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REISE Sizilien: EUROPAS SÜDBALKON


Camper Vans - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 21.02.2020

Italiens größte und südlichste Insel ist genau das Richtige für Abenteurer: Wo sonst kann man so was noch machen? Eine ausgedehnte Tour entlang stiller Küsten und durch wild zerklüftete Bergregionen.


Artikelbild für den Artikel "REISE Sizilien: EUROPAS SÜDBALKON" aus der Ausgabe 2/2020 von Camper Vans. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Camper Vans, Ausgabe 2/2020

Werktags ein ruhiger Standplatz: das alte Fischerdorf Brucoli, mit Blick auf Catania und den Ätna.


An der Scala dei Turchi lockt eine tolle Wanderung entlang der Steilküste.

Mit ihrem bewährten, zum Campingbus umgerüsteten VW T5 Transporter sind Susanna und Andreas schon seit vielen Jahren unterwegs, immer wieder ganz im Süden, auf Italiens für sie interessantester Insel. Die Landmasse ist riesig, 25.426 ...

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... Quadratkilometer Fläche, das Terrain schiebt sich nah an den afrikanischen Kontinent heran. Der Südzipfel liegt sogar noch unterhalb des Breitengrades von Tunis und Algier. Den Weg von der heimischen Garage dorthin verkürzt die Genua-Fähre - diese bequeme Verbindung übers Meer holt das Ziel dann doch etwas näher heran.

Mit dem 3.350 Meter hohen Vulkan und den 1.152 Kilometern teils wilder, zerklüfteter Küste bietet Sizilien eine Mischung, die es in sich hat: Mediterrane Berglandschaft und afrikanisch anmutende Fels- und Sandformationen - oft steht man mit dem Campingbus allein am tiefblauen Meer. Aber auch die uralten, überaus geschäftigen Hafenstädte haben es in sich: Sie schaffen ein unverwechselbares Flair. Zumal die Landschaft im Frühjahr und Herbst von einer mit arabischer Anmut strahlenden Sonne beleuchtet wird.

Von Deutschland aus hinzukommen, ist kein Problem: Die 1.399,5 Kilometer zwischen Genua und Palermo legt man am besten mit der Fähre zurück, in 20 Stunden, sehr gemütlich und recht günstig (Genaueres siehe Infokasten).

Wir stehen an der Reling auf der Fähre, es ist Ende Mai, und wir genießen es, endlich warmen Wind im Gesicht zu spüren: Sizilien ist nahe! Das große Schiff rauscht durchs blaue Wasser nach Süden. Es ist später Nachmittag, die Sonne schickt Seitenlicht vom Westen, schon sehen wir am Horizont die zackigen Bergketten über Palermo und riechen den Duft der Kräuter, der von der blühenden Macchia herüberweht. Von den Griechen wurde die Insel Trinacria genannt, das Drei-Kap. Die Ecken dieser Landmasse bilden im Nordosten Torre Faro bei Messina, im Südosten das Capo Passero und ganz im Westen Trapani mit den vorgelagerten Inseln Favignana, Marettimo und Levanzo, den ägadischen Inseln. Die müsste man eigentlich vom Oberdeck aus jetzt ganz im Westen liegen sehen: Doch dort hat sich Dunst übers Wasser gelegt, und bald taucht die Fähre in den Schatten des gewaltigen Capo Gallo. Die Felsbarriere über uns versperrt jetzt den Blick auf den Sonnenuntergang. Pünktlich um 19.30 Uhr macht die Fähre unter dem Geschrei von Hunderten Möwen im Hafen fest.

Uns ist es jetzt zu spät, einen weiter entfernten Stellplatz zum Übernachten zu suchen: Also bietet sich an, im nahen Sferracavallo auf den bewährten Campingplatz degli Ulivi zu fahren und ein paar schöne Stunden am kleinen Hafen zu verbringen.

Am nächsten Morgen brechen wir zeitig in Richtung Westen auf, rollen gemächlich über die Autobahn, vorbei am Flughafen Punta Raisi, lassen die herrliche Hafenstadt Castellammare del Golfo rechts liegen und fahren über schmale Landstraßen nach Nordwesten, bis wir Scopello erreichen, eine kleine Siedlung am Rande des Zingaro-Nationalparks.

