gibt es im Raurisertal und fast überall wird man hier von Glucksen, Plätschern, Prasseln und Tosen begleitet. Wir machen uns auf zum „Rauriser Urquell“, das mit seinen vielen Quellen und Bächen zwischen zartem Moos und mächtigen Baumstämmen mystische Plätze bietet. Erwartungsvoll wandern wir Richtung „Waldgeheimnis“. Dahinter verbirgt sich ein kleiner Waldsee, der von einem Tag auf den anderen auf geheimnisvolle Art einfach verschwindet und wiederkommt. Wir haben Glück und machen bald am idyllischen blaugrünen See eine Pause, kühlen unsere Füße im klaren Wasser und sind längst überzeugt: Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Die Flugvorführungen der Greifvogelwarte muss man erlebt haben


Gurgeln und Plätschern - die Melodie des „Rauriser Urquell“

Gut zu wissen Der Wert des Waldes

Der Wald atmet ein, was wir ausatmen. Die Blätter der Bäume nehmen unser abgegebenes Kohlendioxid aus der Luft auf und verwandeln es mithilfe von Chlorophyll, Sonnenlicht und Wasser zu Zucker, der als Nährstoff für den Baum dient. Das Abfallprodukt dieses Prozess, der „Photosynthese“, ist der für uns überlebenswichtige Sauerstoff. Ein einziger großer Baum gibt während eines Jahres über 1.000 kg Sauerstoff ab - genug für 10 Menschen - und filtert eine Tonne Staub, Bakterien und Pilzsporen aus der Luft.

Wussten Sie, dass…

… in einem Quadratmeter Waldboden bis zu 200 Liter Wasser gespeichert sind und der Wald damit die Grund- und Trinkwasservorräte auffüllt? Der Waldboden filtert das Wasser so gut, dass es meist nicht mehr als Trinkwasser aufbereitet werden muss.
… der Körper im Wald vermehrt junge Immunzellen bildet und ältere aussondert? Nur eine Woche Bewegung im Wald und in den Bergen lässt die Entzündungsparameter im Blut absinken.
… die positiven Eigenschaften der Bäume auf die ganzheitliche Gesundheit des Menschen seit vielen Jahrhunderten bekannt sind? Ein Beispiel ist das Zirbenholz, das beruhigend, schlaffördernd und pulssenkend wirkt.

Infos:
Nationalpark Hohe Tauern: www.hohetauern.at, www.nationalpark.at Während der Sommermonate gibt es wöchentlich geführte Wanderungen, im Winter gibt es an einigen Terminen Schneeschuhwanderungen in den Wiegenwald: E-Mail: info@bergfuehrer-hohetauern.at

Hoteltipps im Raurisertal: Hotel Alpina, Rauris, www.hotel-alpina-rauris.at Apartpension Koch, Uttendorf, www.pension-koch.at