Das Gelände ist sicher ein Highlight für alle, die gut zu Fuß sind und einmal das Zusammenspiel von steilen, jetzt im Frühjahr von Blumen geschmückten Berghängen, stillen Badebuchten und duftender Macchia erleben wollen. Um in das Terrain mit den unzähligen Zwergpalmen zu kommen, muss man den Bus vor dem Eingang parken und ein paar Euro Eintritt zahlen. Der gesamte Küstenabschnitt bis nach San Vito lo Capo herüber ist nicht befahrbar und abgesperrt - gut so, so kann man die Natur an diesem Fleckchen in aller Ruhe, fern jedes Autoverkehrs und touristischen Dienstleistungsgewimmels genießen.

Oben: der kleine Hafen von Castellammare del Golfo, im Zingaro Nationalpark. Ein Stückchen weiter bei Monte Cofano kann in freier Landschaft gekocht werden.


Oben: Standplatz am Strand von Eraclea Minoa. Frischer Fisch ist immer nahe.


Wir stoppen hier diesmal nur kurz, springen an einer der schönen, zwischen Felsen versteckten Badebuchten ins verlockende Wasser und brechen dann auf zu unserem nördlich gelegenen nightspot, der Cala Santa Margherita bei Castelluzzo.

Das ist das richtige Intro, um eine Zusammenschau von allem zu erleben, was Sizilien zu bieten hat: Eine riesige, weite Bucht mit flachem Ufer, durchsetzt von kleinen Sandstränden, ausgedehntes, im Frühjahr von bunten Blumen übersätes, brachliegendes Wiesengelände. Nur wenige weiße Häuschen sind vom Ufer aus in der Ferne zu sehen. Der Blick schweift von den nördlichen Ausläufern des schroffen Küstengebirges über das Meer nach Westen, wo sich der markante Monte Cofano erhebt und wo, weiter draußen, flache Inselrücken über dem Wasser zu schweben scheinen. Wieder nimmt uns dieser Platz gefangen: Um uns herum nur der Wind, die Wolken, das flirrende Licht und das Rauschen des Meeres. Campervan-Traveller können das hautnah erleben und sich irgendwo an der weiten Baia einen einsamen Platz für die Nacht suchen. Sicher, im Hochsommer ist das nichts, kein Baum spendet Schatten, aber jetzt im Frühling sind die wenigen Camper, die sich hier einfinden, auf die Sonne ganz versessen. Ein guter Platz, um länger zu verweilen und alles auszunutzen, was es hier an Sportmöglichkeit gibt: Klar, Schwimmen zuerst, aber man kann auch prima Mountainbiken, Wandern, Klettern oder Windsurfen - und später in der Saison zieht die Besatzung einer kleinen Tauchstation in ihr jetzt verlassenes, vom Sand verblasenes Domizil direkt am Wasser.


»Oft steht man mit seinem Campingbus allein am tiefblauen Tyrrhenischen Meer. Aber auch die uralten, überaus geschäftigen Hafenstädte haben es in sich«


Unser nächstes Ziel liegt an der Südküste. Unterwegs dorthin machen wir Halt in Selinunt: Gelegenheit zur Besichtigung der wunderbaren Tempelanlage, gebaut aus gelblichem, hübsch verwittertem Stein. Das Ensemble liegt eingebettet in einem Meer aus wehendem Gras und blühenden Büschen, alles friedlich ausgebreitet über dem tiefblauen Wasser des Mittelmeers. Zum richtigen Zeitpunkt kann man dem Ansturm der vielen Besucher entgehen, in der Früh oder am späten Abend eine lange Wanderung durch die Hügel bis hinunter an den Strand unternehmen und sich in Anbetracht der antiken Bauwerke vorstellen, wie die Menschen an dieser Stätte uralter Zivilisation einst gelebt haben.

Wir allerdings kennen das schon, machen heute nur kurz Halt im benachbarten, hübschen kleinen Hafen von Marinella, trinken einen Espresso und fahren an der tollen Hafenstadt Sciacca vorbei zu unserem nächsten Ziel: Eraclea Minoa. Das ist eine weitere, ganz eigentümliche, markante Küstenfor- mation aus strahlend weißen, etwa 50 Meter hohen Felsen. Sie erheben sich kilometerweit über Sandstränden und wilden, zu Fuß gut erwanderbaren Buchten. Kein Hotel und keine Siedlung stört dieses Ambiente, nur der Campingplatz Minoa Village und ein paar flache Häuschen verstecken sich unter Pinien und Eukalyptusbäumen.

Frühling an der Cala Santa Margherita bei Castelluzzo: Klettern, Kultur und Ausspannen, direkt am Meer.

Hier findet jeder einen guten Platz für den Campervan: Entweder komfortabel im Minoa Village direkt am Strand oder etwas weiter im Süden, wo es auch einige freie Standplätze an der Küste gibt. Wir holpern durchs Dörfchen über eine kurze Piste und steuern den heute ganz einsamen, wilden nightspot an, baden ausgiebig und verbringen eine laue Nacht am rauschenden Wasser.

Der nächste Tag gehört der nahen, spektakulären Scala dei Turchi: Um den doch recht zahlreichen Touristen aus dem Weg zu gehen, die vom südlich gelegenen Porto Empedocle auf die Gips-Treppen überm türkisblauen Meer klettern, parken wir den Bus weiter nördlich am Lido Rosello und wandern von dort aus über den menschenleeren Strand zu den schneeweißen Klippen.

Von hier sind es nur noch wenige Kilometer bis Agrigent, wo, wer noch nicht hier war, ein weiteres Highlight antiker Kultur Siziliens besichtigen wird: das antike Tal mit dem gut erhaltenen, weithin sichtbaren Concordia-Tempel.

Dass der Platz in den Hügeln der Großstadt liegt, muss der Sache keinen Abbruch tun: Früh morgens und am späten Nachmittag lässt der Besuch der schweigenden Zeugnisse uralter Baukunst eine entspannte Atmosphäre aufkommen. Wir wollen jetzt zur geografisch gegenüberliegenden Seite Siziliens herüberwechseln, vom Südwesten in den Osten fahren und einen gänzlich anders anmutenden Teil der Insel in Augenschein nehmen: die Region unter dem alles beherrschenden Ätna. Dazu nimmt man am besten die SS 640 über Caltanissetta Richtung Enna und biegt dort auf die A 19 nach Catania ab.

Die Schnellstraße wird gerade zur Autobahn ausgebaut, meist geht es flott voran und am Fenster vorbei zieht eine weite, sehr abwechslungsreiche Hügellandschaft.

Catania: Die obligatorische Stadtbesichtigung der großen, alten Hafenstadt unterm mächtigen Vulkan lässt sich für Campervan-Reisende recht einfach gestalten: Man nächtigt auf dem Camping Jonio, der liegt im östlichen Stadtteil Ognina: sehr gut mit dem Bus ans Zentrum angebunden, die Linie wird bis spät in die Nacht bedient.

Wir kennen die schwarze Stadt mit ihrer strengen Atmosphäre bereits, wollen uns aber auch diesmal das spektakuläre Treiben der Händler und ihre Verkaufsrituale auf dem wirklich alten Fischmarkt nicht eingehen lassen. Früh am Morgen sind wir auf den Beinen. Und tatsächlich, die Nacht war wohl gut für das Fischen, denn ab 7 Uhr bringen die Helfer Massen an Meeresgetier zu den Tischen auf dem schwarzen, glänzenden Basaltpflaster.

Oben: der Ätna über der Bucht von Syrakus. Rechts: die historische Hafenstadt Catania am Fuße des Vulkans.


Abendblick von Cesaro. Der Ätna im Hintergrund begleitet einen die gesamte Tour über.

Hier, mitten im Chaos von Tischen, Wasserbottichen und Sonnenschirmen, bieten die Arbeiter der Meere Hunderte Sorten von glänzendem, über Eis drapierten Fischen an: Als hätte die hohe See alles Leben mit einer großen Welle auf diesen Platz gespült! Immer wieder erstaunlich ist diese Vielfalt: Sie lässt das Wissen um den Niedergang der Fischbestände im Mittelmeer wie ein haltloses Gerücht erscheinen.

Am nächsten Morgen fahren wir steil bergauf nach Norden, die Straße windet sich über die Dächer Catanias, bis der gewaltige Ätna über uns auftaucht: Hier im kleinen Dorf Nicolosi, wo die Gassen und viele Mauern aus schwarzem Basalt in der Sonne glänzen, kann man auf dem örtlichen Campingplatz Station machen. Wir aber rollen weiter hinauf, quer durch die mächtigen Zungen von Lava, die der Vulkan in den vergangenen Jahren immer wieder bis hier herunter geschickt hat.

Auf den Gipfel zu gehen, lohnt sich, allerdings treibt es uns diesmal nicht hinauf. Der Ehrgeiz, den Fuß auf den Rand des 3400 Meter hohen Kraterrandes zu setzen, ist bei uns doch ein bisschen abgeklungen: Hatten wir doch schon zweimal in den zurückliegenden Jahren das Vergnügen einer Besteigung. Diesmal wollen wir uns mit einer Mountainbike-Tour durch die wunderschöne, westliche Kraterlandschaft begnügen. Um zu unserem nächsten nightspot zu gelangen, schlängeln wir uns entlang der westlichen Hänge, auf der kleinen Strada Milia bis Adrano.


»Der Stellplatz bei Bronte ist ein perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen durch die wunderschöne Vegetation zwischen den Lavafeldern«


Wir rollen von dort auf breiterer Straße nach Bronte und biegen dann in die Basalt gepflasterte, steile, einspurige Via John Kennedy ein. Jetzt geht es durch herrliche Wiesen und wild wuchernde Blumenfelder hoch hinauf zum Ätna. Wir fahren zum genialen Standplatz am meist leer stehenden Rifugio Piano dei Grilli und parken den Bus ganz einsam an diesem spektakulären Aussichtspunkt. (siehe Titelbild 'On the Road', rechte Seite).

Das Refugio ist ein perfekter Ausgangspunkt für einsame Wanderungen durch die wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Vegetation zwischen den Lavafeldern: Es gibt Zwergeichen- und Birkenwälder, üppigsten Ginster und immer wieder rote und orangefarbene Blumenflecken in den Frühlingswiesen zu bestaunen.

Beim Abstieg wirft das späte Licht eine unwirkliche Atmosphäre über die Landschaft: Jetzt taucht die untergehende Sonne den Vulkan zu unseren Köpfen in pastellfarbenes Licht. Wir werden ganz still in dieser Einsamkeit, schauen lange hinauf zum Krater, der eine rötliche Wolke in den tiefblauen Abendhimmel schickt. Wieder unten angekommen, entzünden wir ein Feuer im gemauerten Außengrill des Stellplatzes, braten Salsicce mit Kräutern und freuen uns, wieder am Ätna zu sein.

Frische Sepien und viel Ruhe. In Sizilien spielt sich alles draußen und am Wasser ab.


Mehr Tipps und spannende Routen in „On the Road, Sizilien mit dem Campervan“ von Andreas Fischer, Bruckmann Verlag, ISNBN 978-3-7343- 1275-5, 19,90 Euro.


INFOS SIZILIEN

ÜBERBLICK: An Natur hat Sizilien Unübertreffliches zu bieten, es ist viel weniger bebaut als Spanien, Südfrankreich oder Norditalien, offeriert noch einsame, endlose Strände, Sand- und Steilküste, tolles Wasser, wilde Berge, Vulkane und bestes Klima. Zwar gehört die Insel zu Italiens abgehängtem Süden. Das heißt, die Infrastruktur bröckelt, Straßen, Brücken, Wasserversorgung und Müllbeseitigung haben schon bessere Tage gesehen. Trotzdem ist Sizilien für Campervan-Reisende ein nahezu ideales Terrain. Denn die Bewohner sind ausnehmend freundlich gegenüber Besuchern aus dem europäischen Norden. Sie können bestens improvisieren, helfen Fremden gern und betrachten die Strände und die wilde Natur nicht als exklusives, nationales Eigentum. Viele ältere Leute sprechen ein bisschen Deutsch, weil sie früher in Stuttgart oder Wolfsburg gearbeitet haben. Oft wird man eingeladen, die Nacht auf der Wiese, vor dem Strandhaus oder im kleinen Hafen zu verbringen. Es ist fast überall ganz leicht, sich ein schönes, einsames Plätzchen für die Nacht zu suchen: Wer an der Küste einem Anwohner, Fischer oder vorbei fahrenden Bauern bedeutet - das geht auch mit Händen und Füßen - hier mit dem Camper eine Nacht verweilen zu wollen, stößt stets auf Verständnis. Noch gibt es wenige Verbotsschilder und wer mit dem Van keine Grundstücksausfahrt blockiert, bliebt ungestört. Meist sind die Einheimischen eher stolz auf das Interesse an ihrer schönen Umgebung, als dass sie die heimische Natur dem Fremden vorenthalten wollten.

Zu alledem ist das Land rundum gemütlich: Denn die Bewohner lieben es selber sehr, an den besten Plätzen in einer kleinen Bar aufs Meer oder in die Berge schauen zu können. Überall gibt es tolle Märkte zum Einkaufen, gemütliche Cafés und Trattorien locken zum Verweilen.

Den schlechten Ruf des Landes, ein gefährlicher Hort des Verbrechens und der Mafia zu sein, können Campervan-Traveller getrost im Hintergrund verschwinden lassen. Für harmlose Urlauber interessieren sich die Paten nicht. Einzig in der Umgebung der großen Städte, um Palermo und Catania herum ist etwas Vorsicht geboten: Hier empfiehlt es sich, die Nacht auf einem Campingplatz zu verbringen.

LITERATUR: Das von Autor Andreas Fischer verfasste Buch „On the Road, Sizilien mit dem Campervan“ (siehe nebenstehenden Kasten) beschreibt eine Reise durch Sizilien in acht Etappen. Im Vordergrund stehen freie Standplätze am Meer und im Gebirge, ausgewiesen mit GPS-Daten. So haben auch Reisende mit wenig Zeit die Chance, wunderschöne Ecken zu erkunden, die man in keinem Wohnmobil- oder Reiseführer findet. Das Buch beschreibt auch einige besonders attraktive Agriturismi (Bauernhöfe, auf denen man essen und über Nacht stehen kann) sowie tolle Campingplätze. Ansonsten findet man an der Küste mit jedem Navi eine Unzahl von offiziellen Wohnmobil-Standplätzen.

ANREISE: Ideal ist es, mit der Fähre von Genua nach Palermo überzusetzen. Im Angebot sind zwei Linien: GNV und Grimaldi-Lines. Preis für 2 Personen mit einem Campingbus und Kabine, im Mai/ Juni etwa 400 Euro hin und zurück. Start nachts um 23.00, Ankunft am nächsten Tag um 19.00 Uhr.

REISEZEIT: Entweder im Frühjahr (April bis Ende Juni) oder im Spätsommer ist das Klima ideal.

HANDY: Die Netzabdeckung ist überall gut. WLAN gibt es in vielen Bars und Restaurants.

Sferracavallo

Vom Campingplatz Camping degli Ulivi (www.campingdegliulivi. com) gibt es gute Busverbindungen ins nahegelegene Palermo, die Hauptstadt Siziliens.

N 38°11'53.3“ E 13°16'50.4“

San Vito Lo Capo

Hier sind die Stellplätze, zum Beispiel Cala Mancia, über eine ziemlich raue Piste erreichbar. Ein Allrad-Antrieb ist allerdings nicht unbedingt erforderlich.

N 38° 10'34.3“ E 12°43'01.6

Standplätze in Eraclea Minoa

Am Campingplatz Eraclea Minoa Village (www. eracleaminoavillage.it) steht man direkt am Strand unter Pinien. Ein paar Hundert Meter in Richtung Osten gibt es freie Stellplätze, die ebenfalls direkt am Wasser gelegen sind.

N 37°44'45.0“ E 14°52'16.6“ bzw. N 37°23'24.0“ E 13°17'35.2“

Freier Stellplatz unter dem Ätna, bei Bronte

Ein toller freier Standplatz bei Bronte, unter dem Ätna: (Titelbild, siehe rechts) beim Rifugio Piano dei Grilli, außerdem Ausgangspunkt für tolle Wanderungen.

N 37°44'45.0“ E 14°52'16.6“